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    Quo Vadis Oldtimer – wohin geht es mit dem Oldtimer und der Mobilität

    Erstellt am 27. Januar 2020
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
    (22)
     
    22 Fotogalerie

    Die Oldtimer-Winter-Abende in Safenwil sind schon eine gut eingelebte Tradition, jeweils gegen Ende Januar trifft man sich und lässt sich zu aktuellen Themen rund um das historische Automobil informieren. Was einst klein unter der Schirmherrschaft des Jaguar Drivers‘ Club Switzerland und den Enthusiasten Christian Jenny, Urs. P. Ramseier und Georg Dönni in der "Old Mill" entstand, ist heute eine branchenübergreifende Grossveranstaltung. Am 23. Januar 2020 wurde der Anlass erstmals in zwei Teilen durchgeführt, 350 Teilnehmer kamen, um sich entweder den Nachmittag oder den Abend, respektive sogar beide Teile zu Gemüte zu führen.

    Unrestaurierter Jaguar Mk IV mit Reinbolt & Christé Aufbau aus dem Jahr 1948 - Quo Vadis Classic Car und Future Mobility?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    War der Nachmittag vor allem der Originalität und der Restaurierung von Oldtimern gewidmet, drehte sich der Abend um die Zukunft des Individualverkehrs.

    Was ist eigentlich noch original

    Viel Zeit wurde am Nachmittag auf den Begriff “original” eingesetzt. Schliesslich sei ein Auto nur einmal original, nämlich dann, wenn es die Fabrik verlasse, erklärte Christian Jenny. Im Prinzip ist ein Auto also nur für sehr kurze Zeit komplett original, denn schon bald müssen schliesslich die ersten Komponenten im Zuge des Unterhalts, der Wartung oder von Reparaturen ausgetauscht und ersetzt werden. So ist es das Streben des originalitäts-orientierten Besitzers, den Wagen so authentisch wie möglich zu halten und soweit möglich auf Nachbauten (von Teilen/Komponenten) zu verzichten.

    Georg Dönni erklärt die Herausforderungen bei einer Restaurierung - Quo Vadis Classic Car und Future Mobility?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Auf der anderen Seite dürfte der Besitzer, der vor allem sorgenfrei und weit fahren will, ab und zu Verbesserungen vornehmen, sei es, dass dabei ein Getriebe einen Gang mehr erhält oder die Bremsen (Scheiben anstatt Trommeln) den Wagen besser verzögern. Original im engeren Sinne sind derartige Modifikationen natürlich nicht.

    Im Rahmen der Nachmittagsstunden wurde diese Problematik, aber auch die Rolle die der Restaurierer, auf der Bühne vertreten durch Georg Dönni, und der Besitzer bei mancher Entscheidung hat, eingehend diskutiert. Und es kam auch klar heraus, dass ein gewisser Zielkonflikt existiert, denn aus Sicht  des historische Kulturguts wäre natürlich einer weitestgehenden Originalität und Authentizität den Vorzug zu geben, aus Sicht Nutzbarkeit und Alltagstauglichkeit und damit vieler Strassenkilometer dürfte manche Verbesserung, die auf besseren Materialien, optimierter Elektrik oder Elektronik basiert, durchaus willkommen sein. Was für den einen stimmt, kann für den anderen ein rotes Tuch sein, dies liess sich in den Diskussionen gut spüren. Und die Kosten spielen bei Entscheiden für oder gegen Originalität/Authentizität auch eine Rolle.

    Die Mobilität von morgen

    Der Abend war komplett Zukunftsthemen gewidmet.

    Christian Jenny bei der Einführung des Themas - Quo Vadis Classic Car und Future Mobility?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Christian Jenny und Urs P. Ramseier illustrierten zunächst die Themen Paradigmenwechsel und Kulturwandel, danach betrat Professor Schuh die Bühne. Ihn kennt man von seinem Nahverkehrsfahrzeug e.Go Life, einem Elektroauto mit SUV-Eigenschaften und günstigem Preis, aber auch vom e.Go Mover, einem Kompromiss aus Taxi und Bus (Stichwort “On Demand Shuttle Betrieb”).

    Professor Schuh erklärt die Vorzüge seines Nahverkehr-Ansatzes - Quo Vadis Classic Car und Future Mobility?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Günther Schuh präsentierte sich als richtiger “Petrol Head”, der die Zuschauer sofort für seine Ideen zu begeistern wusste, zumal er ein geborener Redner ist. Er votierte für den individuellen Fahrzeugbesitz und das richtige Verkehrsmittel für die anstehende Aufgabe. So könne man den Zug im Fernverkehr sicherlich gut mit einem elektrischen Nachverkehrsmittel kombinieren, meinte er. An Car Sharing wolle er nicht so richtig glauben, ergänzte Schuh. Und im Übrigen sei sein e.Go Life eigentlich schon bei Geburt ein Oldtimer, denn der Motor halte 100 Jahre und das Chassis mindestens 50 Jahre, ohne "weich zu werden” notabene.

    Professor Walter Brenner hatte vor zwei Jahren schon vor denselben Zuschauern über autonomes Fahren gesprochen. Nun wollte er das inzwischen Erreichte zusammenfassen.

    Professor Brenner zieht Bilanz nach zwei Jahren Entwicklung im Bereich des "Autonomen Fahrens" - Quo Vadis Classic Car und Future Mobility?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Bilanz fiel eher ernüchternd aus. Kein kaufbares Auto komme heute über Level 2, womit der Fahrer also immer noch die komplette Verantwortung trage, die ihm kein Computer abnehme. Erst mit Level 3 würde der Computer selber Verantwortung übernehmen, aber es sei noch ungewiss, ob 2020 das erste Produkt dieser Art auf den Markt gelange. Dies liege nicht unbedingt an der Computer- und Überwachungstechnik, denn tatsächlich würden autonom fahrende Autos bereits Tausende von Kilometern ohne menschliche Intervention zurücklegen. Es läge an den Menschen, die die Produkte für die Produktion und den Verkauf freigeben müssten, erklärte Brenner. Und diese Testmanager und Qualitätssicherungsexperten sehen zu diesem Schritt eben noch nicht bereit.

    Daniel Hofer von Avenergy, der früheren Erdölvereinigung fokussierte in seinem Referat dann mehr auf die Betriebsstoffe und die CO2-Problematik. Er stellte ein interessantes Wasserstoff-Projekt in der Schweiz vor, im Rahmen dessen 1000 LKWs im Nahverkehr mit Wasserstoff-Brennstoffzellen zum Einsatz kämen. Parallel werde die Infrastruktur hochfahren, um mehr Tankstellen für Wasserstoff zu ermöglichen. Dies würde auch das Überleben der Tankstellen sichern, die ja für den Bestand an Benzin- und Dieselfahrzeugen weiterhin über Jahrzehnte benötigt werden.

    Daniel Hofer von Avenergy über zukünftige Treibstoffe - Quo Vadis Classic Car und Future Mobility?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Am Rande erwähnte Hofer auch noch die e-Fuels, also synthetische Treibstoffe, die vielleicht sogar dem Oldtimer ein längeres Leben sichern würden.

    Als Schlussredner trat dann Anton Piëch auf, der bereits vor einem Jahr über seinen Sportwagen erzählt hatte. Inzwischen hatte der Mark Zero einen erfolgreichen Auftritt am Genfer Autosalon 2019 und erste (unverkleidete) Testversionen scheinen bereits zu fahren.

    Anton Piëch referiert zu den Fortschritten bei seinem Sportwagen - Quo Vadis Classic Car und Future Mobility?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Maximal modular sei sein Sportwagen konzipiert, als Antriebsformen seien sogar ein reiner Benzinmotor, ein Wasserstoff-Hybrid, ein Benzin-Elektro-Hybrid oder reine Batterie-Elektrik möglich. Man darf gespannt sein. Bis 2022 sei das erste Produkt fertig, erklärte ein gut gelaunter Toni Piëch.

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    Wo bliebt der Oldtimer?

    War der Abend sicherlich interessant und lehrreich, so fragte sich am Ende doch mancher Zuschauer, was diese zukünftige Mobilität nun für eine Auswirkung auf das klassische Automobil habe. Diese Konklusion blieben die Organisatoren, das Swiss Car Register und die Referenten dem Publikum schuldig. Es sei nichts so schwierig, wie die Zukunft vorauszusagen, konnte man hören. Stimmt, aber einen Versuch hätte man vielleicht doch noch machen können.

    Der e.Go Life wird im Detail geprüft - Quo Vadis Classic Car und Future Mobility?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Man konnte immerhin spüren, dass die Fronten zwischen der Verbrennertechnik und dem Elektroantrieb zu bröckeln scheinen, dass sich die meisten Besucher eine Koexistenz von traditionellen und futuristischen Verkehrsmitteln vorstellen können und dass ein ökologisches Auto nicht hässlich sein muss. Dass gerade letztes manchmal der Fall zu sein scheint, habe einen einfachen Grund, erklärte Piëch in seinem Referat: Die Designer von Hybridautos seien von der Öl-Lobby geschmiert. Erfahren hatte Piëch dies von einem Taxifahrer in Kalifornien. Woran man auch sehen kann, dass der Humor am 23. Januar 2020 nicht zu kurz kam.

    Abgeschlossen wurde der Tag im Emil Frey Classic Car Center mit einem gemütliches Älpner-Magronen-Essen, bei dem die Oldtimer-Enthusiasten die Referate in aller Ruhe diskutieren und sich auch sonst zu manchem Thema austauschen konnten. Ob die Zweiteilung des Anlasses auch in Zukunft weitergeführt werden soll, wollen die Organisatoren im Rahmen einer Umfrage klären.

    Alle 22 Bilder zu diesem Artikel

    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    jv******:
    23.02.2020 (15:21)
    Sehr interessante Veranstaltung. Wie kann man Mitglied werden um an solchen Veranstaltungen teilnehmen zu können?
    se******:
    29.01.2020 (11:15)
    Nachdem in Deutschland von den Versicherungen für die H-Zulassung ein Alltagsfahrzeug gefordert wird, machen die Ausführungen des obigen Kommentars durchaus Sinn.
    Auch denke ich das mit der Originalität muss man differenziert sehen. Ein Auto, welches vorwiegend im Museum steht und nur kleine Bewegungsfahrten absolviert kann durchaus eine vollkommen originale Mechanik und Elektrik etc. haben. Wenn ich mit meinem Vorkriegsklassiker aber an Veranstaltungen teilnehme in denen ca 1000 km in 3 Tagen gefahren werden, muss man über fahrsichere Verbesserungen nachdenken, oder solche Veranstaltungen meiden. Dann aber fehlt im Erscheinungsbild der Rallye etwas.
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