Rallye Monte Carlo 1936 - Petre Cristeas Beichte nach 20 Jahren

Erstellt am 20. Januar 2011
, Leselänge 3min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv 
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Zwanzig Jahre nach seinem Sieg an der Rallye Monte Carlo 1936 wird Petre Cristea ein gut gehütetes Geheimnis preisgeben. Sein bullig starker und abgespeckter Ford V8 sei mit einem starren Hinterachsantrieb ohne Differential ausgerüstet gewesen. Dies habe ihm erlaubt, den engen Geschicklichkeitskurs ohne durchdrehende Räder und somit mit stärkerer Beschleunigung als seine Gegner zu fahren.

So gewinnt er diese entscheidende Prüfung mit 49 Sekunden Vorsprung auf die schon heftig feiernden Schells. Diese Hinterachse bewährt sich natürlich auch bei Schnee und Morast. Doch der milde Winter stellt die schlauen Rumänen vor keine grossen Probleme.  Unter dem Zeltdach des Fords herrscht übrigens klare Arbeitsteilung. Petre Cristea fährt, Ionel Zamfirescu liest die Karten, stoppt die Zeiten und Gogu Contantinescu ist für die Mechanik zuständig. Bei vielen anderen Teams weiss niemand so recht, wer nun Fahrer, Beifahrer oder Mitfahrer ist. Da holt sich wohl manche Dame, mancher Herr, die falschen Lorbeeren.

Die trockenen Strassen – nur in Südfrankreich regnet es aus vollen Kübeln – und die teilweise geforderten, hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten nützen viele für inoffizielle Strassenrennen aus. Der Franzose Guyard unterzieht seinen Hotchkiss bei Kowno einem Crashtest. Die Dampflok übersteht die Materialprüfung, der Beifahrer spuckt Zähne. Aus Königsberg meldet ein geschockter Telegrafenbeamter: „Die Startnummern 11 und 69 liegen kopfüber im Strassengraben“, Gordon/Holmes wähnen sich in England, rammen einen Camion auf der linken Fahrspur und der junge Renn- und Rallyefahrer Maurice Gatsonides aus Holland knallt in Sichtweite des Casino gegen eine Mauer. Noch ist die passive Sicherheit des Automobils kaum ein Thema. Erste Ansätze sind zwar vorhanden – besseres Licht, bessere Reifen, bessere Sitze. Doch Sicherheitsgurte, Sicherheitsglas, flexible Lenksäulen oder nachgiebige Armaturenbretter sind Fremdwörter. Gefragt sind die Schutzengel – und die leisten 1936 Schwerstarbeit.

P.S. Unter den erstrangierten der 15. Rallye Monte Carlo sind alles bekannte Sternfahrer: Lucy und Laurie Schell (Delahaye), Lahaye und Quatresous, die Sieger von 1935, Gas und Trévoux von 1934 oder Einzelgänger Healey, Sieger 1931. Die Coupe des Dames ist den beiden Französinnen Marinovitch und Hellé-Nice auf Matford vorbehalten. Hellé-Nice, die bekannte Bugattirennfahrerin, Marinovitch die Siegern der letztjährigen Coupe des Dames.

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