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Rückspiegel Januar/Februar 1979 - Motorsport-Schlagzeilen vor 40 Jahren

Erstellt am 22. Januar 2019
, Leselänge 10min
Text:
Rainer Braun
Fotos:
Upietz Buch "Geile Zeit" 
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Upietz-Buch Geile Zeit 
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Archiv Wittmann 
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Archiv GS Sport 
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Archiv ATP 
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Archiv Kauhsen 
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Archiv Bilstein 
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Archiv HMSC 
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Das Jahr 1979 fing zumindest in der damaligen „Motorsport-Hauptstadt“ Köln für uns Journalisten gleich mal ziemlich turbulent an. Kaum waren die ersten Tage ins Land gezogen, ging der Wirbel los. Und wieder mal standen die beiden bis aufs Blut verfeindeten Porsche-Rennställe GELO-Loos und Kremer-Racing im Mittelpunkt. Der langjährige Kremer-Pilot Bob Wollek hatte es gewagt, für die neue Saison in Sachen DRM und Sportwagen-WM zu Loos zu wechseln.  

Von Kremer zu Loos - Bob Wollek
Copyright / Fotograf: Archiv Bilstein

Kremer machte dafür natürlich seinen Erzfeind Loos als Drahtzieher aus und bezichtigte ihn offen der Abwerbung. Es dauerte nur ein paar Tage und Kremer antwortete im Gegenzug mit der Verpflichtung des Loos-Piloten Klaus Ludwig. Der sollte Kremers neue Wunderwaffe, den Porsche 935 K3 in der DRM zu Siegen und möglichst auch zum Titelgewinn führen. Nach Bekanntwerden des Ludwig-Deals brach der Krieg zwischen beiden Teams erst richtig los. Der verbale Schlagabtausch zog sich tagelang hin und wurde vorzugsweise über das Kölner Boulevard-Blatt „Express“ ausgetragen. So ließ Loos beispielsweise verlauten, „dass ich mit meinen Autos und Piloten die Schmierwurst Ludwig samt den Kremer-Brothers zu Dauerverlierern machen werde“. Kremer antwortete, natürlich auch via Express, diplomatischer: „Herr Loos und seine Chauffeure werden sich noch wundern, was wir mit unserem neuen K3 für eine Überraschung parat haben.“

Vertragsabschluss Ludwig mit Porsche-Kremer
Copyright / Fotograf: Upietz-Buch Geile Zeit

Im Zuge der gegenseitigen Schuldzuweisungen, Drohungen und Beschimpfungen brachte Kremer sogar Ablösesummen ins Spiel, die wechselwillige Piloten oder deren neue Teams oder am besten gleich beide zahlen sollten. „Wir sind es leid, ständig neue Leute aufzubauen, die dann abwandern.“ Bob Wollek konnte ob solcher Ideen seines alten Teamchefs nur noch den Kopf schütteln: „Jetzt dreht der Erwin völlig durch, immerhin bin ich als fertiger Sportwagen- und Formel 2-Mann zu ihm gekommen – und nicht als Azubi.“ Experten räumen dem Ablöse-Vorhaben denn auch kaum Chancen ein. „Es sei denn“, so Ford-Sportchef Mike Kranefuss hintergründig lächelnd, „der Kremer zerrt jetzt jeden einzeln vor den Kadi.“ Dass es ein dreiviertel Jahr später ausgerechnet rund um das Trio Kranefuss/Ludwig/Kremer tatsächlich zu einem solchen Szenario kommen sollte, ist eine andere Geschichte, die ich Ihnen gerne im November erzähle.

Bleiben wir noch ein bisschen bei des deutschen Fans liebsten Rennserie, der Rennsportsport-Meisterschaft (DRM). Neben dem Kremer/Loos-Zirkus gab es auch an anderer Stelle gewaltig Bewegung. Da war einmal der Wechsel des amtierenden Champions Harald Ertl von BMW-Schnitzer zu Ford Köln beziehungsweise Zakspeed in einen Capri Turbo. Das „Sachs Sporting Team“ mit fettem Saisonetat brachte der bärtige Meister gleich mit in die neue Ehe. Ertl und Heyer als Teamkollegen – was für eine brisante Mischung. Mal sehen, wer da wen mit gleichen Waffen rasiert…Und dann war da noch das GS-Sport-Team des Freiburger BMW-Autohausbesitzers Gerhard Schneider, der neben seinem Rennstall auch den Generalvertrieb für Deutschland der exklusiven und sündhaft teuren Winnebago-Motorhomes managte und Mäzen des FC Freiburg war.

GS Sport-Mannschaft - Bürger, GS-Chef Schneider, Schimpf, Höttinger
Copyright / Fotograf: Archiv GS Sport

Für 1979 hatte sich Schneiders Team viel vorgenommen: DRM mit zwei BMW 320, Procar-Serie mit zwei BMW M1. Was den Einsatz zumindest des 320-Turbo in der DRM betraf, so konnte man hier durchaus von einem verkappten BMW-Werksauftritt ausgehen. Markus Höttinger, längst reinrassiger BMW-Werksfahrer, wurde ganz bewusst weiter bei GS platziert, um in aller Ruhe einen geheimnisumwitterten 1.4 Liter BMW-Versuchsträger in einem rechtsgelenkten Jägermeister-320er zu testen. Was sich später von Rennen zu Rennen trotz intensiver Abschirmung des Motorraums durch BMW-Techniker immer weniger geheim halten ließ, hatte auch einen Namen – es handelte sich um jenes 1.4 Liter-4-Zylinder-Turbo-Triebwerk, mit dem BMW im Laufe des Jahres 1982 in die Formel 1 einzusteigen gedachte und ein Jahr später sogar damit sogar Weltmeister wurde. Höttinger hatte den ebenso ehren- wie verantwortungs-vollen Auftrag, die DRM-Rennen als verkapptes Test- und Entwicklungsprogramm zu absolvieren. Wenn die bärenstarke Maschine (man munkelte von 500–600 PS) nicht gerade mal wieder auseinanderflog, waren immer vordere Punktränge und sogar ein Sieg zum Saisonende drin.

Übrigens bekam Höttinger-Kumpel und Nachwuchstalent Hans-Georg Bürger als Formel 3-Vizemeister bei GS-Sport ebenfalls seine Chance und durfte dank BMW-Fürsprache in Höttingers letztjährigen 320-Sauger steigen – jetzt mit neuer Lackierung, statt „Fruit of the Loom“-blau in den BASF-Farben rot/weiß und einer „Glysantin“-Kampagne. Die beiden sind seit gemeinsamen Renault 5-Tagen dicke Freunde – man sollte nicht meinen, dass sie an den Wochenenden Konkurrenten sind. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass es nicht immer Zoff und spannungsgeladene Atmosphäre zwischen gleichstarken Teamkollegen geben muss.

Herzlichst

 

 

 

Formel 1: Massencrash und ein blaues Wunder

Laffite Ligier GP Argentinien 1979
Copyright / Fotograf: Archiv ATP

Ein Massencrash mit anschließendem Neustart und ein in allen Belangen überlegener Ligier-Rennstall kennzeichnen den Saisonauftakt der Formel 1-WM in Argentinien. Der Franzose Jacques Laffite und sein Landsmann Patrick Depailler (beide Ligier Ford V 8) starten aus Reihe eins, während unmittelbar dahinter Watson und Scheckter durch eine vermeidbare Kollision das ganz große Chaos auslösen. Zehn Autos fahren ineinander, sofortiger Abbruch. Piquet und Scheckter werden mit leichten Verletzungen aus ihren Cockpits geborgen. Auch nach dem Neustart mit nur noch 19 von 24 Autos bestimmen zunächst die beiden blauen Ligier das Tempo, bevor Depailler mit technischen Problemen zurückfällt und Laffite souverän gewinnt. Die beiden einzigen deutschen Piloten bleiben eher unauffällig: Jochen Mass wird im Arrows gerade noch Achter, Hans-Joachim Stuck (ATS) bleibt schon in der Qualifikation hängen.

Auch der zweite WM-Lauf in Sao Paulo/Brasilien ist von französischer Dominanz gekennzeichnet. Die Equipe Ligier mit Jacques Laffite und Patrick Depailler (beide Ligier Ford V 8) beherrscht das GP-Wochenende erneut mit geradezu erdrückender Überlegenheit: Pole Position, dazu die komplette erste Startreihe, Doppelsieg im 40 Runden-Rennen und oben-drein auch noch die schnellste Rennrunde. Das Podium komplettiert Carlos Reutemann (RA, Lotus Ford V 8) als Dritter, während Titelverteidiger Andretti (Lotus-Ford) mit technischen Gebrechen ausfällt. Die beiden deutschen Starter Mass (Arrows) und Stuck (ATS) bleiben wiederum ohne Punkte. Stuck, ohnehin nur vom 24. und somit letzten Platz gestartet, muss mit gebrochenem Lenkrad aufgeben.

Formel 1: Kauhsen-Projekt gerät ins Wackeln

Kauhsen WK 001-F1 1979
Copyright / Fotograf: Archiv Kauhsen

Nach dem überraschenden Ausstieg des Belgiers Patrick Neve samt Sponsor „Kinley“ gibt es große Fragezeichen hinter dem mutigen F 1-Projekt des Aacheners Willi Kauhsen. Der mag allerdings noch nicht aufgeben und setzt sein Testprogramm mit Gianfranco Brancatelli unbeirrt fort. Der italienische Formel 2-Pilot, der bereits die ersten Tests mit der WK1-Konstruktion fuhr, soll das Auto jetzt für den Beginn der europäischen GP-Saison fit machen. „Auf Argentinien, Brasilien, Südafrika und USA müssen wir notgedrungen verzichten“, gibt sich der Teamchef keineswegs geschlagen, „aber beim Spanien-GP Ende April greifen wir an.“

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Rallye-WM: Darniche und die Steine des Anstoßes

Die Rallye Monte Carlo endet mit einem handfesten Skandal. Ford-Speerspitze Björn Waldegaard fühlt sich um den Sieg geprellt, Lancia-Treter Bernard Darniche lächelt verhalten. Der Franzose gewinnt nach grandioser Aufholjagd in der letzten Nacht mit sechs Sekunden Vorsprung vor dem Schweden. Dessen Vorteil ist dahin, als in der letzten Prüfung plötzlich ein paar deftige Felsbrocken vor den Escort kullern. War das nun ein unabwendbares Naturereignis oder haben französische Fans zu Gunsten ihres Landsmanns ein bisschen nachgeholfen? Freund, Feind und Fahrtleitung beschäftigen sich mit der Klärung dieser Kardinalsfrage ebenso intensiv wie leidenschaftlich – allerdings ohne verwertbares Resultat.

Fakt ist: Das Wegräumen der Steine durch Co-Pilot Thorszelius dauert mit Ein- und Aussteigen deutlich länger als jene sechs Sekunden, die Ford zum Sieg fehlen. Das Ergebnis bleibt, wie es ist – und Frankreich jubelt…. Was Björn Waldegaard noch in Monte Carlo durch nebulöse Ereignisse versagt bleibt, erledigt er bei seinem Heimspiel als kühler Rechner. Bei der Schweden-Rallye belegt er im Escort RS erneut Platz zwei und erobert damit die ersehnte WM-Führung. Wie fast immer sind auch diesmal die Nicht-Skandinavier hoffnungslos verloren – auf den ersten zehn Positionen finden sich ausschließlich schnee- und eiserprobte Driftkünstler aus Schweden, Finnland und Norwegen. Sieger: Stig Blomqvist im Saab 99-Turbo.

Rallye-DM: Viel Schnee, viel Spaß, viel Röhrl…

Fiat-Werksfahrer Walter Röhrl und sein Co-Pilot Christian Geistdörfer lassen sich beim Auftakt zur deutschen Rallye-Meisterschaft rund um Marktredwitz (zugleich auch EM-Lauf) als wahre Schnee-Könige feiern. Die Sachs-Winter-Rallye macht ihrem Namen alle Ehre - die weiße Pracht ist gleich so reichlich vorhanden, dass sogar schweres Räumgerät eingesetzt werden muss, um Rallyestrecke und Sonderprüfungen überhaupt befahrbar zu machen.

Röhrl bleibt stets Herr der Schneelage und siegt mehr als deutlich. Im geschlagenen Feld so hochkarätige Teams wie Bohne/Diekmann (Golf GTI), Kleint/Wanger (Opel Ascona), Demuth/Fischer (Audi 80), Haider/Pattermann (Opel Kadett) oder Warmbold/Liddon (Toyota).

DRM: Wechselspiele bei Kölner Porsche-Teams

Der Zoff geht weiter - Loos vs. Kremer
Copyright / Fotograf: Upietz Buch "Geile Zeit"

Jede Menge prominente Fahrerzugänge und Team-Wechsel meldet die Deutsche Rennsport-Meisterschaft (DRM). Dreh- und Angelpunkt ist vor allem Köln. So läuft der langjährige Kremer-Pilot Bob Wollek zum Porsche-Team des lokalen Erzrivalen Loos über. Und Kremer revanchiert sich postwendend mit der Verpflichtung von Klaus Ludwig, den er im Gegenzug ungeniert von Loos abwirbt.

Ertl mit neuem Chef
Copyright / Fotograf: Upietz Buch "Geile Zeit"

Rolf Stommelen kehrt nach seinem beendeten Formel 1-Engagement wieder in jenes Championat zurück, das er 1977 bei Loos mit dem Titelgewinn abgeschlossen hat. In der neuen DRM-Saison wird Kölner im „Liqui Moly Joest-Team“ einen Porsche 935 Turbo steuern. Und schließlich melden die Kölner Ford-Sportler beziehungsweise Zakspeed den Zugang von Titelverteidiger Harald Ertl, der vom BMW 320 in einen 2 Liter Zakspeed-Turbo-Capri umsteigt. Ertl-Ersatz bei Schnitzer-BMW wird Manfred Winkelhock.

Veranstalter: HMSC-Chef Gerd Kroeber

Der deutsche Motorsport trauert um Rennleiter und Sportfunktionär Gerd Kroeber. Er verstarb am 8. Februar nach kurzer Krankheit im Alter von 52 Jahren.

RL Gerd Kroeber
Copyright / Fotograf: Archiv HMSC

Der Wiesbadener saß in vielen Gremien der ONS, war Rennleiter des deutschen Formel 1-Grand-Prix in Hockenheim und zugleich auch umtriebiger Präsident des deutsch-amerikanischen Hesse Motor Sports Club (HMSC) in der hessischen Landeshauptstadt. Kroeber schrieb vor allem als Initiator und langjähriger Rennleiter des Flugplatzrennens Mainz-Finthen (ab 1964) ein bedeutendes Stück deutscher Rennsport-Geschichte.

In aller Kürze

Die österreichische Jänner-Rallye gewinnt Lokalmatador Franz Wittmann mit Copilot Dr. Nestinger zum fünften Mal in Folge – diesmal am Steuer eines Porsche-Carrera.

Wittmann-Nestinger Sieger Jänner-Rallye 1979
Copyright / Fotograf: Archiv Wittmann

++ Familienzuwachs vermelden Verena und Harald Ertl in Gestalt des sechs Pfund schweren Neuankömmlings Sebastian ++ Schwere Schlappe für die deutschen Porsche-Rennställe bei den 24 h von Daytona – ins Ziel kamen auf den vorderen Plätzen nur US-Teams. Die deutsche Ehre rettet Jürgen Barth auf Rang vier mit seiner Gastfahrerrolle als dritter Mann bei den Whittington-Brothers.

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