Ferrari 156 ‘Sharknose’ Formel 1 - fast der erste Mittelmotor-Monoposto aus Maranello

Erstellt am 19. Oktober 2011
, Leselänge 3min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
16
Jan Biekens 
8
Bruno von Rotz 
4
Philip Leemans 
3
Archiv 
4

1960 war auch für Ferrari, mit dem 246 Dino, das letzte Jahr mit Frontmotor. 1961 startete die Scuderia erstmals mit einem Mittelmotor-Monoposto, genannt Typ 156, bekannt unter dem Spitznamen „Sharknose” (Hainase).

Zwei Jahre im Einsatz

Die Autos wurden in den zwei Einsatzjahren 1961/62 von Phil Hill, Graf Berghe von Trips, Riccardo Rodriguez, Gian Carlo Baghetti, Lorenzo Bandini, Richie Ginther, Innes Ireland, Ludovico Scarfiotti, Willy Mairesse, John Surtees und Olivier Gendebien pilotiert. Das Reglement schrieb damals einen 1,5-Liter-Motor vor. Die Autos waren gegenüber ihren Vorgängern nicht nur leistungsmässig sondern auch optisch wesentlich kleiner und leichter.

Weltmeister im Jahre 1961

Der Amerikaner Phil Hill gewann damit 1961 die Weltmeisterschaft nachdem sein grösster Rivale aus dem eigenen Team, der Deutsche Graf Berghe von Trips in Monza tödlich verunglückte.

Alle Original-Fahrzeuge vernichtet

Von den insgesamt 8 oder 9 gebauten Autos (ein 62er Modell könnte ein modifiziertes 61er Chassis gehabt haben) wurden alle von Ferrari selbst vernichtet.

Der Nachbau von Chris Rea

Chris Rea liess sich für seinen Film „La Passione“ ein Auto bauen. Das Auto entspricht dem Original allerdings nur optisch. Als Motor verwendete man einen 206-Dino-Motor eines Serienfahrzeugs, als Getriebe baute man ein Hewland IIRC ein. Paul Harvey baute das Chassis nach einem einzigen Foto vom Unfallwagen des Mairesse Autos von 1962 nach.

Das Auto befindet sich heute im Besitz des Holländers John Bosch, ist aber noch immer Mittelpunkt eines Rechtsstreits. Ich hatte das grosse Glück von diesem Auto im Jahre 2000 in Maranello zufällig ein paar Fotos zu machen.


Ferrari 156 von 1961 - Sharknose - Replica von Chris Rea für den Film La Passione
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Recreation von Jan Biekens

Nun zum gelben Sharknose-Ferrari, 2011 unter anderem in Goodwood und auf der Solitude zu sehen, bei dem es sich um einen Nachbau des Gendebien-Auto von Spa 1961 handelt.


Ferrari 156 von 1961 - Sharknose - Recreation von Jan Biekens
Copyright / Fotograf: Jan Biekens

Der Engländer Jan Biekens begann in den Jahren 2001 und 2002 intensiv Daten, Fotos und Medienmaterial zu sammeln. Mit sehr viel Glück kam er dabei an eine Kopie einer originalen Chassis-Zeichnung.

Nach rund zwei Jahren Recherche, ohne grosse Hilfe von Ferrari, wendete sich Jan an Jim Stokes und beauftragte ihn mit dem Bau des Autos. Rund um einige Originalteile, allen voran Motor und Getriebe, wurde in 5 Jahren ein neues Auto gebaut.

Jan`s Ziel war es sein Auto möglichst nahe an das Originalauto von Olivier Gendebien vom GP Belgien zu bringen.

Kaum mehr bekannt - Olivier Gendebien

Wer war denn dieser Olivier Gendebien? Der Belgier wurde am 12. Januar 1924 in Brüssel geboren und starb am 2. Oktober 1998 in Tarascon (Frankreich). Er galt in den 50er Jahren als einer der besten Sportwagenfahrer und konnte die 24h von Le Mans vier mal gewinnen - 3 Mal (58, 61 und 62) mit Phil Hill als Teamkollege.

Neben den Sportwagen blieb seine F1-Karriere immer etwas auf dem Abstellgeleise. Bei 14 Starts zwischen 1956 und 61 konnte er aber doch einige WM-Punkte einfahren. Meist als Gastfahrer von Ferrari unterwegs, verbuchte er aber seine grössten Erfolge (Dritter beim GP Belgien in Spa 1960 und Zweiter beim GP Frankreich in Reims 1960) mit einem Cooper T51.

1961 startete er bei seinem Heim Grand Prix in jenem gelben (belgische Landesfarbe) Ferrari 156 (Chassis 0002), welcher Jan`s Vorbild wurde, aus der Pole Position und konnte einige Runden die Führung behaupten, bis er infolge fehlender Motorleistung (die Ferrari-Werkswagen hatten zu diesem Zeitpunkt bereits eine geänderte Motorspezifikationen mit einem 120-Grad-Zylinderwinkel statt 65 Grad) von seinen Kollegen auf den 4. Platz verwiesen wurde.

1962 zog er sich mit 38 Jahren vom aktiven Rennsport zurück. Nach dem Tod seiner Frau, leider nur kurze Zeit nach seinem Rücktritt, wanderte er in die USA aus und betrieb erfolgreich eine Rinderzucht, bevor er seinen Lebensabend in Frankreich verbrachte.

Leicht, tiefliegend, erfolgreich

Der Ferrari 156 wurde von 1961 – 64 eingesetzt. Als erster Mittelmotor Ferrari, das Konzept stammte von Carlo Chiti, wurde er von einem 1,5 Liter V6 Motor von Mauro Forghieri angetrieben. Der Motor war leicht und leistete 190 PS. Die Bauweise des Motors verhalb dem Auto zu einem extrem tiefen Schwerpunkt.

Sportwagen als Ableitung

Die Grundform des Autos wurde vom Sportwagen, dem 246P übernommen. So kam es zur berühmten Sharknose-Sportwagen. Beim 246P ist diese jedoch durch die Fahrzeugbreite nicht so extrem ausgeprägt.

Das Auto war nur 1961 wirklich erfolgreich. In dem Jahr jedoch gewann Ferrari damit bis auf drei Rennen alle, holte sich mit Phil Hill den Fahrer-, sowie auch den Konstrukteurstitel. Ab 1962 war man aber den Engländern mit den V8 Motoren hoffnungslos unterlegen.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von za******
25.08.2014 (17:26)
Antworten
Der e r s t e Monoposto mit Heck- bzw. Mittelmotor war nicht der 156 F1, sondern der Typ "246P/#0008", dessen Basis vom (Frontmotor-)Dino 246 F1 abgeleitet wurde.
Das Fahrzeug debütierte (bei einem einzigen Rennen) am 29.05.1960 beim F1-GP von Monaco mit Richie Ginther am Volant, der (trotz eines massiven Getriebeproblems) den sechsten Platz erreichen konnte (Hill=P3, von Trips=P8).
Danach "mutierte" #0008 zum "Dino 156 F2" (V6-65°, 1477 cm³), der beim F2-GP 1960 auf der Solitude mit von Trips am Steuer siegte.
Nach zwei weiteren Rennen im gleichen Jahr (Monza und Modena) wurde das Fahrzeug für die F1-Saison 1961 vorbereitet bzw. umgebaut und erhielt in diesem Zuge die berühmte "Sharknose"-Karosserie sowie die Bezeichnung "156 F1".
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