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Bild (1/1): BMW M1 Procar (1979) - Gefecht um Platz 2 - Stuck, Pironi und Bürger geben sichs mächtig; im Hintergrund der M1 von Höttinger (© Zerha, 1979)
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    Rückspiegel Juli 1979 - Motorsport-Schlagzeilen vor 40 Jahren

    21. Juli 2019
    Text:
    Rainer Braun
    Fotos:
    Zerha 
    (2)
    BMW AG 
    (2)
    Renault 
    (1)
    Archiv Kremer 
    (1)
    Rheinische Post 
    (1)
    Ferdi Kräling 
    (1)
     
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    Liebe Leserinnen und Leser,

    Die Story des Monats Juli 1979 gehört ganz eindeutig dem jungen deutschen Nachwuchspiloten Hans Georg Bürger. Was der Bursche am letzten Juli-Wochenende im Rahmen des deutschen Formel 1-Grand Prix in Hockenheim aufgeführt hat, wird mir wohl zeitlebens in Erinnerung bleiben. Wann immer ich daran denke und die Ereignisse im Geiste nochmal an mir vorbeiziehen lasse, krieg‘ ich eine Gänsehaut. Nicht unbedingt wegen der Formel 1, sondern wegen der Ereignisse beim BMW M1-Procar-Rennen, wo er für die Sensation schlechthin gesorgt hat.

    Schon seit Ende 1977 hatte ich mich des Jungtalents angenommen, ihn durch den Renault 5-Cup und die Formel 3 sowie die DRM begleitet. Mit meinen Verbindungen wollte ich ihn langsam dahin zu bringen, wo er rein fahrerisch hingehört. Der Trend ging eindeutig in Richtung BMW, zumal ich dort mit Jochen Neerpasch und dessen Assistenten Dieter Stappert zwei verständnisvolle und hilfsbereite Verbündete in Sachen Nachwuchsarbeit hatte. Nach dem Start der M1-Procar-Serie im Mai in Zolder habe ich bei BMW immer wieder versucht, den Namen Bürger für ein freies Cockpit aus dem Kontingent der für die fünf schnellsten F1-Piloten des Freitag-Trainings reservierten M1-Werksautos in Erinnerung zu bringen.

    So war zum Beispiel immer dann ein Auto frei, wenn Niki Lauda sich für ein Werksauto qualifiziert hätte, aber mit seinem eigenen „Projekt Four-Marlboro M1“ startete. Und tatsächlich, in Hockenheim passierte genau das und Jochen Neerpasch entschied kurzfristig, Bürger nach Hockenheim zu rufen und ihm das freie Auto anzuvertrauen.

    BMW M1 Procar (1979) - Sensation perfekt - BMW-Sportchef Neerpasch bejubelt Bürgers Husarenstück
    © Copyright / Fotograf: BMW AG

    Was dann im Qualifying passierte, hat mich fast umgehauen. Mit meinem Sprecher-Kollegen Kalli Hufstadt, der sich auch immer wieder für meinen Schützling bei BMW einsetzte, verfolgte und kommentierte ich das Geschehen auf der Piste. Ein Blick auf den Zeiten-Monitor ließ uns schon nach wenigen Runden staunen. Bürger, der noch nie zuvor den fast 500 PS starken Procar M1 von innen gesehen hatte, pendelte mit seinen Rundenzeiten auf Anhieb ständig inmitten der Stars zwischen Platz drei und sechs. Das allein wäre ja schon ein Super-Einstand gewesen, hätte er eine Position in dieser Region halten können. Und dann kam die letzte Trainingsminute und Bürgers letzte Rundenzeit – der Kerl fuhr tatsächlich und scheinbar spielerisch leicht allen davon auf Pole.

    Ein Raunen ging durchs Motodrom, als Kalli die Sensation bekanntgab – ich war viel zu nervös, um dazu irgendwas zu sagen. Wir beide waren da oben in unserer Sprecherhütte einfach nur geplättet, glücklich und ergriffen von diesem Wahnsinns-Ereignis. Zwar konnte Bürger seine Pole Position nicht beziehen und musste von Platz sechs starten, weil die ersten fünf Startplätze grundsätzlich und ohne Rücksicht auf die erzielten Zeiten immer für die fünf teilnehmenden F1-Piloten reserviert waren. Aber das störte ihn nicht im Geringsten: „Dann muss ich mich eben aus der dritten Reihe nach vorne kämpfen – macht doch auch Spaß, wenn ich sehe, wer da so alles vor mir steht.“

    Die BMW-Männer Neerpasch und Stappert waren sprachlos, derweil Bürger von Interview zu Interview unter den Zeitungs- und Agentur-Kollegen durchgereicht wurde. Und der eine oder andere düpierte F1-Pilot fragte beim Anblick der Zeitenliste entgeistert „Who is this fucking Burger?“

    Samstag-Nachmittag stand der große Showdown an, 20 BMW M1, das Motodrom gut gefüllt, ideales Wetter. Bürger geht also aus Reihe drei von Startplatz sechs ins Rennen. Da die TV-Kameras des übertragenden TV-Senders auf unsere Monitore in der Sprecherkabine geschaltet sind, kann ich sehen, dass mein Schützling schon in der ersten Runde furchtlose Attacken auf die großen Formel 1-Namen reitet. Frech tobt er im Pulk mit Pironi, Lauda, Stuck, Laffite, Regazzoni und Jones herum.

    BMW M1 Procar (1979) - Kampf um die Führung zwischen Pironi Lafitte, Lauda, Bürger und Stuck beim Procar-M1-Lauf auf dem Hockenheim
    © Copyright / Fotograf: BMW AG

    Vor allem mit Pironi und Stuck liefert er sich über weite Strecken respektlose Duelle, kämpft sich schließlich bis auf Rang drei vor und verteidigt diese Position bis zur Zielflagge des 15-Runden-Rennens. Mit Sieger Lauda und dem Zweitplatzierten Stuck steht Bürger dann glückselig auf dem Podium, von unten blicken die Herren Neerpasch und Stappert voller Stolz hinauf zu ihm. A

    BMW M1 Procar (1979) - Bürger Procar-Meldung Rheinische Post vom 30.07.79
    © Copyright / Fotograf: Rheinische Post

    m Montag nach dem Rennen ist Bürgers Glanztat ein Thema im Sportteil fast aller Tageszeitungen. Ob das Wunder zwei Wochen später am Österreichring noch eine Fortsetzung gefunden und welche Rolle Manfred Winkelhock dabei gespielt hat, ist eine weitere Geschichte wert, die ich Ihnen gerne im August erzähle. In vier Wochen also mehr dazu.

    Herzlichst

    Formel 1-WM: Erster Renault-Sieg mit Turbo-Power

    Besser kann man ein Heimspiel kaum gestalten - beim GP Frankreich in Dijon setzt Renault mit dem ersten Sieg eines Turbo-Motors einen Meilenstein in der Formel 1-Geschichte. Held des Tages ist Jean-Pierre Jabouille, dem mit Pole, Sieg und Rundenrekord der totale Triumph gelingt.

    Renault RS 10 (1979) - mit diesem Wagen gelang Jean-Pierre Jabouille der erste Turbosieg
    © Copyright / Fotograf: Renault

    15 Sekunden hinter Jabouille spielt sich ein Duell ab, das ebenfalls geschichtsträchtig ist. René Arnoux im zweiten Renault-Turbo und Gilles Villeneuve im Ferrari liefern sich um Platz zwei eine regelrechte Schlacht. Dass beide trotz mehrfacher Berührungen im Highspeed-Bereich am Ende fast nebeneinander auf den Plätzen zwei und drei einlaufen, grenzt laut Pariser Sportzeitung „L’Equipe“ an „ein großes Wunder“. Weiter schreibt das Blatt, „dass die beiden Hasardeure eigentlich mindestens zehnmal hätten rausfliegen müssen.“ Die beiden übrigen Juli-GP’s in Silverstone und Hockenheim gewinnt Williams mit Clay Regazzoni und Alan Jones. Jody Scheckter (Ferrari) bleibt WM-Leader.

    M1-Procar: Nobody Bürger bringt F1-Stars ins Schwitzen

    Die M1-Rennen der mit den europäischen GP’s gekoppelten Procar-Serie gewinnen Nelson Piquet (Dijon) und Niki Lauda (Silverstone und Hockenheim). Im badischen Motodrom geht der Stern eines jungen deutschen Formel 3-Nachwuchspiloten auf, mit dessen Name die Superstars erst mal gar nichts anzufangen wissen: Hans-Georg Bürger aus dem Eifeldörfchen Welschbillig bekommt eines der fünf Werksautos und fährt bei seinem ersten M1-Start wie selbstverständlich auf Pole-Position. Im Rennen legt er sich derart beherzt mit den Formel 1-Größen an, dass die sich über so viel Frechheit nur noch wundern können.

    Procar-Podium 1979 in Hockenheim - Stuck, Lauda, Bürger, ganz rechts Huschke v. Hanstein
    © Copyright / Fotograf: Zerha

    Am Ende steht der furchtlose junge Mann als Dritter mit Lauda und Stuck auf dem Podium und freut sich diebisch, dass er Kaliber wie Pironi, Regazzoni & Co. in gnadenlosen Zweikämpfen niedergerungen hat. In der Procar-Gesamtwertung führt nach fünf von acht Läufen Lauda deutlich vor Regazzoni und Piquet.

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    Formel 2-EM: Titelkampf wird für Surer zur Zitterpartie

    Der Sieg von Eddie Cheever (Osella-BMW) in Zandvoort und ein kapitaler Motorschaden in Enna-Pergusa (Sieger Eje Elgh nach Disqualifikation von Brian Henton) kosten Marc Surer die Führung in der EM-Tabelle. Bereits nach dem 9. Lauf in Holland überholt der US-Boy den Schweizer um einen Punkt, nach Lauf 10 auf Sizilien sind es bereits drei Zähler Rückstand. Bei nur noch zwei ausstehenden Rennen steht ein aufregen-der Schlussspurt um den Titel zwischen Cheever, Surer und dem Briten Henton (Ralt-Hart) ins Haus.

    DRM: Ludwigs Höhenflug geht unvermindert weiter

    Die Erfolgsserie von Klaus Ludwig im Kremer-Porsche 935 Turbo bringt die Konkurrenz langsam zur Verzweiflung. Nach den Saisonsiegen Nummer sechs und sieben in Zandvoort und Diepholz ist auch eine Vorentscheidung im Titelkampf gefallen.

    Porsche 935 K3 (1979) - Ludwig locker vorneweg, er hat alles unter Kontrolle
    © Copyright / Fotograf: Archiv Kremer

    Ludwig hat drei Läufe vor Schluss ein beruhigendes Polster von 30 Punkten auf Hans Heyer. Der Capri-Turbo-Pilot zieht derweil in der kleineren Division II immer wieder mal den Kürzeren im Kampf mit dem ebenfalls turbobefeuerten BMW 320 von Manfred Winkelhock – zuletzt sogar gleich zweimal hintereinander.

    Bernina Gran Turismo 2019

    Nürburgring: Schlimmer Unfall im Pflanzgarten

    Beim GP der Tourenwagen über vier Stunden gibt es einen verheerenden Unfall, bei dem ein Mitglied der ONS-Sicherheitsstaffel getötet und zwei weitere Personen schwer verletzt werden. Wegen eines geplatzten Ölschlauchs war ein Fahrzeug auf der eigenen Ölspur ausgerutscht und im Streckenabschnitt Pflanzgarten in die Leitplanken gekracht. Während eine dort platzierte ONS-Staffel-Besatzung sofort versucht, den Havaristen aus der Gefahrenzone zu schleppen und die Ölspur abzustreuen, kommen zwei weitere Autos trotz gelber Flaggen auf der Ölspur ins Trudeln und erfassen die ONS-Männer sowie einen Kameramann.

    Die schlimme Bilanz: Ein ONS-Helfer stirbt noch an Unfallstelle, sein Kollege ist lebensgefährlich und der TV-Mann schwer verletzt. Gegen die beiden beteiligten Unfallfahrer ermittelt die ONS wegen zu hoher Geschwindigkeit unter gelben Flaggen. Das Rennen wird nicht abgebrochen – es siegen die Italiener Finotto/Facetti (BMW CSL 3.0) vor ihren belgischen Markenkollegen Xhenceval/Dieudonne.

    In aller Kürze:

    Mario Ketterer (Ralt-BMW F 2) reißt bei der Berg-DM am Schauinsland erstmals die 5-Minuten-Schallmauer ein und unterbietet mit 4.59,46 seinen eigenen Rekord aus dem Vorjahr um 2,8 Sekunden ++ Formel Super V-EM: Arie Luyendijk (NL, Argo) siegt beim Formel Super V-EM-Heimspiel in Zandvoort vor Frank Jelinski (D, March). Die EM-Führung teilen sich Kennerth Persson (S) und John Nielsen (DK) ++ Röhrl/Geistdörfer (Fiat 131) deklassieren ihre Konkurrenten beim Rallye-DM-Lauf im Hunsrück um elf Minuten.

    Ford Escort RS (1979) - Hainbach-Fabisch auf Titelkurs
    © Copyright / Fotograf: Ferdi Kräling

    Hainbach/Fabisch (Escort RS) führen weiter in der DM-Wertung +++ Nachwuchsmann Hans-Georg Bürger (D, Ralt-Toyota) sichert sich auf dem Flugplatzkurs von Diepholz einen klaren Sieg im Lauf der Formel 3-DM und bleibt zusammen mit Mike Korten (D, March-Toyota im Titelrennen ++ Innerhalb von nur acht Tagen sterben am Nürburgring und beim Flugplatzrennen Sylt zwei Streckenposten. Die ONS kündigt ein neues Sicherheitskonzept für die Marshalls an. ++ Luigi Calamai (I) übernimmt im Renault 5-Europa-Cup mit einem Sieg im Rahmen des GP Deutschland in Hockenheim die Tabellenspitze ++ Porsche steht durch eine von Privatteams errungene Siegesserie ohne ernsthafte Konkurrenz vorzeitig als Marken-Weltmeister fest ++ Edgar Dören (Porsche 934 Turbo) steuert in der Deutschen Rennsport Trophäe (DRT) für Gruppe 4 und Gruppe 2-Autos auf einen sicheren Titelgewinn zu ++ Die Italiener Camapani und Mantovani ringen bei noch zwei ausstehenden Rennen um den Gesamtsieg im Alfasud-Europacup.

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    Neueste Kommentare

     
     
    219w105:
    24.07.2019 (20:54)
    Wie schon vor einigen Wochen geschrieben: so eine lebendige Berichterstattung kann nur Rainer Braun verfassen! Nochmal herzlichen Dank an ihn und auch das Zwischengas-Team!
    sc******:
    23.07.2019 (22:01)
    dem kann ich mich nur anschließen. Keiner wie Rainer Braun schafft es, die deutsche Rennsportgeschichte so wieder auferstehen zu lassen. Meinen besten Dank und Anerkennung für diese Leistung!!
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