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Rennwagentechnik im Detail auch für Laien (Buchbesprechung)

Erstellt am 19. Dezember 2014
, Leselänge 4min
Text:
Christoph Ditzler
Fotos:
Springer Verlag 
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Christoph Ditzler 
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Im Vorwort steht folgender Satz: „Dieses Buch soll das Wissen interessierter Laien erweitern, so dass sie beim nächsten Rennbesuch die Fahrzeuge mit anderen Augen betrachten können und im Fahrerlager bei leidenschaftlichen Gesprächen über den Wagen mitdiskutieren können“. Das war der Anlass für diese Besprechung.

Tatsächlich sind alle Aspekte eines Autos und besonders eines Rennwagens auf insgesamt 1‘046 Seiten abgehandelt. Die Kapitel lauten:

  • Fahrzeugkonzept
  • Sicherheit
  • Cockpit
  • Aerodynamik
  • Aussenhaut
  • Reifen und Räder
  • Fahrwerk
  • Bremsanlage
  • Lenkung
  • Getriebeauslegung
  • Rennmotoren
  • Antriebsstrang
  • Kraftstoffsystem
  • Rahmen
  • Elektrik
  • Abstimmung und Entwicklung

Dazu kommen eine Einleitung mit der Liste der Abkürzungen, Formelzeichen und Einheiten und ein Anhang mit Glossar und Sachwortverzeichnis.

Dabei werden alle Flughöhen erkundet: quasi vom Verbundknoten bis zum Bremsenergierückgewinnungssystem, wie beispielhafte Auszüge zeigen:

Buch "Rennwagentechnik" - Seite 871
Copyright / Fotograf: Springer Verlag

Die einzelnen Kapitel folgen dabei immer einem ähnlichen Muster: Grundlagen/Begriffe (inkl. Formeln), Funktion/Anforderungen, Aufbau/Bauarten, Komponenten, Auslegung, Kennwerte/Kennlinien. Dazu gehört jeweils auch ein Literaturverzeichnis. Es zeigt, wie sehr Rennwagentechnik zur Wissenschaft geworden ist und kleinste Details untersucht und Wirkungen gemessen werden.

Komplett

Das Spektrum ist dabei allumfassend. Von A bis Z und zufällig aus dem Index gegriffen seien beispielhaft genannt: Antriebswelle, Bergrennwagen, Cockpitklimatisierung, Downsizing, Endplatten, Flügelberechnung, Getriebespreizung, Hubzapfenversatz, Intermediates, J-Turn, KERS, Lenkgetriebe, Motorenwahl, Nyquist-Shannon, Oktanzahl, Pedal-Leerweg, Querspantfläche, Reifenaufbau, Seitenscheiben, Tilgermasse, Übersteuern, Ventilspiel, Wankmoment, Zeitfestigkeit.

Hilfreich ist, dass alle Begriffe auch zusammen mit der englischen Übersetzung genannt werden. Es werden in der Diskussion doch immer wieder die englischen Ausdrücke verwendet, die man mit dieser Information korrekt ins Deutsche zurückführen kann.

Verschiebungen zur Erstauflage

Es handelt sich um die vierte Auflage, wobei der Aufbau des Buches seit dem Anfang unverändert gelassen wurde. Deshalb kann man auch Statistik betreiben. In der folgenden Abbildung werden die Seitenzahlen der einzelnen Kapitel in der vierten mit denjenigen in der ersten Auflage von 2008 verglichen:

Analyse der Kapitalumfänge im Buch "Rennwagentechnik" - Vergleich 1. und 4. Auflage
Copyright / Fotograf: Christoph Ditzler

Zwei Schlussfolgerungen können gezogen werden:

A) Die (seitengewichtet) fünf wichtigsten Themenkreise in der vierten Auflage sind:

  • Antriebsstrang (167 Seiten)
  • Fahrwerk (162 Seiten)
  • Rennmotoren (132 Seiten)
  • Abstimmung und Entwicklung (97 Seiten)
  • Aerodynamik (60 Seiten)

Dabei scheint die Aerodynamik nicht ihrer Bedeutung gerecht repräsentiert zu werden. Es muss aber in Rechnung gestellt werden, dass die Grundlagen relativ schnell abgehandelt sind. Die Konzeption und Optimierung eines Autos in der Simulation und im Windkanal ist dagegen sehr aufwendig, was sich nicht in Seitenzahlen ausdrücken lässt.

B) Die wichtigsten Verschiebungen in der Länge der Kapitel zwischen der ersten und der vierten Auflage haben sich ergeben bei den Themen:

  • Abstimmung und Entwicklung (+85 Seiten)
  • Antriebsstrang (+67 Seiten)
  • Fahrwerk (+16 Seiten)

Der Zeitraum von 2008 bis 2014 ist für einen Vergleich zwar etwas kurz, doch sind die Verschiebungen in der Gewichtung ein quantitativer Indikator dafür, in welchen Gebieten im Moment die Post abgeht. Auf das Thema Abstimmung und Entwicklung wurde neu ein Fokus gelegt. Die zusätzlichen Seiten für den Antriebsstrang sind durch die zunehmende Bedeutung der Hybridtechnik und des Elektroantriebs bedingt.

Eindeutig ein Nachschlagewerk

Es ist kein Buch, das sich von vorne nach hinten liest. Es ist eher ein Nachschlagewerk, das man zur Beantwortung von konkreten Fragen konsultiert. Der Leser muss also selbst entscheiden, wie in welche Materie und wie tief er jeweils eindringen will. Es muss auch klar sein, dass bei dieser Breite die Tiefe zwangsläufig begrenzt ist. Der Buch-Autor schrieb mir dazu folgendes: „Das Buch richtet sich nicht nur an Laien, sondern auch an Fachleute. Mir erzählen Leser im Fahrerlager, dass sie das Buch zu Bewerben [Anm.: Rennen] mitnehmen, wenn der Platz beengt ist und sie das Reisegepäck dadurch auf wesentliche Dinge beschränken müssen. Zum Einordnen von Größenverhältnissen von Zahlenwerten werden Vergleiche zum vertrauten Pkw gezogen. So sollte für jeden - den Laien und den Fachmann - Interessantes und Weiterführendes dabei sein. Entscheidend ist die uns alle verbindende Leidenschaft zum Kraftfahrzeug“.

In deutscher Sprache gibt es nichts Vergleichbares. “Formula 1 Technology”, 2001 von Peter Wright oder “Dall'aerodinamica alla potenza in Formula 1”, 2004 von Enrico Benzing sind beide einzig auf die Formel 1 bezogen. Vielleicht noch am ehesten vergleichbar ist Warren Rowleys “An Introduction to Race Car Engineering”, 3. Auflage 2006, das sehr auf die Berechnungen fokussiert. In allen Fällen wird auf die Behandlung der Anwendungstechnik mehr oder weniger verzichtet. Gerade sie ist eine der Stärken von Michael Trzesniowskis Buch.

Auch als eBook erhältlich

Eine Frage stellt sich noch: beim Schwatzen an der Boxenmauer ist ein Buch mit den Kennwerten eines Ziegelsteins als Begleitung eher ungünstig. Der Herr Professor hat aber eine Lösung: es gibt das Werk auch als E-Book. Als Spickzettel quasi, wie damals in der Schule. Einfach technisch auf den neusten Stand. Und zu guter Letzt gibt es noch die Alternative „Lerntafel Rennwagentechnik“ bestehend aus sechs A4-Postern.
Fazit: Ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich auf Technik einlassen wollen.

Bibliografische Angaben

  • Titel: Rennwagentechnik: Grundlagen, Konstruktion, Komponenten, Systeme (ATZ/MTZ-Fachbuch)
  • Autor: Michael Trzesniowski
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Springer Vieweg, 4. Auflage, 2014
  • Format: gebunden, 170x240mm, 
  • Umfang: 1046 Seiten
  • ISBN: 978-3-658-04918-8
  • Preis: Euro 69.99 / CHF 85.50 (eBook Euro 26.99)
  • Bestellen/kaufen: Bei amazon.de online , beim Verlag , als eBook beim Verlag
  • Ergänzung. Zusätzlich zum Buch gibt es von Trzesniowski noch die Lerntafel Rennwagentechnik als A4-Poster mit 6 Seiten, ISBN/EAN 978-3-658-05861-6, Preis: Euro 6.99 / 9.00 Franken (bei amazon.de bestellen , beim Verlag bestellen)

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von Ar******
22.12.2014 (20:37)
Antworten
Danke fuer den Tipp, Balz, hab ich mir bestellt:-)) Das letzte Mal, dass ich einen Rennwagen, F5000,T-332, gefahren bin, war 1992 ...nach einem schweren Unfall bei Tempo null..unschuldig, nur dann war mein Hobby die schoenen alten Wagen einzufahren, vorbei...Lieben Gruss, Rainer
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