Abarth 1300 OT - roter GT-Weltmeister für Strasse und Targa Florio

Erstellt am 17. Mai 2012
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
44
Archiv 
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Alles an diesem Wagen schreit “Racing” und “Competizione”. Die Haubenschnellverschlüsse, die kleine Lufthutze auf dem Dach, die nur minimal aufmachbaren Seitenfenster, die überlange Auspuffanlage, die niedrige Dachlinie und der Innenraum sowieso. Eng geht es zu, zwei Personen können Platz nehmen im kompakten Sportwagen. Die Pedale und das Lederlenkrad sind genau richtig positioniert, der Drehzahlmesser sitzt in der Mitte, die Hand fällt automatisch auf den Schalthebel, der in einer offenen Kulisse geführt wird. Targa Florio - wir kommen!

Jetzt ein Dreh am Zündschlüssel, der Motor im Heck beginnt sofort genüsslich zu schnorcheln. Je nach Drehzahl geht das Geräusch in ein Schreien oder Kreischen über. Kein Zweifel, Rennsport war die Domäne dieses Aggregates. Vier kleine Anzeigeinstrumente (Wassertemperatur, Öldruck, Ampère und Öltemperatur) geben ständig Auskunft über den Gesundheitszustand der Technik.

Rennwagenbau à la Sechzigerjahre

Die direkte Lenkung, straff gefederte Räder, minimale Seitenneigung, direkte Reaktionen, so fühlt sich ein Rennwagen der Sechzigerjahre an. Und der Abarth 1300 OT war eines der erfolgreichsten Rennfahrzeuge seiner Zeit. Selbst wesentlich stärkere und grössere Rennwagen wie der Ferrari 250 LM mussten sich warm anziehen, wenn die Abarth an den Start gingen.

Dabei waren diese Fahrzeuge nicht sonderlich kompliziert oder aufwändig gebaut und auch mondäne Materialien glänzten durch Abwesenheit. Ein Stahlrahmen aus Kastenprofilen, den man sich vom Simca 1000 entlehnt hatte, bildete die Basis. Die Aufhängungen stammten vom Fiat 850, die Karosserie, gezeichnet von Mario Colucci, bestand vollständig aus Polyester und sah hinreissend aus.

Angetrieben wurde der Wagen vom weiterentwickelten 1,3-Liter-Abarth-Motor (abgeleitet vom 1,3-Liter-Simca-Abarth-Motor) mit zwei obenliegenden Nockenwellen, Doppelzündung und Weber-Doppelvergaser-Bestückung, was je nach Setup gute 140 PS bei 8’000 Umdrehungen bedeutete, die über ein Fünfganggetriebe auf die Hinterachse übertragen wurden. Genug auf jeden Fall, um den 655 kg schweren Wagen auf über 245 km/h zu beschleunigen. Dank Heckmotor war Traktion kein Problem.

Vier Scheibenbremsen verzögerten den 3,83 Meter langen und 1,62 Meter breiten Sportwagen. Die Höhe von 1,04 Meter verlangte beim Einsteigen nach einer gewissen Gelenkigkeit.

OT for Omologato Turismo

Mit dem Abarth 1300 OT konnte auf der Strasse gefahren werden, für den Renneinsatz genügte es meist, den Auspuff zu ersetzen. Verschiedene Übersetzungen standen je nach Einsatz zur Verfügung. Gebaut wurden die Fahrzeuge ab 1965, aber erst ab 1966 konnte der Abarth als “GT” eingesetzt werden, da die Minimalanzahl von der Sportbehörde dannzumals auf 50 gebaute Autos gesenkt worden war und der Abarth diese Auflage (im März 1966) erfüllte. Ab dann gab es kein Halten mehr: die GT-Weltmeisterschaft (Division 1) 1966 und 1967 ging an die schnellen Coupés von Carlo Abarth. Und auch in Le Mans konnte der Sportwagen im Jahr 1967 einen Klassensieg erzielen. Dass die OTs auch in nationalen Meisterschaften für Erfolge sorgten, ist da fast selbstverständlich.

Berühmte Fahrer, die mit dem Abarth 1300 OT an den Start gingen, waren unter anderem Hans Herrmann, Jochen Neerpasch, Erich Bitter, Dieter Quester, Peter Schetty ...

Gemeldet wurden die Fahrzeuge übrigens jeweils als Fiat-Abarth, denn dies bescherte den Rennteams zusätzliche Tantiemen und Siegesprämien aus Turin.

Kaum Komfort

Rot ist er, aber mit einem Ferrari wird man ihn kaum verwechseln, dafür sorgen schon die zahlreich angebrachten Abarth-Schriftzüge und -Embleme. Komfort war kein Pflichtenheftkriterium beim Bau, immerhin aber gibt es eine Defrostereinrichtung (aus Fiat-Lüftungsrosetten) für die Frontscheibe und einen Holzschaltknopf. Aber wer sucht schon Komfort in einem Wettbewerbsfahrzeug. Im Vergleich zu modernen Rennsportwagen wirkt der Innenraum auf jeden Fall sehr aufgeräumt und elegant.

Das Periskop auf dem Dach

Ein Erkennungsmerkmal das einige der gut 50 produzierten OT 1300 hatten, war ein Schnorchel auf dem Dach. Je nach Konfiguration konnte die Luft in den Innenraum oder zum Motor geleitet werden. Dass dieser Schnorchel heute abnehmbar ist, verdanken wir den Zulassungsbehörden, die mit vom Fahrzeug abstehenden Teile manchmal ihre Mühe hat.

Evolutionsstufen mit mehr Hubraum und Länge

Neben einer Langheckversion wurden auch eine 1,6-Liter-Version mit rund 185 PS und eine Zweiliter-Version mit 215 PS gebaut, die sich äusserlich kaum vom “Basismodell” unterschieden. Diese Modelle starteten in der Prototypenklasse.

Zu schade zum Fahren?

Die Abarth 1300 OT Modelle haben über die letzten dreissig Jahren einen enormen Wertzuwachs erfahren. Konnte einer dieser Sportwagen Anfangs der Achtzigerjahre noch für eine niedrige fünfstellige Summe erworben werden, so werden heute namhafte sechsstellige Summen verlangt. Allerdings gelangt nur selten eines der wenigen verbliebenen Fahrzeuge an eine öffentliche Versteigerung.

Trotz des inzwischen erheblichen Wertes ist zu hoffen, dass die Besitzer ihre Fahrzeuge bei Veranstaltungen zeigen und bewegen, denn im Vergleich zu zeitgenössischen Sportwagen aus Maranello ist die Technik überschaubar und die Kosten für Wartung und Reparatur erträglich. Und der Spass, diesen inzwischen bald fünfzigjährigen Rennsportwagen zu fahren, ist kaum steigerungsfähig!

Der hier gezeigte Abarth 1300 OT von 1966 mit Fahrgestellnummer 137 wird in der Versteigerung der Oldtimer Galerie Toffen am 10. Juni 2012 anlässlich der DolderClassics angeboten.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von gu******
24.03.2013 (14:14)
Antworten
meer info :abarth works museum
guy moerenhout racing
www.abarth-gmr.be
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