Als ein Schweizer namens Sauter mit seinen Sportwagen gegen Lotus und Elva antrat

Erstellt am 3. Januar 2013
, Leselänge 8min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
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Archiv Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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Kurt Sauter liebte schnelle Wagen und hohe Geschwindigkeiten, und er baute sich seine Fahrzeuge selber. Bereits 1946 hatte er sich in Basel mit einer Fachwerkstätte für Automobile selbständig gemacht.

Seinen ersten Spezial-Rennwagen entwarf und baute Sauter im Jahre 1948, in der eigenen Karosserie-Werkstätte an der Klingentalstrasse 77 in Basel.

Eine aktive Rennfahrerkarriere

Sauter begann mit diesem Wagen von 1948 bis 1953 eine kurze Laufbahn als Rennfahrer. Mit seinen ersten drei selbst gebauten Rennsportwagen erzielte er beeindrucktende Ergebnisse an internationalen Rennen (u.a. Nürburgring, Avus, Bern, Maloya, Schauinsland).
Aus dieser Zeit stammt auch folgende Anekdote: 1953 nahm Kurt Sauter am Rennen auf der Avus teil und holte sich einen sensationellen zweiten Platz. An den folgenden Wochenenden aber musste er passen, denn das Auto kam infolge fehlender Papiere erst drei Wochen nach dem Rennen aus der damaligen DDR in die Schweiz zurück.

Konzentration auf den Fahrzeugbau

Zweimal wurde er Vize-Schweizermeister in der Kategorie Sportwagen. Er erkannte aber bald, dass sich die Rennfahrer angesichts der damals noch geringen Sicherheitsstandards hohen Risiken aussetzten und beschloss, sich vollständig auf das Konstruieren und Bauen von Rennwagen zu konzentrieren.

In der Folge fertigte er bis Mitte der Sechzigerjahre etwa 30 Fahrzeuge inkl. Chassis und Karosserie, angefertigt jeweils entlang der spezifischen Kundenwünsche.

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Die Formel-Junior-Episode

Eine besondere Episode bildeten dabei die Formel-Junior-Rennwagen. Der Bau des Sauter-Formel-Junior-Wagens hatte seinen Ursprung bei “Bamosa”. Der umtriebige Schweizer Peter Monteverdi, der in den Fünfzigerjahren an vielen Rennen teilnah, später als Sportwagenbauer bekannt und populär wurde, war der eigentliche Initiator des Bamosa-Projekts (Bale-Monteverdi-Sauter). Bevor sich aber das Team noch formieren konnte, stieg Sauter aus und ging seinen eigenen Weg, es entstand der Sauter Formel Junior. Monteverdi baute ebenfalls einen Formel Junior, dieser wurde MBM genannt.

Einer der Fahrer des Sauter-Formel-Junior war Heini Walter, dem 1959 folgendes Malheur widerfuhr: Im ersten Lauf des Monza-Rennens konnte sich Walter hervorragend gegen die Konkurrenz behaupten. Vor dem zweiten Lauf wurde ein Kerzenwechsel nötig. Der Mechaniker drehte die neue Kerze mit so viel Kraft ins Gewinde, so dass dieses ausriss und damit das Ende des Final-Laufes besiegelte.

Sauter baute sich einen ausgezeichneten Ruf als Hersteller von Kleinserien für den internationalen Motorsport auf. 1962 verlegte er den Firmensitz von Basel nach Gempen (SO), wo die letzten Fahrzeuge gegen Mitte der Sechzigerjahre entstanden.

Die drei Sauter-Sportwagen des Jahres 1963

1963 wurden drei identische Fahrzeuge, zwei davon für den ersten Lauf der CH-Meisterschaft in Monthléry vom 6./7. April 1963, in einigen Nachtschichten gebaut. Das Reglement sah auch beim Rennsportwagen einen Kofferraum vor. Dazu wurden über dem Motor zwei Alu-Bügel eingesetzt, wo man einen Koffer zwar einschieben, aber niemals verstauen konnte.

Die damalige Berichterstattung dazu erschien, verfasst von Max Pichler, im Mai-Heft von Powerslide:

Der FIA mag es im Moment ungefähr so ergehen wie dem Zauberlehrling im GoetheGedicht; sie sind die Geister, die sie rief, einfach nicht mehr los. Mit den Geistern sind die Sportwagen gemeint, jene Fahrzeuge, die im internationalen Sportreglement im oft zitierten „Anhang C“ umschrieben sind und bei denen es sich, vereinfacht gesagt, um Rennwagen mit einer Karosserie und einem Beifahrersitz handelt. Was die internationale Markenmeisterschaft betrifft, so ersetzte die FIA die Sportwagen durch die sogenannten Prototypen, die GT Vorläufer und durch die eigentlichen Granturismos.

Der Sportwagen wurde auf das Aussterbeetat gesetzt, nur für die Europa-Bergmeisterschaft blieb er aktuell. Merkwürdigerweise ist aber diese Entwicklung offenbar zu einem Signal für eine neue Sportwagenblüte geworden, in England werden die verhältnismässig billigen Lotus 23 und Elva wie die heissen Brötchen gekauft und in Amerika erfreuen sich die leistungsstarken Lotus 19 und Cooper Monaco grösster Beliebtheit.

In diesem Augenblick tritt nun der Schweizer Sportwagen-Enthusiast Kurt Sauter aus Gempen (SO) auf den Plan und überrascht die Fachwelt mit einem neuen selbst entworfenen Sportwagen, dessen ersten drei Exemplare in verschiedenen Varianten vor der Fertigstellung stehen. Sauter ist im Sport- und Rennwagenbau kein Unbekannter. Vor Jahren baute er die Sauter-Porsches und Sauter-DKW`s auf Porsche Basis, von denen der letzte Mohikaner unter dem jungen Peter Nebel in der letzten Saison noch gute Leistungen zeigte. In Erinnerung ist ebenfalls der Sauter-DKW-Juniorrennwagen, auf den der Hersteller seinerzeit Sportwagenmeister Heini Walter setzte, der dem Wagen am Dübendorfer Autoslalom mit einem Tagessieg zu einem erfolgreichen Debut verhalf.

Sauter konnte es nicht lassen, die leichten englischen Sportwagen forderten ihn zu neuen Taten. In aller Stille sind also in seiner Gempener Werkstatt neue Mittelmotor-Sportwagen entstanden, die durch ihre sorgfältige Fertigung und ihre interessanten Details auffallen. Ein Gitterrohrrahmen in cadmierter Ausführung bildet das Herzstück des Sportwagens, das Gewicht dieses Rahmens konnte dabei auf 28kg beschränkt werden. Zwei Kilo weniger wiegt die Kunststoffhaut, deren Linienführung ebenso eigenwillig wie gelungen wirkt.Konventionell sind die vordere und hintere Einzelradaufhängung mit Dreiecks-Querlenkern, dagegen geht Sauter mit der Abfederung ungewohnte Wege. Neidhart-Gummi-Elemente, die als kompakte Blocks horizontal liegen, nehmen die Stösse torsionsstabartig auf.

Mit einer Höhe von 66cm und einer Gesamtlänge von 340cm bleibt das Fahrzeug äusserst niedrig und kompakt. 375 kg beträgt das Gesamtgewicht, wobei je nach Motor und Getriebe kleine Schwankungen nach oben oder unten zu erwarten sind. Für alle 4 Räder gelangen 13 Zoll Felgen zur Verwendung, vorn mit Reifen der Dimension 4.50x13, hinten mit 5.50x13.

Die ersten drei Wagen erhalten verschiedene Triebwerke: Eines der Fahrzeuge erhält der Oltener Walter Egger, es wird mit einem Abarth-Bialbero 1000 Motor geliefert, der mit seinen 100 PS, ausgezeichnete Fahrleistungen verspricht.

Das zweite Exemplar ist für Peter Nebel bestimmt und erhält einen Mantzel-frisierten Auto-Union Motor, mit dem Nebel in der Klasse bis 850 ccm an den Start gehen wird.

Ein BMC Cooper Triebwerk, komplett mit Getriebe, gelangt im dritten Wagen quer zum Einbau und liegt somit genau auf der Höhe der Hinterachse. Die beiden anderen Motoren liegen, der aktuellen Bauweise für Sport- und Rennwagen entsprechend, vor der Hinterachse.

Kurt Sauter gibt für ein fertiges Fahrzeug, je nach verwendetem Motortyp einen Richtpreis von 15`000 bis 17`000 Schweizerfranken an.
Es liegt auf der Hand, dass man den Versuch einer Kleinstfirma, ins Rennsportwagen-Geschäft einzusteigen mit Vorsicht beurteilen muss. Zweifellos ist es mit den heutigen Erkenntnissen unschwer möglich, superleichte, niedrige Sportwagen zu bauen. Das Hauptproblem liegt aber bei der Erzielung einer Fahrstabilität und Bodenhaftung, die als wirklich renntüchtig bezeichnet werden kann. Die Konkurrenz der Lotus und Elva diktiert hohe Anforderungen, dem Aussenseiter können nur selten Chancen eingeräumt werden. Man wird auf das Abschneiden der neuen Sauter-Sportwagen gespannt sein dürfen,wir möchten aber an dieser Stelle vor übertriebenen Hoffnungen warnen und darauf hinweisen, dass unendlich viel konsequente Entwicklungsarbeit nötig ist, will man ein wirklich konkurrenzfähiges Fahrzeug schaffen.

So oder so ist das Unternehmen Sauters ein hochinteressanter Versuch, zu dem man dem Initianten gratulieren darf. Kurt Sauter trägt mit seinen Wagen dazu bei noch mehr Farbe in das Sportwagenfeld zu bringen und wir halten den drei Musketieren, die 1963 auf Sauter starten werden, in jeder Hinsicht den Daumen.

Der Sauter Spezial von 1963 heute

Beim für diesen Bericht portraitierten Fahrzeug handelt es sich um einen der drei Sauter Spezial mit Baujahr 1963 und Chassis-Nr. KS0024. Dieser Wagen ist heute wieder im Besitz der Familie Sauter. Der zweite mit DKW Motor ausgerüstete Wagen ist unauffindbar verschollen. Das dritte Auto mit dem Abarth-Bialbero-1000-cm3-Motor soll in der Zentralschweiz stehen.

Heinz Geissmann startete 1963 mit dem Chassis 24, ausgerüstet mit einem BMC-Motor als erster Fahrer zu diversen Rennen.
1966 startete Ernst Suter mit dem Sauter  an einigen Rennen, als Motor verwendete er den Zweizylinder-Viertakter-Triebsatz des BMW 700.
1967 übernahm Hanspeter Buser den Wagen, der inzwischen einen von Mantzel getunten DKW-Dreizylindermotor mit 850 cm3 und rund 80 PS vor der Hinterachse montiert hatte.

1972 sah man den Sportwagen bei seinen letzten Rennen im Einsatz, gefahren von  Peter Erdin. Dieser hatte den Sauter mit einem für ihn viel zu schwachen DKW-Motor übernommen. So wurde der Motor mit Toni Schais DKW-Zweitakter aus einer bei Schweizer Bergrennen eingesetzten Ginetta G6 ausgetauscht. Der lahme Sauter-Motor wurde mit der Ginetta weiterverkauft. Nicht nur die Antriebsquelle wurde von Erdin getauscht.

Insgesamt wurde das Auto seiner Zeit angepasst. So war er dann mit einem ZF-Getriebe, einem Doppel-Weber Vergaser und einem neuen Auspuffkrümmer ausgerüstet. Dazu kamen an alle vier Räder Scheibenbremsen des Austin 1100. Die Antriebswelle war halb-DKW, halb-Austin. Auch die Optik wurde durch einen Beschnitt am Karosserie-Heck modernisiert.

Danach wurde der kleine Rennwagen in die Sammlung Grell integriert. Mario Occiuzzi kaufte Chassis 24 später von Grell. Und nochmals wechselte der rote Sportwagen seinen Besitzer, bevor die Familie Sauter ihn von Hansruedi Howald kaufen konnte.

So schliesst sich der Bogen und eine fast vollständige Fahrzeuggeschichte zeigt sich. Oftmals zeigen sich ja gerade bei den weniger prominenten Renn- und Sportwagen mehr oder weniger grosse Lücken in der Historie, während die berühmten und legendären Fahrzeuge oft fast bis zur letzten Schraube dokumentiert sind. Erst das Zusammenbringen der verschiedensten Puzzle-Teilen bringt ein ganzes Bild hervor, und vielleicht gelingt es ja dank diesem Artikel, noch einige weitere unbekannte Details zu entdecken.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von al******
08.01.2013 (11:20)
Antworten
Schade, dass Sie 2x von "Sauber Sportwagen" und "Sauber Spezial" sprechen, wenn es sich doch effektiv um "SAUTER" handelt. Ansonst ein sehr interessanter Artikel, der nahezu Unbekanntes wieder in Erinnerung ruft.
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
08.01.2013 (11:25)
Richtig erkannt, und schon korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis!
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