Die Ford GT40 in Le Mans aus Hollywood-Perspektive (Filmrezension)

Erstellt am 3. Mai 2020
, Leselänge 3min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Twentieth Century Fox Home Entertainment 
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Viel wurde geschrieben über die Hollywood-Produktion “Le Mans ’66” (oder “Ford v Ferrari”, wie sie in den USA genannt wurde). Inzwischen sind es schon über sechs Monate seit dem Kinostart und bis März 2020 erzielte der Film knapp über USD 225 Millionen an Einspielergebnissen weltweit. Zudem gewann der Kinostreifen von James Mangold zwei Oscars in den Kategorien "Bester Tonschnitt" und "Bester Filmschnitt”. Den Oscar “Bester Film” verpasste das Renndrama allerdings.

Seit einigen Tagen kann man den Film nun auch auf DVD oder Bluray-Disc kaufen und ihn sich gemütlich zuhause anschauen. Auch Streaming-Plattformen haben die Le-Mans-Geschichte im Programm.

Und natürlich stimmt das, was wir im Vorfeld und nach dem Besuch im Kino und im Nachgang publiziert haben, auch für die DVD- oder Bluray-Version des Films. Eine komplett neue Rezension ist also nicht von Nöten, aber vielleicht ein paar Ergänzungen.

Keine Geschichtsverfilmung

Der Film “Le Mans ’66” ist auf den Erfolg bei den Massen ausgerichtet, nicht auf eingeschworene Rennsport-Enthusiasten. Dass es James Mangold da mit den Fakten nicht immer ganz genau nimmt, ist zu verstehen. Natürlich wird da verkürzt, übertrieben oder vereinfacht. Die Schauspieler stehen im Mittelpunkt, und ob dann mal ein Hubraum historisch korrekt genannt wird, ist sekundär. Auch bei Hintergrundsautos nahm man es nicht immer genau. Der Blick in die Rennsportabteilung von Ferrari anlässlich des Besuchs von Lee Iacocca etwa zeigt ein ziemlich zufällig zusammengeworfenes Arsenal an roten Rennwagen, die es wohl zu jener Zeit entweder schon nicht mehr oder noch gar nicht gab. Und so könnte man viele “falsche” Details aufzählen, aber eben, es geht im Film ja darum, eine Geschichte zu erzählen, und die lehnt sich zwar an geschehen Tatsachen an, folgt diesen aber nicht immer konsequent.


Ferrari P3 beim Start in Le Mans 1966 - Film "Le Mans '66"
Copyright / Fotograf: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Wer eine historisch korrekte Rückschau sucht, der soll sich mit Büchern, Zeitschriften von damals oder verschiedenen Dokumentarfilmen auf YouTube ein Bild verschaffen.

Unterhaltsam

Man mag dem Film vieles ankreiden, aber ein Mangel an Spannung und guten Momenten gilt es sicher nicht zu kritisieren. Obschon 2,5 Stunden lang, werden wohl die wenigsten Zuschauer auf die Uhr schauen und sich wundern, wie lange es wohl noch geht. Und falls doch, dann sollten sie vielleicht wirklich keinen Rennfilm anschauen.


Ferrari P3 in Schwierigkeiten - Film "Le Mans '66"
Copyright / Fotograf: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Und ein Rennfilm ist “Le Mans ’66” natürlich auf jeden Fall, gefühlte 3/4 haben mit Rennen und Rennvorbereitungen zu tun. Und das ist gut so.

Gut gemacht

Praktisch alle Szenen wurden mit realen Autos gefilmt, also ohne Verwendung von Computeranimationen. Für Leute mit Benzin im Blut fehlt also nichts, auch wenn natürlich die meisten Rennfahrzeuge Nachbauten waren. Aber dies ist kaum zu erkennen, man hat da ganze Arbeit geleistet. Es gelingt dem Film sehr gut, die Rennatmosphäre von Clubrennen in Amerika, aber auch von den 24 Stunden von Le Mans der Sechzigerjahre darzustellen.


Le Mans Start - Film "Le Mans '66"
Copyright / Fotograf: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Sowohl Tag- als auch Nachtszenen sind mit tollen Kameraperspektiven gefilmt worden und auch der Soundtrack ist ein Ohrenschmaus. Die Schauspieler brillieren und man hätte Christian Bale durchaus einen Oscar gegönnt für seine Arbeit.


Chrstian Bale (als Ken Miles) und Matt Damon (als Carroll Shelby) - Film "Le Mans '66"
Copyright / Fotograf: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Auch Matt Damon gibt einen durchaus glaubwürdigen Shelby und selbst Enzo Ferrari mag im Film zu überzeugen.

Unsere Empfehlung

“Le Mans ’66” ist ein Film, den man sicherlich mehr als einmal schauen kann, ohne sich zu langweilen oder zu ärgern. Manche Feinheiten sieht man sogar erst bei der zweiten oder dritten Sichtung des Films. So gesehen lohnt sich die Anschaffung einer DVD/Bluray-Version sicherlich, wenn man über geeignetes Abspielinventar verfügt, denn ein grosser Bildschirm und gute Lautsprecher erhöhen den Genuss auf jeden Fall beträchtlich.


Bei Testfahrten - Film "Le Mans '66"
Copyright / Fotograf: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Ein Vorteil der DVD/Bluray-Version ist übrigens (in den meisten Ländern), dass man die Tonspur selber auswählen kann. Wir empfehlen die Originalsprache (englisch), denn Schauspieler sind bekanntlich nicht nur nette Gesichter, sondern eben auch Stimmen. Und selbst die beste Synchronisation  kommt dem Original bezüglich Ausdrucksfähigkeit und Einfühlsamkeit meist nur nahe.

Und noch eine Nachbemerkung: Auch nach dem zweiten Anschauen überzeugt der Film weiterhin, er hat damit eine gute Chance, sich unter den besten zehn Autorennfilmen aller Zeiten einzuordnen.

Angaben zum Film

  • Titel: Le Mans ’66
  • Regisseur: James Mangold
  • Filmstudie: Twentieth Century Fox Home Entertainment
  • Sprachen: Deutschen , Englisch, Französisch, Italienisch (Untertitel: Deutsch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Spanisch)
  • Format: Breitbild, 2.39:1, DVD oder Bluray
  • Freigabe: ab 6 Jahren
  • Erscheinungstermin (DVD/Bluray): 2. April 2020 (je nach Land unterschiedlich)
  • Produktionsjahr: 2019
  • Spieldauer: 153 Minuten
  • Kaufen/bestellen: Online bei amazon.de oder bei anderen Online- und Offline-Verkaufsstellen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ma******
05.05.2020 (09:27)
Antworten
2 x im Kino gesehen mit großartiger Soundkulisse und hätte ich Abspielgerät, diesen Film würde ich mir kaufen und hin-und wieder anschauen. Gute Rezension. Danke!
von gi******
05.05.2020 (09:33)
Antworten
Der Ferrari "P3" ist eigentlich ein P4 oder 412P, zumal die P3 von 1966 für die 67er Saison äußerlich nach P4 Spezifikation umgebaut wurden.
Enzo Ferrari war niemals in Le Mans, er ließ sich nur noch beim F1 Training in Monza blicken. Der Mann hat mehr verdient, als seine diversen Darstellungen in "Grand Prix", "Rush" oder "Le Mans 66".
Und so hart, wie Christian Bale alias Ken Miles Gänge wechselt, hätte er die Zielflagge nie gesehen.
Ansonsten ein guter Film mit tollen Darstellern und beeindruckendem Aufwand realisiert. So muss es gewesen sein, und falls es nicht ganz stimmt, ist es trotzdem gut erfunden.
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