Es war einmal ... der Blinkschalter

Paul Krüger
15.09.2022

Der Blinkerhebel eines Rochdale Olympic

Natürlich könnte man jetzt wieder über die Häufigkeit der Fahrtrichtungsanzeige von Fahrern deutscher Premium-Dienstwagen lästern. Aber darum soll es hier ausnahmsweise einmal nicht gehen. Wobei – vielleicht doch. Denn heute ist der Blinker auf seiner standardisierten Position links der Lenksäule eigentlich viel leichter zu finden und damit theoretisch auch einfacher zu betätigen als vor 60 Jahren. Damals hatte jeder Autohersteller noch seine ganz eigenen Vorstellungen.

Das Cockpit eines Triumph TR3

Bei Triumph TR3 und Austin-Healey 100 wuchs zum Beispiel ein kleiner Dorn nördlich aus der Lenkradnabe, der zum Richtungssignal entweder nach links oder nach rechts geschoben wurde. Ebenfalls im Lenkrad, allerdings deutlich eleganter, verstecke Mercedes-Benz bis Mitte der Fünfziger die Betätigung des Blinkers. Hier kam dem verchromten Hupring durch Links- oder Rechtsdrehung diese zweite Aufgabe zu, weshalb die Stuttgarter denn auch konsequent vom multifunktionalen "Signalring" sprachen.

Das Cockpit eines Mercedes-Benz 190 SL

Auch in anderen englischen Roadster wie MGA und Morgan Plus 4 musste zum Blinken die Hand vom Lenkrad genommen werden. Allerdings wurde sie hier nicht nach innen, sondern nach aussen geführt, weil ein Knebel auf dem Armaturenbrett in Abbiegerichtung verdreht werden wollte. Die Franzosen aktivierten den Fahrtrichtungsanzeiger hingegen schon früh über einen Hebel an der Lenksäule, allerdings war man sich bezüglich der Seite noch nicht so einig. Während Citroën von Anfang an Herz für Linkshänder hatte, wurde in Renault- und Peugeot-Modellen zunächst mit rechts geblinkt.

Das Cockpit eines MGA De Luxe

Im Laufe der Sechziger etablierte sich dann langsam die noch heute gängige Variante mit dem Kippschalter, der links aus der Lenksäule wächst und der heute gerne fälschlicherweise als "Lenkstockhebel" bezeichnet wird. Bei rechtsgelenkten Fahrzeugen sitzt er an entsprechend gespiegelter Position rechts des Lenkrads. Keine Regel ohne Ausnahme: wird ein Auto auch auf dem europäischen Festland nur mit Rechtslenkung angeboten, wird trotzdem mit der linken Hand geblinkt. Wohl damit sich die europäische Kundschaft nicht vollends umgewöhnen muss.

Das Cockpit eines Renault 4L Parisienne

Seinem Ruf gerecht werdend hielt Citroën am längsten an der Andersartigkeit fest. Im CX wurde bis zum Schluss mit einer Wippe auf dem "Bediensatelliten" die Abbiegeabsicht angezeigt, weshalb sich Citroën-Blinker erst ab Anfang der Neunziger konsequent selbst zurückstellten. Im Opel Rekord schnappte der Hebel bereits 1958 wieder selbsttätig in die Ausgangsposition zurück – zu einer Zeit, in der das populärste Auto in Deutschland noch nicht blinkte, sondern winkte.

Das Cockpit eines Citroën CX

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