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    Form follows function - Essays zum Design von Patrick Le Quément (Buchbesprechung)

    Erstellt am 25. März 2020
    Text:
    Holger Merten
    Fotos:
    Holger Merten 
    (12)
     
    12 Fotogalerie

    Von Simca bis Renault hat Patrick Le Quément als Designer seine Handschrift hinterlassen. Er arbeitete bei Ford, war erster Leiter und Chef des konzernübergreifenden Designstudios von Volkswagen in Düsseldorf und prägte insbesondere in den letzten beiden Dekaden seines Schaffens die Designsprache bei Renault. Keine Frage, Patrick Le Quément wusste sich auszudrücken. Heute entwirft er Boote und schrieb ein Buch, dem wir uns im folgenden widmen werden. „Design between the lines“, erschien auf englisch bei Merell in London und bietet die Möglichkeit, den Gedanken einer der individuellsten Persönlichkeiten der Automobilindustrie der letzten fünf oder sechs Jahrzehnte näher zu kommen.

    Bücher über Automobildesign

    Verglichen mit dem Rest meiner Sammlung an Automobilbüchern nimmt der Anteil derer einen kleinen Teil ein. Das liegt weniger daran, dass ich daran kein Interesse habe, sondern vielmehr an den wenigen Publikationen zum Thema: Autobiographien sind selten, Werkspublikationen kamen bislang kaum vor. Hier sind vor wenigen Jahren Audi und Mercedes mit umfangreichen Eigenproduktionen in eine Vorreiterrolle getreten. Dabei hat das Automobildesign seit dem Ende des 2. Weltkriegs einem steten Wandel und Bedeutungsgewinn vollzogen. Umso besser, dass Patrick Le Quément sich die Zeit nach seiner Pensionierung genommen hat, um ein Buch über sein Verhältnis über Automobildesign zu schreiben. Ein Buch, dass Veränderungen aufzeigt, Perspektiven wechselt, Auftraggeber beleuchtet und am Ende auch ein bisschen Kulturgeschichte widerspiegelt: Nämlich wie die Welt sich in den letzten 70 Jahren verändert hat.

    Buchbesprechung "Design between the lines" - Kapitel 4: Mad Dogs and Englishmen...
    © Copyright / Fotograf: Holger Merten

    Die Geschichte des Automobildesigns

    Der Geschmack und der Gestaltungsdruck kam aus Italien, sie prägten als Karosseriebauer und späteren Designstudios in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts den Trend, und wer etwas auf sich hielt, liess dort einen Entwurf vorstellen. Erste Adresse war seinerzeit Bertone. Dazu gesellten sich andere wie beispielsweise Ghia, die für Karmann den Karmann Ghia auf Käferfahrgestell entwarfen und als Dankeschön nicht nur eine Plakette auf den Kotflügel pappen durften, sondern Namensgeber des gesamten Modells wurden. Während sich der Zenit der Italiener dem Ende zuneigte, gesellte sich mit Giorgio Giugiaro und seiner Firma Ital Design Ende der 60er Jahre noch ein letzter seines Standes hinzu.

    Etwas anders sah die Situation in den USA aus. Während die europäischen Zyklen des Modellwechsels bei acht und mehr Jahren lagen, hatte man in den USA ständig für neue Begehrlichkeiten zu sorgen. Auf alte Fahrgestelle mit alter, bewährte Technik stülpte das Marketing mit der Stylingabteilung jährlich eine neue Hülle, Styling ist modisch und vergänglich. Marketing war in Europa noch nicht erfunden und so reichte es, den Käfer jährlich mit kleinen Produktaufwertungen über Jahrzehnte auf dem Markt zu behalten. Auch in Frankreich oder Italien gab es Modelle, besonders in den kleinen Klassen, die über Jahrzehnte unverändert blieben. Der 2CV von Citroën, der Topolino von Fiat aber auch das Cremeschnittchen von Renault waren Longseller und erreichten noch während der Produktion Klassikerstatus.

    Buchbesprechung "Design between the lines" - Skizzierungen ergänzen die Informationen in Textform.
    © Copyright / Fotograf: Holger Merten

    Man denke hier auch an den Mini von Austin oder den Defender von Land Rover. All das änderte sich in den 70er Jahren: Automobildesign bekam auch in Europa einen neuen Stellenwert, insbesondere die Deutschen Hersteller begannen plötzlich, ihre eigenen Abteilungen auf- und auszubauen. Nur bei Ford und Opel war man bereits nach dem Vorbild der amerikanischen Mütter bereits eine Dekade zuvor auf die Designspur gekommen und entwarf gekonnt Modelle wie Opel GT oder Diplomat, Ford Capri oder Escort. Dieser Prozess löste langsam die Bedeutung der Italienischen Designschmieden ab und verschob sich zu den Inhouselösungen wie wir sie heute kennen. Mit der Konsequenz, dass es die Karosseriebauer von Bertone über Karmann bis Zagato nicht mehr gibt oder sie nur noch ein Nischendasein als Marketinggag pflegen.

    Ganz abgesehen von ihrer Bedeutung als ästhetisches Gewissen: Ghia oder Ital Design gehören heute zu Ford oder Volkswagen: Ghia kann bestenfalls noch als Ausstattungsvariante wahrgenommen werden und Ital Design geht langsam als Designstudiovariante von Audi im Unternehmen auf oder in der Designbedeutung unter. Natürlich verzerrt dieser kurze Abriss die historische Kontinuität, ist aber wichtig, um zu verstehen, welche Wandlungen im Hintergrund des Buches stattgefunden haben.

    Froggystyle

    Patrick Le Quément hat nie Transportation Design studiert. Der Südfranzose aus Marseille musste nach dem Tod des Vaters nach England ziehen, wo er an einer Kunstakademie ausgebildet wurde. Nach erfolgreichem Abschluss startete er bei Simca, machte sich kurz darauf mit einem eigenen Studio selbständig, um wegen ausbleibender Aufträge nach den 68er Unruhen in Frankreich bei Ford Europe in Köln einen vertrag unterschrieb, der ihn zu seiner Überraschung nach Ford in Essex führte, wo er im Interieurdesign seine Sporen verdienen musste.

    „Froggystyle“ nannten die Kollegen seine Art zu zeichnen und zu entwerfen. Zurück in Deutschland leitete er von 1981 bis 1985 das Ford Design, bevor er, für viele unbekannt von Köln nach Düsseldorf zog, wohin VW Chef Hahn ihn mit dem Aufbau eines Konzernstudios betraut hatte und das Design für den Golf III entstanden sein soll. Nach nur zwei Jahren bekam er eine Anfrage von Renault. Miese Absatzzahlen, wenig Profil in der Produktpalette sehnte sich nach einem Messias. Und der missionierte für zwei Jahrzehnte. Begeisternde Studien, Aufsehen erregende neue Modelle bescherten Renault Traumabsatzzahlen und sicherten in vielen europäischen Ländern den begehrten Importeur Nr. 1 Status. Allen voran kam der Twingo, kein Auto sondern eine Lebenseinstellung, die man eher von Citroën als von Renault erwartet hatte.

    Buchbesprechung "Design between the lines" - Kapitel 28: Avantime... Out of Time.
    © Copyright / Fotograf: Holger Merten

    Aber Le Quément wäre nicht er selbst, wenn sich die Idee des Twingo nur auf die Form bezogen hätte. Schon die Farbauswahl muss eine schweisstreibende Degustation gewesen sein, wo sich die Color & Trim Abteilung wahrscheinlich lieber ins Gulag gewünscht hätte. Denn der Chef hatte den Anspruch ein modisches Gefährt im Strassenbild sehen zu wollen. Nach der kleinen Revolution als Grossraumlimousine, mit der man endlich wieder an die Erfolge von R4 und R5 anknüpfte, nahm sich der neue Designpapst bei Renault die Grossraumlimousine schlechthin vor.

    Den Renault Espace. Das eher zweck- und sachorientierte nullachtfuffzehn-Design wich einer klaren Designlinie, mit der es plötzlich möglich war mit einem MPV vor der Oper aufzukreuzen. Es folgten der Scenic und zum Schluss folgten ihm die Bosse bei Renault auch noch bei Vel Satis und Avantime. Wahrscheinlich in ein paar Jahrzehnte echte Klassikerperlen und viele werden sich fragen, warum sie lieber in Audi A6 oder eine E-Klasse statt in sowas ausdrucksstarkes investiert zu haben. Ganz getreu seiner Maxime „Langeweile verkauft nicht.“, hatte Patrick Le Quément das Design bei Renault konsequent umgekrempelt und die strategischen Ziele „Absatzsteigerung durch mehr Profil“ in den Markenausdruck von Renault eingebrannt.

    Design als Buch

    „Design between the lines“ entstand nicht allein aus Patrick Le Quément Händen. Illustrationen und Text sind mit starkem Seitenaufprallschutz entstanden. Wer gar ein Bilderbuch mit Entwürfe erwartet, wird bitter enttäuscht. Nicht ein Foto findet Einlass, schon gar keine Scetches oder Modelle. Dafür begleiten viele schöne und aufwändige Illustrationen die 50 Essays mit den Gedanken des Autors zu Kultur und Design und umgekehrt. Manchmal tragen die Geschichten autobiografische Züge, ja sind fast schon Situationsbeschreibungen, Snapshots aus dem Leben, dann wieder Ratgeber über das Zeichnen und Zeichnenlernen. Wobei der Autor sich selbst an die Nase nimmt und beschreibt, wie er nach dem Retirement das Zeichnen wieder lernen musste.

    Buchbesprechung "Design between the lines" - Zu ganz vielen Informationen in Textform gesellen sich auch immer wieder grossformatige Bilder und Grafiken.
    © Copyright / Fotograf: Holger Merten

    Schliesslich hatte er es in 50 Jahren Automobildesign verlernt, er habe so vielen Nachwuchsdesignern das Zeichnen lehren müssen… Man darf ihn nicht ganz ernst nehmen, wenn er mit seinen exquisiten und konsequenten Ansprüchen manchmal übers Ziel hinaus formulieren lässt. Anspruch als Mittel der Übertreibung und damit als Ausdruck des eigenen Anspruchs durchzieht das Buch ebenso wie das bewundernde Beschreiben von Dingen, Menschen und Zwängen. Ob der blumige Geruch von Conolly-Leder, dessen Verarbeitung oder die honorige Art von Carl F. Hahn und dessen Umgang mit Mitarbeitern. Manches, was Le Quément in seinem Arbeitsleben gesehen haben mag, hat hier seinen Platz gefunden.

    Buchbesprechung "Design between the lines" - Neben Höhepunkten werden auch Tiefpunkte dargestellt.
    © Copyright / Fotograf: Holger Merten

    Lohnt sich der Kauf?

    Ja. Eindeutig. Wer über das Wesen der Automobilindustrie im allgemeinen und über den Wandel des Automobildesigns im Detail eine anregende Lektüre auf hohem Niveau finden möchte, der muss hier zwar des Englischen mächtig sein, wird dafür aber für mit fein nuancierten amüsierenden Betrachtungen zu oben erwähnten Aspekten belohnt. Betrachtungen, die – man merkt es schnell – subjektiv gefärbt, aber nicht so tief gehen, dass man sie ablehnen müsste. Meist schwebt eine französisch angehauchte Philosophie über den Texten: C’est la vie mag man als Leser denken und dem Autor dankend beipflichten.

    Buchbesprechung "Design between the lines" - Kapitel 13: Drop the Shadow.
    © Copyright / Fotograf: Holger Merten

    Am Ende wird man sich kein Urteil über den Designer wohl aber über den Menschen Le Quément machen können. Wer die Dinge so sieht und beschreiben lassen kann, muss ein guter Mensch sein. Ob er ein guter Designer war, darf jeder anhand seiner Entwürfe selbst beurteilen. Das wäre dann aber ein anderes Buch und würde sicher eine andere Handschrift tragen. Für ca. € 35,- gibt es nicht nur schöne Ein - und Ansichten sondern auch ein ausgesprochen schön gestaltetes Buch, das mit viel Hingabe zum Thema einen feinen aber nicht sehr tiefschürfenden Beitrag zur Automobilhistorie leistet. 

    Buchbesprechung "Design between the lines" - Kapitel 25: The Wheels of Modernity.
    © Copyright / Fotograf: Holger Merten

    Bibliografische Angaben

    • Titel: Design Between the lines
    • Autor: Patrick Le Quément
    • Sprache: Englisch
    • Verlag: Merell Publishers Limited, 2019
    • Format:  216 x 254 x 25 mm, gebunden mit Schutzumschlag
    • Umfnag: 224 Seiten, ca. 100 Illustrationen
    • Preis: ca. € 35,00, 
    • ISBN: 978-1-8589-4676-4
    • Bestellen/kaufen: Online bei amazon.de oder in der guten Buchhandlung

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