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In Erinnerung an den Autoenthusiasten Bernd Wieland

Thomas Wirth mit Freunden und Kollegen - 12.06.2019

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Bernd Wieland (© Reinhard Schade)

Bernd Wieland (5. Mai 1960 – 3. Juni 2019) ist tot. Der langjährige Chefredakteur von Auto Bild sowie der Oldtimermagazine Auto Bild Klassik und Motor Klassik starb im Alter von 59 Jahren in seiner Heimatstadt Stuttgart. Die Nachricht traf seine Freunde, Kollegen und viele Vertreter der Oldtimerszene völlig unvorbereitet.

Die Branche kannte ihn seit über zwei Jahrzehnten als herzlichen und charismatischen Menschen. Und als einen, der sich für Autos aller Preis- und Größenklassen begeistern konnte, solange sie eine Eigenschaft besaßen, mit der sie Gefühle wecken konnten. Oft und gerne zitierte er den großen Fritz B. Busch: “Fahrfreude empfinde ich, sobald ich ein Lenkrad in der Hand halte.”

Bernd Wieland fühlte sich auf dem Concours d‘Élégance von Pebble Beach ebenso wohl wie beim Bratwurstgrillen auf dem Oldtimermarkt vom Bockhorn. Und ebenso gelassen wie dort erlebten ihn seine Kollegen als Chef und Blattmacher – zuverlässig und charmant, auch wenn es um harte Themen ging und um unterschiedliche Meinungen. Bernd Wieland steuerte, doch er sah nie seine Position im Machtzentrum als Selbstzweck, sondern suchte immer die Nähe zu den Menschen, die um ihn waren. Er interessierte sich für sie, wusste von ihnen mindestens so viel, wie er von Autos wusste. So sehr er Profi war, so sehr er Inhalt und Qualität auf der Spur war, zählte für ihn stets das Gegenüber. Niemand musste ein Stromlinien-Typ sein, um seine Achtung zu erfahren. Viel wichtiger war, dass er zu seiner Sache stand und sie verstand. Schaumschläger hat Bernd Wieland schnell entlarvt, und nicht wenige haben ihn, den Künstlertyp mit dem weichen schwäbischen Akzent, dem spitzbübischen Lachen und seinem Lockenkopf, grandios unterschätzt. Wenn er das bemerkt hatte, bat er zum Vier-Augen-Gespräch in sein Chefzimmer. Nie wurde es laut. Aber manch einer kam beschämt und mit hochrotem Kopf heraus.

Bernd Wieland war einer, der die Methode des „Management by Love“ perfektioniert hatte. Mit einem Lächeln, mit Herzlichkeit und Schulterklopfen motivierte er zu Leistung – und vergaß nie einen Dank und ein Lob, wenn es angebracht schien. Wo er war, war die Tonlage angenehm wie anspruchsvoll. Zynische Schärfe oder Management-Plattitüden waren ihm zuwider.

Die brauchte er auch nicht, um Erfolg zu haben. Elf Jahre verantwortete er als Chefredakteur das wöchentliche Magazin Auto Bild, trimmte das Blatt in schwierigen Zeiten auf Aktualität und Tiefe und führte es mit Gespür in Richtung Zukunft. 2007 hatte er den Titel Auto Bild Klassik an den Start gebracht. Die Idee dazu hatte es bei Springer schon lange gegeben, doch erst der neue Auto-Bild-Chef Wieland konnte den Konzern von der respektablen Größe der Marktnische überzeugen. Das vierte deutsche Oldtimer-Magazin war sofort ein Erfolg, die Verkaufszahlen lagen teilweise bei über 120’000 Heften im Monat. Sein Herz schlug stets für Oldtimer, für italienische ganz besonders. Er verehrte die großen Designer, besonders die der Häuser Pininfarina, Bertone und Zagato, aber besaß auch zwei klassische Tatra, erkannte schon als Erstbesitzer das ikonische Potenzial des Renault Avantime und besaß neben allen Exoten einen Mercedes-Benz 190 E.

Seine journalistische Karriere hatte er mit einem Doppel-Diplom – Betriebswirtschaft und Journalismus – bei der Motorpresse in Stuttgart begonnen. Zu seinen Lieblingsanekdoten gehörte die Erzählung vom Jungredakteur Wieland, der es wagte, ein Manuskript des großen Autoliteraten Fritz B. Busch zu redigieren, was der gar nicht lustig fand – später wurden sie Freunde. Ab 1996 war er geschäftsführender Redakteur von auto motor und sport und führte damals mit einem punktgenauen Relaunch das kränkelnde Magazin Motor Klassik zu stetig steigenden Auflagen. Ab 1999 übernahm er die Chefredaktion von Motor Klassik und brachte den neuen Titel Youngtimer auf den Weg – er ließ sich, wie stets, von der Begeisterung an Neuem anzünden und glaubte fest an das weitere Wachsen der Szene. Den Bedenkenträgern schenkte er mit bewährter Freundlichkeit sein Ohr, entschied sich dann aber gerne unkonventionell und durchaus mutig für ein Machen. 2004 stieg er in der Hierarchie von auto motor und sport zum stellvertretenden Chefredakteur auf.

Die Stationen einer eindrucksvollen Karriere erfuhren 2017 einen Schlussstrich. Die Wege von Bernd Wieland und AUTO BILD trennten sich, auch wenn er zunächst “Chefredakteur Neue Formate“ und Berater des Hauses in Hamburg blieb. Doch der Konzern mit seiner hierarchischen Führungskultur und der autobegeisterte Freigeist fanden keinen Kurs mehr, auf den sie sich einigen konnten. Bernd Wieland arbeitete anschließend frei, als Journalist und Consultant. Der Szene blieb er eng verbunden.

Sein früher Tod erschüttert. Vieles hatte er noch vor, er traf sich mit Kollegen und spannte Ideen auf, vieles wollte er noch sagen und schreiben, so viele Autos noch fahren.

Bernd Wieland 2018 im PS.Speicher

Mit ihm verliert die Oldtimerszene einen treuen Freund, einen, der nicht die gängigen Statussymbole liebte, sondern das Leben mit seinen Genüssen – und die Autos, ob Vorkriegs-Bugatti oder Tesla, die ihn unstillbar faszinierten. Er war ein Mensch, der stets mit dem Herzen gesehen hat, auch jene um ihn herum, die das selbst nicht konnten oder wollten. Er wusste, dass er auf der richtigen Seite stand, obwohl ihn das zunehmend Kraft kostete. Nur wenige ahnten, wie viel es war.

Sehr vielen wird er fehlen.

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Neueste Kommentare

 
 
ka******:
18.06.2019 (17:51)
In AUTOBILD #24 vom 13.06.2019 stehen ganz vorne einige Gedanken von Tom Drechsler zum Tod von Bernd Wieland.
Man kann Menschen ansehen aber hineinschauen können wir nicht.
Es ist einfach traurig!
jo******:
18.06.2019 (08:28)
Unfassbar! Ich kann mich noch gut an Bernd Wielands Kolumne in der Motor Klassik-Frühzeit erinnern. Einfach genial! Es fällt mir schwer zu glauben, dass er nun nicht mehr unter uns weilt.
Mein herzliches Beileid an Angehörige und Freunde!
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