Fiat-Abarth 595 und 695 im Röntgenblick (Buchbesprechung)

Erstellt am 29. Mai 2015
, Leselänge 3min
Text:
Christoph Ditzler
Fotos:
Gianfranco Bossù (Repro Christoph Ditzler) 
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Bruno von Rotz 
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Archiv Reinhard / Max Pichler 
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Werk/Abarth 
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Gianfranco Bossù 
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Archiv 
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Ende 1962, und mit dem Erfolg des 1000 Monoalbero abgeleitet aus dem FIAT 600 im Rücken, initiierte Carlo Abarth ein neues Projekt. Ziel war eine Variante des FIAT 500 mit grösserem Hubraum, zuverlässig und serientauglich sollte sie sein..

So steht es im Text auf dem Umschlag zu diesem Buch, das die Entwicklungsgeschichte dieser Motorenreihe nachzeichnet.

Auf den Spuren der Motorenentwicklung

Der Autor, Gianfranco Bossù, in den Sechzigerjahren für die Motorenentwicklung bei Abarth verantwortlich, breitet hier sein ganzes Wissen aus. „Radiografia tecnica“, also technische Röntgenaufnahme, darf man dabei wörtlich nehmen. Es handelt sich effektiv um eine umfassende technische Dokumentation der Motoren, ausgehend vom Motor des FIAT 500D und 500F. Daraus entstanden bei Abarth die Motoren 205 für den FIAT Abarth 595, 205A für den 595 SS, 206 für den 695 und 206A für den 695 SS. Dazu kommen noch Teile für Sonderserien wie die Competizione.


Fiat-Abarth 695 SS (1964) - Präsentation am Genfer Automobilsalon 1964
Archiv Automobil Revue

Bossù beschreibt dabei für alle Antriebskomponenten die Herausforderungen, die Lösungen und Berechnungen. Er unterlegt das mit Zeichnungen, Werkstoffdaten und nennt auch die Lieferanten, sofern nicht Serienteile von FIAT verwendet wurden. Ich behaupte, dass man die Motoren auf der Basis dieser Informationen fast nachbauen könnte. Das “fast” bezieht sich darauf, dass kein kompletter Zeichnungssatz mitgeliefert wurde, was aber verständlich ist.


Fiat-Abarth 695 (1964) - der kleine Schnellste - das erste Exemplar des neuesten Vertreters der rassigen Kleinwagen aus dem Hause Abarth - am Genfer Autosalon 1964
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Präsentiert wurde der Fiat-Abarth 695 unter anderem am Genfer Autosalon im Jahr 1964, wo er frisch gewaschen und gescheitelt mit seinen 30 PS bei 5‘000 U/min glänzte. Zum Vergleich, der FIAT 500 brachte es damals gerade einmal auf 17,5 PS bei 4‘400 U/min und der 595 auf 27 PS bei 5‘000 U/min.

Nach Motorentypen unterteilt

Das Buch ist entsprechend in vier Hauptkapitel gegliedert, die jeweils einen Motorentyp der Reihe dokumentieren. Dazu kommt neben der Einleitung und den Verdankungen eine kurze Beschreibung der technischen Abteilung von Abarth um 1964, eine Geschichte der Entstehung des Projekts und eine Übersicht über den Motor der FIAT 500D und 550F, den Tipo 100D, mit den Daten sowie Längs- und Querschnitten. Diese ersten Teile dokumentieren die Basis, auf der die Motorenentwicklung von Abarth damals aufsetzte.

Keine Hochglanz-Broschüre!

Allerding: der potentielle Leser muss gewarnt werden. Das Buch ist nicht nur auf Italienisch geschrieben, was bei dem hohen Grad an technischen Beschreibungen mit einem “Dizionario” in Griffweite durchaus machbar ist. Die Texte sind zudem nicht gesetzt, sondern als handschriftliches Faksimile abgedruckt. Trotz der beneidenswerten Fähigkeit von Bossù, schön schreiben zu können, macht dieser Umstand das Lesen oftmals spannend.


Buch "FIAT Abarth 595/695 Monoalbero - Radiografia tecnica del motopropulsore" - mit vielen Planzeichnungen
Copyright / Fotograf: Gianfranco Bossù (Repro Christoph Ditzler)

Das Buch ist überaus detailliert, gleichzeitg aber kein geschliffenes Hochglanzprodukt, sondern eher im Stil eines Arbeitsheft ganz ohne Fotos gehalten.


Buch "FIAT Abarth 595/695 Monoalbero - Radiografia tecnica del motopropulsore" - Aufmachung mit handschriftlichen Notizen
Copyright / Fotograf: Gianfranco Bossù (Repro Christoph Ditzler)

Für eingefleische Fiat-Abarth-Fans

Bossù hat 2013 bereits ein ähnliches Buch zum FIAT Abarth 1000 Monoalbero (ASI, ISBN: 978-88-98344-12-3) geschrieben.

Das Buch richtet sich selbstverständlich vor allem an Spezialisten und eingefleischte Abarth-Fans, deren Liebe zu Italien vorzugsweise auch die Ambition beinhaltet, diese wunderbare Sprache ansatzweise zu beherrschen.


Buch "FIAT Abarth 595/695 Monoalbero - Radiografia tecnica del motopropulsore" - wirklich eine technische Röntgenaufnahme
Copyright / Fotograf: Gianfranco Bossù (Repro Christoph Ditzler)

Für den Autoren dieser Buchbesprechung gibt es aber noch einen zweiten Grund, auf dieses Buch aufmerksam zu machen. In einer Zeit der Bilderbücher und der graphisch durchgestylten, teuren Coffee-Table-Books zur Beförderung eines Marken-Images, bietet Bossùs Werk eine radikale Alternative: Funktion vor Form, beziehungsweise Technik vor Bildern. Ein radikaler (oder exzentrischer?) Schritt zurück zu den Wurzeln des Autos. Wunderbar!

Bibliografische Angaben

  • Titel: FIAT Abarth 595/695  Monoalbero: Radiografia tecnica del motopropulsore
  • Autor: Gianfranco Bossù
  • Verlag: Libreria Automotoclub Storico Italiano (ASI)
  • Auflage: 1. Auflage 2015
  • Umfang/Format: Paperback, 210 x 300 mm, 296 Seiten
  • Sprache: italienisch
  • ISBN-13: 978-88-98344-22-2
  • Preis: 30.00 Euro
  • Bestellen/kaufen: Bei Gilena in Brescia oder der Libreria dell’Automobile in Milano (beide liefern auch per Post)

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