Der Le-Mans-Zweiliter-Klassensieger von 1962 - ein Morgan Plus 4 - wird versteigert

Erstellt am 31. Oktober 2011
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Silverstone Auctions 
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Archiv 
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Rund 18’000 Vierzylinder-Morgan-Sportwagen wurden bis heute gebaut, doch einer sticht heraus. 1962 gewann ein Morgan +4 die Zweiliterklasse beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Dieser Wagen, der damals von Chris Lawrence zum Klassensieg gesteuert wurde, wurde am 4. November 2011 versteigert, allerdings nicht (sofort) verkauft. Nach der Autktion wechselte er allerdings für £ 120'000 die Hand.

Baujahr 1961

Chassis 4840 verliess die Produktionsstätte in Malvern im Mai 1961, gespritzt in der Farbe “Avian Blue”, einem leicht blassen Blauton. Entsprechend seiner Bestimmung wurde der offene Sportwagen mit dem Strassenkennzeichen “XRX 1” für Renneinsätze vorbereitet und für die 24 Stunden von Le Mans 1961 angemeldet. Hinter dem Projekt stand Chris Lawrence, der allerdings wegen einer Zwistigkeit mit seiner Mutter und seinem Stiefvater nicht selber ans Steuer gehen durfte.

Abgelehnt von den Le-Mans-Veranstaltern

Doch welche Schande! Der Wagen wurde abgelehnt. Die offizielle Begründung lautete, dass der Wagen zu altmodisch sei, im Prinzip ein Vorkriegswagen mit nachgerüsteten Scheibenbremsen und Speichenrädern. Inoffiziell dürfte Standard-Triumph Druck auf die Veranstalter in Frankreich ausgeübt haben, denn man hatte zu diesem Zeitpunkt in England schon viele Niederlagen wegen die von Lawrence eingesetzten Morgan-Fahrzeuge erleiden müssen.

Anstelle von Le Mans wurde der Wagen dann beim “Coppa Inter Europa” Rennen in Monza eingesetzt und hätte beinahe einen Klassensieg erreicht, wenn nicht wegen schlechter Vorbereitung ein Ventil durchgebrannt wäre, so konnte die Porsche-Truppe unter Huschke von Hanstein den Klassensieg erringen.

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Jetzt erst recht - Le Mans 1962

Für das Folgejahr 1962 wurde der Morgan wiederum für Le Mans angemeldet. Inzwischen hatte man den Wagen mit Hilfe der Morgan-Factory modifiziert, eine neue Super-Sports-Karosserie aus Aluminium mit tiefer liegender Motorhaube war aufgebaut worden, grüne Farbe und ein weisses Alu-Hardtop angebracht. Die Übersetzung war mit einer 2.9:1-Hinterachse länger, der Tank fasste rund 90 Liter (20 gallons). Das Gewicht betrug weniger als 790 kg und war damit 67 kg leichter als ein normaler Plus 4.
Die Registrierung lautete nun TOK 258, eine Nummer, die Chris Lawrence schon bei seinem 1956-er-Morgan gehabt hatte. Dieses Mal wurde die Nennung positiv bestätigt.

Mit der Startnummer 29 fuhr der Morgan Plus 4 mit Chassis-Nummer 4840 und Motornummer TS 82.405 auf den dreizehnten Platz in der Gesamtwertung, legte dabei 3’629,288 km zurück, was einem Durchschnitt von 151, 220 km/h entsprach und den Sieg in der Zwei-Liter-Klasse ermöglichte. Die Fahrer waren Chris Lawrence und Baron Shepard. Der Klassensieg war eine Sensation.

Besitzerwechsel und Neu-Registrierung

Während sich Chris Lawrence neuen Dingen zuwandte, gelangte Adrian Dence an ihn, mit dem Wunsch 4840 zu kaufen. Lawrence willigte ein, behielt aber das Nummernschild “TOK 258”. So musste Dence den Wagen neu registrieren. Am 23. Juli 1964 geschah dies und die ganze bisherige Geschichte des Fahrzeugs wurde sozusagen getilgt, denn der Morgan wurde wohl aus Faulheit als Neuwagen dokumentiert. Zu diesem Zeitpunkt trug der grüne Wagen noch immer das weisse Hardtop und wurde als zweisitziges Coupé mit dem Nummernschild “JXH 142 B” für den Strassenverkehr zugelassen.

Die nächsten vier Jahre fuhr Adrian Dence weiterhin Rennen mit Chassis 4840 und gewann damit unter anderem die “Freddie Dixon Trophy”. 1960 wurde der Wagen an Staleton Brothers verkauft und bildete Teil eines Zweiwagen-Rennteams (das andere Fahrzeug trug das Nummernschild “ALT 42 B”). In den folgenden Jahren folgten viele weitere Rennteilnahmen, unter anderem in Mugello im Jahre 1968.

Zurück zum ursprünglichen Besitzer

1970 kaufte sich Chris Lawrence seinen Le-Mans-Sieger zurück und setzte ihn ab dann auf der Strasse ein, um ihn später nach nur wenig Nutzung 1980 an Grahame Bryant zu verkaufen. Dieser liess den Morgan durch ex-Lawrence-Tune-Leute restaurieren und dann über Libra Motiva (Morgan-Händler) verkaufen. Ein Amerikaner griff zu und der Sportwagen gelangte nach Cincinnati in Ohio, USA.

Im Le-Mans-Trim zu verkaufen

Heute präsentiert sich der Wagen so, wie er damals in Le Mans gestartet war, also mit einer Lackierung in “british racing green” und mit dem hellen Hardtop. Die Weber-Doppelvergaser und die tiefliegende Karosserie entsprechend der in Le Mans eingesetzten Konfiguration. Das Fahrzeug (Registration JHX 142 B, Chassis-Nummer 4840, Motornummer TS32115HE) ist vollständig restauriert und fast zu schön für einen derartig berühmten Rennwagen. Der ursprüngliche Motor scheint allerdings irgendwann abhanden gekommen zu sein.
Mit einem Schätzpreis von £ 125’000 bis 165’000 wird die berühmte Geschichte und das gemäss Auktionshaus Silverstone Auctions ausserordentlich dicke History-File hoch bewertet. Zum Vergleich: Am 30. Oktober 2011 wurde von Artcurial in Paris ein "normaler" Morgan Plus Four von 1963 (das ehemalige Auto von Jean Paul Belmondo) in gutem Zustand für etwas über € 32'000 versteigert, das entspricht gerade mal 22% des unteren Schätzwertes des Le-Mans-Morgan! Mit den £ 120'000, die der Wagen in Nach-Auktions-Verhandlungen brachte, ist der Wagen aber immer noch sehr gut bewertet und wohl der teuerste Vierzylinder-Morgan überhaupt.

Nächstes Jahr feiert der Wagen des 50. Jubiläum seines Le-Mans-Klassensiegs, ein Startplatz bei den Le-Mans-Classics kann als nahezu sicher gelten.

Weitere Informationen finden sich auf der Website des Auktionshauses Silverstone Auctions

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