Angebot eines Partners

Werden Oldtimer zu modern? Zu normal?

Bruno von Rotz
09.06.2021

Mercedes-Benz R129 (© Daniel Reinhard)

Im Jahr 2021 werden bereits Autos mit Jahrgang 1991 zum Oldtimer, erhalten gegebenenfalls ein H-Kennzeichen oder in der Schweiz eine Veteranenzulassung. Ein Alfa Romeo 164 gehört genauso dazu wie ein Audi Cabriolet (2.3 E), ein BMW 325i (E30), ein Honda Legend oder ein Mercedes-Benz 500 SL (R129). Elektrische Fensterheber, oftmals Automatikgetriebe, Servolenkungen und weitere Annehmlichkeiten sind oft an Bord.

Aber sind diese Autos das, was wir erwarten, wenn wir aus Nostalgie und Freude an der Auseinandersetzung mit der Technik fahren wollen wie damals? Wenn wir die Abwechslung zum heutigen Automobil suchen, machen dann diese fast ebenso modernen Fahrzeuge wirklich genügend Spass?

Wer damit auch im Alltag glücklich sein will und sie wie jedes andere Auto auch für tägliche Fahrten und Besorgungen einsetzen möchte, der schätzt diese Fahrzeuge sicher, aber wer jedes Schaltmanöver sorgsam planen/einleiten und durchführen will, jede Kurve geniessen möchte und vor allem an der Andersartigkeit seine Freude hat, der wählt dann vielleicht doch eher ein älteres und in vielen Teilen primitiveres oder einfacheres Autos, das einem die Technik noch näher bringt und dessen kleine Schwächen und Besonderheiten dann halt genau für die einmalige Erfahrung sorgen, die das Fahren dieser Wagen bereitet.

Gottseidank gibt es unterschiedliche Gründe und Anforderungen, die uns Oldtimerfahrer dazu bewegen, ein bestimmtes Auto zu kaufen. Sonst würden wir ja alle denselben Klassiker wählen und er würde unbezahlbar …

Angebote unserer Partner
von pl******
09.06.2021 (09:18)
Antworten
Es ist immer begrüßenswert, wenn ein Automobil 30 Jahre lange gepflegt wurde und dann zu Recht als "Kulturgut" eingestuft wird. Ich befürchte allerdings, dass durch die exponentielle Zunahme von "modernen" Autos in den kommenden Jahren, der Gesamteindruck des Oldtimer Bestandes zu seinen Ungunsten verwässert wird. Irgendwann werden die 90er Jahre Autos gegenüber den älteren Semestern in der absoluten Mehrzahl sein.

Fährt man heute mit einem Brezel-Käfer, einer SL Pagode oder einem MGB durch die Innenstadt, wird jeder Passant (und hoffentlich auch jeder Politiker) diesen Sonderstatus mit dem H-Kennzeichen goutieren. Fahren zukünftig Golf II, Mercedes 190E und Opel Omega mit H-Kennzeichen durch die Städte, könnte diese wohlwollende Meinung kippen.
Antwort von ha******
09.06.2021 (11:20)
... diese Einschätzung bestätigt meine andere Einlassung zu dem Artikel. Allerdings finde ich sie in den Beispielen etwas zu kurz gegriffen bzw. "von-oben-herab": ich habe seit längerem kein früheres Allerweltsauto wie den besagten Omega (womöglich noch als Kombi) mehr gesehen.... von Nischen-Fahrzeugen der 90er wie Hyundai Pony, Kia Clarus oder XM mal ganz abgesehen... nach einem Scirocco schaue ich mich auch um. Mittlerweile auch nach einem alten Civic oder Niva..... jedes Gefährt hat seine Geschichte und es wird seinen Grund haben, warum es nach 30+ noch da ist. Bunt ist das Autoleben! :-)
von al******
09.06.2021 (09:44)
Antworten
kommt wohl immer auf den eigenen jahrgang an. ein golf 2 ist nun mal für einen 25-jährigen ein "ur"-altes auto. so wird im laufe der zeit wohl alles relativiert.
Antwort von ha******
09.06.2021 (10:44)
... die Autos "heute -35" halten einfach zu lange.... :-)
Und genau das wird wohl (zumindest in D) dazu führen, daß das H-Kennzeichen mglw. von früher +25 über aktuelle +30 auf evtl. +40 hochgestuft wird. Aber in meiner Einschätzung ist das egal: auf die lächerliche Kfz-Steuererleichterung per H-Kennzeichen spekuliert vmtl. ohnehin kein Old- oder Youngtimerfan....
Ich denke eher, daß die seit Anfang der 90er immer mehr verbreitete Elektronik (Steuergeräte, etc.) den Youngtimern den wirtschaftlichen Rest gibt. "Das Blech" wird's nicht mehr sein, was diese Autos in die Presse schickt...
von a9******
10.06.2021 (13:17)
Antworten
Ich besitze einen Alfa Romeo Spider von 1987, ein Auto, das technisch schon ein Oldtimer war, als es gebaut wurde. Im Alltag fahre ich einen Citroën Xantia. Die Baureihe gab es seit 1993, Xantias werden also auch in Kürze mit einem H-Kennzeichen fahren. Zwischen diesen beiden Autos liegen Lichtjahre. Der Alfa hoppelt mit seiner Starrachse über jede Straßenunebenheit, hat keine Servolenkung, keine elektrischen Fensterheber, nichts. Dafür den heiser röhrenden Alfa-Motor mit zwei Doppelvergasern. Das ist Autofahren wie in den 60er Jahren. Der Xantia unterscheidet sich dagegen beim Fahren nicht großartig von aktuellen Autos (außer natürlich durch die geniale Hydropneumatik). Es fällt schwer, darin einen Oldtimer zu erkennen. Aber ging das nicht vorherigen Generationen genauso? Von einem Vorkriegs-Alfa war mein Spider, als er gebaut wurde, ebenfalls Lichtjahre entfernt. Der Reiz der Oldtimer liegt ja gerade darin, die technische Entwicklung des Automobils zu konservieren. Insofern, meine ich, haben H-Kennzeichen auch an Neunzigerjahreautos ihre Berechtigung. Es ist ein wenig wie mit dem Denkmalschutz. In Hamburg stehen mittlerweile auch Bauten aus den 50er Jahren und Schutz, weil sie für ihre Epoche stehen. Dabei denken die meisten Menschen beim Begriff Kulturdenkmal eher an alte Kirchen, Schlösser und historische Innenstädte.
von 9c******
10.06.2021 (21:35)
Antworten
Autos der 80er/90er haben absolut eine Berechtigung in das Leben eines Oldtimer zu wechseln!
Zum einen braucht unser Hobby Nachwuchs. Und es ist normal, das man sich an Autos erinnert, an denen man sich als Kind die Nase platt gedrückt hat.
Ich liebe meine BMW E30 seit Jahren, und habe diverse von billigen Occasionen zu unterdessen veteranen-geprüften Liebhaber-Autos gepflegt / restauriert. Ich mag meinen Triumph aus den späten Siebziger, ich liebe meinen 2002 aus den Siebziger.
Vorkriegsauto jedoch lösen bei mir keine Emotionen aus. Warum.......diese Autos habe ich nicht erlebt, als sich das Interesse für Fahrzeuge entwickelt hat.
PS:
Wer meint ein Auto aus den 70-90er Jahre sei leicht in die heutige Zeit zu bringen gewesen, der täuscht sich. Auch die hatten 30-40 Jahre Zeit zu rosten und einfach zu verbrauchen.
von jw******
15.06.2021 (09:37)
Antworten
Servolenkung, Fensterheber, Automatikgetriebe ja sogar Klimaanlagen gibt es in amerikanischen Klassikern seit den 50er Jahren. Ein Peugeot 205 GTI von 1991 dagegen bietet pures Autofahren ohne zu viele Hilfen. Komfort ist also nicht der Maßstab, Klassiker wird man durch Begehrtheit auch nach 20 oder 30 Jahren.
von ka******
22.06.2021 (09:18)
Antworten
Nach 30 Jahren sind diese mechanisch komplexen Fahrzeuge in der Schweiz offiziell berechtigt als Veteran herum zu kutschieren.
AAABBBEEERRR! 100'000 Gummi- Kunststoffteile und Elektro- Elektronikmodule ersetzen und das alle 15 Jahre.
Es ist Fragwürdig ob sich in Zukunft genug Enthusiasten finden werden die sich damit die Zeit vertreiben und das Bankkonto belasten wollen.
Ein 50-70er Auto Preisniveau wird daher dieser Auto-Generation höchst­wahr­schein­lich vorbehalten bleiben.
Der Aspekt das die fossilen Brennstoffe knapper und teurer werden gibt diesen elektronischen Plastikbombern auch kein Enthusiasten Bonus.
Ihr Vorteil besteht nur darin das sie noch nicht voll komputerisiert wie Ihre Nachkömmlinge sind.
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
Angebot eines Partners
Angebot eines Partners

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 2,5 Millionen Seitenaufrufen pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...
Oha! Kostenlos Texte und Fotos sehen?
Einfach hier anmelden:
Neu hier?
1x kostenlos registrieren und dauerhaft Inhalte freischalten!