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Audi V8 - in die Oberklasse und zurück (Buchrezension)

Erstellt am 16. Mai 2014
, Leselänge 5min
Text:
Holger Merten
Fotos:
Werk / Delius-Klasing Verlag 
12
Delius Klasing Verlag 
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Rückblickend verweist das Audi Marketing gerne darauf, mit dem 1988 in Paris präsentierten Audi V8 den Einstieg ins automobile Oberhaus geschafft zu haben. Bei einer etwas kritischeren Betrachtung mag man eher zum Schluss kommen, dass der Audi V8 ein bedeutsamer Zwischenschritt war. Den Fuss auf die Treppe nach oben setzte man bereits 1979 mit der Vorstellung des Audi 200 turbo und ein Jahr später dann mit dem Audi quattro in Genf. Abgeschlossen und akzeptiert war der Weg dann 1994 mit dem Audi A8 in Vollaluminiumbauweise.

Und der Audi V8? War sicherlich ein würdiger Anschluss an die Zeiten als Horch mit den Vier Ringen am Bug die 8-Zylinder-Dominanz in Deutschland inne hatte. Und so wollte man knapp 50 Jahre später auch bei Audi mit einem Horch genannten Achtzylinder ins Oberhaus zurück kehren. Aber daraus wurde nichts.

Audi V8 (1988) - der Wagen für das Titelbild der Verkaufsliteratur
Copyright / Fotograf: Werk / Delius-Klasing Verlag

Audis Wunderwerk

Die einen lächelten, die anderen ahnten etwas als sie den Audi V8 bei seiner Premiere in Paris zu Gesicht bekamen. Nicht mehr als ein aufgeblasener Audi 100 sei das, nicht weniger als der Angriff auf die Stellung von BMW und mehr noch von Mercedes. Am Ende der Produktionszeit 1993/94 sollten alle recht behalten.

Das Ingolstädter Flagschiff konnte sich trotz 90%er Neuteile, insbesondere unter der technisch anspruchsvollen Leihgarderobe des Audi 100, nie zum eigenständigen Modell entwickeln. Andererseits war es die anspruchsvolle Technik und die gediegene Materialqualität und die besondere Fertigungspräzision, die den Audi V8 deutlich von den profanen Massenmodellen abhob.

Mehr als 190 Seiten

In einem neuen Buch mit dem schlichten Titel "Audi V8" geht Autor und V8-Kenner Bastian Preindl auf Spurensuche nachAngriff auf die Spitzenklasse nach, und tut das in spannender, weil vertiefter Herangehensweise. Preindl fängt bei den ersten Versuchen bei Audi mit 6-Zylinder-Konzernmotoren als Alternative zu den 5-Zylinder-Turbomotoren an, beschreibt die Wege des Designs mit allen Um- und Nebenwegen, um dann die Technikentwicklung im Detail vorzustellen. Wie kam es zu diesem V8-Zylinder, welches Getriebe war für den favorisierten quattro-Antrieb nötig und wo setzte der V8  technologisch einen Vorsprung.

Aller Anfang ist schwer

Audi V8 (1988) - perfekt in Szene gesetzt
Copyright / Fotograf: Werk / Delius-Klasing Verlag

Der Audi V8 war kein Wunschkind. Umso mehr ist es zu begrüssen, dass Preindl den Blick hinter die Kulissen wagt. Audi, die etwas verfehmte VW-Tochter in Süddeutschland, hätte den Vorstoss weder finanziell noch vetriebstechnisch alleine wagen können noch dürfen. Umso wichtiger war es, in Wolfsburg ganz oben, Mitstreiter wie Carl Hahn, den Vorstandsvorsitzenden zu haben, der das Projekt mittrug.

Spannend und interessant arbeitet Preindl in seinem Werk heraus, in welch realistischer Einschätzung der Mühen aber auch der Veränderungsbereitschaft sich Techniker, Vertrieb und Marketing, um die erfolgreiche Höherpositionierung bemühten. Man ahnte, was es kosten würde und welcher Anstrengungen es bedurfte eine verwöhnte Klientel zu erreichen, vielleicht sogar zu überzeugen aber mehr sie zu gewinnen. Knapp DM 100'000,- als Einstandspreis waren Ende der 80er Jahre ein Wort.

Exklusivität, Qualität und Technik

Der Audi V8 griff selbst vom Preis deutlich oberhalb der Einsteigermodelle vom 7er BMW und der S-Klasse an. Nicht 730er oder 300SE waren nach dem Blick in die Preisliste im Visier des Marketings, sondern die deutlich drüber liegenden 8-Zylinder aus Stuttgart und München kamen als Vergleichsmodelle in Frage. Und selbst die waren noch deutlich billiger als der zugegeben sehr gut ausgestattete Audi V8.

Dass er sein Geld wert war, belegt Preindl mit seinem Beitrag zu den von Audi ausgewählten Materialien und der verwendeten Technik. Stoffe, Leder, Teppiche und Hölzer von den besten Lieferanten der Welt, auf Rolls Royce Niveau und von deren bevorzugten Lieferanten. Klimaanlage, Automatikgetriebe, Motorelektronik, neu entwickelt und vom Feinsten, was es damals auf dem Markt gab.

Der Kompromiss bestand in der abgewandelten Karosserie und der Verwendung des 1,8 16V Konzernmotors als Ausgangslage für den V8. Sicher, 250 PS aus 3,6 Liter Hubraum waren ein Wort. Aber die Automatik und das Gewicht zerrten an der Potenz.

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Modellentwicklung, Marketing, Motorsport und Pressearbeit

Auch wenn der Audi V8 nicht so wirkt, aber er hat während seiner gut fünfjährigen Bauzeit eine intensive Modellpflege und ein äusserlich wenig, technisch aber deutlich auffallendes Facelift erfahren.

Autor Preindl gibt hierzu interessante Einblicke in die damalige Pressearbeit, dokumentiert Werbekampagnen und  stellt die Modellentwicklung umfassend dar. Besondere Karosserieformen wie Langversion, Sonderschutzfahrzeuge oder Einzelanfertigungen sind ausführlich beschrieben. Und das erfolgreiche Engagement in der DTMt mit den beiden Meisterschaften 1990 und 1991 sowie die damit Marketingmasnahmen im In- und Ausland sind ausführlich in eigenen Kapiteln beschrieben.

Zielgruppen und Zielmärkte

Bevorzugt wollte man das Schiff den Amerikanern verkaufen, der hier Audi 5000 genannte Audi 100 hatte sich in den USA zu einem beliebten deutschen Importprodukt gemausert. Was lag näher als die Amis mit V8, Automatik und deutschen Tugenden zu gewinnen und verwöhnen. Leider schlug den Ingolstädtern dabei die Geschichte der ungewollten Beschleunigung entgegen, bei denen die Fahrer das Gas mit der Bremse verwechselten und die anschliessenden Prozesse, die Audi alle gewann, dann für einen beinahe irreparablen Imageschaden in Nordamerika sorgten.

So musste der V8 plötzlich in Europa für Furore sorgen. Da half auch die Langversion des Audi V8 nichts mehr. Doch in Europa fand der V8 seine Käufer, jeder musste schliesslich von der Konkurrenz abgeworben werden. Mehr als 50 Märkte wurden mit dem V8 beliefert. In der DTM feierte er zwei Triumphe und als Tuningobjekt war er auch begehrt.

Ein Buch für jedermann

Wer wissen will, wie man ein Auto entwickelt, was hinter den Kulissen alles abgeht, worauf zu achten ist, wer alles seine Finger im Spiel hat. Wie man ein Serienprodukt im Markt begleitet. Kurz, wer wissen will, wie und warum Audi es geschafft hat, auch mit dem Audi V8 den Einstieg in die Oberklasse geschafft zu haben, obwohl es immer so aussah, als hätte Audi es nicht geschafft. Der kommt um diese Buch nicht herum.

Selten haben wir so eine vertiefte Lektüre zu einer Fahrzeugmonografie gelesen, die wirklich alle Aspekte ausleuchtet, beschreibt und mindestens genauso wichtig, mit vielen bisher nicht gesehenen Bildern illustriert. Und das mit einem Preis von 39,90 eher in der Mittelklasse angesiedelt als in der Oberklasse.

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Bibliografische Angaben

  • Titel: Audi V8, Neuer Stil in der Oberklasse
  • Autor: Bastian Preindl
  • Verlag: Delius-Klasing, 1. Auflage 2014 (7. April 2014)
  • Format:  280 x 302 mm, gebunden mit Schutzumschlag, 192 Seiten, 19 s/w- und 244 Farbabbildungen
  • Preis: € 39,90
  • ISBN: 978-3-7688-3752-1
  • Bestellen bei Delius-Klasing oder amazon.de

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Quelle:
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