Ist der Ferrari 312 P der schönste Ferrari-Rennwagen? (Buchbesprechung)

Erstellt am 22. Februar 2020
, Leselänge 3min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
McKlein Publishing (Repro Zwischengas) 
7
McKlein Publishing 
1

Geboren wurde der 312 P als Barchetta, dazwischen wurde er zur Berlinetta und verliess am Ende die Rennstrecken wieder als Spider, doch heute steht er komplett restauriert wieder mit Dach da. Die Berlinetta-Variante ist mit Abstand die schönste Version dieses Ferrari-Sportprototypen.

Dynastie der Ästhetik

Als Nachfolger des schönsten Ferrari-Sportprototypen überhaupt, dem 330 P4 von 1967, war es für den 312 P nicht ganz einfach die Dynastie der Ästhetik fortzuführen. Auch aus sportlicher Sicht gelang es dem 312 P nicht an die Erfolge des 330 P4 anzuknüpfen.

Der Ferrari 312 P wurde im Dezember 1968 im Real Fini vorgestellt und ab 1969 in Rennen eingesetzt.


Als Coupé unterwegs - Buch "Ferrari 312 P - Ferraris vielleicht schönster Rennwagen"
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas)

Das neue Buch über den roten Sportprototypen von Gianni Agnesa füllt eine, wenn auch kleine, aber doch sehr interessante Lücke im Register der Ferrari Rennwagen.

Komplette Chronik in drei Sprachen

Agnesa, der ausgebildete Ingenieur und grosse Ferrari-Fan beschreibt über acht Kapitel den Werdegang des 312P und am Ende der 264 Seiten wird auch die komplette Restauration des Autos mit der Chassis-Nummer 0872 aufgezeigt.

Über viele Jahre plante der in Cagliari auf Sardinien lebende Gianni Agnesa sein Buchprojekt, fand aber dafür nie einen Verlag. Erst die Zusammenarbeit mit Edi Wyss, welcher das Auto restauriert hat und bei seiner Recherche über das Auto zwangsläufig auf den Sardinier stiess, fruchtete. Wyss konnte das Buch dem McKlein-Verlag schmackhaft machen und was dabei entstanden ist, kann sich sehen lassen.


Studioaufnahmen - Buch "Ferrari 312 P - Ferraris vielleicht schönster Rennwagen"
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas)

Ursprünglich natürlich in italienisch geschrieben wurde es nun auch auf englisch und deutsch übersetzt und so dreisprachig publiziert. Einziger kleiner Kritikpunkt ist die Deutschübersetzung, denn was sich in italienisch sicher hervorragend liest, wirkt leider in der deutschen Variante etwas holprig, was aber der genial recherchierten Information keinen Abbruch tut.

Beindruckendes Bildmaterial

Dafür ist das Bildmaterial zum Grossteil absolut hervorragend, nicht nur die Bildqualität auch die Motivwahl überzeugt. Zudem ist beeindruckend, wie viele tolle Bilder es von dem Auto noch immer gibt.


Viele historische Aufnahmen - Buch "Ferrari 312 P - Ferraris vielleicht schönster Rennwagen"
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas)

Dass Mercedes-Benz seit jeher ein hervorragendes Bildarchiv hegt und pflegt ist bekannt, von Ferrari weiss man nicht recht, was sie denn so alles haben. Hier aber kommen Bilder von diversen Testfahrten, sowie einige nächtliche Stimmungsbilder zum Vorschein, die schlichtweg herausragend sind.

Wenige Rennerfolge

Das Auto fuhr 1969 in seiner ersten und einzigen werksseitigen Saison nur gerade mal sechs Rennen. Meist hinderten technische Defekte, wie auch gewisse Fahrfehler den konkurrenzfähigen 12-Zylinder an besseren Resultaten. Trotz grossartigen Piloten wie Mario Andretti, Pedro Rodriguez und Chris Amon gab es nur zwei zweite Ränge bei den 12 Stunden von Sebring und beim 1000-km-Rennen von Spa-Francorchamps zu verbuchen.

Für Le Mans wurde aus der Barchetta eine Berlinetta, was die Optik, vor allem die seitliche Linienführung noch um ein Vielfaches verbesserte, doch die beiden wohl schönsten Autos des ganzen Feldes sahen die Zielflagge nicht.

Das Buch führt durch die gesamte Geschichte der beiden Autos bis in die Gegenwart. Es kam die Zeit im NART-Team von 1970-74 wo die Dreiliter jedoch gegen die neuen Fünfliter chancenlos waren. Zum Abschied gab es 1974 mit Andruet / Zeccoli und dem neunten Gesamtrang doch noch eine nennenswerte Klassierung bei den "24h du Mans".


Gestrandet - Buch "Ferrari 312 P - Ferraris vielleicht schönster Rennwagen"
Copyright / Fotograf: McKlein Publishing (Repro Zwischengas)

Viele Zeitzeugen

Das Buch geht extrem in die Tiefe der Geschichte und lässt dabei auch diverse damalige, zum Teil inzwischen verstorbene Verantwortliche zu Wort kommen. So reden die Ingenieure Caliri und Rocchi, sowie der damalige Pressesprecher Sig. Dottore Franco Gozzi und nicht zu vergessen der Schweizer Dr. Peter Schetty, der zu jener Zeit vom Rennfahrer bis zum Rennleiter im Hause Ferrari im Einsatz stand. Natürlich fehlen auch die Worte von 17 Fahrern nicht, die mit diesen Autos mehr oder weniger unterwegs waren.

Die 264 spezifischen Seiten mit seinen 250 tollen Fotos und dem überzeugenden Layout rechtfertigen den Preis von € 89.90 allemal. Ein Buch als Genussmittel …

Bibliografische Angaben

  • Titel: Ferrari 312 P - Ferraris vielleicht schönster Rennwagen
  • Autor: Gianni Agnesa
  • Verlag: McKlein Publishing
  • Auflage: 1. Auflage November 2019
  • Sprachen: Deutsch/Englisch/Italienisch
  • Format: 29,5 x 27 cm, Hardcover im Schuber
  • Umfang: 264 Seiten, ca. 114 Farb- und 123 Schwarzweiss-Abbildungen
  • ISBN: 978-3947156191
  • Preis: EUR 89.90
  • Kaufen/bestellen: Online bei amazon.de , online im McKlein RallyWebshop oder im einschlägigen Buchhandel

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