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Der Mann mit dem Hut - Hans Heyers Rennkarriere (Buchbesprechung)

Erstellt am 14. Februar 2015
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Sportfahrer Verlag / Bruno von Rotz (Repro) 
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Er ist “der Mann mit dem Hut”, Hans Heyer, Tourenwagen-Champion und mehrfacher 1000-km-Langstreckensieger. Sein Tirolerhut wurde zu seinem Markenzeichen, dabei kam Heyer eigentlich der Not gehorchend zu diesem Hut. Am Anfang seiner Rennkarriere fuhr er Kart und da trainierte man jeweils den ganzen Tag. Um sich dabei nicht zu erkälten, setzte Heyer, wenn er nicht gerade den Helm trug, eine Skimütze auf den Kopf. Doch diese Mütze diente dann nur allzu oft den Mechanikern als Putzlappen, also sann Hans auf Abhilfe. Die fand er in einem Tyrolerhuts eines guten Freundes.

Buch "Hans Heyer - Rennsport am Limit" - Der Mann mit dem Hut
Copyright / Fotograf: Sportfahrer Verlag / Bruno von Rotz (Repro)

Ab sofort trug er diese Kopfbedeckung und auf manchen Rennstrecken taugte der Hut eher als Ausweis für das Betreten der Boxen als ein Rennfahrerausweis. Und es gibt kaum Fotos, auf denen Hans Heyer nicht diesen berühmten Tirolerhut trägt.

Von der Basis zur Spitze

Hans Heyer begann seine Rennfahrerkarriere im Go-Kart. Eigentlich kam er durch Zufall zum Kart, als er im Rahmen seiner Berufsausbildung im Hause Daimler-Benz einen Kollegen an einem Go-Kart herumbasteln sah.

Buch "Hans Heyer - Rennsport am Limit" - Die Anfänge im Kart
Copyright / Fotograf: Sportfahrer Verlag / Bruno von Rotz (Repro)

Hans Heyer war sofort fasziniert, suchte das nötige Geld zusammen und machte sich nach Holland auf, um dort in der Folge auch zweimal Meister zu werden. Damit war aber noch nicht genug, er wurde auch viermal Europameister und mehrfacher Deutscher Meister und damit der bis heute erfolgreichste Go-Kart-Fahrer Deutschlands.

Noch während seiner aktiven Kart-Karriere begann Heyer auch Tourenwagen zu fahren, unter anderem für das Koepchen-BMW-Team und dies, wie nicht anders zu erwarten war, äusserst erfolgreich.

Vielseitig

Neben Kart und Tourenwagen, dem er wohl seine grössten Erfolgte zu verdanken hat, fuhr Hans Heyer aber auch immer wieder andere Fahrzeuggattungen, untern anderem den BMW M1 Gruppe 5 und ProCar, den Sauber SHS C6, die Porsche-Modelle 935, 936C und 956, sowie natürlich die Lancia-Rennwagentypen LC1, LC2 und Montecarlo Turbo.

Buch "Hans Heyer - Rennsport am Limit" - die schnellen Zeiten im Gruppe 5 Lancia
Copyright / Fotograf: Sportfahrer Verlag / Bruno von Rotz (Repro)

Typisch für Heyer war nicht nur sein fahrerisches Talent sondern auch sein technisches Einfühlungsvermögen. Schon beim Aufbau der Autos war er meist mit von Partie und stellte so seinen späteren Erfolg in den Rennen sicher.

Für grosse Marken

Heyer fuhr für insgesamt fast ein Dutzend grosse Automobilhersteller: BMW, Ford, Jaguar, Mercedes-Benz, Lancia, Porsche und Toyota, neben anderen. Nicht alles waren Werkseinsätze, diese beschränkten sich auf fünf Marken.

Seine grössten Erfolge waren sicher die Titel als Deutscher Rennsport-Meister, aber auch die Meisterschaftsgewinne im internationalen Tourenwagensport. Doch auch mehrere Siege bei Langstreckenrennen zeichnen Heyer als einen der besten seiner Zunft aus.

Auf Abwegen

20 Minuten nur dauerte Heyers Renn-Karriere im Formel 1. 1977 sass er im ATS von Günter Schmid. Zwar hatte er die Qualifikation beim GP Deutschland verpasst, doch da Alan Jones durch eine Kollision beim Start  ausfiel, liess man den Heyer trotzdem auf die Strecke, bis dann nach einigen Runden die Schalthebelbefestigung brach. Dabeisein ist alles, selbst für einen, der sonst fast alles gewonnen hatte.

Auch der Lastwagen, sozusagen am anderen Ende des Rennwagenspektrums, war ihm nicht fremd, er fuhr mehrfach am Truck Grand Prix auf dem Nürburgring mit und  gewann mit dem LKW sogar die Rallye Paris–Dakar.

Komplett und übersichtlich

Das Buch ist einerseits chronologisch, andererseits nach Marken geordnet. Ganz am Ende gibt es einen Datenteil mit den Rennteilnahmen und den Ergebnissen.

Buch "Hans Heyer - Rennsport am Limit" - Alle Rennergebnisse
Copyright / Fotograf: Sportfahrer Verlag / Bruno von Rotz (Repro)

Grossformatige Kapitelüberschriften machen die Navigation im Buch einfach. Wie in manchen anderen Büchern fehlt leider ein Stichwortverzeichnis, aber die knapp 300 Seiten sind relativ schnell durchsucht, wenn man auf besondere Momente, wie z.B. das berühmte Duell mit Marc Surer aus ist (siehe Seite 119 - Ein ganz heisses Jahr - spiel mir das Lied vom Schrott ....).

Bildreich

Dass mit Ferdi Kräling ein Foto-Profi am Buch mitgearbeitet hat, merkt man schon beim ersten Durchblättern. Das umfangreiche Bildmaterial und die eindrücklichen Farb- und Schwarzweiss-Bilder freuen den Motorsport-Fan. Nur einen etwas brillanteren und kontrastreicheren Druck wünschte man sich vielleicht von Zeit zu Zeit, um noch mehr von den Fotos zu haben.

Unterhaltsam und informativ

Die Stärken des Buchs sind nicht nur die komplette Aufarbeitung der Rennkarriere durch die Autoren, sondern auch die Äusserungen Heyers Weggefährten, ob sie nun Erich Zakowski, Hans-Joachim Stuck, Hans-Werner Aufrecht oder Domingos Piedade heissen.
Die Vielseitigkeit des Hans Heyer macht den Band aber auch für die Anhänger unterschiedlicher Fahrzeuggattungen interessant und lesenswert.

Euro 49.00 sind für das Gebotene sicher nicht zuviel und für Leute, für die Motorsport mehr als die Formel 1 ist, ist das Buch sicher eine empfehlenswerte Anschaffung. Für Fans von Ford-Capri, Lancia Montecarlo oder der “roten Sau” ist das Buch wohl sowieso ein Muss. 

Bibliografische Angaben

  • Titel: “Hans Heyer - Rennsport am Limit”
  • Autoren: Michael Behrndt, Ferdi Kräling, Uwe Mahla
  • Verlag: Sportfahrer Verlag (14. Dezember 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • Ausführung: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: : 288 Seiten, rund 450 Farb- und Schwarzweiss-Fotos
  • Grösse: 30,6 x 24,6 x 2,8 cm
  • ISBN-10: 3945390028
  • ISBN-13: 978-3945390023
  • Preis: Euro 49
  • Kaufen/bestellen: Online bei amazon.de oder im einschlägigen Buchhandel

Kapitelüberschriften

  • Vorwort Hans Heyer
  • Vorwort Erich Zakowski
  • Hans Heyer – Der Mann mit dem Hut
  • Kapitel 01 – Familie und Firma - Mit dem Lkw durch ein geschlossenes Hallentor
  • Kapitel 02 – Die Kart-Zeit - Holländischer Meister und ein italienisches Angebot
  • Kapitel 03 – Hans Heyer und BMW - Immer wieder mal
  • Hans-Joachim Stuck: „Hans war einer meiner Lieblingsgegner“
  • Kapitel 04 – Einsätze für AMG - Wo ist Affalterbach?
  • Kapitel 05 – McLaren-Mercedes - Das Gruppe-C-Denkmodell
  • Hans-Werner Aufrecht: „Unser Mann kam mit glühenden Bremsen an“
  • Kapitel 06 – Renneinsätze im Porsche - Unterwegs für Kremer, Loos, Joest und Co.
  • Kapitel 07 – Die Ära Ford und Zakspeed - Wunderbare Jahre - und ein bitterer Nachgeschmack
  • Kapitel 08 – Die Ära Lancia - Grande Casino und ein Titel nach Maß
  • Domingos Piedade: „Ein verrückter Hund - aber ein guter Freund“
  • Kapitel 09 – Hans Heyers Formel-1-Einsatz - Einmal im Leben!
  • Kapitel 10 – Jaguar und Tom Walkinshaw Racing
  • Musik und Rennsport sind in England nicht zu toppen
  • Kapitel 11 – Renault - Im Feld der wilden Hummeln
  • Kapitel 12 – Yörn Pugmeister: „Mit Hans Heyer nach Afrika!“
  • Kapitel 13 – RAS Toyota - Lockruf aus Nippon
  • Kapitel 14 – AMG zum Zweiten - Mercedes kehrt zurück
  • Kapitel 15 – Der kooperative Rebell - Hans Heyers Team-Chefs
  • Kapitel 16 – Die Sauna-Mannschaft
  • Kapitel 17 – Abseits der Rennstrecke - Zwei 24-Stunden-Jobs
  • Kapitel 18 – Die Zeit danach - Der Spaßanteil muss stimmen
  • Kapitel 19 – Ergebnislisten und Statistik
Buch "Hans Heyer - Rennsport am Limit" - Einband
Copyright / Fotograf: Sportfahrer Verlag / Bruno von Rotz (Repro)

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