Als der VW Käfer endgültig entthront wurde - von Renault 4, Fiat 850 und Simca 1000 LS

Bruno von Rotz
01.12.2016

Vergleich der günstigen Autos  im Jahr 1967 (© AMS)

Der VW Käfer 1200 war ein geräumiger Viersitzer mit klassenlosem Image und hervorragender Fertigungsqualität. So sah man dies zumindest im Jahr 1967 bei der Zeitschrift “Auto Motor und Sport”. Der Käfer war bei weitem das meistverkaufte Auto in seiner Klasse, Import-Konkurrenten waren weitgehend chancenlos im Markt.

Doch auch der Beste muss sich immer wieder gegen seine Alternativen behaupten und so stellten ihn die AMS-Macher - in einem grossen Vergleichstest, der über zwei Heftnummern und insgesamt 27 Seiten dokumentiert wurde - anderen günstigen Autos gegenüber, nämlich dem Citroën 2 CV 6, dem Simca 1000 LS, dem Fiat 850 und dem Renault 4 Export.

Es waren allesamt betagte Konstruktionen, die da verglichen wurden, nur gerade der Fiat 850 befand sich noch in seiner Jugendzeit, mit rund drei Jahren Bauzeit bis dahin. Die Ente war schon 1949 vorgestellt worden, der Renault 4 und der Simca 1000 im Jahr 1961. Die Konstruktion des Käfers aber ging sogar noch auf die Dreissigerjahre  zurück, richtig abheben konnte er dann in den späten Vierziger- und Fünfzigerjahren.

Da passt es gut ins Bild, dass drei der fünf Testfahrzeuge - Käfer, Simca, Fiat - den Motor und Antrieb hinten hatten, während die Renault und Citroën natürlich Frontmotor und angetriebene Vorderräder aufwiesen. 

Titelblatt AMS 21 1967

Die Redakteure der Zeitschrift Auto Motor und Sport überliessen nichts dem Zufall, massen alles aus, was man messen konnte, und scheuchten die Autos um Kurven, bis es ihnen fast die Reifen von den Felgen zog. Mangelnde Sorgfalt konnte man ihnen sicherlich nicht vorwerfen.

Sie verglichen auch die Preise, die damals zwischen DM 4460 (Fiat 850) und DM 5295 (Renault 4 Export) lagen, der Käfer lag in der Mitte bei DM 5045, die Ente kostete 4597, der Simca 1000 LS DM 4998. Also im Schnitt rund DM 5000, die wären dann um die Jahrhundertwende in etwa EUR 2550 umgetauscht worden. Ja das waren wirklich günstige Autos!

Der Käfer schlug sich achtbar, immerhin beschleunigte er in 26.8 Sekunden auf 100 km/h und lief 118,4 km/h Spitze. Doch andere konnten dies genauso besser wie sie weniger verbrauchten. Der Normalbenzin-Käfer genehmigte sich 10,6 Liter pro 100 km, der Citroën 2CV 7,3, der Renault 4 7,6 und der schnelle Fiat 850 9,0 Liter.

So kam es, wie es kommen musste. Die deutlich jüngeren Konkurrenten liefen dem eigentlich damals schon zum Oldtimer gewordenen Käfer den Rang ab. Dritter, einen Rang vor dem Käfer, wurde der Simca 1000 LS (343 Punkte), Zweiter der Fiat 850 (344 Punkte) und Sieger der Renault 4 Export mit 373 Punkten. Für ihn sprachen Zweckform, gute Raumausnutzung, ausreichend Platz für vier Personen, vier Türen, ein gut nutzbarer Kofferraum und ein sehr guter Federungskomfort. Für den Käfer gab es nur 324 Punkte und als Schlusslicht kam die Ente auf 301 Punkte.

Der Renault 4 konnte übrigens drei der fünf Testdisziplinen - Karosserie, Motor/Leistung, Handlichkeit/Bedienung, Fahrkomfort, Fahrsicherheit - für sich entscheiden, der Käfer keines. Bei “Motor/Leistung” siegte der Fiat 850, in der “Handlichkeit/Bedienung” schwang er ebenfalls obenauf.

Fast 50 Jahre später sieht es in der Käufergunst zumindest in unseren Breitengraden anders aus. Am beliebtesten ist der VW Käfer, gefolgt vom Citroën 2 CV und so langsam dem Renault 4, während Fiat 850 und noch mehr der Simca 1000 kaum eine grosse Rolle in den “Oldtimer-Hitparaden” spielen. Bei Käufern von Klassikern gelten eben andere Kriterien als bei den AMS-Testern vor 50 Jahren.

Archivierte Einträge:

von sc******
07.12.2016 (18:07)
Antworten
Dem Kommentar von 'ma' kann nur zugestimmt werden. Mit der VW-Qualität ist es so eine Sache. Beim neuen 71-er Käfer meiner Eltern bildete sich nach ein paar Wochen schon Oberflächenrost bei den Scheinwerfern. Da der Wagen innert Jahresfrist verkauft wurde, kenne ich den weiteren Verlauf nicht - traurig war ich jedenfalls nicht.
von ma******
07.12.2016
Antworten
Es ist mir eigentlich unbegreiflich, dass ein Auto wie der VW Käfer einen solchen Erfolg hatte, schliesslich war er unbequem, auch Sitzposition des Fahrers, nur 2-türig und vom Kofferraum her eine Katastrophe. Auch die späteren grösseren VW-Heckschleudern waren von gestern. Der einzige Vorteil meiner Ansicht nach war die VW- Qualität. Die späteren Modelle liefen dann auch noch unter "Benzinlawine", da rauschte die Benzinleitung! So fand ich meinen 2CV und meinen Renault R4 entschieden bequemer, wirtschaftlicher und praktischer. Dem Rost machte ich mit Chassisöl und Spritzpistole mit Hohlraumdüse den Garaus.frey.m@bluewin.ch
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