Die Sache mit den Teppichen

Bruno von Rotz
19.11.2020

Alfa Romeo Giulietta Spider von 1958 (© Bernard Canonne - Courtesy RM/Sotheby's)

Ein “Ort”, wo bei Restaurierungen gerne gesündigt wird, ist beim der Ausstaffierung des Interieurs. Gar so mancher Klassiker erhält zum Beispiel einen Teppichbesatz, wo ursprünglich gar keiner war. Nun könnte man natürlich sagen, dass dies, genauso wie die Aussenfarbe, Geschmacksache und dem Besitzer überlassen sein darf. Dies stimmt natürlich, aber irgendwann kommt dieses Auto wieder auf den Markt und wird dann mit der Bezeichnung “komplett original” beschrieben.

In den Fünfziger- und auch Sechzigerjahren (und davor sowieso) gab es aber viele Autohersteller, die Gummibelägen wegen ihrer abwaschbaren und robusten Natur gegenüber einer Rundumausstattung mit Teppichen den Vorzug gaben, auch Kostenargumente dürften damals eine Rolle gespielt haben. Bei der Restaurierung ist es dann aber genau umgekehrt. Originale Gummi-Ausstattungen sind kaum mehr zu finden, während Teppich als Meterwaren in den unterschiedlichsten Qualitäten und Farben angeboten wird.

Alfa Romeo Giulietta Spider von 1960 am Genfer Autosalon

Der abgebildete Alfa Romeo Spider ist ein hübsches Beispiel dafür. Original gab’s vergleichsweise wenig Teppich im Fussraum des offenen Alfas. Hübsch sieht natürlich auch die erneuerte Version oben aus, aber “komplett original” ist sie halt vermutlich nicht.

Beim Restaurieren helfen Werks- und Ausstellungsfotos von damals genauso dabei, den ursprünglichen Ausrüstungsumfang eines Autos festzustellen, wie Verkaufsprospekte aus der Zeit. Darum geben wir uns ja auch soviel Mühe, diese Aufnahmen und Verkaufsunterlagen zu digitalisieren und zu archivieren, wie auch das schwarzweisse Foto des Giulietta Spiders vom Genfer Autosalon 1960.

von pi******
19.11.2020 (16:24)
Antworten
Gerade wenn der Oldi nicht nur zum Ausstellen, sondern auch zum Fahren benutzt wird, macht es natürlich Freude, wenn statt Gummimatten schöne Teppiche und zum Schutz vor Verschleiss z.B. schöne Sitzüberzüge nachgerüstet sind. Dies sind ja keine Änderungen, welche das Fahrzeug irreversibel verändern und können bei Bedarf jederzeit ohne Spuren zu hinterlassen zurück gebaut werden. Zudem wurden solche Verschönerungen gerade bei Brot und Butterautos oft bereits zeitgenössisch vorgenommen.
von pe******
19.11.2020 (12:07)
Antworten
Obwohl ich grundsätzlich Ihrer Meinung bin, ist es doch nicht so einfach wie beschrieben. Insbesondere Ausstellungsfotos beinhalten mitunter Details, die an oder in Serienfahrzeugen gar nicht vorhanden waren. Beispielsweise existieren Fotos von Wartburg 311 und 313 auf dem Stand des AWE zur Leipziger Messe, die die Fahrzeuge mit Weißwandreifen zeigen. Heute weiß man, es waren keine echten, sondern gemogelte Weißwände, weil entweder Ringe aus dem VEB Reifenwerk Riesa oder in Westdeutschland besorgte weiße Farbe. Auch wurden Weißwandreifen in der damaligen DDR weder hergestellt noch als Ersatz verkauft. Vergleichbare Mogelpackungen wird es auch von anderen Herstellern in anderen Ländern gegeben haben. Also bitte Vorsicht im Umgang mit solchen scheinbaren Beweismitteln.
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