Jaguar C-Type - mit dem Le-Mans-Sieger auf der Strasse zur Rennstrecke

Erstellt am 28. April 2011
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Christian Jenny 
3
Fotostudio Zumbrunn, Fällanden 
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Bruno von Rotz 
2
Darin Schnabel (courtesy RM Auctions) 
2
Autocar 
1
BB-Archiv 
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Hans Maag 
1
Archiv 
21

1950 hatte Jaguar noch drei seriennahe Jaguar XK 120 nach Le Mans gesandt, aber 1951 wollten es die Jaguar-Macher wissen. Nur acht Monate vor dem Le Mans Start 1951 begannen die Jaguar-Ingenieure mit der Entwicklung des XK 120C (C für Competition, also Wettbewerbsfahrzeug). Und am 23. Juni 1951 geschah das Unvorstellbare - ein neues Fahrzeug gewann auf Anhieb die 24 Stunden von Le Mans, am Steuer Walker und Whitehead.

Entwickelt mit Ziel Le Mans

Der Langstreckenklassiker war von Anfang an das Hauptziel für Jaguar, man war sich um die Marketingwirkung eines Erfolges in Le Mans bewusst.

Entsprechend legte man bei der Entwicklung viel Gewicht auf Zuverlässigkeit, auf Höchstgeschwindigkeiten ausgelegte Aerodynamik und gute Fahreigenschaften. Chef-Ingenieur Bill Heynes machte ganze Arbeit. Der 3.4-Liter-Motor des XK 120 wurde mit grösseren SU-Vergasern und Ventilen, sowie einer Reihe anderer Massnahmen auf 210 PS leistungsgesteigert.

Das Chassis wurde neu entwickelt. Die Automobil Revue bezeichnete die Konstruktion als “selbsttragendes Gitterfachwerk”, also die Kombination von Rohr- und Fachwerkrahmen, ausgerichtet auf erhöhte Verwindungssteifheit. Darüber wölbte sich eine leichtgewichtige Aluminiumkarosserie, gezeichnet vom Aerodynamiker Malcolm Sayer, mit nur einer Türe für den Fahrer. Gebremst wurde mit Lockheed-Trommelbremsen, eine Zahnstangenlenkung hielt den Wagen auf Kurs.

Im nur durch eine kleine Rennscheibe geschützten Cockpit fanden Fahrer wie Moss, Walker oder Whitehead zwar wenig Platz zwischen den Verstrebungen des Rahmens, dafür aber alle notwendigen Instrumente sowie Ersatzzündkerzen für unterwegs.

Erfolgreich (fast) überall

Getestet wurde der neue Wagen im Hinterland in der Nähe des Jaguar-Domizils. Einige Dinge wurden verbessert und dann machten sich die Fahrer auf Achse auf den Weg nach Frankreich, um zusätzliche Erfahrungen mit dem neuen Fahrzeug zu machen. Nach dem Sieg in Le Mans 1951 reihten sich weitere Siege auf, unter anderem in Goodwood, Reims, Torrey Pines, aber insbesondere in Le Mans 1953, wo man mit verbesserten Modellen mit Scheibenbremsen einen Doppelsieg (mit dem 4. Platz als Bonus) herausfuhr. 1952 hingegen gingen die C-Types mit aerodynamisch “verbesserten” Karosserien wegen Kühlungsproblemen unter.

Mit dem Rennwagen auf Achse zur Rennstrecke

Es war in den Fünfziger-Jahren üblich, mit dem eigenen Rennwagen per Achse zur Rennstrecke und auch wieder heim zu fahren. Dazu gibt es auch herrliche Anekdoten. Norman Devis musste zum Beispiel auf der Rückkehr von der Mille Miglia 1952 eine Reparatur unterwegs durchführen lassen und war gezwungen, einmal zusätzlich zu übernachten. Jaguar-Boss William Lyons wollte diese Spesen aber nicht übernehmen, da Devis ja auch sonst gegessen und geschlafen hätte.

Auch Schweizer griffen zum schnellen Jaguar

Einer der letzten gebauten C-Types, XKC 045, wurde durch den Italiener Tadini bis zum Ausfall bei der Mille Miglia 1953 gefahren. Der Wagen ging dann via das Werk an den Schweizer Ivo Badaracco, der 1954 beim Schweizer Grand Prix antrat und Dritter wurde.  Er verkaufte den Jaguar an Silvio Moser, der den Wagen nun mit Tessiner Kennzeichen an diversen Bergrennen einsetzte. Als nächster Besitzer folgte Hans Maag und ein ZH-Kennzeichen mit weiteren Starts bei Bergrennen in den Sechzigerjahren. Die Naht, mit der seine Frau beim Kandersteg-Bergrennen den Sitz reparierte, ist am heute im Besitz von Jaguar Heritage befindlichen Fahrzeug immer noch sichtbar.

Gut und vergleichsweise komfortabel zu fahren

Wenn man nicht allzu gross ist und die initiale Klippe des kleinen Einstiegs überwunden hat, kann man sich in einem C-Type durchaus wohl fühlen. Dank viel Drehmoment und für Rennwagenverhältnisse überdurchschnittlicher Federung/Dämpfung lassen sich selbst längere Distanzen leidensfrei zurücklegen. Die Nähe zum XK 120 und dessen Alltagseigenschaften ist spürbar, obschon natürlich auch die Nähe zum Rennwagen fühlbar ist. Dank maximaler Rundumsicht, kompakten Dimensionen (Länge 396 cm, Breite 164 cm) und geringem Gewicht (950 kg trocken, 1’100 kg fahrbereit) lässt sich der XK 120C gut dirigieren, selbst wenn man kein Stirling Moss ist.

Vermisst - gefunden

53 Jaguar C-Type wurden vom Werk gebaut, eine übersichtliche Menge. Gerade Rennwagen verschwinden aber leicht aus dem Blickfeld, weil sie bei Rennunfällen zerstört oder kontinuierlich bis zur Unkenntlichkeit weiterentwickelt werden.

Der 23. C-Type ist so ein Beispiel. Verkauft 1952 nach Kalifornien nahm XKC 023 ab 1953 mit Jack Douglas, einem Fernsehproduzenten und Komödienautor in Hollywood, am Steuer an lokalen Rennveranstaltungen teil. Entsprechend oft tauchte der rote (Farbbezeichnung “carmen red”) Jaguar in diversen Presserzeugnissen und Filmen, oft auch mit Starlet Mitzi Gaynor im Bild, auf.

Nach einem Überschlag verkaufte der unverletzte Douglas den Wagen weiter, aber auch der nächste Besitzer konnte das Auto nicht auf der Strasse halten und entschied sich dann, das unbeschädigte Chassis mit einer Devin-Kunststoffkarosserie auszurüsten.

Viele, viele Jahre später, der Wagen hatte diverse Wandlungen durchzogen und ruhte nun in Kisten, konnte der inzwischen ins Vergessen gegangene XKC 023 vom Schweizer Jaguar-Sammler Christian Jenny gekauft werden und mittels einer aufwändigen Restauration wieder in den Ursprungszustand versetzt werden. Im Mai 2001 nahm das Fahrzeug dann an der Mille Miglia teil und seither mit dem seltenen und wertvollen FIA-Heritage-Zertifikat geehrt, an diversen Oldtimer-Veranstaltungen.
So enden Real-Märchen.

Heute fast unbezahlbar

Neben den 53 durch das Werk produzierten C-Types existiert heute ein Mehrfaches an mehr oder weniger originalgetreuen Kopien. Die Originale aber erreichen bei Versteigerungen Rekordpreise, speziell wenn sie eine interessante Renngeschichte aufweisen. Phill Hill’s C-Type (XKC 007) zum Beispiel wechselte an der Monterey RM Auction 2009 für eine deutlich siebenstellige Dollar-Summe den Besitzer.

Gutgemachte Replicas, die sich manchmal selbst von  Kennern nur schwer von den Originalen unterscheiden lassen, sind zu einem Bruchteil (um die 10%) dieser Summe zu erhalten, machen aber kaum weniger Spass beim Fahren.

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