Der DRM-Einsatzwagen BMW 320 Gruppe 5 von 1977 aus der Sicht des Piloten

Erstellt am 30. April 2012
, Leselänge 5min
Text:
Marc Surer
Fotos:
Daniel Reinhard 
17
Bruno von Rotz 
4
Archiv 
1

Wir drei frischgebackenen Junioren, der deutsche Joachim Winkelhock, der US-Amerikaner Eddie Cheever und ich, fuhren aus München mit unseren 320i nach Le Castellet zum ersten Test des neuen 320 Gruppe 5. Trotz heftigem Schneefall in Deutschland, waren wir ohne Winterreifen unterwegs. Auf der etwas höher gelegenen Schwäbischen Alp lag dann auch auf der Autobahn richtig viel Schnee. Um nicht stecken zu bleiben sind wir im Formationsflug mit viel Schwung über die Standspur an den schockierten Alltagsfahrern vorbei geflogen.

Der erste Test

In Südfrankreich angekommen, durfte Eddie Cheever als erster in den BMW 320 Rennwagen steigen, was Manfred und mich natürlich ärgerte, aber er war als F2 Fahrer auch schon ein Stück weiter als wir. Dann endlich kam ich an die Reihe. Was für ein Schock für einen Formel 3 Fahrer, der ein feinfühliges Fahrzeug gewohnt war. So ein Tourenwagen, obwohl für diese Kategorie mit 960 kg relativ leicht, verhielt sich wie ein störrischer Esel, erst wollte er nicht in die Kurve rein und wenn er dann doch endlich drin war, wollte das Heck als erstes auch schon wieder raus. Man wurde gezwungen, das Fahrzeug so richtig um den Kurs zu prügeln!

Das erste Rennen

Bei den Tests zeigte sich, dass sich die Bestzeiten zwischen Eddie und mir hin und her bewegten. Manfred, der vorher nur Scirocco Cup gefahren war, wurde aber auch von Runde zu Runde immer schneller. Die Wahrheit sollte beim ersten Rennen ans Licht kommen. Nicht nur, wer von uns dreien der Schnellste sein sollte, sondern auch wie wir gegen die Ford Konkurrenz abschneiden würden.

Im belgischen Zolder fand der erste Lauf statt, eine Strecke, die ich bestens aus alten Formel-V-Zeiten kannte. Bereits im ersten freien Training hatte Cheever einen fürchterlichen Abflug. Er blieb mit dem Fuss zwischen Gas- und Bremspedal hängen und schoss Ende der Start-Ziel Geraden ungebremst durch die Leitplanken und blieb hinter einem Hügel im Gebüsch stecken. Als ich sein leichenblasses Gesicht sah, dachte ich: „Gut, den bist du los“.

So war es dann auch im Qualifying, aber im Rennen wurde er doch noch fünfter. Ich stellte den BMW, zur Überraschung aller auf die Pole-Position, welche ich aber am Start nicht nutzen konnte, da Hans Heyer mit dem Ford-Escort den besseren Start erwischte. Ich folgte ihm die ersten Runden, dann bremste ich ihn aus. Er verhielt sich bei diesem Manöver fair, etwas was sich im Verlaufe des Jahres aber drastisch ändern sollte ...

Ich gewann das Rennen vor Heyer und Winkelhock, welcher die beiden Routiniers Harald Grohs und Toine Hezemann niedermachte, wie er es immer so schön zu sagen pflegte. Gleich zwei Junioren beim ersten Auftritt auf dem Podest, das war natürlich ein Riesenschock für die etablierte Konkurrenz. Für uns jedoch ein Grund zum Feiern, obwohl wir natürlich insgeheim so ein Resultat erhofft haben. Dieses erste Rennen brachte einen unglaublichen Medienrummel mit sich. Die „Bunte“, der „Spiegel“, sie alle brachten mehrseitige Storys über uns, die wilden Jungs! 

Auf zum Nürburgring

In der grünen Hölle würden uns die Gegner dann schon zeigen wo's lang geht, wurde überall gesagt! Doch gute Vorbereitung ist alles. Unser Boss Jochen Neerpasch, selbst als Rennfahrer nicht unbekannt, trainierte mit uns im Vorfeld zum Rennwochenende auf der Nordschleife mit identischen Strassen 320i. Erst fuhr Neerpasch vorne weg, dann durfte einer von uns das Kommando übernehmen. Als Eddie an der Reihe war, versuchte er sofort Neerpasch abzuhängen. Als 19-jähriger vertrat er die Theorie, dass man pro Jahr um eine Zehntels-Sekunde langsamer wird, also konnte der mehr als doppelt so alte Boss der Motorsport GmbH niemals so schnell fahren wie er. Der Versuch endete bereits Ausgangs Hatzenbach an der Leitplanke ...

Zur Strafe musste er eine ganze Woche am Ring bleiben und mit den BMW-Versuchsfahrern weiter üben.

Das Rennwochenende zeigte schnell, dass wir auch hier mit vorne dabei waren. Mit meiner schnellsten Runde von 8,03 Min für die damaligen 22.8 km, inklusive der Südschleife, waren wir voll konkurrenzfähig. Um einen Vergleich mit heutigen Rundenzeiten auf der reinen Nordschleife 20,8 km (ohne Grand Prix Kurs) zu haben, können wir einfach rund 10% der damaligen Rundenzeit abziehen, das ergäabe also 7.14 Min. Kommt noch dazu, dass man inzwischen kleinere Retouchen an der Strecke vorgenommen hat, wie das Abflachen der Curbs (Randsteine), was einen weiteren grossen Zeitgewinn mit sich bringen würde.

Im Rennen zeigte sich, dass unser 320er, gegen den Escort, auf der Geraden viel zu langsam war. Klar, „nur“ 300 PS auf so ein breites Auto, das konnte man schon optisch sehen. So kam es zu einer wilden Situation auf der Döttinger Höhe. Bei Windschattenspielen mit Teamkollege Winkelhock, drückte dieser mich plötzlich an den Rand der Strecke. „Spinnt er jetzt“, dachte ich, doch dann schoss auf dem Grünstreifen Hans Heyer vorbei, Manfred hatte den Escort im Rückspiegel gesehen und wollte ihn mit mir blockieren. Mit diesem Manöver war der Krieg mit Ford eröffnet.

Tatort Norisring

Das Ganze eskalierte am Norisring. Eddie Cheever hatte einen guten Start und übernahm sofort das Kommando, dahinter Heyer, der Winkelhock mit allen Mitteln im Schach hielt. Immer wieder versuchte es Manfred, doch Hans drängte ihn ein paar Mal ganz gemein ab. Winkelhock, der inzwischen zu einem sehr guten Freund wurde, gab mir entnervt das Zeichen, dass ich es doch mal versuchen sollte. Mit mir machst du das nicht, dachte ich. Als Heyer aber auch mich abdrängen wollte, drehte ich ihn einfach um. Inzwischen war der zweite Ford mit Armin Hahne an der Box gewesen und kam - welch ein Zufall - direkt vor der Spitze wieder auf die Strecke. Cheever wurde dadurch aufgehalten und ich konnte aufschliessen. Gut dachte ich, Hahne hilft mir das Rennen zu gewinnen. Doch Eddie boxte sich mit Gewalt an dem Ford vorbei. Nun lag Armin mit einer Runde Rückstand vor mir, was jedoch die Rennleitung nicht interessierte. Als mir seine Zickzack-Fahrweise zuviel wurde, rammte ich ihn.

Leider schlitzte ich mir dabei meinen Vorderreifen auf und musste die Box aufsuchen. Was der Hahne kann, kann ich schon lange, dachte ich, als ich wieder auf der Strecke war und wartete auf das Duo Heyer-Winkelhock. Als der schwarze Escort neben mir auftauchte, zog ich rüber und wir kollidierten auf der Geraden.

Was dann geschah ist Geschichte: Heyer fuhr das Rennen mit einer Hand die Tür haltend, in seinem Schrotthaufen zu Ende und wurde zum Held. Ich als Bösewicht verlor die Lizenz, dabei hatte ich mich doch nur für die Hahne Nummer revanchiert, oder?

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