Gruppe C – Die Sportwagenrennen 1982-1992 (Buchbesprechung)

Erstellt am 21. Februar 2014
, Leselänge 4min
Text:
Balz Schreier
Fotos:
Balz Schreier 
11
Petrolpics 
1

Langstrecken Fans wissen es schon lange: Porsche kehrt dieses Jahr endlich nach Le Mans zurück mit dem Ziel, den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Klassiker zu holen. Porsche Enthusiasten mussten lange ausharren: Den letzten Gesamtsieg eines Porsche-Fahrzeugs in der Prototypenklasse feierte man 1987 im Rahmen der Sportwagen-Weltmeisterschaft, als der Porsche 962C von Stuck/Bell/Holbert die Ziellinie überquerte.

Die Königsklasse mit den Prototypen hiess damals «Gruppe C» (genaugenommen C1, dazu erfahren Sie mehr im Buch). Passend zum diesjährigen Comeback von Porsche in Le Mans findet im Rahmenprogramm des eigentlichen 24-Stunden-Rennens ein Sprint-Rennen mit ausschliesslich "Gruppe C" Fahrzeugen statt. Wir nahmen dies zum Anlass, dieses fantastische und detailreiche Buch zu besprechen, auch wenn dieses schon bald vergriffen ist.


Ausschnitt aus dem Buch «Gruppe C – Die Sportwagenrennen 1982-1992»
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Legende um Legende

Nach einem kurzen aber sehr treffenden Vorwort von Jochen Mass und einer aufschlussreichen Zusammenfassung über das Reglement der ersten "grünen" Formel im Motorsport wechselt der Fokus auf die Fahrzeuge. Jeder wichtige Fahrzeugtyp wird im Detail vorgestellt und sämtliche Evolutionen über die Jahre der gesamten Gruppe C Ära begleitet. 


Ausschnitt aus dem Buch «Gruppe C – Die Sportwagenrennen 1982-1992»
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Es erstaunt natürlich nicht, dass die zwei erfolgreichsten Gruppe C Wagen das äusserst umfangreiche Kapitel eröffnen: die beiden Porsche 956 und 962. Es beginnt mit einem schneeweissen und noch Sponsor-freien Porsche 956 Langheck beim Winterrollout in Weissach und endet mit dem Ausklang der Gruppe C mit den Dauer-Porsche 962 LM. 

Die Fahrzeuge und ihre Weiterentwicklungen während den Einsatzjahren detailiert zu zeigen, ist ein gelungener Ansatz des Autors, die Gedanken des Lesers unbeirrt auf ein Fahrzeug zu fesseln und so durch die Jahre zu wandern.


Ausschnitt aus dem Buch «Gruppe C – Die Sportwagenrennen 1982-1992»
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Das Schöne ist: hat man das Ende einer Fahrzeug-Ära gerade genossen, darf man mit dem Blättern einer Seite gleich zurück an den Anfang zurückspringen, nur mit einem anderen Fahrzeug! Es geht weiter mit den vielen Evolutionen der Jaguar XJR Modelle, wo die Augen genüsslich über Bilder des Silkcut wandern und man Ross Brawn über die Schulter schauen darf, wie er Jaguar mit dem XJR-14 nochmals weit an die Spitze trieb.

Die Gruppe C wäre aber nicht die Gruppe C, wenn es die Modelle von Sauber-Mercedes nicht gegeben hätte. Auf nahezu 50 Seiten wird die Entwicklung der C-Modelle im Detail und mit technischem Tiefgang beschrieben. Stark bebildert wird das phänomenale Comeback von Mercedes-Benz und zeigt den letzten Prototypen Mercedes-Benz C291 bis zum letzten Rennen und Sieg.

Der Reichtum an Informationen ist beeindruckend, nur schon bis hier hin, aber es folgen noch Kapitel über Peugeot und seine Gruppe C Boliden, über Aston Martin inklusive Nimrod und Emka, natürlich Lancia und Ford sowie Nissan, Rondeau, Spice, Tiga und Toyota.


Ausschnitt aus dem Buch «Gruppe C – Die Sportwagenrennen 1982-1992»
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Auflockerung mit Tischgesprächen

Grundsätzlich weist das Buch eher einen technisch sachlichen und dokumentarischen Charakter mit Anspruch auf Vollständigkeit aus. Da kommt ein Kapitel mit einem Mitschnitt eines Gesprächs bekannter Porsche Rennwagen-Ingenieure gerade gelegen: Peter Falk, Walter Näher und Norbert Singer diskutieren über die Aufgaben und Herausforderungen rund um die 956 und 962 Modelle. 


Ausschnitt aus dem Buch «Gruppe C – Die Sportwagenrennen 1982-1992»
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Freizügiges Regelwerk, abwechslungsreiche Technik

Dank dem freizügigen Regelwerk der Gruppe C entstanden abwechslungsreiche Ansätze in der Fahrzeugskonstruktion. Dieser Vielfalt widmet sich das letzte Kapitel. Hier erleben nur Kenner einen "Aha"-Effekt, ansonsten dürften Namen wie ADA, Argo, Ceekar oder Lyncar nur nichtswissendes Kopfschütteln auslösen. Dass auch diese Fahrzeuge doch noch detailliert beschrieben sind, finden wir besonders erwähnenswert.


Ausschnitt aus dem Buch «Gruppe C – Die Sportwagenrennen 1982-1992»
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Für wen ist das Buch interessant?

Das Buch sollte definitiv bei jenen Liebhabern des historischen Motorsports einen Platz finden, die Wert auf seriöse Recherchen und technische Details legen und ebenso eine lückenlose Dokumentation der relevanten Fahrzeuge wünschen.

Dieses Buch war das erste einer ganzen Serie von Petrolpics, handlich und doch gross genug, um die ganzseitigen Fotos strahlen zu lassen (wir besprachen auch Gruppe 5 und Can-Am). Liebhaber von ausdrucksstarken Fotos kommen auch bei diesem Buch ganz sicher nicht zu kurz.

Der Fokus liegt ganz klar auf den Fahrzeugen, deren Entwicklung und Erfolge oder Missgeschicke in den Rennen. Der Käufer sollte also nicht enttäuscht sein, wenn Rennfahrer und andere Teammitglieder nicht gezielt beleuchtet werden.

Für uns persönlich ist das Buch aber ein Muss in jeder seriösen Buchsammlung, v.a. bei Liebhabern des Prototypen-Motorsports. 

Weitere Informationen

  • Buch kaufen bei Amazon , bei Petrolpics oder bei RacingWebShop 
  • Autor: Thomas Nehlert
  • Verlag: Petrolpics
  • Sprache: Deutsch
  • Format: 28,8 x 22,6 x 2,6 cm
  • Umfang: ca. 280 Seiten
  • ISBN-10: 3940306142
  • ISBN-13: 978-3940306142

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