Die Galaktischen - Transaxle bei Porsche (Buchbesprechung)

Erstellt am 31. Mai 2020
, Leselänge 4min
Text:
Holger Merten
Fotos:
Delius Klasing (Repro Zwischengas) 
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Delius Klasing 
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Was der Mittelmotor in den Sechzigerjahren, war Transaxle in den Siebzigerjahren. Noch unter Ferdinand Piëch als Entwicklungschef bei Porsche wurde mit dem 914er ein Mittelmotorsportwagen auf Kiel gelegt, der eng mit der konstruktiven Auslegung der Rennwagen verbunden war. Wenige Jahre später kehrte mit der geplanten Ablösung des 911ers und der umgesetzten Ablösung des Entwicklungschefs bei den Serienwagen die Trendwende zur Transaxlebauweise bei den Modellreihen 924 und 928 ein, die ab Ende der 70er Jahre für knapp 20 Jahre im Modellprogramm blieben, ein.

Konstruktive Grundidee: Motor vorn, Getriebe hinten, bessere Gewichtsverteilung auf beide Achsen und fast ein Alleinstellungsmerkmal wie eben der luftgekühlte Motor im Heck.  Ein Buch aus der Reihe „Bewegte Zeiten“ nimmt sich nun der Modellreihen 924, 944, 968 und 928 von Porsche an.

Transaxle klingt wie Turbo oder Spoiler

Der GT-Gedanke wurde mit der Transaxle-Bauweise von Porsche neu erfunden. Auf einmal hatte Porsche Reisesportwagen im Programm, bei denen man unter die riesige Glaskuppel im Heck ein paar Koffer oder die Golfschläger laden konnte, während der Motor vorne seinen Dienst verrichtete.


Aufbruch einer neuen Sportwagen-Epoche - Buch "Bewegte Zeiten - Porsche 924 944 968 928"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing (Repro Zwischengas)

Die Idee war nicht neu. Bereits anfangs der 70er brachte Alfa-Romeo mit Alfetta, GTV und und der Giulietta das Prinzip in den Serienbau. Mercedes-Benz beispielsweise nutzte sie im Motorsport, der W 196 eilte so von Sieg zu Sieg und den SLS-AMF Modellen lebt diese Antriebsform bis heute fort. In den 70ern klang Transaxle aber auch ein wenig schneller, so wie eben Turbo, Tuning und Spoiler. Für den kleinen Sportwagenbauer aus Stuttgart ein markanter Einschnitt in die bisherige technische Auslegung, von der man erst wieder zwei Jahrzehnte später Abschied nahm.

Stippvisite in zwei Dekaden

Knapp 130 Seiten kommen beim Autor Thoms Fuths für die insgesamt vier Modelle zusammen, wobei wir eben den 924 und seine Abkömmlinge 944 und 968 gesondert mitzählen. So geht das Buch entsprechend chronologisch und gleichzeitig hierarchisch vor und widmet sich den Fahrzeugen aufsteigend mit den Modellcodes. Das klingt erstmal stringent und so liest es sich auch…

Unaufgeregt von der Idee, den 911er zu verabschieden, über den allseits bekannten Entwicklungsauftrag 425 für VW, den Porsche zurückkauft, um den 924er dann wieder bei Audi NSU in Neckarsulm im Lohnauftrag fertigen zu lassen. Weiter geht es mit der Vorstellung des 924 und dann folgt die Modellevolution über 944, 968 in all seinen verschachtelten Nebengässchen: Ob 924 GT, GTS, 968 S, S2, Turbo, Cabriolet. Bis zum Absinken der Verkaufszahlen und dem Auslaufen der Produktion. Dann folgt die Lobeshymne auf den 928, den Über-GT, ebenfalls in zahlreichen Entwicklungsstufen durchdekliniert und dargestellt.

Mal knapp, mal ausführlich

Bei 130 Seiten entsteht bei vier Modellreihen keine vertiefte Typenkunde, eher eine gute Übersicht mittels Bildmaterial und teilweise vertieften textlichen Einblicken. Porschekenner Fuths stützt sich auf seine bisherige redaktionelle Arbeit und bereitet sie für einzelne Kapitel auf, in denen er vertieft auf modellspezifische Besonderheiten eingeht.


Porsche 924 Targa - ein Unikat - Buch "Bewegte Zeiten - Porsche 924 944 968 928"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing (Repro Zwischengas)

Er stellt ein Sondermodell des 924 ausführlich vor, erzählt aus eigener Erfahrung von seinen 944er-Käufen und geht mit dem vielleicht letzten 928er auf die Grossglockner-Hochalpenstrasse, die in der Porschegeschichte immer wieder eine Rolle gespielt hat.


Porsche Transaxle auf Traumstrassen in den Alpen - Buch "Bewegte Zeiten - Porsche 924 944 968 928"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing (Repro Zwischengas)

Fuths bleibt textlich eng bei sich und bei den Autos. Teilweise hochindividuell und dabei auch mit seiner Meinung am Produkt. Als Fan der Marke im Allgemeinen und der Transaxlebauweise im Speziellen sind das aber nicht ausschliesslich nur Oden an die Freude, sondern praktische Sichtweisen auf die zahlreichen Derivate, Modellschritte und Facetten innerhalb der Baureihen.

Die Unvollendeten

Für EUR 16,90 erhält man also ein Buch, bei dem man bereits zu Anfang weiss, dass Transaxle nur eine Ära in der Porsche-Geschichte war. Trotzdem vermisst man am Ende des Buches das Bedauern des Autors über das Ende dieser Ära. Einfach weil immer wieder die Freunde an diesen Fahrzeugen aufblitzt. Denn lange Zeit sicherten die Transaxle-Modelle das Überleben von Porsche, bis sie nicht länger ohne tiefgreifende neue Entwicklungen fortgesetzt werden konnten. Dazu fehlte allerdings das Geld, weil sie mit ihren sinkenden Absatzzahlen zu wenig Kapital erwirtschafteten. Porsche war faktisch am Ende.


Porsche 928 als Pacecar in Le Mans - Buch "Bewegte Zeiten - Porsche 924 944 968 928"
Copyright / Fotograf: Delius Klasing (Repro Zwischengas)

So musste der gründlich renovierte 911er das Unternehmen retten. Und kurz darauf, der Mittelmotor im Boxter. Der Kreis schliesst sich. Auch für den Leser, der sich mal von der praktischen Seite an das Thema heranmachen möchte.

Bibliografische Angaben

  • Titel: Bewegte Zeiten - Porsche 924 944 968 928
  • Autor: Thomas Fuths
  • Verlag: Delius Klasing
  • Auflage: 1. Auflage April 2020
  • Format:  Gebunden, 170 x 246 mm
  • Umfang: 128 Seiten, 119 Fotos und Abbildungen
  • ISBN: 978-3-667-11835-6
  • Preis: EUR 16,90
  • Kaufen/bestellen: Online bei amazon.de , online beim Delius-Klasing-Verlag oder in der guten Buchhandlung

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von HolgerK
02.06.2020 (06:59)
Antworten
Ich habe mir dieses Buch schon vor einigen Wochen gekauft und bin vor allen Dingen begeistert von den vielen authentischen Fotos und zeitgenössischen Zeitschriftenanzeigen, die wohl aus dem Porsche Archiv stammen. Dadurch wird das Blättern im Buch zu einer echten und faszinierenden Zeitreise zurück in die späten siebziger und die achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Genau so, wie ich sie selbst immer dann erlebe, wenn ich in meinen 928S aus dem Jahr 1985 steige, den Zündschlüssel rechts vom Lenkrad drehe, dem erwachen des großvolumigen und klangstarken V8 lausche und mit dem luxuriösen und doch sportlichen GT dann durch schöne Landschaften gleite. Schöner kann zum Beispiel ein sonniges Pfingstwochenende gar nicht sein
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