Rückspiegel Mai 1979 - Motorsport-Schlagzeilen vor 40 Jahren

Erstellt am 20. April 2019
, Leselänge 8min
Text:
Rainer Braun
Fotos:
Daniel Reinhard 
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DPPI 
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Unbekannt 
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Kröschel/BMW Classic 
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Archiv BMW 
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Lambertin 
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Archiv 
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Wer in Zolder das Auftaktrennen zur neugeborenen BMW M1-Procar-Meisterschaft gesehen hat, der konnte den nächsten Auftritt vor lauter Vorfreude kaum abwarten. Da war alles dabei, was das Herz des Betrachters höher schlagen ließ – F1-Piloten im Prestige-Kampf und Tourenwagen- und GT-Stars, die den Supermännern aus der Königsklasse frech Paroli bieten. Und alle, die nicht von brechenden Schwingungsdämpfern ins frühe Aus gezwungen wurden, droschen so lange wild und gnadenlos aufeinander ein, bis am Ende nur noch wenige intakte M1 und ein Premiere-Sieger Elio des Angelis übrigblieb.

In Monaco ging’s dann zwei Wochen später im gleichen Stil weiter, nur dass es hier mehr Rempeleien, weniger technische Probleme und gleich einen dreifachen Erfolg der Formel 1-Fraktion durch Niki Lauda, Clay Regazzoni und Emerson Fittipaldi gab. Für die spektakulärste Einlage sorgte Hans Joachim Stuck im Cassani-M1. Zuerst ein Dreher auf Platz drei mit Bodenverlust bis ins Mittelfeld, danach eine gewaltige Aufholjagd, die mit einem Riesencrash im Schwimmbad-Bereich und fast mit einer Katastrophe endete. 


BMW M1 Procar-Premiere Zolder Startrunde Jones Lauda Andretti
Copyright / Fotograf: Kröschel/BMW Classic

Ich war mit einigen Kollegen Augenzeuge, wir konnten uns reaktionsschnell mit einem Sprung in Sicherheit bringen, bevor der M1 die Leitplanken niederwalzte und fast in der Zuschauer-Tribüne gelandet wäre. Gottseidank verhinderte der Drahtzaun vor der Tribüne Schlimmeres. Strietzel war ganz schön geschockt, als ihm klar wurde, an was er da um Haaresbreite vorbeigeschliddert ist. Grund für den Unfall war übrigens kein Fahrfehler, sondern ein geplatzter Ölschlauch, der seinen Inhalt auf die Hinterräder ergoss. Zwar musste Teameigner Cassani einen Totalschaden zur Kenntnis nehmen, aber In Anbetracht dessen, was hätte passieren können, war der materielle Verlust sicher das weitaus kleinere Übel.

Nochmal Monaco: Meine deutschen Kollegen und ich hatten uns neben dem M1-Rennen natürlich auch sehr auf das große Formel 3-Spektatkel mit den Besten aus ganz Europa gefreut, das traditional als „Monaco Formula 3 Grand Prix“ am Samstagnachmittag auf dem Programm stand. Leider gab es hier aber weder für uns Schreiberlinge noch für die sechsköpfige deutsche F3-Abordnung etwas zu lachen. Unsere Jungs lieferten eine desaströse Vorstellung ab, fünf schafften es erst gar nicht ins 22er-Hauptfeld, und Mike Korten als letzter Mohikaner scheiterte schon in der ersten Runde nach Leitplanken-Kontakt. Schade, da haben wir aus rein deutscher Sicht an gleicher Stelle schon Besseres erlebt.


Enttäuscht nach gescheitertem F1-Abenteuer - WKRT-Chef Willi Kauhsen
Copyright / Fotograf: Lambertin

Und dann wäre da noch das mutige Formel 1-Projekt von Willi Kauhsen, das wie befürchtet im Mai nach zwei erfolglosen GP-Teilnahmen leider zu Grabe getragen werden musste. Nach dem Spanien-GP erlebte die Eigenkonstruktion des Aachener Rennstall-Besitzers und ehemaligen Porsche 917-Piloten nur noch den belgischen GP in Zolder, bei dem Gianfranco Brancatelli die Qualifikation mit dem „WK 005“ erneut deutlich verpasste. Kauhsen zog daraufhin die Reißleine und beendete das Formel 1-Abendteuer, in das er sehr viel privates Geld investiert hatte. Das Scheitern und die finanziellen Verluste bezeichnete der Aachener später als „die größte Enttäuschung meines Lebens“. Wegen eines gescheiterten Formel 2-Projekts zwei Jahre zuvor war der Frust jetzt besonders groß. Das gesamte Formel 1-Material verkaufte der enttäuschte F1-Abenteurer danach an den Italiener Arturo Merzario, der Kauhsen und seinem WKRT-Team 1975 neben weiteren Piloten zum Gewinn der Sportwagen-WM im Alfa 33 verholfen hatte. Und der Rennstall-Chef selbst hatte vom Racing erst mal genug und gönnte sich eine längere Auszeit in Kanada.

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Formel 1-WM: Ligier schwächelt, Ferrari stark

Während die Ligier-Überlegenheit zu bröckeln beginnt, läuft Jody Scheckter im Ferrari zur Hochform auf und holt sich gleich zwei GP-Siege hintereinander. Sowohl in Zolder als auch in Monaco fährt Ferraris Nummer 1-Pilot als Erster über den Zielstrich und entreißt Ligier damit auch die WM-Führung.


Ferrari 312 T 4 (1979) - Jody Scheckter an den Boxen von Kyalami
Archiv Automobil Revue

Während Ligier mit Laffite in Belgien wenigstens noch Rang zwei rettet, gehen die Franzosen in Monaco gleich mit beiden Piloten leer aus. Jochen Mass (Arrows) erkämpft sich an der Cote d’Azur nach blitzsauberem Rennen mit Platz sechs den ersten WM-Punkt des Jahres.

Formel 2-EM: Surer mit Sieg und Crash

Nachdem Marc Surer (March-BMW) in Vallelunga der zweite Sieg in Folge gelingt, wird der Schweizer beim EM-Lauf in Mugello schon in der Startrunde in eine Massenkarambolage verwickelt und verliert die Tabellenspitze an Sieger Brian Henton (March-Hart). Der Brite wird als Auslöser der des Unfalls mit insgesamt vier Beteiligten ermittelt, bleibt aber straffrei. Der neue „Mampe MM 001“ der Mannschaft um Willy Maurer und Konstrukteur Gustav Brunner kann sich mit Pilot Armin Hahne wie schon bei der Premiere am Nürburgring erneut nicht qualifizieren.

F3-EM: Prost und Renault weiter ungeschlagen


Siegt auch beim Monaco F3-GP - Alain Prost im Martini-Renault
Copyright / Fotograf: DPPI

Der Siegeszug von Frankreichs Jungstar Alain Prost in der Formel 3 geht ungebremst weiter. Beim vierten EM-Lauf in Magny Cours holt sich der Martini-Renault-Pilot zum vierten Mal hintereinander die volle Punktzahl und führt das Championat ungefährdet an. Erstmals gelingt es Helmut Henzler im March-VW, das Tempo von Prost und Renault mitzugehen und sich einen hervorragenden zweiten Platz zu sichern. Doch die Freude über das gute Resultat währt nur kurz – bei der technischen Nachkontrolle stellen die französischen Kommissare eine Maßüberschreitung von 2/100 Millimeter im Ansaugrohr fest. VW-Motortuner Siegfried ist außer sich vor Empörung und legt sofort Berufung ein, „weil sich so eine Abweichung im tiefen Hundertstel-Bereich auf die Schnelle ja gar nicht messen lässt“. Auch beim prestigeträchtigen, nicht zur EM zählenden „Monaco Formel 3-Grand-Prix“ lässt Alain Prost seinen Gegnern keine Chance und gewinnt klar vor dem Italiener Oscar Pedersoli und dem Brasilianer Chico Serra (beide March-Toyota). Von der sechsköpfigen deutschen Abordnung überstand nur Mike Korten (March-Toyota) die Qualifikation, aber auch er strandete schon in der ersten Runde im Kurvenlabyrinth des Fürstentums.

BMW M1-Procar: Wilde Auftakt-Rennen in Zolder und Monaco


Procar M1-Show in Monaco - Patrick Depailler in der Casino-Kurve
Copyright / Fotograf: Archiv BMW

„Das wird ein echter Hit“, schreibt MSa-Korrespondent Mario Rall in einem Kommentar nach dem Premiere-Rennen der BMW M1-Procar-Serie im Rahmenprogramm des GP Belgien in Zolder. Zwar fallen erstaunlich viele Autos mit abgerissenen Schwingungsdämpfern und Motorproblemen aus (u. a. Andretti, Lauda, Piquet, Laffite, Giacomelli), aber dafür bietet der intakte Rest jede Menge Action. Erst kämpft Regazzoni mit Lauda verbissen um die Führung, bis der Österreicher ausfällt. Dann rücken die Tourenwagen-Spezialisten Stuck, Höttinger und Quester vor, um sich alsbald derart in die Wolle zu kriegen, dass gleich alle drei ins Gelände rodeln. Und am Ende profitiert Elio de Angelis von weiterem Gezänk und steht als erster Sieger zusammen mit Toine Hezemans und Clay Regazzoni auf dem Podium. Schlusswort Quester: „Hier sind fast nur Wahnsinnige unterwegs.“


BMW M1 Procar (1979) - Regazzoni in Monaco
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Genauso geht’s auch beim zweiten Rennen in Monaco weiter. Nach vielen Rempeleien und Drehern siegt Niki Lauda vor seinen F1-Kollegen Regazzoni und Emerson Fittipaldi. Die Punkttabelle führt nach den beiden ersten Läufen der Holländer Toine Hezemans an.

Le Mans: Porsche doch mit Werkeinsatz

Porsche startet entgegen der Absicht, 1979 keine Werkseinsätze zu fahren, nun doch mit zwei offenen 936-Turbo in Le Mans. Der Einsatz wird jedoch fremdfinanziert. Das Testrennen beim Marken-WM-Lauf in Silverstone endet allerdings mit einem Totalschaden, nachdem sich beim klar führenden Jochen Mass die Heckabdeckung löst und er als Folge spektakulär von der Strecke fliegt. Den Sieg erben Fitzpatrick/ Heyer/Wollek im Loos-Porsche 935-Turbo.

Rennsport-Meisterschaft: Ludwig und Heyer im Gleichschritt


DRM Salzburg 79 - Pole-Mann Winkelhock im BMW und Heyer im Capri Turbo führen in der Startrunde
Copyright / Fotograf: Unbekannt

Hans Heyer (Turbo Capri) und Klaus Ludwig (Kremer-Porsche 935) bleiben mit erneuten Divisions-Siegen am Salzburgring auf Titelkurs und liegen weiter punktgleich an der Spitze. Während dem Tempo von Klaus Ludwig und dem Kremer K3-Porsche 935 nach wie vor keiner der Konkurrenten folgen kann, muss Heyers Hauptkonkurrent und Teamkollege Harald Ertl nach seinem Ausfall beim Eifelrennen einen erneuten Rückschlag im Titelrennen verdauen – sein Capri Turbo fängt in Salzburg Feuer. Dafür kommt Gaststarter Dieter Quester im Schwester-Auto aus Ertls Sachs Sporting-Team auf Rang zwei ins Ziel. Und Manfred Winkelhock im Schnitzer BMW 320 Turbo meldet sich mit Trainingsbestzeit zu Wort, fällt aber leider schon in Runde 1 aus.

In aller Kürze

Rick Mears siegt beim Indy 500 vor A.J. Foyt und Danny Ongais +++ Keke Rosberg vor Jacky Ickx (beide Lola-Chevy) heißt der Zieleinlauf beim Auftakt zur CanAm-Serie in Road Atlanta +++ Grano/Joosen (ITA/GBR) und Xhenceval/Dieudonne (BEL) auf BMW CSL 3.2 siegen im 5. Lauf zur Tourenwagen-EM in Jarama +++ Amédée Gordini ist im Alter von 80 Jahren gestorben – der Franzose wurde durch seine leistungssteigernden Kits für de Renault R8 Gordini und als Entwicklungs-Ingenieur für Renault bekannt +++ Die Italiener Calamai, Conti und Delfante sorgen beim Renault 5-Europa-Cup-Lauf im Rahmen des Monaco-GP für einen italienischen Dreifachsieg +++ Hainbach/Fabisch (Escort RS) und Röhrl/Geistdörfer (Fiat Abart 131) sichern sich die Gesamtsiege bei den Laufen 4 (Roland Rallye Bremen) und 5 (Metz Rallye Franken) zur Rallye-DM, deren Tabellenspitze weiterhin von Hainbach und Co Fabisch verteidigt wird □

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