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Classic Expo Salzburg

Wertverlust bei Neuwagen einst und heute - ein Paradoxon?

Bruno von Rotz - 06.10.2019

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Gebrauchtwagenhandel in den Achtzigerjahren (© AMS)

Da sagt man doch, dass die Autos in den letzten 40 Jahren deutlich besser geworden seien. Dies müsste sich doch eigentlich auch in einem besseren Werterhalt zeigen. Tut es aber nicht. Im Gegenteil!

Gerade kürzlich publizierte Eurotax (via die NZZ) Listen der wertbeständigsten Personenwagen im Jahr 2019. In der Kategorie “City” kommt der Dacia Sandero nach drei Jahren auf etwa 65,3 % Wiederverkaufswert, der Ford Fiesta noch etwa auf 51,1 %, der VW Up auf 49,9 %.
Bei den Geschäftswagen schnitt der Skoda Octavia mit 54,2 % am besten ab, auf dem 10. Platz landete der BMW 3-er mit 42,5 %.
Und die allseits beliebten SUV, die schnitten tatsächlich etwas besser ab. Ein Dacia Duster ist nach drei Jahren für etwa 66,7 % vom Neuwert zu haben, ein Mercedes-Benz GLE landet bei etwa 56,6 %.

Blättern wir fast 40 Jahre zurück, denn damals publizierte die ADAC Motorwelt eine ähnliche Analyse.

Wertverlust 1980 (© ADAC Motorwelt)

Auch damals schnitten die werthaltigsten Autos im Umfeld von 50 bis 60 % ab. Allerdings nahm der ADAC damals einen Betrachtungshorizont von vier und nicht drei Jahren. Einem Opel Kadett L oder VW Golf Diesel gestand man 1980 nach vier Jahren Gebrauchsdauer und 60’000 km Laufleistung also immer noch 59 Prozent des Neupreises zu! Ein Mercedes-Benz 230 brachte nach vier Jahren und 84’000 km immer noch 57 %, ein BMW 320 nach vier Jahren und 72’000 km noch 52 %. Selbst der für seine Rostfreundlichkeit bekannte Alfasud 1,5 von 1976 war 1980 mit 60’000 km auf dem Tacho noch 42 % des Neupreises wert.

Die höhere Produktionsqualität, die besseren Materialien und das ausgereiftere Engineering der Neuzeit führen also nicht zum erwarteten höheren Werterhalt. Dies erstaunt, denn tatsächlich halten moderne Autos dem Alltagsbetrieb im Grundsatz sicherlich deutlich länger stand. Rost ist viel weniger ein Thema als 1976 oder 1980 und auch die Technik hält länger. Was allerdings deutlich teurer geworden ist, sind die Reparaturen. Ist die Garantie ausgelaufen, können schon einfachere Malheure schnell Rechnungen auslösen, die den Restwert des Wagens übersteigen. Dies wiederum dürfte sich auf die Gebrauchtwagenpreise direkt auswirken. Auch die ständig strenger werdenden Abgasnormen und ihre Auswirkungen auf die freie Fahrt in Städten und Kommunen dürften einen Einfluss haben.

Aber vielleicht wissen unsere Leser noch andere Gründe für dieses scheinbare Paradoxon?

Neueste Kommentare

 
 
da******:
08.10.2019 (10:36)
Paradox kann ich das nicht finden. Wenn man über das Angebot/Nachfrage-Prinzip bei einem Blick auf eine durchschnittliche Stadtautobahn (oder beim KBA auf die 61 Mio. PW in D) nachdenkt, könnte man sogar eher noch zum Scluss kommen, dass das erst der Anfang ist.
Cr******:
08.10.2019 (09:44)
Dass im Segment «84000 km» Mercedes-Benz dominiert wundert mich wenig: Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, in denen man auf eines der Brot+Butter-Modelle der Marke ein halbes Jahr und mehr Wartezeit hatte !
Selbstverständlich wirkte sich dies auch auf den MB-Gebrauchtwagenmarkt aus.

Ein zweiter Aspekt mag noch sein, dass damals die Autos nicht so häufig auf Kredit gekauft wurden wie heute. Die Hersteller hatten noch keine eigenen Banken, die die Wertschöpfungskette künstlich verlängern. Rabatte waren demzufolge nicht zweistellig. Man folgte der Deviese «Leiste was! - Dann spare was! - Dann hast du was!» Also in DIESER Reihenfolge ! Wer auf Kredit kaufte, war in den Augen des Händlers eher kein A-Kunde...
Das interessiert die Generation-Z in Zeiten der Minus-Zins-Politik der EZB natürlich nicht mehr...
Stattdessen werden heuer höhere Rabatte auf den Listenpreis gewährt, wenn man den Wagen auf Kredit der firmeneigen Hausbank erwirbt, als wenn man ihn bar bezahlen möchte. Wer womöglich mit 500-EUR-Scheinen ankommt muß ja ein Terrorist oder Steuerhinterzieher sein, denn so stands ja (fast) in der Zeitung. Eine verkehrte Welt...
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