Dino 206 S - der zum Prototypen-Rennsport gezwungene Ferrari, der nicht so hiess

Erstellt am 13. September 2012
, Leselänge 6min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Wolfgang Wilhelm / Archiv Daniel Reinhard 
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Der Dino 206 S war nicht so erfolgreich, wie er hätte sein können. Und er wurde von der Presse weniger beachtet, als sein damaliger Konkurrent Porsche Carrera 6. Immerhin behandelten Berichte in der Zeitschrift Powerslide und Automobil Revue den schnellen Sportwagen-Prototypen, der nur 18 Mal gebaut wurde. Von diesen Berichten soll hier zitiert werden, um den Wagen aus der damaligen Perspektive heraus zu beleuchten. Die Hauptattraktion dieses Artikels sind aber die einmaligen Bilder, die vor einigen Jahren aufgenommen wurden.

In der Zeitschrift Powerslide 6/1965 wurde der Dino-Prototyp 166 P beschrieben.

Der Dino 166 P - der erfolgreiche Prototyp

Ferrari hat keine Zeit verloren. Im Dezember (1964) kündigte er - ohne auf Details einzugehen - die Produktion eines neuen, kleinen GT an, der den Namen „Dino“ tragen sollte. Der Wagen werde in gemeinsamer Regie Ferrari-Fiat hergestellt, eine Verwendung des Triebwerks als Basis für den Motor des kommenden Formel 2 Ferrari (ab 1967 1600 ccm) sei geplant.

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein, denn die Mitarbeit von Fiat war zweifellos eine kleine Sensation und liess auf ein gesteigertes Interesse am Automobilsport seitens des Turiner Konzerns schliessen.

Der überraschenden Ankündigung folgte nach nur vier Monaten ebenso überraschend die Vorstellung des Dino-Prototyps. Es handelt sich dabei natürlich keineswegs um die endgültige Version des Fahrzeugs, sondern viel mehr um einen reinen Wettbewerbswagen, der im Prototypenfeld den Namen „Dino“ erst einmal populär machen soll und daneben wertvolle Erfahrungen einbringt.

Sechs statt acht Zylinder

Was nun die technischen Einzelheiten des Prototyps anbelangt, so sticht als erstes der Motor in die Augen. Ursprünglich geplant war der Einbau einer etwas gezähmten Version des jetzigen Formel 1-Achtzylinders. Dann kam die CSI-Regelung, wonach vorerst in der neuen Formel 2 die Höchstzylinderzahl auf sechs beschränkt sei.

So disponierte man um und verwendete eine auf 1600 ccm gebrachte verbesserte Ausführung des ersten Formel 1-Sechszylinders von 1961. Dieser Motor leistete damals schon rund 170 PS, man wird mit der Hubraumvergrösserung auf 1600 ccm und mit den inzwischen angebrachten Verbesserungen unschwer auf über 180 PS bei grosser Standfestigkeit angelangt sein.


Dino 206 S (1966)
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Daniel Reinhard

Der genaue Hubraum beträgt 1592ccm, Bohrung und Hub 77 x 57 mm. Die maximale Leistung – die Ferrari nicht angibt – wird bei 9000 U/min angegeben und das Verdichtungsverhältnis beträgt 9,8:1. Sollten später Achtzylindermotoren zugelassen werden, so hat Ferrari ohne weiteres den jetzigen Formel 1-Motor in Reserve. Allerdings müssten dann wieder 500 Dinos hergestellt werden, ehe der Motor für die Formel eingesetzt werden kann – ein Aufwand, den man kaum in Kauf nehmen dürfte.

Gesamthöhe 96cm

Hinter der Hinterachse des Prototyps sitzt das Fünfgang-Getriebe. Die hinteren Scheibenbremsen sind innenliegend, sie werden durch besondere Schächte belüftet. Ein sehr leichter Rahmen bildet das Fahrgestell des nur 96 cm hohen Wagens, dessen Trockengewicht 586 kg beträgt. Erstaunlich sauber gefertigt ist die Fahrerkabine. Zwar beschneidet die extrem geringe Höhe jeden „überflüssigen“ Komfort, doch fallen die komfortablen Sitze, die durchdachte Instrumentierung und die gute Verkleidung aller Teile auf.


Dino 206 S (1966)
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Daniel Reinhard

Auch die Karosserie ist ein Stück liebevoller Arbeit und hebt sich vorteilhaft von früher oft erlebten Improvisationskünsten verschiedener Hersteller ab.

Erfolgreich

Ludovico Scarfiotti fuhr den Dino 166 P in seiner ursprünglichen und abgewandelten Form zum Gewinn der Europäischen Bergmeisterschaft des Jahres 1965 mit Siegen in Trtento-Bondone, Cesana-Sestriere, Freiburg-Schauinsland und Ollon-Villars. Am Gaisberg wurde Scarfiotti Dritter.

Aus dem Prototypen mit der Seriennummer 834 wurde dann ein für eine Fünfziger-Serie gebauter Sportwagen entwickelt, über den die Automobil Revue im Februar 1966 schrieb.

Der erste Dino 206 S der Fünfziger-Serie

Für die Kategorie der Sportwagen (50 Stück) stellt man bei Ferrari 50 Stück des letztes Jahr als Einzel- exem plar (Prototyp) eingesetzten Dino mit Zweiliter-V6-Motor her. Man hofft in Maranello, dass die Serie im Frühling herausgebracht sein werde, so dass dieses Modell bei den Sportwagen konkurrieren können wird.

Der «kleine» Ferrari nennt sich Dino 206/S und ist eine verfeinerte Version des letztjährigen Dino (166 P). Einige Detiländerungen mussten vorgenommen werden, damit dem Sportwagenreglement entsprochen werden kann. Geändert hat die Cockpitverkleidung, die oben offen ist und in der neuen Form günstigere aerodynamische Verhältnisse schafft. Die Gesamthöhe ist von 96 auf 95 cm reduziert worden. Je zwei übereinanderliegende Scheinwerfer sind vorne unter den Plexiglasverschalungen placiert. Die bieden oberen Scheinwerfer leuchten nach vorne, während die unteren ihr Licht mehr nach der Seite hin werfen.


Dino 206 S (1966)
Copyright / Fotograf: Wolfgang Wilhelm / Archiv Daniel Reinhard

Das Chassis des neuen Dino 206/S besteht nach wie vor aus Rohren, doch wurde das ganze Fachwerkgebilde noch mit Kunststoffplatten versteift. Es ist dies ein neueres System des Chassisbaus, das teilweise schon im letztjährigen P 2 angewendet worden war. Der Kunststoff hat hier den grossen Vorteil, dass er gegenüber dem sonst angewendeten Aluminium leichter ist. Der Radstand ist mit 228 cm vom letztjährigen Dino übernommen worden, während die Gesamtlänge von 382 auf 387,5 cm angestiegen ist. Die Fahrzeuglänge hat deshalb zugenommen, weil ganz hinten im Heck noch der vorgeschriebene «Kofferraum», der ein Gepäckstück von vorgeschriebenen Dimensionen aufnehmen muss, installiert wurde.

V6-Maschine

Noch nicht ganz gelüftet sind die Geheimnisse um den V6-Motor des Dino. Enzo Ferrari meinte, es handle sich hier bereits um ein von Fiat produziertes Aggregat, das dann später auch in einem sportlichen Fahrzeug von Fiat eingebaut werden soll.

Doch die Haube des Dino 206/S, wie man ihn am vergangenen Samstag einigen Fachjournalisten zeigte, wurde nicht geöffnet. Fest steht, dass es ein V6- 65-Grad-Motor ist mit je zwei obenliegenden Nockenwellen pro Reihe.

Die Gemischaufbereitung erfolgt mittels dreier Weber-Doppelkörper-Vergaser des Typs 40 DCN/2. Bohrung und Hub betragen je 86 und 57 mm, was einen Hubraum von 1986,61 cm3 ergibt. Die Leistung wird mit 218 PS bei 9000 U/min angegeben. Dies obschon die Verdichtung von 12,5.1 auf 10,8:1 reduziert worden ist. Die Leistung dürfte wahrscheinlich dank der Bearbeitung der Zylinderköpfe beibehalten worden sein. Mit den erneuerten Dino-Zylinderköpfen konnte die Leistungskurve etwas flacher gestaltet werden. Das vor der Antriebsachse placierte Aggregat ist mit der Differential/Getriebeeinheit verblockt. Das Getriebe w eist fünf Vorwärtsgänge auf.

Die gepressten Fünfspeichenräder sind vorne mit 5,50 X 13 und hinten mit 7,00 X 13 Reifen bestückt. Mit einem Trockengewicht von 580 kg und einer Leistung von 218 PS sollte der Dino 206/S seinem zukünftigen und direktesten Gegner, dem Porsche Carrera 6, für den 210 PS bei einem Fahrzeuggewicht von 575 kg angegeben werden, um eine schwache Nuance voraus sein. Als Spitze werden für den Zweiliter Ferrari 268 km/h angegeben.

Was die Aufhängungen anbetrifft, so ist der Dino klassisch gebaut. Die Scheibenbremsen mit den perforierten Bremsscheiben liegen hinten am Differential.

Mit zwei Litern Hubraum weniger erfolgreich?

Hatte Scarfiotti 1965 mit dem 1,6-Liter-Prototypen noch die europäische Bergmeisterschaft gewonnen, wurde er 1966 mit dem “Serien”-Sportwagen nur Zweiter. Siege waren für den in die Prototypen-Kategorie gedrängte Dino 206 S Mangelware, eine Ausnahme bildete die Coppa Citta di Enna, die Marcello Pasotti gewinnen konnte und die Bergrennen Cesana-Sestriere und Sierre-Montana, die Scarfiotti für sich entschied. Gute Platzierungen waren aber trotzdem möglich, so den 2. Rang in der Targa Florio 1966 oder  den 2. Platz bei den 1’000 km Nürburgring 1966.

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