Rallye Monte Carlo 1968 - Endlich siegt der Schnellste

Erstellt am 21. Januar 2011
, Leselänge 3min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv 
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36-mal Rallye Monte-Carlo, 36mal Ärger mit den Reglementen, Koeffizienten und Formeln. Die Ausschreibung zur 37. Austragung ist klar. Der Schnellste soll Sieger werden, egal ob Profi  oder Amateur, egal ob 1‘000 ccm oder 3‘000 ccm. Um es vorweg zu nehmen: 1968 wird es keine Probleme und Skandale geben. Die Rallye wird unter einwandfreien sportlichen Bedingungen ausgetragen, sportlich bis auf jene Zuschauer, die 200 Meter unter der Passhöhe des Turini Schnee auf die apere Strasse schaufeln. Und prompt knallt der im Zwischenklassement zweitplatzierte Gérard Larousse seinen mit Racing bereiften Renault-Alpine gegen eine Steinbrücke. Larousse muss aufgeben.

Eine 1‘500 km lange Schlaufe Monaco – Val-les-Bains – Monaco und neue Spezialprüfungen kommen ins Programm: Auf der SP Pont-des-Miolans nach St. Auban mit der kaum wagenbreiten Passage durch die Schlucht von St. Auban, fährt der Italiener Leo Cella auf einem Lancia Bestzeit, dicht gefolgt vom Routinier Pauli Toivonen auf Porsche und Ove Andersson auf Lancia. Am Wendepunkt in Val-les-Bains sind die neuen Alpine-Renaults bereits an der Spitze: Piot/Marnat, Andruet/Todt und Larousse/Callewaert, alles junge Franzosen, nicht weniger stürmisch als die Skandinavier, mit noch defektanfälligen Alpines 1300 ccm. Jean François Piot bleibt mit abgebrochenen Zündverteiler liegen und Jean-Claude Andruet steckt nach einem kapitalen Rausflug im tiefen Schnee fest. Doch Gérard Larrousse ist an der Spitze, 14 Sekunden vor Elford/Stone und Toivonen/Tinkkanen beide auf Porsche 911 S.

Die letzte Schlaufe – „Le Parcours Final“ - nehmen noch 60 Wagen in Angriff. Auf der SP Sospel – Notre Dame de la Menour fährt Toivonen Bestzeit, vor Larrousse und Elford. Der erste Durchgang am Turini bringt keine Entscheidung. Am Col de la Couillole, hinten im Tal des Flusses Tinée, fährt Elford, als ginge es um sein Leben, nimmt dem gewiss nicht langsamen Larousse 51 Sekunden ab und holt sich die Spitzenposition. Auf der zweiten Turiniprüfung in umgekehrter Richtung von la Bollène nach Moulinet und  über rund 22 Kilometer muss Larousse alle Risiken eingehen und rutscht auf der eingangs geschilderten Schneefalle in die Brückenmauer. Somit ist auch der dritte schnelle Alpine ausgeschieden. Auf der letzten „Spéciale“ attackiert Toivonen seinen Teamkollegen Elford nicht mehr. Der Porsche-Doppelsieg wird Tatsache. Drei Porsches, drei Minis, zwei Lancia ein Alpine und der Datsun von Mikkola belegen die ersten zehn Ränge. Die jungen Franzosen und der neue Alpine Renault  A 110 haben aber ihre Visitenkarte eindrücklich präsentiert.

P.S. Nach vielen Jahren Absenz ist der Osten wieder dabei. Skoda und Wartburg stehen auf der Startliste. Warschau ist Startort. Und im „Powerslide“ ist zu lesen: „Am eindrucksvollsten war zweifellos die Einfahrt in Posen. Ich habe nicht gewusst, dass diese Stadt überhaupt so viele Einwohner hat. Man wurde vom begeisterten Publikum praktisch dazu gezwungen, schnell zu fahren. Jeglicher Verkehr wurde von der Polizei gestoppt und sogar die Ordnungshüter feuerten die Teilnehmer an. Die Nacht gehörte den Rallyefahrern.“

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