Le Mans 1981 - ungefährdeter Sieg des favorisierten Porsche 936

Erstellt am 15. Mai 2011
, Leselänge 5min
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Bruno von Rotz
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Als spannungsloses, wenn auch nicht ereignisloses Rennen gingen die 24 Stunden von Le Mans von 1981 in die Rennsportliteratur ein. Ein ungefährdeter Porsche-Sieg war erwartet worden. Leider waren zwei tödliche Unfälle, denen der Pilot Jean Louis Lafosse und ein Streckenposten zum Opfer fielen, zu beklagen.

Reglementstechnisch war 1981 ein Übergangsjahr: Bisherige Fahrzeuge nach Gruppe 5 und 6 durften nochmals starten, die neue Gruppe C (C82) war erstmals zugelassen. Nach IMSA-Vorbild starteten auch diverse Unterkategorien: GTP (Prototypen), GTO (über 2.5 Liter) und GTU (unter 2,5 Liter) sowie die seriennahe Strassenklasse GTX.

Sieg für die zuverlässigen Porsche 936

Erst gegen Ende des Winters hatte sich Porsche entschlossen, offiziell in Le Mans anzutreten. Mangels einer Neukonstruktion ersann man sich eines Veteranen aus dem Jahre 1977, mischte diesen aber mit High-Tech-Komponenten zusammen. Der Cocktail, der dabei enstand, funktionierte. Die Kombination 936-Chassis, Indianapolis-2,65-Liter-Turbomotor (gedrosselt von 900 auf 620 PS) und 4-Gang-Getriebe aus dem Can-Am 917-10/30 lag mit den erfahrenen Piloten Jackie Ickx und Derek Bell ab Stunde 4 ununterbrochen und störungsfrei an erster Position und gewann das Rennen. Für Ickx, der kurz vor seinem Rücktritt stand, war dies der fünfte Sieg in Le Mans. Mehr Probleme machte der zweite 936/81, der nach diversen verlängerten Boxenstopps mit Mass/Schuppan/Haywood auf dem 12. Platz des Gesamtklassementes landete.

Dreissig Jahre Le Mans für Porsche

1951 hatte Porsche zum ersten Mal in Le Mans teilgenommen und feierte also sozusagen das dreissigjährige Jubiläum, zu dem sogar Ferry Porsche anreiste.

Enttäuschender 917 K

Der von Kremer für einen französischen Fertighausfabrikanten nach dem alten Gruppe-6-Reglement aufgebaute Porsche 917 (K 81) konnte weder im Training noch im Rennen überzeugen und war nicht in der Lage, in die Fussstapfen seiner Ahnen zu treten. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von weniger als 300 km/h auf der langen Geraden und diversen Problemen im Rennen spielte der 5-Liter-Sauger keine Rolle.

Gemischte Gefühle beim Rondeau

Während die schnelleren Rondeau mit 3,3-Liter-Cosworth wegen Problemen mit den Benzinpumpen scheiterten, konnten die konservativer motorisierten 3-Liter-Rondeaus Platz 2 und 3 holen. Der Grund für den Ausfall der Benzinpumpen lag bei der Montage. Bei Cosworth war der bisherige Monteur gestorben, sein Nachfolger hatte zwar die Arbeiten korrekt nach Vorgaben gemacht, liess aber bei der Versplintung offensichtlich das Feingefühl (oder das Wissen um die Tricks) des Vorgängers vermissen.

Überraschender Ferrari 512 BB

Der schon in die Jahre gekommene Ferrari 512 BB mit Langheckkarosserie überraschte positiv, hatten doch diese Fahrzeuge in der Vergangenheit nicht mit Konstanz in Le Mans brilliert. Dieses Mal aber stimmte fast alles und der beste 512 BB wurde Fünfter. Es wäre sogar noch mehr möglich gelegen, aber der bis zur 19. Stunde auf Platz 4 vorgerückte  Wagen von Cudini/Curdijan/Morton verunfallte und musste das Feld räumen.

Porsche 944 GTP LM - Vorbote der Serie

Porsche hatte neben den Prototypen auch zwei Rennwagen aus der 924/944-Baureihe am Start. Während der 924 Carrera GT von Schurti/Rous/Brunn mit Motorproblemen herumschlug und auf dem 12. Platz landete, erreichte der zukunftsgerichtete 944 Turbo, bei dem erstmals eine vollelektronische Benzineinspritzung von Bosch zum Einsatz kam, mit Barth/Röhrl den hervorragenden 7. Gesamtrang, notabene mit der geringsten Standzeit an den Boxen. Dafür waren allerdings einige Kompromisse nötig gewesen. Wegen Problemen mit der Standfestigkeit musste die Leistung des halbierten 928-Triebwerkes auf 410 PS reduziert werden. Röhrl bescheinigte dem Fahrzeug denn auch “eine ganz brauchbare Strassenlage” und schwieg bezüglich der Motorenleistung, wie Bernd Ostmann in AMS 13/1981 zu berichten wusste.

Lancia als Sieger in der Zweiliterklasse

Mit dem Montecarlo Gruppe 5 holte sich Lancia den Sieg in der Zweiliterklasse und damit wichtige Punkte für die Marken-WM. Zwei der vier Wagen fielen wegen Unfall und Motorendefekt aus, die verbliebenen fuhren auf dem 8. und 14. Platz ins Ziel.

Defektserie beim BMW M1

Erfolglos mussten die BMW M1 die Segel streichen. Ein Fahrzeug musste wegen Unfall aufgeben, vier fielen Defekten zur Folge, wobei insbesondere Schäden am Schwingungsdämpfer zu reden gaben.Auch die WM-Peugeot konnten nicht überzeugen und vielen Defekten und Unfällen zum Opfer.

Zum ersten Mal mit Pace Car

Zum ersten Mal in der Geschichte des 24 Stunden Rennens wurden Pace Cars - Mercedes-Benz S-Klasse-Limousinen - eingesetzt, welche bereits früh zum Einsatz kamen: Auf der Hunaudières knallte ein Gruppe C Peugeot WM P81 in die Leitplanken und verletzte einige Marshalls. Insgesamt wurden die Pace Cars drei Mal auf die Strecke geschickt.

Frau am Start und Sechste im Gesamtklassement

Die einzige Frau am Start hiess Anne-Charlotte Verney, die seit 1974 regelmässig in Le Mans antrat. Mit dem 6. Gesamtplatz erreichte sie die zweitbeste Platzierung unter den Frauen in der ganzen Geschichte von Le Mans. Besser war nur noch Odette Siko, welche 1932 auf den 4. Platz fuhr.

Unterschiedliche Verbräuche im Feld

Interessant lesen sich die Verbrauchszahlen, die die Automobil-Revue 26/1981 aufführte:

  • Porsche 924 Carrera GT: 35,75 Liter/100 km
  • Ferrari 512 BB: 38,52 Liter/100 km
  • Rondeau-Cosworth: 38,65 Liter/100 km
  • WM-Peugeot: 42,78 Liter/100 km
  • Lancia Montecarlo: 45,04 Liter/100 km
  • Porsche 944 Turbo: 48,05 Liter/100 km
  • Porsche 936/81: 51,89 Liter/100 km

Schlussklassement:

1. Porsche 936/81 mit Jacky Ickx und Derek Bell, 4’825,348 km, 201,05 km/h
2. Rondeau M 379 CL (3-Liter-Cosworth-Motor) mit J. Haran, Ph. Streiff und J.L. Schlesser, 4’839,323 km, 193,30 km/h
3. Rondeau M 379 CL mit Fr. Migault und G. Spice, 4’571,205 km, 190,48 km/h
4. Porsche 935 K3, J. Cooper, D. Wood und C. Bourgoignie, 4’507,520 km, 187,81 km/h
5. Ferrari 512 BB, J.C. Andruet, C. Balllot-Lena, 4’469,433 km, 186,22 km/h
6. Porsche 935 K3, A.C. Vernay, R. Cooke, B. Garretson, 4’466,362 km, 186.09 km/h
7. Porsche 944 GTP LM, J. Barth und Walter Röhrl, 4’404,594 km, 183,52 km/h
8. Lancia Montecarlo, E. Cheever, M. Alboreto, C. Facetti, 4’391,600 km, 182,98 km/h
9. Ferrari 512 BB, P. Dieudonné, J. Xhenceval, J.P. Libert, 4’370,941 km, 182,12 km/h
10. Porsche 935/2, D. Schornstein, H. Grohs, G. Von Tschirnhaus, 4’370,685 km, 182,11 km/h

Weitere Informationen

  • AR 26/1981 vom 18. Juni 1981, ab Seite 9: Ickx’ (mit Bell) fünfter Volltreffer
  • AMS 13/1981 vom 30. Juni 1981, ab Seite 141: Alte Kameraden - 24 Stunden von Le Mans: Porsche siegte grandios mit einem alten Auto und altgedienten Piloten

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