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Diesel damals - Vorglühen 40 Sekunden

Bruno von Rotz - 04.10.2019

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Mercedes-Benz 170D von 1950

Für Leute, die im neuen Jahrtausend begonnen haben Auto zu fahren, ist der Diesel im Personenwagen eine Selbstverständlichkeit. Das war allerdings nicht immer so. Wir vergessen schnell, dass man vor 30 oder 40 Jahren noch oft an den LKW-Tanksäulen Dieseltreibstoff nachfüllen musste. Oder dass einen jeder zweite Passant davor warnen wollte, Diesel in den schönen VW Golf oder Baby-Mercedes-Benz zu schütten.

Wer allerdings Ende der Vierzigerjahre zum Dieselmotor im Auto griff, der war schon fast ein Exote. Dabei waren die Diesel-Aggregate damals fast auf der Höhe ihrer Benziner-Alternativen, wenn es um Leistung und Drehmoment ging. Beim Verbrauch hatten sie sogar deutlich die Nase vorne.

Die Automobil Revue testete im Jahr 1950 den Mercedes-Benz 170 D und belegte genau diese Vorteile. Weil aber damals ein Dieselmotor im Personenwagen noch etwas Besonderes war, liess man es nicht bei Messungen bewenden, sondern erklärte die Eigenheiten des Diesels auf insgesamt drei grossen Zeitungsseiten. Ein Punkt dabei war die “Startfreudigkeit”:
“Durch die Verwendung leistungsfähiger Glühspiralen in den Vorkammern sowie die Verbesserung der Gemischbildung an und für sich zeigt der Motor eine bedeutende Startfreudigkeit. Das Vorwärmen erfolgt durch Andrücken des Glühanlaßschalters aus seiner Nullstellung nach rechts und dauert eher weniger lang, als es der Hersteller vorschreibt. Bei einer Aussentemperatur von 0° C sprang der Motor bei einem Versuch schon nach 25 und nicht erst nach 40 Sekunden (Vorschrift) an, und die betriebswarme Maschine startete wiederholt ohne Vorglühen. Eine erfreuliche Eigenschaft des Dieselmotors ist seine rasche Fahrbereitschaft; nach den ersten Motorumdrehungen kann, ja soll weggefahren werden, wobei man natürlich bis zum Erreichen einer normalen Kühlwassertemperatur nicht Vollgas gibt. Das Aussetzen und Rückschlagen des kalten Benzinmotors kennt man beim Dieselmotor nicht; für Fahrzeughalter, die auf sofortiges Wegfahren reflektieren müssen, eignet sich der Dieselmotor besonders gut. Für den Start der völlig kalten Maschine im Winter ist am Luftfilter eine kleine Öffnung zum Einspritzen einer Dosis Benzin vorgesehen, die aber nie verwendet werden musste, obwohl der Versuchswagen einige Male während Frostnächten im Freien stehen gelassen wurde.”

Was hier lobend erwähnt ist, würde im 21. Jahrhundert (und auch zuvor) kein Käufer mehr akzeptieren. Das “Vorglühen” kennt man nur noch aus alten Büchern (und Zeitschriften), moderne Diesel springen sofort an und sie benötigen auch kein manuelles Einspritzen von Benzin. Sparsam sind die Dieselautos allerdings bis heute geblieben, doch hat das weniger mit der überragenden Motorentechnik als mit dem Treibstoff zu  tun. Und hierzu erinnern wir uns an Ingenieur Michael May (den man vom Ford Capri May Turbo kennt), der seine Meinung 1980 in Auto Motor und Sport kundtat:
“Autos mit Dieselmotoren sollten in dichtbesiedelten Gebieten nur in begrenzter Stückzahl verkehren. Sie belasten die Umwelt in unerträglichem Maß mit Feststoff-Emissionen — Ruß und dergleichen. Außerdem hat der Ottomotor den besseren Gesamtwirkungsgrad. Er erreicht bei gleichem Rohöleinsatz mehr Kilometer pro Tonne Erdöl.
Solange wir Erdöl in der Heizung verbrennen, besteht überhaupt kein Anlaß an Dieselmotoren zu denken — schon gar nicht in der Hubraumklasse unter 1600 cm3.
Benzin, das sollte man nicht vergessen, ist ein Abfallprodukt bei der Mineralöl-Verarbeitung. Es muß Konsumenten dafür geben.”

Ja, seither ist einiges passiert, aber nicht alles war falsch, was man damals dachte und schrieb.

Zur Benzin-Variante des Mercedes-Benz 170 V haben wir übrigens gerade einen umfangreichen Fahrbericht publiziert.

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