Rallye Monte Carlo 1938 - Die Route Napoleon bringt eine neue Dimension

Erstellt am 20. Januar 2011
, Leselänge 3min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv 
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Fünfzig der 125 am Start erschienen Teams gelangen strafpunktfrei ans Mittelmeer - eine noch nie dagewesene Zahl. Was ist passiert? Ohne grosse Probleme erreichen die meisten Teams ab ihren Startorten Lyon um dann gemeinsam Monaco anzusteuern. Die traditionelle, gemeinsame Schlussstrecke Avignon – Nizza – Monaco wird ersetzt durch die Route Grenoble – Col de la Croix-Haute – Gap – Sistéron – Col des Leques – Castellane – Col de Pillon – Nizza – Monaco, die N 85 oder volkstümlicher – die Route Napoleon – findet ihre Feuertaufe und wie.

Die 345 Kilometer lange Route Napoleon ist eng, kurvenreich, führt über verschiedene Pässe und muss mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von minimal 50 km/h und maximal 60 km/h durchfahren werden. Die Sollzeiten werden überwacht. Wer innerhalb der Toleranzzeiten liegt, erhält 200 Punkte gutgeschrieben. Der anforderungsreichste Abschnitt ist der 1'146 Meter hohe Col des  Leques. Insbesondere die Clue de Taulanne mit ihren giftigen, kaum gesicherten Kehren. Die erste Zeitkontrolle passieren die meisten Teams zur vorgeschriebenen Zeit. Am Col des Leques herrschen hochwinterliche Verhältnisse. Die Rallyeleitung entschliesst sich, die Zeitkontrolle vor Castillane aufzuheben und so gelingt es 50 Equipen stresslos, ohne Strafpunkte ans Ziel zu kommen. Die Rallyefahrer sind erstmals mit den Tücken verschneiter und vereister Strassen in den Alpes Maritimes und den Alpes de Haute Provence konfrontiert worden. In den 50er- und 60er-Jahren werden diese Bergstrassen dramatische Schlagzeilen liefern.

So muss 1938 eine wieder eingeführte Beschleunigung- und Bremsprüfung über die Rangreihenfolge entscheiden. Le Bègue, der letztjährige Sieger, kommt um wenige Zentimeter vor der Ziellinie zum Stillstand. Dies wird jedenfalls von den Sportkommissaren behauptet. Beifahrer Mahé hat alles gefilmt und ist anderer Meinung. Leider liefert der über Nacht entwickelte Filme keine Klarheit. Die Ecurie Bleue muss für ihren Fahrer 20 Strafpunkte verbuchen  und protestiert. Der Fall kommt bis vor die höchste Sportinstanz in Paris (FISA) und weil der Vertreter des Automobile Club de Monaco sich gegen die Zustimmung zur Überprüfung des umstrittenen Entscheids wehrt, wird der Protest abgewiesen. Sieger sind damit die Holländer Gerard Bakker-Schut und Karl/Ton auf einem schweren Ford V8, vor Trévoux (Gesamtsieger 1934) und Lahaye/Quatresous (Gesamtsieger 1935) Le Bègue/Mahé klassieren sich unter ferner liefen.

P.S. „Alle Rechte den Sportkommissaren“ könnte die Schlagzeile heissen. Und es hat wirklich einen Artikel 137 gegeben, der besagt, dass dem Einspruch gegen einen Entscheid der Sportkommissare nur dann Folge geleistet werden muss, wenn er eine Frage bezüglich der Anwendung des Reglements betrifft, nicht aber, wenn es sich um Tatsachenfragen handelt. Wörtlich endet dieser Artikel 137 mit der Feststellung: „…es sei denn, dass die Sportkommissare für eine erneute Überprüfung des Falls ihre Zustimmung erteilen.“  Und diese Zustimmung hat der Herr Sportkommissar aus Monaco schlicht und einfach verweigert. Augenfälliger kann die Macht der Sportkommissare nicht dokumentiert werden. Verlierer in diesem Streit ist wie meistens der Sport.

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