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Lancia Flaminia Sport Zagato von 1960 - der schnellste Lancia-GT seiner Zeit

Erstellt am 2. Februar 2013
, Leselänge 7min
Text:
Daniel Reinhard / Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Archiv 
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Die letzte klassische Mille Miglia fand 1957 statt, bei der auf tragische Weise der Ferrari von Alfons Marquis de Portago nach einem Reifenplatzer von der Strasse flog und bei diesem Unfall neun Zuschauer in den Tod riss. Zwischen 1958 und 1961 fand die Mille Miglia dann weniger prominent als Etappen-Rallye statt. Im letzten Jahr (1961) siegte ein Lancia Flaminia Sport Zagato in der Klasse bis 2,5 Liter Hubraum und wurde Gesamtzweiter - ein Mille-Miglia-Erfolg, an den sich kaum noch jemand erinnert.

Lancia und der Rennsport

Lancia hatte sich 1955 nach dem tragischen Unfall von Ascari vom Rennsport zurückgezogen und überliess das Feld weitgehend Privatfahrern, die auch immer wieder für Erfolge sorgten. Anfangs der Sechzigerjahre aber erkannten die Lancia-Verantwortlichen, dass sich mit Rennsport-Trophäen effizient auf wichtige Lancia-Tugenden wie sicheres Fahrverhalten und sportliche Fahrleistungen hinweisen liess. Und so entstanden GT-Fahrzeuge, die bei Rundstreckenrennen, Rallyes und Bergrennen antraten.

Die Karosseriefirma Zagato half den oftmals nicht gerade leichtgewichtigen Lancia-Serienfahrzeugen zu wichtigen Pfundreduktionen und aerodynamischen Verbesserungen. So entstand auch der Lancia Flaminia Sport Zagato, kompakter und effizienter als das Touring-Serienpendant. Die ganz heissen Versionen nannte man “preparata”, was für Werksunterstützung und Rennsport stand. Und dann entstanden auch noch zwei Prototypen als Werksrennwagen. Diese nahmen unter anderem an der Targa Florio und an der wenig bekannten Rallye Mille Miglia teil und sorgten für viele Klassensiege.

Lancia Flamina Sport Zagato an der Targa Florio 1962

Selten und noch seltener

Ab 1957 baute Lancia die Flaminia, ab 1958 gab es ein Coupé, im Jahr 1958 kam auch die Zagato-Version dazu. Diese blieb eine Seltenheit, insgesamt baute Zagato nur 599 Flaminia-Coupés zwischen 1958 und 1967 (205 Sport 2500, 174 Sport 3C 2500, 33 Sport 2800 und 187 Super Sport).

Die “preparata”-Versionen aber blieben noch viel seltener. Gerade mal eine gute Handvoll sollen gebaut worden sein. Und schliesslich werden sie bezüglich Seltenheit noch von den zwei Prototypen übertroffen, die als Werksrennwagen eingesetzt wurden. Der erste im wurde im Jahr 1960 gebaut, bekannt geworden ist er mit der Strassenregistrierung TO 372685. 

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TO 372685 im Test

Bernhard Cahier traf am Genfer Automobilsalon des Jahres 1961 den Lancia-Pressechef Fiorio. Dieser kündigte ihm eine Überraschung an, die er sich in Turin zu Gemüte führen sollte. Cahier war gespannt und reiste wenige Wochen später nach Turin. Dort wurde ihm ein ganz besonderer Lancia Flaminia Sport Zagato gezeigt. “Very special” und “undoubtedly the fastest GT Lancia of the world” (zweifellos der schnellste Lancia-GT der Welt) schrieb Cahier in seinem Bericht, der im Juli 1961 in der Zeitschrift Sportscar Graphic erschien.

Der Wagen unterschied sich in wesentlichen Punkten vom “Serien-”Pendant. Die Linien waren anders, der Wagen niedriger und etwas kürzer, der Motor war von Facetti auf 150 PS gebracht worden. Dank spezieller Leichtmetallräder und Gewichtserleichterungen rundum wog der für Sporteinsätze prädestinierte Wagen trocken nur 943 kg, als Testgewicht gab Cahier 1111 kg an.

Chassis und Karosserie beschrieb Cahier als selbsttragende Konstruktion mit Hilfsrahmen für die Aufnahme der Aufhängungen und der Lenkung. Der Aufbau bestand ausschliesslich aus Aluminium.

228 km/h schnell war diese Sportversion mit langer Achse gemäss Werk damals, Cahier mass 212 km/h mit der kurzen Targa-Florio-Übersetzung.

Rennwagen mit Strassenzulassung

Weder Komfortattribute noch Geräuschdämmung wies der mit Michelin-X-Reifen besohlte Lancia auf, den Cahier über gut 300 km testete. Dies war auch nicht nötig, denn der Wagen war ja ausschliesslich für den Wettbewerbseinsatz gedacht. Dafür reichten auch zwei Kübelsitze und ein reduziertes Instrumenten-Arsenal im kargen Innenraum. Wichtiger waren die kräftigen Dunlop-Scheibenbremsen und ein für die schnelle Benzinbefüllung optimierter Tankverschluss.

Cahier lobte die enorme Elastizität des leichten Lancias und zeigte sich von der Beschleunigungsleistung beeindruckt. 8,4 Sekunden für den Sport von 0 bis 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) waren auch eine Ansage zu jener Zeit. Die Federung beschrieb  Cahier als straff, aber zum Aushalten. Er legte die Autobahn-Strecke von Turin nach Irvea mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 200 km/h zurück. Ja, das ging damals noch. Der Verbrauch über die ganze Teststrecke wurde mit knapp über 20 Liter pro 100 km notiert.

Cahier fuhr den Lancia am Tag vor der Abreise nach Sizilien, wo der Wagen mit den Piloten Giulio Cabianca und Elio Zagato teilnahm und prompt Platz 3 in der GT-Klasse bis 2500 cm3 errang.

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Klassensieg an der Mille Miglia 1961

Die Mille Miglia ist eines der bekanntesten Strassenrennen der Automobilgeschichte. Über 1000 Meilen wurden zwischen 1927 und 1957 auf öffentlichen Strassen zwischen Brescia und Rom Höchstgeschwindigkeiten gefahren. Im Jahr 1957 kam es dann zum tragischen Unfall, bei dem nicht nur Alfonso Marquis de Portago, der Neffe des spanischen Königs, und sein Beifahrer nach einem Reifenplatzer ums Leben kamen, sondern auch neun Zuschauer, darunter fünf Kinder, die mit in den Tod gerissen wurden. Die traditionelle Mille Miglia war damit nicht mehr tragbar.

In den Folgejahren 1958 bis 1961 wurde die Mille Miglia als Rallye mit Sonderprüfungen, die auf gesperrten Strecken und Rennpisten organisiert wurden, veranstaltet. Die zu fahrende Strecke betrug weiterhin rund 1’609 km, ein Grossteil davon wurde aber nicht mit Höchstgeschwindigkeit gefahren. 

Die letzte Austragung im Jahr 1961 wurde durch Gunnar Anderson und Charlie Lohmander auf einem Ferrari 250 GT gewonnen, auf Platz 2 trafen Giulio Cabianca mit Beifahrer Piergiorgio Provolo ein, als Sieger der GT-Klasse bis 2,5 Liter Hubraum. Sie fuhren den Lancia Flaminia Sport Zagato mit der Registrierung TO 372685.

Einen weiteren Klassensieg fuhren Piero Frescobaldi/Alessandro Federico/Mennato Boffa an der Targa Florio 1962 heraus, als Gesamtachte. Weitere Erfolge gab es beim Bergrennen von Triest-Opicinia, an der Coppa Campidoglio sowie weiteren Veranstaltungen zu verzeichnen, die letzten datieren aus den Jahren 1963/1964.

Lancia Flamina Sport Zagato an der Targa Florio 1963

Verschollen und wieder aufgetaucht

Nach den Renneinsätzen fristete der erste Flaminia Sport Zagato mit Chassis-Nummer 1367 ein trauriges Leben in einer verstaubten Ecke im Lancia-Werk. Erst 1989 taucht der Wagen in einem Schriftverkehr zwischen dem Restaurierer Bertozzi und dem Registro Storico Zagato wieder auf.

Mit grossem Fachwissen stellte Bertozzi die Karosserie wieder instand, er übernahm dabei die wohl bereits in den frühen Sechzigerjahren angepasste Front, die näher am Serienfahrzeug war als diejenige, mit der der Wagen an der Mille Miglia und der Targa 1961/1962 teilgenommen hatte.

Auch technisch rekonstruierte er soweit möglich den Ursprungszustand, musste aber zum Beispiel bei der verschollenen Elektrik auf Komponenten der Lancia Flaminia Berlina zurückgreifen.

2004 verkaufte der den Wagen weiter, im Jahr 2008 kam der Lancia in die Schweiz zu seinem heutigen Besitzer, der das Fahrzeug mit fachkundiger Hilfe der Garage Buschor technisch instandsetzen und optisch an den Zustand anlässlich der Targa Florio 1961 angleichen liess.

Die Tubolare Zagato Version

Neben den bereits beschriebenen Serien- und Rennversionen der Lancia Flaminia Sport Zagato stellte Elio Zagato auch noch eine “Tubolare Zagato”-Version her, also einen Aufbau auf einem Rohrrahmen ähnlich wie beim Alfa Romeo TZ. Dieses Auto, das soweit bekannt 1962 gebaut wurde, ist verschollen, es könnte gemäss Cesare Fiorio gut sein, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein Alfa Romeo TZ 2 daraus entstand, was für sich eine eigene interessante Geschichte wäre.

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Auszüge aus den Rennergebnissen von TO 372685

Jahr Datum Rennen Fahrer Ergebnis
1960 4. Sept Monza Coppa Inter-Europa Giovanni Rota / Elio Zagato Platz 1 in der Klasse GT 2500
1961 30. April Targa Florio Giulio Cabianca / Elio Zagato Platz 3 in der Klasse GT 2500
1961 17. - 20 Mai Rallye Mille Miglia Giulio Cabianca Platz 1 in der Klasse GT 1301-2500
1962 6. Mai Targa Florio Piero Frescobaldi / Alessandro Federico Platz 1 in der Klasse GT 2500, 8. Gesamt
1963 8. Sept Monza Coppa Inter-Europa Giovanni Rota Platz 4 in der Klasse GT 2500, 14. Gesamt


Neben TO 372685 nahmen eine Reihe weiterer Flamina Zagatos an Rennsportwettbewerben teil, zum Teil mit durchaus beeindruckenden Ergebnissen.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von mi******
15.02.2014 (23:12)
Antworten
sehr informativ
von Bo******
02.02.2013 (21:00)
Antworten
Super Bericht
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