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Bonhams

Wiedersehen nach 38 Jahren - eine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte

Daniel Reinhard - 24.12.2018

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Jody Scheckter inmitten seiner Rennwagensammlung (© Daniel Reinhard)

1973 war ich gerade einmal 13 Jahre alt und natürlich schwer geprägt von meinem Vater, also bereits ein grosser Motorsport-Fan. Wie eine Bombe schlug es daher in mein Leben ein, als war mein grosses Idol Jo Siffert am 24. Oktober 1971 in Brands-Hatch tödlich verunglückte. Immerhin hatte ich das ganz grosse Glück, ihn, natürlich auch dank meines Vaters, persönlich gekannt zu haben. Aber nach dem tragischen Unfall stand ich sozusagen ohne Fahrer da, der mich persönlich,  als Pilot und Rennfahrer mehr faszinierte als alle anderen.

Dann kam der GP Frankreich 1973 in Le Castellet, bei dem ein kompletter Newcomer in seinem erst dritten F1-Rennen als Zweiter ins Rennen startete und dieses sogar gewonnen hätte, wäre da nicht Emerson Fittipaldi im Weg gestanden. Es kam zur Kollision mit dem amtierenden Weltmeister aus Brasilien. Nur ein Rennen später in Silverstone kam es dann zur grössten Massenkollision in der Geschichte der Formel 1. Wieder spielte derselbe weisse McLaren die Hauptrolle. Er drehte sich an vierter Stelle liegend am Ende der ersten Runde in der Woodcote Kurve, knallte dann in die Boxenmauer und eliminierte dabei praktisch fast das komplette nachfolgende Feld.

Aber wer sass denn da in diesem McLaren? Wer war denn da so derartig sauschnell unterwegs und zeigte mit erst vier GP-Starts nicht den geringsten Respekt vor all den gestandenen Männer der Branche?

Der Wahnsinnige schaute aus wie ein knuddeliger Teddybär, hatte den wohlklingenden Namen Jody Scheckter und war gebürtiger Südafrikaner. Sein F1-Einstand begeisterte mich und schon wurde ich zu seinem vermutlich grössten Fan. Er freute sich immer wahnsinnig über die mitgebrachte Schokolade, die ich ihm bei den Rennen, bei denen ich mit meinem Vater live vor Ort war, schenkte.

Moped mit Sachs-Motor im Wolf-WR1-Look (© Daniel Reinhard)

Mein Moped liess ich 1977 in den Farben des Wolf WR1 lackieren und meine Begeisterung für den sechsrädrigen Tyrrell (1976) war astronomisch.

Auch als Ferrari-Mann und schliesslich als Weltmeister (1979) liess er mich nie unbeachtet und ich konnte selbst die gemeinsame Freundschaft mit Gilles Villeneuve mit ihm teilen. Es war eine grossartige Zeit.
Nach seiner grossartigen Rennfahrerkarriere Ende 1980 verschwand Jody physisch praktisch aus meinem Leben, einzig die schönen Erinnerungen blieben bis heute erhalten.

Vor wenigen Wochen schrieb ich eine Email an ihn, mit dem Wunsch ihm einen Besuch auf seiner Farm in England abzustatten. Keine zwei Stunden später kam schon die Antwort mit der Bestätigung.

Jody Scheckter (© Daniel Reinhard)

Nur wenige Tage später sassen wir uns nach rund 38 Jahren in seinem Büro bei einem Kaffee gegenüber. Er erzählte ganz offen und ehrlich über sein Leben nach der F1. Mit der Entwicklung eines professionellen Schiess-Simulators und dessen Verkauf an die US-Navy hatte er sehr, sehr viel Geld verdient. Damit kaufte er sich die riesige "Laverstoke Park Farm" in Südengland und begann unzählige Bio-Produkte, von Fleisch über Käse und Joghurt bis hin zu Wein und Bier, so ziemlich alles eigentlich, herzustellen. Rund 120 seiner Produkte füllten zeitweise die Regale in den heimischen Märkten.

Mit seinen 68 Jahren ist er noch immer sehr schnell unterwegs und hat sich dafür auch eine hauseigene kleine Rennstrecke auf seinem Gelände angelegt. Büffel und Schafe kennen das schwarze AMG-Mercedes T-Modell bereits und bleiben auf Distanz, was die zahlreichen Fasane aber noch ausgiebig lernen müssen um zu überleben.

Jody Scheckter im AMG-Mercedes (© Daniel Reinhard)

Neben seinem grosszügigen Wohnhaus, liegt sein Museum, in dem inzwischen die meisten seiner damaligen Renngeräte Platz genommen haben. Die beiden McLaren M19 und M23, die beiden Tyrrell 007 und das Project 34, sowie der Wolf WR1 und sein Ferrari 312 T3, mit dem er schliesslich Weltmeister wurde, stehen da neben diversen F3 und F2 Monoposti.

Seine neueste Errungenschaft ist der CanAm-Porsche 917 10T den er 1973 fuhr. Er hatte das Glück zwei revolutionäre Rennwagen zu fahren. Zum einen war es der sechsrädrige Tyrrell von Derek Gardner, die bestimmt verrückteste Konstruktion der F1. Zum anderen der komplett neue Wolf WR1 von Harvey Postlethwaite, womit Jody auch gleich den ersten GP in Argentinien für das junge F1-Team gewinnen konnte und am Ende der Saison den Vizemeistertitel holte, nachdem er bis zum Schluss um die Krone kämpfte.

Jody Scheckter im Wolf WR1 in Dijon 1977 nach einem Reifenschaden (© Josef Reinhard)

Auf dem historisch wertvollen Foto sieht man mich 1977 beim GP von Frankreich in Dijon direkt am Auto von Scheckter, der mit einem Reifenschaden aufgeben musste. Heute würde man schon beim Gedanken, die Strecke während des Rennens zu betreten, gesteinigt und gefoltert.

Es gibt nur wenige Rennfahrer, die nach ihrer Rennfahrerkarriere ein zweites erfolgreiches Leben aufbauen konnten. Neben Niki Lauda, Nelson Piquet und Gerhard Berger gehört ganz sicher auch Jody Scheckter in diese Gruppe.

Jody Scheckter vor einer Collage mit Bildern eines seiner Spendenanlässe (© Daniel Reinhard)

Er ist kein Egoist und seine soziale Ader bringt jährlich eine Million Pfund in die Kasse bedürftiger Kinder in England. Denn einmal im Jahr werden Tür und Tor seiner Farm für rund 30`000 Fans, vorwiegend Kinder, geöffnet und diesen wird ein grosses Showprogramm dargeboten. An diesem Tag fährt er auch mit einigen seiner Rennwagen über den kleinen Rundkurs, natürlich ganz zur Freude aller Anwesenden.

Ja, für mich war es schon sehr emotional von meinem grossen Jugendidol auf dessen Farm richtig zügig rumchauffiert zu werden, seine jetzige Umgebung kennenzulernen und dabei über die gute alte Zeit zu plaudern.

Er liebt den Nürburgring, denn es gibt für ihn keine bessere Rennstrecke auf der Welt. Den Sechsrad-Tyrrell findet er heute viel besser als zu seiner aktiven Zeit. Er habe das Auto unterschätzt und er ist sich sicher, dass nur die Abhängigkeit vom Reifenhersteller Good Year den Wagen an noch besseren Resultaten hinderte. Mit Gilles Villeneuve verband ihn eine ganz enge Freundschaft, Enzo Ferrari hingegen sagte beim ersten Zusammentreffen nach seinem WM-Titel gerade einmal drei Worte: "Buon Giorno Campione”. Und schon war alles wieder beim alten.

Ich aber bin tief beeindruckt von all dem, was Jody aus seinem Leben gemacht hat und dass er dabei seinen alten grossen Fan nicht vergessen hat.

Jody Scheckters Handschuhe (© Daniel Reinhard)

Seine Handschuhe, womit er den GP Monaco 1977 gewonnen hat, liegen bereits seit 41 Jahren in meiner Vitrine, aber deren Stellenwert hat sich nun noch einmal stark gesteigert.

Neueste Kommentare

 
 
co******:
31.12.2018 (11:58)
Mi levo il capello....was Ferrari seinen Fahrern wohl nie gesagt hätte.
Schöne Geschichte.
Cadinental:
31.12.2018 (10:01)
Coole Geschichte, danke. Ich war damals ein Riesenfan von Mario Andretti, auch er später ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Aber persönlich lernte ich ihn nie kennen.....
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