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Oldtimer Galerie Toffen
Bild (1/4): 20 Jahre Ennstal Classic! Sir Stirling Moss gibt das von ihm signierte Kapperl an den Fan zurück. Die Ennstal Classic hat sich im Lauf der Zeit von einer Gaudi-Veranstaltung zur zweitgrössten Oldtimer-Rallye hinter der Mille Miglia entwickelt (© Daniel Reinhard, 2006)
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    20 Jahre Ennstal-Classic - Oldtimer-Raritäten, Prominenz, Wachstum und Wetterkapriolen

    Erstellt am 5. Juli 2012
    Text:
    Daniel Reinhard
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    Im vergangenen Jahr haben wir unseren Lesern die erste Ennstal-Classic (1993) vorgestellt. Dieses Jahr feiert die Rundfahrt ihr 20-jähriges Jubiläum. Damit verdient sie einen Rückblick über die letzten 19 Veranstaltungen. Nicht viele haben so wie ich alle Veranstaltungen miterlebt. 18 Mal habe ich fotografiert und 2004 war ich für einmal selbst am Lenkrad. Meine grosse Liebe zu den Vorkriegs-Rennwagen wuchs, langsam aber sicher, Jahr für Jahr im Ennstal heran.

    Es begann 1993 mit 35 Fahrzeugen

    Beginnen wir nun aber ganz von vorn und blicken zurück ins Jahr 1993. Mit damals 35 Teams wurde die Ennstal-Classic gestartet, heute kämpfen rund 350 Teams um die begehrten 230 Startplätze. Damals gab es noch keine Hektik, es blieb viel Zeit für Gespräche und fröhliches Zusammensein. Für die österreichische AutoRevue konnte ich sogar den Fiat 1100S während der Veranstaltung fotografieren. Wir fanden immer wieder Zeit, ein paar Aufnahmen zu machen, sobald sich eine passende Stelle oder ein eindrücklicher Hintergrund anbot. Später wurden solche Aktionen immer schwieriger, heute wären sie undenkbar.

    In den ersten Jahren wurde am Donnerstag einzig die Stoderzinken-Bergprüfung gefahren, heute wird noch eine zweite Prüfung, der sogenannte „Orange-Prolog“, über rund 400km absolviert.

    Am Freitag fuhren wir beim ersten Mal gerade einmal über den Sölkpass, ganz im Gegensatz zu heute, wo ein Marathon über rund 500-600km gefahren wird.

    Wurden die ersten Male eine Handvoll oder vielleicht eine Hundertschaft von “Hardcore”-Fans angesprochen, so pilgern heute Tausende an die Ennstal-Classic und jubeln den Teilnehmern am Strassenrand oder am Samstag beim Stadt Grand Prix in Gröbming zu.

    Wurde in den 90er Jahren einzig in den lokalen Medien knapp über das Ereignis berichtet, so kommen heute Journalisten und Fotografen aus ganz Europa ins ländliche Österreich, um vor Ort ausführlich über die Veranstaltung rapportieren zu können.

    Stetige Aufbauarbeit und ein eingespieltes Team bringt den Erfolg

    Man hat sich langsam aber sicher, von Mal zu Mal hochgearbeitet. So etwas funktioniert aber nur, wenn alles stimmt. Dafür sorgten die zwei Gründungsmitglieder Helmut Zwickl und Michael Glöckner, zusammen mit ihrem ganzen Team, Jahr für Jahr.

    Einzigartiges Ennstal

    Alles passt im Ennstal - die Landschaft, die Strassen, die begeisterten Fans, die sportliche Herausforderung, die kulinarische Versorgung, die Hilfe bei Pannen. Alles ist perfekt organisiert, nur das Wetter haben die Herren Glöckner und Zwickl nie im Griff, aber genau das macht die Ennstal-Classic so einzigartig!

    Wenn das Wetter verrückt spielt

    Begann sie 1993 im September, so findet sie heute bereits im Juli statt. Trotzdem, das Wetter scheint in jeder Jahreszeit verrückt zu spielen. So war 1995 am Stoderzinken heftiger Schneefall zu beklagen. Natürlich waren Teilnehmer und Begleittross auf Sommerreifen und mit T-Shirt angereist. Als standen wir alle, bis auf einen, plötzlich vor einem Riesenproblem. Dieser eine, ein Herr namens Kaan aus Graz, hatte sogar noch die jahrgangsoriginalen Skier auf seinen Porsche 356 geschnallt.

    10 Jahre später im Jahre 2006 wurden wir einmal mehr von einem heftigen Unwetter überrascht. Nicht nur Hagel füllte die Cockpits, auch die Strassen wurden von Muren kurzfristig versperrt. Mitten drin blieb ein sündhaft wertvoller Ferrari 250GT Competitione stecken. Die Pilotin - in ihren dünnwandigen und rutschigen Rennfahrerschuhen - stand hilflos im mit Geröll versetzten Wasser. Mein Fotografen-Kollege und ich liessen für kurzerhand Kameras und Objektive links liegen und bahnten dem Ferrari mit Hilfe seines Chevrolet Blazer und Abschleppseil den Weg frei. Kurz darauf kam dann auch die örtliche Feuerwehr zu Hilfe. Bachnass bis auf die Unterhose waren wir damals, aber es sollten nicht bei diesem einen Mal bleiben.

    Auch 2010 am Sölkpass wurden wir vom Dauerplatzregen überrascht. Solange die Kamera funktionierte, wurden die Bilder einzigartig. Aber die heutige Kameratechnik macht, ganz im Gegensatz zur Mechanik in den alten Autos, unter Extrembedingungen leider nicht lange mit. Schlussendlich fuhr ich nackt bis auf die Unterhose mit voll aufgedrehter Sitzheizung und komplett angelaufenen Scheiben zurück ins Hotel, um dort die Fotoausrüstung mithilfe des Hotelhaartrockners wieder zum Laufen zu bringen.

    Prominente Teilnehmer von Anfang an

    Der ehemalige Sauber Pilot Karl Wendlinger war 1993 bei der Geburtsstunde mit dabei. Zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Walter Totschnig fuhren sie einen Mercedes 300 SL Gullwing. Auch Karls erster öffentlicher Auftritt nach seinem schweren F1-Unfall in Monaco fand an der Ennstal-Classic statt. In extrem schlechter körperlicher Verfassung stand er da. Selbst noch nicht fähig, den SSK zu fahren, wurde er auf den Stoderzinken hochchauffiert. Er hatte schwer mit sich zu kämpfen, eine Absage war für ihn jedoch keine Option.

    Alle waren sie schon da, Hermann Maier, Franz Klammer, Niki Lauda, Sebastian Vettel, Nigel Mansell, Mario Andretti, Mario Theissen und der Dritte im Bunde Mario Illien, Walter Röhrl, Rauno Aaltonen, Derek Bell, Dieter Quester, Peter Sauber, Marc Surer, Hans-Joachim Stuck, Nino Vaccarella, Hans Hermann, Sebastian Vettel, David Coulthard, Eddie Irvine, sowie Dr. Helmut Marko und Adrian Newey. Nicht vergessen werden darf auch das weibliche Geschlecht mit Michele Mouton und Maria Teresa de Filippis. Und das waren nur einige Beipsiele.

    Stirling Moss, Jochen Mass und John Surtees

    Zu drei Personen gibt es noch etwas mehr zu sagen. Allen voran Sir Stirling Moss, der mittlerweile beinahe “zum Inventar” der Ennstal-Classic gehört. Seit jeher immer dabei, ist er den Steirern mittlerweile richtig ans Herz gewachsen. Eine gegenseitige grosse Freundschaft hat sich hier entwickelt. Nicht umsonst feierte er seinen 70. Geburtstag in Gröbming und bekam als Geschenk seinen eigenen Verkehrskreise in Gröbming.

    Auch Jochen Mass ist seit langem mit von der Partie. So fuhr er inzwischen wohl so ziemlich alle Mercedes Fahrzeuge durch die steirische Gegend. Immer zu Spässen aufgelegt, näherte er sich den Foto-Fahrzeug wie keiner sonst. Kein Weitwinkel konnte ihn mehr erfassen und ich konnte vom fahrenden Kamerawagen aus mit Leichtigkeit den Stern vorne auf seiner Heckflosse verdrehen.

    John Surtees ist der Einzige. der sowohl Motorrad- wie auch F1-Weltmeister wurde. Als ich mit ihm im 300 SLR vom Stoderzinken runter nach Gröbming fuhr, entschuldigt er sich, dass das rund 20 Jahre jüngere Fahrzeug vor uns schneller unterwegs war als wir. Seine Begründung: „The power isn`t the problem, but the brakes. I have to brake earlier than him“!

    Kein Erholungsurlaub für Mr. Bean

    Rowan Atkinson, besser bekannt als Mr. Bean, startete im selben Jahr wie ich an der Ennstal Classic. Er fuhr sein Jaguar Coupé aus den Fünfzigerjahren. Da ich mit meinem Vorkriegs-MG L1 mit 42 PS hoffnungslos nach hinten gereicht wurde, trafen wir uns bei den diversen Ueberholvorgängen sehr häufig. Durch meinen Rückstand wurde ich bei den Zeitkontrollen immer direkt durchgewunken, wobei ich Rowan jeweils passieren konnte. Da er aber wesentlich flotter unterwegs war, überholte er mich wenig später natürlich wieder. Diese Nummer wiederholte sich zwei, drei Mal, dann begrüsste er uns plötzlich jedes Mal mit einer seiner typischen Grimasse durch das offene Seitenfenster. Wir freuten uns auf jedes Treffen.

    Die Sympathie, die ihm in Österreich begegnete, war absolut gigantisch. Niemals vor- oder auch nachher war das Interesse an der Ennstal-Classic grösser. Ganze Schulklassen säumten den Strassenrand mit riesigen „Hello Mr Bean“-Bannern. Die Organisation wurde vom Rummel total überrumpelt. Der Witz an der Geschichte war, dass man Rowan Atkinson versprochen hatte, seine Ruhe im abgelegenen Ennstal zu finden, frei nach dem Motto: „Do kennt di eh kaner“!

    Auf zur 20. Ausgabe

    So und nun freuen wir uns auf die 20. Ausgabe der mittlerweile auf den zweiten Platz, hinter der Mille Miglia, vorgestossenen Ennstal Classic. Und zur Steigerung der Vorfreude empfehlen wir die angehängte Fotogalerie mit den schönsten und stimmungsvollsten Momenten aus 20 Jahren Ennstal Classic.

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