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Woran hat es gelegen? – Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren (Buchbesprechung)

Erstellt am 15. November 2021
, Leselänge 3min
Text:
Paul Krüger
Fotos:
Bruno von Rotz 
6
Schadensbilder | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
Metallographischer Schliff am Nocken | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
Mustergutachten | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
Einband | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
Titel | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren

An guten oder gut gemeinten Tipps für den pfleglichen Umgang mit Verbrennungsmotoren mangelt es unter Oldtimerfahrern nicht. Tu dies und lasse jenes, und dein Auto hält ewig. Was aber, wenn einen die Ewigkeit früher einholt als gedacht? Nachdem die erste Welle an Flüchen ausgesprochen ist, würde man doch gerne wissen, warum der scheinbar so sorgsam behandelte Zerknalltreibling vorzeitig den Geist aufgegeben hat.

Der ehemalige Motoren-Instandsetzer Anton Bolzli hat nun mit seinem Buch "Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren" ein Werk geschaffen, das bei der Ursachenforschung helfen soll.

Ausführliche Diagnose

Im ersten Viertel des rund 500 Seiten starken Taschenbuchs werden hierzu potenzielle Schäden samt ihren möglichen Ursachen aufgelistet und erläutert. Von Riefen in der Zylinderwand und abgenutzten Lagerschalen über verbogene und gebrochene Pleuel bis hin zu geschmolzenen Kolben reicht das Spektrum von der fortgeschrittenen Verschleisserscheinung bis zur völligen Selbstzerstörung.

Bild Schadensbilder | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
Schadensbilder | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren

Jedes Schadensbild wird dabei von mindestens einem Farbfoto illustriert. Im Falle eines durchgebrannten Kolbenbodens mag der Schaden am Bauteil offensichtlich sein. Bei der Darstellung eines "verschlissenen Ventilschafts" würde man sich jedoch ein Vergleichsbild wünschen, um das Ausmass der Abnutzung besser einordnen zu können.

Zusätzlich zu den Krankheitsbildern und Diagnosen liefert Bolzli auch allgemeine Informationen zu Verbrennungsmotoren in Form von Diagrammen und Tabellen. Etwa wie Leistung und Drehmoment zusammenhängen, wie sich das Verdichtungsverhältnis aufgeladener Motoren errechnet, welche Temperaturen in bestimmten Bereichen des Motors herrschen oder welche Kräfte zu welchem Zeitpunkt auf den Kolben einwirken.

Beispiele ohne Mehrwert

Bis Seite 137 erfüllt das Buch seine Aufgabe als Diagnoseratgeber daher sehr gut. Im Grunde könnte es danach enden, und man hätte einen praktischen kleinen Ratgeber. Stattdessen folgen eine Menge Beispiele von Motorschäden aus Bolzlis Arbeitsalltag, die allerdings ihre Beispielfunktion nicht immer ganz erfüllen können und überraschend oberflächlich bleiben.

Bild Metallographischer Schliff am Nocken | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
Metallographischer Schliff am Nocken | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren

Exemplarisch sei hier einmal die Analyse eines Opel Antara genannt, dessen Zweiliter-Dieselmotor "nicht mehr normal funktionierte". Wie sich die Fehlfunktion konkret darstellt, wird jedoch nicht erläutert. Das Schadensbild der angeschmolzenen Kolben wurde daraufhin "analysiert". Die Analyse – die zweifellos das Interessanteste in einem Buch des Titels "Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren" wäre – bekommt man jedoch nicht zu lesen. Nur dass ihr Ergebnis auf eine thermische Überbelastung schliessen lässt, und die wiederum auf eine "Verbrennungsstörung".

Dieser fehlende Tiefgang macht die meisten Beispiele leider überflüssig, da sie keinen informativen Mehrwert gegenüber dem allgemeinen Erläuterungsteil im ersten Buchviertel bieten. Der Zusammenhang von geschmolzenen Kolben zu thermischer Überlastung wurde nämlich dort bereits in wenigen Sätzen prägnant und dennoch ausführlicher erklärt. Der immensen Beispiel-Auflistung täte es gut, von knapp 40 auf etwa vier bis fünf reduziert zu werden, die dafür aber bis ins Detail durchexerziert werden.

Bild Mustergutachten | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
Mustergutachten | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren

Zudem fehlt im Opel-Antara-Beispiel – wie auch in allen anderen – eine für diese Art von Buch essenzielle Angabe: die, um welchen Motor es sich konkret handelt. Den Antara gab es nämlich mit zwei verschiedenen Zweiliter-Turbodieseln: 127 PS (Motorkennung Z20DM) und 150 PS (Motorkennung Z20DMH). Die Angabe des Motortyps wäre zur Analyse eines Motorschadens etwas wichtiger als die der Ausstattungslinie des Fahrzeugs.

Auch Angaben wie “Cosworth Racing Engine” sind als Benennung eines Triebwerks nicht wirklich informativ, da Cosworth fast ausschliesslich Rennmotoren gebaut hat.

Fazit

Die Beurteilung von "Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren" fällt daher etwas schwer. Soll man mein Buch für das Potential, das in ihm steckt, loben? Oder soll man es kritisieren, weil es dieses Potential nicht nutzt? Anton Bolzli hat dieses Buch von vorn bis hinten alleine erstellt und verlegt es auch selbst. Das alleine ist schon eine immense Leistung. Doch es wäre schade, sie nicht konsequent zu Ende zu führen. Wer schon mit dem Einstellen des Zündunterbrechers überfordert ist, wird sich ein solches Buch ohnehin nicht kaufen. Daher darf (oder soll?) ruhig noch mehr in die Tiefe gegangen werden. Ordentlich lektoriert und mit stark eingedampftem, dafür aber mit Analyse-Details angereichertem Anhang kann Bolzlis Buch zu einer Interessanten (Pflicht-)Lektüre für angehende Kfz-Mechatroniker werden, die nicht nur OBD2-Stecker anschliessen, sondern einen Motor tatsächlich verstehen wollen.

Bild Einband | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
Einband | Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren

Bibliografische Angaben

  • Titel: Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren
  • Autor: Anton Bolzli
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Selbstverlag
  • Auflage: 2. Auflage September 2021
  • Format: Taschenbuch, 148 x 210 mm
  • Umfang: 497 Seiten, ca. 600 Abbildungen
  • ISBN: 978-3-033-08664-7
  • Preis: CHF 120.00
  • Kaufen/bestellen: IbB Ing.-Büro Anton Bolzli, via Email

Bilder zu diesem Artikel

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Quelle:
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von da******
10.01.2022 (19:32)
Antworten
als langjähriger Mechaniker auf älteren Fahrzeugen kann ich Herrn Bolzli zu diesem Buch und dem enormen Aufwand der dahinter steckt nur Gratulieren,
ich weiss ja nicht was Herr Krüger für eine Ausbildung genossen hat, ev. ist er ab Seite 138 ja etwas überfordert.
Etwas lächerlich die Bemerkung betreffend dem Opel Antara Motor als ob dies über der Beurteilung über all die vielen Konstruktionen der Hersteller aller Marken von Interesse wäre. Nur schon die Diagnose vom Alfa GTA Motor auf Seite 357 und der Bericht vom Lamborghini Espada Motor ab Seite 379 sind lesenswert und bergen eine grosse Menge an Fachwissen und Spurensuche.
Ich würde dem Zwischengas Chef Redaktor vorschlagen den Text dieser Buchbesprechung etwas sachlicher Anzupassen,
wie wir es als langjährige Zwischengas Leser gewohnt sind
Antwort vom Zwischengas Team (Zwischengas Team)
11.01.2022 (11:56)
Sehr geehrter Herr Bolzli,
sehr geehrter Herr Schmidli,

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich zu keinem Zeitpunkt Herrn Bolzlis Kompetenz auf dem Gebiet der Motorentechnik und der Schadenanalyse von Verbrennungsmotoren angezweifelt habe. Sie haben Recht; ich habe weder eine abgeschlossene Ausbildung als Kraftfahrzeug-Mechaniker noch einen akademischen Ingenieurstitel. Als Redaktor und Journalist (gleichwohl mit grundlegendem technischem Verständnis und Ahnung von Autos) habe ich das Buch deswegen hauptsächlich aus redaktioneller Sicht beurteilen können. Und hier zeigte sich ein Phänomen, das auch aus Ärzte-Magazinen bekannt ist und das wohl vermutlich der Grund für unsere Uneinigkeit ist:

Ein Chirurg kann mit verbundenen Augen einhändig eine Herztransplantation ausführen und danach jeden einzelnen Schritt rekapitulieren, trotzdem fällt es ihm schwer, diese Schritte für besagtes Magazin schriftlich zu formulieren, weshalb meist ein Redaktor diese Aufgabe übernimmt. Was freilich keine Schande ist, schliesslich können die wenigsten Schriftsteller auch nur einen Blinddarm entfernen.

Ähnlich verhält es sich auch mit Herrn Bolzlis Buch, dessen sprachliche Präzision nicht immer mit der fachlichen mithalten kann. Ich stimme Ihnen, Herr Schmidli, vollkommen zu, was die Qualität des Espada-Beispiels angeht. Hier werden die Ausganglage genau erläutert (blockiertes Ventil, nicht korrekt schliessende Auslassventile), konkrete Messwerte (Büchsenüberstand, Verdichtungsverhältnis) angegeben und das Schadensbild (Schleifspuren auf allen beweglichen Teilen) dargestellt. Eine geradezu vorbildliche, auch für den Leser eindeutig nachvollziehbare Ausgangsbasis für eine Schadenanalyse. Sie stimmen aber mir sicher auch zu, dass dies eine deutlich fachmännischere Beschreibung des Ausgangszustands ist, als "Motor funktioniert nicht richtig", was vom sägenden Leerlauf bis zum Ausfall dreier Zylinder alles bedeuten kann und eher von Laien gegenüber der TCS-Pannenhilfe geäussert wird.

Dummerweise habe ich eben das Antara-Beispiel zuerst gelesen und mich daran ein wenig aufgehängt. Ich stehe aber zu meiner Aussage über den Motorcode: die haben selbst Opel-Ultras nicht immer alle abrufbar im Kopf. Weshalb eine Angabe des Typs in einem Buch mit "vielen Konstruktionen der Hersteller aller Marken", wie Sie es formulieren, in meinen Augen umso wichtiger wäre. Aber das ist nun wirklich eine Kleinigkeit (und vielleicht auch eine Geschmacksfrage), die hier nicht weiter diskutiert werden soll.

Ein besseres, weil eindeutigeres Beispiel für fehlende / die falschen Informationen aus Sicht eines Redaktors wäre das "Beispiel" der Motor-Überdrehung auf Seite 119: Ohne Angabe von konkreten Übersetzungsverhältnissen und Drehzahlen ist es nämlich kein Beispiel, sondern nur eine Wiederholung der vorangegangenen theoretischen Erläuterung (S. 118) und damit überflüssig. Gleichsam sind Hubraum und Zylinderzahl (beides genannt) für die Drehzahl irrelevant.

Aus diesem Grund habe ich mir ein Lektorat gewünscht, um das Buch ein wenig "rund" zu machen und zu straffen, Tippfehler zu korrigieren, Wiederholungen zu entfernen und anderswo fehlende Dinge zu ergänzen. Nicht, weil ich der Meinung bin, dass Herr Bolzli keine Ahnung von seinem Beruf hat, sondern weil es an manchen Stellen hapert, diese Ahnung vollständig zu vermitteln. Das heisst nicht, dass Sie, Herr Bolzli, ihr Buch zu einem Lernheft für Vorschüler umbauen und damit zweckentfremden sollen; sondern vielmehr, dass der logische Aufbau und damit die Nachvollziehbarkeit für den Leser, der nicht täglich Motoren zerlegt, noch etwas verbessert werden kann und bei einem Werk von solchem Tiefgang auch sollte. Auch wenn es nach der monatelangen Arbeit, die bereits in das Buch geflossen ist, noch weiteren Aufwand bedeuten würde, würde es die Qualität des Werkes noch einmal steigern. Es wäre schade, nicht das volle Potenzial auszunutzen.

Paul Krüger
Antwort von da******
12.01.2022 (17:26)
Guten Tag Herr Krüger danke für Ihre ausführliche Antwort,
da ich aus dem Bereich US Guss- V8 Fahrzeuge / langjähriger Honda-Vertreter (ich glaube wir hatten in 26 Jahren nur 6 Motoren aus Produktion Japan offen) und Alfa Romeo Bertone Fan,
habe ich natürlich nicht mit dem Opel angefangen..
Ich denke das Buch mit den Erfahrungswerten von echten erlebten Schäden und Problemen von einem Sachverständigen Praktiker der sein jahrelanges Fachwissen zusammen gestellt hat, ist bei der Fehlersuche eine echte Hilfe und ein interessantes Fachbuch für technisch Interessierte. Betreffend überdrehen um Ihr Beispiel zu nehmen, steht ja auf Seite 118 Hinweis und Seite 119 dann das Beispiel zu diesem Thema, ob die Achsübersetzung nun länger oder kürzer war nahja wenn die Drehzahl im Moment des Verschaltens schon sehr hoch war werden das die meisten Motoren übel nehmen.
Betreffend Schreib oder Tippfehlern erinnere ich mich so an einige Schulbücher die mehrfach in neuen Ausgaben verfasst wurden und es hatten sich eben doch wieder Fehler eingeschlichen.
Wenn ein Mass z.B. falsch für den Büchsenüberstand in 0.01 mm anstelle den richtigen 0.1mm,
angegeben ist, fällt das ev. erst beim Ausmessen auf.
Genauso so oft passierte es bei übersetzungen von engl. US Ausgaben ins Deutsche,
aus Links wird plötzlich Rechts, oder die Ansicht eines Kabelsteckers ist von hinten statt vorne
weil die Seite falsch eingelesen wurde...
Es geht ja auch nicht um die Grammatik, der Aufwand an Stunden um solche Schäden aufzudecken ist in vielen Fällen enorm. Vielen ist bestimmt nicht bewusst wieviel Zeit eine Werkstatt und ein Experte für eine richtige Diagnose aufbringen muss.
Auf den Rechnungen meines Arztes steht oft vermerkt, Aktenstudium in Abwesenheit des Patienten, der Rest der Formulierungen ist dann für mich als Mechaniker meist eher unverständlich....,
Deshalb geniesst ja ein Arzt schliesslich auch eine andere Ausbildung aber auch dort gibt es Gute und schlechtere.
Wenn man einige Analysen und Zusammenfassungen "revidierter Motoren" von sogenannten Spezialwerkstätten so liest hatten wohl einige den falschen Berufsberater..
Als Mechaniker kann man seinen Patienten aber zum Glück auch einmal ein paar Tage liegen lassen,
und auf einen Geistesblitz warten um den Fehler zu finden, das können z.B. Chirurgen eben nicht.
ich wünsche Ihnen eine gute Zeit
Favicon
von Cr******
16.11.2021 (20:07)
Antworten
Jetzt bin ich auf die Antwoert vom Redaktor Krüger gespannt.... ;)
Antwort von cr******
21.11.2021 (23:06)
Favicon
...die nie kam....
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