Cromard Special - stetige Evolution bis zur Formel 2

Erstellt am 15. Juni 2018
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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In der Nachkriegszeit entstanden viele Rennwagen aus den Überbleibseln von anderen. Eine richtige Zubehörindustrie gab es noch nicht und so musste man nehmen, was man hatte. So ist es auch zu erklären, dass ein französischer Amilcar C6 der Zwanzigerjahre die Basis eines britischen Monopostos der Fünfzigerjahre werden konnte.


Cromard Special (1950) - keine 600 kg schwer
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Mit viel Erfahrung am Werk

Der Erbauer des Cromard Specials hiess F. R. G. (kurz Bob) Spikins. Und er war kein Unbedarfter, wenn es um den Aufbau eines Specials ging. Bereits vor dem Kriege hatte er mit dem “Bantam”, einem Special auf der Basis eines aufgeladenen Singers mit 972 cm3 für Furore gesorgt.
Sobald wieder etwas Zeit und Geld zur Verfügung stand nach dem Krieg, begann Spikins, der der Laystall Engineering Co. Ltd. in Wolverhampton vorstand, wieder mit Entwickeln, ganz getreu seinem Credo, dass man selber ausprobieren müsse, was man entwickle.

Vorkriegsrennwagen als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt im Jahr 1948 war besagter Amilcar C6, dem allerdings der berühmte Sechszylindermotor fehlte. Anstelle des französischen Antriebsaggregats kam ein 1,5-Liter-Nachkriegsmotor von Lea-Francis zum Einsatz. Ab Werk leistete der Reihenvierzylinder 55,5 PS bei 4700 Umdrehungen. Als Besonderheit wies er zwei hochliegende, aber seitlich angeordnete Nockenwellen auf, die die schräg hängenden Ventile bedienten. Mit halbkugelförmigen Brennräumen und 12-Volt-Stromanlage war der Lea-Francis-Motor ein fortschrittlicher Zeitgenosse. Als Sportversion mit zwei SU-Vergasern konnte man ihm sogar 65 PS bei 5300 Umdrehungen abfordern.

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Dank Volkswagen zu Einzelradaufhängungen

Schon bald zeigte es sich, dass das Amilcar-Getriebe mit der Kraft des Lea-Francis-Motors überfordert war. Also ersetzte man es mit einem E.N.V.-Vorwählgetriebe. Auch die Aufhängungen  überzeugten nicht, hier fand man bei Volkswagen entsprechende Teile, um rundum Einzelradaufhängungen zu ermöglichen, wobei die Volkswagen-Teile natürlich eifrig modifiziert und den Gegebenheiten angepasst wurden. Aber so kam der Rennwagen zu seiner hinteren Pendelachse.


Cromard Special (1950) - Weber-Vergaser seitlich montiert
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

In dieser Form machte der damals noch Spikins Special genannte Einsitzer seine ersten Aufwartungen als Rennwagen, meist mit Basil de Mattos, einem Laystall-Mitarbeiter, und Bob Spikins selber am Steuer. Beim Prescott Hill Climb 1948 oder auch am Goodwood Rennwochenende  am 18. September 1948 kamen so durchaus nennenswerte Platzierungen auch gegen starke Konkurrenz zustande. Auch 1949 wurde der Wagen in der beschriebenen Form eingesetzt.

Immer weiter von der Ausgangsbasis entfernt

Ende 1949 erkannte Spikins, dass die Volkswagenhinterachse nicht der Weisheit letzter Schluss für den stetig an Leistung (und Hubraum) gewinnenden Lea-Francis-Motor war. In Zusammenarbeit mit einer kleinen Firma in Richmond wurde das Heck umfangreich modifiziert. Das Differential kam nun von E.N.V., die Aufhängung wurde individuell komponiert.


Cromard Special (1950) - die Hinterradaufhängung erinnert nur noch entfernt an den Volkswagen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

In der neuen Form wurde der Wagen mit 1767 cm3 und 1496 cm3 eingesetzt, als bestes Ergebnis schaute ein zweiter Platz beim Shelsley Walsh Hill Climb heraus, einen dritten Rang konnte im Madgwick Cup in Goodwood Ende September 1950 von de Mattos erkämpft werden.

Mehr Leistung, höhere Anforderungen

Ende 1950 hatte man den Lea Francis Motor auf 130 PS bei 6000 Umdrehungen gebracht, nicht zuletzt dank einer Verdichtung von 13,5 zu 1. Damit war das doch etwas weiche Amilcar-Chassis eindeutig überfordert. So wurde einmal mehr neu konstruiert und als Ergebnis entstand eine Rohrrahmenkonstruktion, die sich durch geringes Gewicht und hohe Steifigkeit auszeichnete. Überarbeitet wurden auch Getriebe und Bremsen, während die Aufhängungskonstruktionen vom Spikins Special übernommen werden konnten.

Cromard im Jahr 1951

Anfangs 1951 war der nun knapp über 570 kg schwere Rennwagen fertig und bereit für seinen nächsten Einsätze.

Tragische Zäsur

Am 26. März 1951 konnte Basil de Mattos mit dem nun nach einer Produktlinie von Laystall “Cromard Special” genannte Monoposto den neuen Formel-2-Connaught schlagen. Auch Ken Wharton pilotierte den Cromard mit gutem Erfolg, Platz 6 beim Madgwick Cup Rennen war das Ergebnis.
Beim folgenden Rennen am Grand Prix des Frontieres in Chima im Mai 1951 fiel de Mattos in Führung liegend wegen eines technischen Defekts aus, doch wurde dies durch den tragischen Unfall von Bob Spikins im Frazer Nash komplett überschattet.

Vorerst kamen alle Rennaktivitäten zum Stillstand, doch in der zweiten Jahreshälfte fuhren de Mattos und Ken Wharton den Wagen nochmals bei mehreren Einsätzen, letzterer konnte im Goodwood Meeting den ersten Platz in einem Handicap-Rennen erringen.

Schliesslich und wegen des Todes von Spikings nachvollziehbar, wurde der Rennwagen verkauft, der zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht ganz fertigentwickelt war, sprach doch vor allem die hintere Pendelachse für Anpassungsbedarf. Das Chassis hatte sich aber bewährt und der Motor war kräftig, so dass sicherlich noch einiges mit dem Wagen möglich gewesen wäre.

Verschwunden und wiederentdeckt

Nach verschiedenen Besitzerwechseln über die nächsten fünf Jahrzehnte tauchte der Monoposto schliesslich auch im historischen Rennsport auf. Schliesslich landete das Auto in Deutschland, wurde aber nur selten gesehen, bis er eines Tages nach dem Ableben des Besitzers wieder ans Tageslicht kam und vom heutigen Besitzer gekauft werden konnte.


Cromard Special (1950) - elegante Silhouette im Monoposto-Stil der Fünfzigerjahre
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Komplett restauriert und wieder im Schuss

Es sollten aber noch viele Monate vergehen, bis der Wagen in altem Glanze erstrahlte und wieder voll einsatzfähig war.


Cromard Special (1950) - komplett instrumentiert
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Im Rahmen dieser Arbeiten waren nicht nur Restaurierungsarbeiten nötig, sondern es mussten auch viele technische Probleme zu Ende gedacht und gelöst werden, eine knifflige Aufgabe.


Cromard Special (1950) - bei der ersten öffentlichen Ausfahrt nach der Restaurierung an der Lenzerheide Motor Classics 2018
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

2018 hätte der interessante F2-Wagen am GP Historique von Monaco fahren sollen, doch ein Getriebeproblem verhinderte die Teilnahme. So kam er anlässlich der Lenzerheide Motor Classics zur ersten öffentlichen Ausfahrt seit der Restaurierung, sehr zur Freude des anwesenden Publikums.

Wir danken der See-Garage Portmann für die Gelegenheit, den interessanten und einmaligen Cromard Special zu portraitieren zu können. Wir danken auch Jim Evans , dessen Aufschrieb der Geschichte des Cromard Specials die Basis für diesen Artikel bot.


Cromard Special (1950) - bei der ersten öffentlichen Ausfahrt nach der Restaurierung an der Lenzerheide Motor Classics 2018
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

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