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Rallye Monte Carlo 1972 - Mit Getriebe- und Totalschaden auf der Strecke

Erstellt am 21. Januar 2011
, Leselänge 3min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv 
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Nach dem Triumph des Vorjahres erlebt Alpine-Renault ein wahres Debakel. Die vier besten Alpines blieben alle liegen. Der lachende Fünfte ist der Italiener Sandro Munari, der auf einem Lancia Fulvia HF 1600 seinen ersten, aber nicht seinen letzten Siegt holt.

27. Januar 1972, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Die Rallyestimmung auf der Passhöhe des Turini schlägt schon Stunden vor der Durchfahrt  des ersten Konkurrenten hohe Wellen. Alpine gegen Lancia, Franzosen gegen Italiener. Hie und da ein zaghafter Laut eines Porscheanhängers. Bereits im Ansatz werden deutsche Laute niedergeschrien. Seit dem Alpine-Sieg vom letzten Jahr hat man sie endlich im Griff – die Germanen. Dies ist doch ein Grund zum Feiern. Die Restaurateure feiern ebenfalls. Sie sanieren ihre miesen Jahreseinkommen. Der Preis für Cognac klettert stündlich nach oben – analog der Spannungskurve.

Mit drei Sekunden Vorsprung werden Andersson/Davenport vor Darniche/Mahé in Monte-Carlo zur Nacht der langen Messer gestartet. Zwei Alpine A 110 an der Spitze, zwei weitere unter den ersten sechs. Munari/Mannucci auf Lancia Fulvia in Schlagweite. Und während immer noch die Cognacpreise steigen, überstürzen sich weit weg vom Turini die Ereignisse. Zuerst Ove Andersson - ein Gang nach dem andern gibt seinen Geist auf. Andersson aber nicht. In echt skandinavischer Art quält er den Alpine weiter. Schliesslich funktioniert nur noch der fünfte Gang und da muss auch Andersson eingestehen: „Das Getriebe ist am Verrecken“. Nicht weit davon in St. Sauveur-sur-Tineé steht ein weiterer Alpine am Strassenrand. Ein völlig aufgelöster Darniche brüllt die gaffende Menge an: „Warum gerade das Getriebe? Wenn ein Zylinder eingeht, dann fahr ich auf drei, ich hab ja drei Minuten Vorsprung auf Munari. Das schaff ich schon. Aber warum gerade das Getriebe?“

Somit warten die Franzosen auf dem Turini vergebens auf ihre führenden Alpines. Und die Italiener? Schafft es ihr Sandro, ihr Lancia? Seine Überschläge sind bekannt, seine Landungen in Strassengräben, sein völlig aggressiver Fahrstil, aber auch sein sensibler Charakter. Ob das gut geht? Doch da erscheint er am Turini, frenetisch angefeuert von seinen Landsleuten kommt er völlig quer daher, nützt den Lastwechsel aus für die Linkskurve am Ende der kurzen Geraden und sticht hinab ins stockdunkle Tal. Und Nicolas/Vial und Andruet/Pagani, die letzten Hoffnungen der Franzosen? Wie ihre Teamkollegen stehen sie am Strassenrand, neben ihren zerstörten, radikal zerstörten Alpines. Das Spielkasino ist nicht weit. Alles oder nichts!

P.S. Am Ziel kommt es zu euphorischen Szenen. Sandro hat gewonnen, unser Sandro, unser stiller, ernster Sandro, Sohn eines Bauern, unser Sandro. Und Simo Lampinen, Sandros Teamkollege, vierter heuer, seit Jahren will er die Rallye gewinnen, versteht die Welt nicht mehr: „Der Mann hat die Rallye Monte-Carlo gewonnen und liegt jetzt im Bett. Ich an seiner Stelle würde jetzt vor dem Hotel de Paris stehen und schreien, schreien so laut ich kann.“

Quelle:
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