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Wer ist schneller? Audi RS7 gegen Auto Union Typ D - Sohn gegen Vater

Miran Alisic / Daniel Reinhard - 03.10.2018

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Auto Union Typ C (© Daniel Reinhard)

Bruck und Fusch sind Orte auf der nördlichen Seite der Alpen, wo die berühmte Grossglockner Alpenstrasse seinen Anfang nimmt. Sie endet an der Südalpenseite in Heiligenblut, im österreichischen Kärnten. Sie ist fast 50 km lang.

Da vor allem die Geschichte vom legendären Bergrennen und dem grossartigen Sieg von Hans Stuck im Jahr 1938 mit seinem Auto Union interessiert, wird vor allem vom nördlichen Teil der Strasse gesprochen. Anhand zahlreicher archäologischer Funde weiss man heute, dass es hier bereits in der Antike einen Grenzpass gab.

In den vergangenen Jahrhunderten hat das Gebiet seine Bedeutung als wichtige Transitroute verloren. Der Hauptverkehrsadern haben sich auf die benachbarten Pässe Brenner und Tauern verlagert. Während die Idee einer touristischen Strasse schon aus Zeiten der Monarchie stammt, setzte der Kärntner Politiker Franz Wallack 1924 einen anderen Schwerpunkt der neuen Strasse: Durch den Vertrag von St. Germain aus dem Jahr 1919 musste Österreich das Südtirol an Italien abtreten und verlor damit auch den Brennerpass, daher kann der wiederbelebten Idee dieser Strasse auch eine politische Geltung zugeschrieben werden.

Ihre politische Bedeutung hatten zweifelsohne auch die Bergrennen. Das erste wurde am 4. August 1935 organisiert und führte über 19,5 km von Fusch zum Fuscher Törl. Das Ziel lag 2378 Meter über dem Meeresspiegel. Es war das Rennen mit dem grössten Höhenunterschied. Zwischen Start und Ziel waren 1593 Höhenmeter zu erklimmen. Zudem war jede Kurve mindestens acht Meter breit und diese Besonderheit zur damaligen Zeit machte die Strecke ideal für schnelle Strassenrennen. Die Erfolge und Begeisterung über die damals noch nicht asphaltierte Strasse waren so gross, dass das Rennen vielen für immer in Erinnerung geblieben ist.

Das zweite Bergrennen, nun bereits nach dem Anschluss Österreichs "Grosser Bergpreis von Deutschland" genannt, fand am 28. August 1938 statt, also vor genau 80 Jahren. Hans Stuck, der König der Bergrennen, zählte mit seinem Auto Union natürlich zu den Favoriten. Wir suchten in den umliegenden Orten nach Einheimischen, die sich noch an dieses Rennen erinnern konnten, zunächst ohne Erfolg. Schliesslich schickte uns jemand aus der Verwaltung der Bergstrasse zu Siegfried Scherrer, der auf seinen 90. Geburtstag zugeht. "Einen Moment, Herr Scherrer ist gerade in der Küche und kontrolliert die gelieferten Lebensmittel", teilte uns die Dame am Empfang des grossen und luxuriösen Hotels direkt an der Hauptstrasse in Fusch mit. Kurz darauf öffnete ein vitaler Mann die Tür mit den Worten: " Entschuldigen sie, aber es ist Sommersaison und wir haben wirklich viel zu tun."

Zeitzeuge Siegfried Scherrer (© Daniel Reinhard)

Siegfried Scherrer ist noch immer der Kopf des Familienhotels. "Früher hatten wir hier ein Haus und vermieteten einige Zimmer. Mein Vater hatte einen Laden und vielleicht sechs einfache Gästebetten. Wir hatten auch ein Auto, mit dem mein Vater die Leute auf den Grossglockner fuhr, denn er besass eine Taxikonzession. Aber es war eine arme Gegend und die Strasse war für uns Gottes Segen."

Scherrer begann die Geschichte zu erzählen, als wäre sie erst vor wenigen Tagen und nicht fast vor einem Jahrhundert passiert. "Herrje, damals war nichts so, wie es heute ist. Jedes Jahr im Juni begannen die Menschen, die Strasse vom Schnee freizuschaufeln. Gut 600 bis 700 Personen waren rund sechs Wochen damit beschäftigt. Bis Franz Walleck eine Schneeräummaschine erfand. Sie steht noch heute als Museumsstück an einer der unzähligen Kurven. Sie ist blau-weiss, symbolisch für Himmel und Schnee. Das war damals natürlich eine sehr grosse Bereicherung für uns, wirklich….."

Abenteuerliche Erzählungen sprudelten nur so aus ihm heraus. Als wir ihn auf Hans Stuck und den silbernen Auto Union ansprechen, da glänzten seine Augen förmlich und er rief: "In diesem Fall hab ich eine ganz besondere Geschichte für euch! Wir Kinder haben natürlich das Rennen vom Strassenrand mitverfolgt. Ich war damals zehn Jahre alt. Wir sassen im Gras, nur drei Kilometer vor dem Ort. Ganz nah von uns kam der Auto Union Rennwagen zu stehen. Scheinbar war etwas kaputtgegangen. Hans Stuck stand besorgt daneben. Wir kannten natürlich all die Rennfahrer, denn die hatten schon früher hier trainiert, auch Caracciola, Nuvolari, von Brauchitsch, alle Stars der damaligen Zeit…"

Drei Jungs traten zu ihm und bestaunten den mächtigen, leistungsstarken Rennwagen, als Stuck sie bat, sie sollten doch bitte versuchen ihn wieder anzuschieben, denn sonst würde er den Start verpassen. Nach nur wenigen Metern sprang das Auto an und wir sahen nur noch Stucks erhobenen Arm zum Dank und Gruss….

"Später bei seiner zweiten Fahrt", so erinnert sich Scherrer, "bemerkte uns Stuck etwas weiter oben an der Strasse stehen und winkte uns wieder zu, als er seinem Sieg entgegenraste. Ich werde das nie vergessen. Mit unsrer Hilfe haben wir ihm vielleicht zum Sieg verholfen", beendet der Hotelbesitzer lachend seine Erinnerungen.

 Auto Union Typ C am Grossglockner (© Daniel Reinhard)

Viele, viele Jahrzehnte später versuchte Hans Stucks Sohn, der heute viel bekanntere Hans-Joachim Stuck, die Zeit seines Vaters mit einem modernen Audi RS7 Sportback zu unterbieten:
Für zwei Fahrten auf der 12,6 km langen, wegen schlechten Wetters verkürzten Strecke brauchte Hans Stuck 1938 mit seinem Auto Union 20 Minuten und 10 Sekunden, also 10 Minuten und 5 Sekunden pro Fahrt. Oder anders gesagt, er raste mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 74,7 km die Stunde den Berg hoch. Auf dieser Strasse gibt es auch heute keine besonderen Einschränkungen, immerhin handelt es sich um eine mautpflichtige, touristische Strasse, auf der lediglich das österreichisch allgemein geltende Tempolimit von 100 km/h zu beachten ist. Für den Test wurde die frühe Morgenstunde gewählt, als die Strasse für Besucher noch gesperrt war, also vor Sonnenaufgang und das hiess kurz vor 6 Uhr in der Früh. Auch damals 1935, 38 und 39 wurden die Trainingsfahrten zu diesen Zeiten absolviert.

Hans Joachim Stuck posiert mit einem Auto Union am Grossglockner (© Daniel Reinhard)

Auf den Geraden konnte nur ab und zu für wenige Sekunden die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h überschritten werden. Da der Audi, wie damals auch der Auto Union, allein auf der Strecke war, durften die Bremsen qualmen, die Reifen quietschen und die Auspuffanlage brüllen… Sicherheitshalber wurde nicht ganz ans Limit gegangen, die Kehren durchfuhr Stuck Junior aber so schnell wie möglich. Beim Fuscher Törl zeigte die Stoppuhr im RS7 exakt 9 Minuten, 45 Sekunden und 9 Zehntel. Die achtzigjährige Bestzeit vom Vater war geschlagen.

Audi RS7 Sportback

Berücksichtigt man allerdings, dass Hans Stuck im Jahr 1939, also nur ein Jahr nach seinem legendären Sieg, mit seinem Auto Union die Fahrt über die nur zum Teil mit Pflastersteinen gesicherte Grossglocknerstrasse bereits in weniger als neun Minuten schaffte, dann relativiert sich die Zeit des RS7 wieder … 

 

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