Das Schaffen der “Schweizer Carrossiers” von den Anfängen bis 1970 (Buchbesprechung)

Erstellt am 8. Dezember 2013
, Leselänge 3min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
SwissClassics Publishing AG 
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Michel Zumbrunn 
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Der bekannte Automobilhistoriker Ferdinand Hediger bietet im Buch “Schweizer Carrossiers” einen umfassenden Überblick zu den wichtigsten Schweizer Karosseriebauer-Betrieben. Er konnte bei der Redaktion des Werkes auf viele Artikel zurückgreifen, die er über die letzten Jahrzehnte selber verfasst hat.


Alvis TC 21/100 Super Graber (1955) - im Buch "Schweizer Carrossiers"
Copyright / Fotograf: Michel Zumbrunn

Was in Frankreich Saotchik, Antem, Chapron oder Figoni & Falaschi, in Deutschland Erdmann & Rossi, Rometsch, Hebmüller oder Autenrieth und in Italien Touring Superleggera, Ghia oder Carrozzeria Bertone hiess, das nannte sich in der Schweiz Graber, Gangloff, Langenthal oder Worblaufen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Dieser Künstler - es Handwerk zu nennen, würde wohl den Endprodukten nicht gerecht - bauten mit viel Geschick kunstvolle Karosserien auf eingekaufte Fahrgestelle. Mancher dieser Betriebe hatte seine Ursprünge im Kutschenbau, doch entwickelte sich der Fahrzeugbau schnell vom Holzhandwerk in Richtung Metallverarbeitung.


Riley 2,5 Liter Coupé Köng (1948) - im Buch "Schweizer Carrossiers"
Copyright / Fotograf: Michel Zumbrunn

Umfassendes Werk

21 Schweizer Karosseriebetriebe werden auf fast 160 Seiten im Detail behandelt. Bereits hier wird mancher Leser auf Namen stossen, die ihm bisher unbekannt waren:

  • Bernath (La Chaux-de-Fonds)
  • Beutler (Thun)
  • Brichet (Genf)
  • Gangloff (Genf)
  • C & R. Geissberger (Zürich)
  • Ghia (Aigle)
  • Graber (Wichtrach)
  • Gygax (Biel)
  • Hartmann (Lausanne)
  • Heber (Genf)
  • Hess (Solothurn)
  • Höhener (St. Gallen)
  • Köng (Basel)
  • Langenthal (Langenthal)
  • Ramseier & Jenzer (Bern)
  • Reinbolt & Christé (Basel)
  • Sanwald (St. Gallen)
  • Seitz (Kreuzlingen)
  • Tüscher (Zürich)
  • Worblaufen (Worblaufen)

Dass die bekanntesten Betriebe wie Graber oder Langenthal etwas mehr Platz erhielten, ist angesichts ihrer Produktivität naheliegend. Doch Ferdinand Hediger hat es geschafft, auch die kleineren Karossiers einfühlsam zu charakterisieren und gerade diese sind eine Entdeckung wert.

Zu den detailliert beschriebenen Karosseriefirmen gesellen sich auf rund 14 Seiten kurze Beschreibungen von rund 30 weiteren Anbietern, von der Carrosserie du Léman F. Baldenweg, über Otto Dietrich, Heinrich Eckert oder Egli bis Alfred Hänni, Julius Kölz, A. Moret et Fils oder die Carrosserie de Sécheron. In dieser letztgenannten Firma entstand übrigens 1954 ein elegantes Kunststoff-Coupé mit Crossley-Motor.

Durch den Fokus auf die Karosseriebauer fehlen natürlich entsprechend die Hersteller von ganzen Fahrzeugen wie Felber, Sbarro, Enzmann oder Monteverdi.

Selten oder gar noch nie gesehenes Bildmaterial

Neben den Texten von Hediger sind es natürlich die Bilder, die das Buch “Schweizer Carrossiers” zum Genuss machen. Dank der umfangreichen Illustration kann das Werk gut auch als “Coffee Table Book” durchgehen.

Manche zeitgenössische Bilder dürfte auch der Fachmann in diesem Buch zum ersten Mal sehen und dank des qualitativ hochstehenden Papiers, das beim Druck verwendet wurde, ist die Betrachtung ein echter Genuss, auch wenn man sich bei der einen oder anderen Farbabbildung noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte.


SS Jaguar 2,5-Liter Tüscher (1937) - im Buch "Schweizer Carrossiers"
Copyright / Fotograf: Michel Zumbrunn

Elegante Fotografien

Der international bekannte Auto-Fotograf Michel Zumbrunn hat in seiner Karriere viele Sonderkarosserien auf Film gebannt und einige dieser im typischen “Zumbrunn-Look” gehaltenen Abbildungen sind denn im Buch “Schweizer Carrossiers” enthalten. Dank ausgefeilter Studiotechnik zeigen sich Farben und Formen der raren Autos in transparenter Weise.


Buch "Schweizer Carrossiers" von Ferdinand Hediger - Panoramafotos für noch mehr Betrachtervergnügen
Copyright / Fotograf: SwissClassics Publishing AG

Einige dieser Fotografien können ausgeklappt werden, umfassen jeweils drei Seiten, was dem Format 73,5 x 33,5 cm entspricht. Ein ganz besonderes Betrachtervergnügen!

Für die Freunde eleganter Karosserien

Empfohlen werden kann das Buch eigentlich jedem, der sich für die in kunstvollem Handwerk entstandenen Sonderkarosserien interessiert.

Wer minutiöse Aufstellungen und umfangreiche Tabellen mit technischen Daten, Designer-Verantwortlichkeiten und Bauzeiten sucht, der ist mit diesem Buch sicher nicht ideal bedient. Man muss sich schon durch die einzelnen Kapitel durcharbeiten, um einen gewissen Überblick über die Arbeiten der einzelnen Karosseriebauer zu erhalten. Auch erlaubt natürlich ein rund 180 Seiten starkes Buch keine vollumfängliche Abhandlung zu jeder beschriebenen Firma, aus diesem Grunde gibt es ja zum Beispiel zu Graber auch ein eigenes Buch, ein weiteres noch umfangreicheres ist im Entstehen begriffen.

Als Einführung in die Schweizer Carrossier-Landschaft kann das neue Buch aber auf jeden Fall empfohlen werden und es taugt herrlich zum Verkürzen der Winternächte ...

Das Buch kostet CHF 69.50 / EUR 59.– (zuzüglich Versandkosten Schweiz CHF 9.-, Euroland EUR 8.-, Welt EUR 15.-).

Bestellt werden kann das Buch “Schweizer Carrossiers” am einfachsten online über den Herausgeber oder alternativ via Amazon , wo die Preise leicht anders gestaltet sind. .

Bibliografische Angaben

  • Titel: “Schweizer Carrossiers - Von den Anfängen bis 1970”
  • Autor: Ferdinand Hediger
  • Verlag: Swiss Classics Publishing AG
  • Auflage: 1. Auflage (17. Oktober 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • Umfang/Format: 200 Seiten, 33,5 x 24,5 x 2,3 cm, über 150 Bilder, davon viele mehrfarbig, neun breitformatige Bilder zum ausfalten; Leinenband mit Fadenheftung
  • ISBN-10: 3952417106
  • ISBN-13: 978-3952417102
  • Preis: CHF 69.50
  • Bestellen: Beim Verlag online oder bei Amazon

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