Le Mans 1973 - Ferrari gegen Matra während fast 24 Stunden

Erstellt am 14. Juni 2013
, Leselänge 6min
Text:
Balz Schreier
Fotos:
Archiv 
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Es war das Jahr des Jubiläums. 50 Jahre Le Mans konnten vom Automobile Club de l’Ouest, dem Veranstalter des 24-Stunden-Rennens, gefeiert werden. Und die 41. Austragung liess denn auch an Spannung nichts vermissen.

Rückblick auf die ersten 50 Jahre

1923 hatte das Langstreckenrennen zum ersten Mal stattgefunden, und die Renngemeinde feierte dieses Jubiläum mit einer Parade historischer Rennfahrzeuge, die an gloriose Rennen der Vergangenheit erinnerten. Alleine dieser Rahmen-Demonstrationslauf war wohl damals für viele Le-Mans-Fans bereits einen Besuch wert. Rückblickend kann man diesen Veranstaltungsteil auch als Geburtsstunde der Le Mans Classic sehen.


Die Geburt von "Le Mans Classic" – zum ersten Mal fahren historische Fahrzeuge in Le Mans: Chenard et Walcker Sport (1923) zum 50. Jubiläum am Veteranenrennen vor Le Mans 1973 - Der erste Sieger von Le Mans (1923) war dieser Chenard et Walcker Sport gefahren von André Lagache und René Léonard
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Matra gegen Ferrari - für Spannung war gesorgt

Für Matra war initial nur der Sieg in Le Mans die oberste Priorität, doch nach dem triumphalen Saisonbeginn mit Siegen in Vallelunga und Dijon rückte auch der Weltmeistertitel in greifbare Nähe. Zweifelsohne waren die Matra leistungsstärker als alle Konkurrenzfahrzeuge, dafür aber deutlich unzuverlässiger.

Nachdem Ferrari im Jahr 1972 Le Mans ferngeblieben war, bestätigten sie für 1973 den Start von drei Werkswagen, und so kam es endlich zum Duell zwischen Vorjahressieger Matra und Ferrari.

Die Marke aus Maranello hatte in Monza und am Nürburgring mit Siegen gezeigt, dass es kein leichtes Spiel in Le Mans werden wird. Die Spannung war hoch und die Zuschauer wurden auch während dem Rennen nicht enttäuscht: der Zweikampf hielt bis zum Schluss an!

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Der 24 Stunden Kampf zwischen Matra und Ferrari

Von Beginn an versuchte Arturo Merzario im Ferrari 312PB mit Nummer #16 seinen Startvorsprung auszubauen, während sich Beltoise/Cevert im Matra MS670B Nummer #10 nicht abschütteln liessen.


Mirage M6 (1973) in Le Mans 1973 - Derek Bell in Nummer 8 vor Hailwood in Nummer 9 - beide schieden aus
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Merzario fiel nach zwei Stunden wegen einer leckenden Benzinleitung weit zurück, Matra übernahm mit Beltoise/Cevert die Führung, doch ihre Fahrt wurde nach vier Stunden am Ende der Hunaudières jäh unterbrochen, als sich die Lauffläche eines Reifens ablöste und der Wagen unkontrollierbar wurde. Bis sie zurück an den Boxen waren und der Schaden repariert werden konnte, waren sie weit zurückgefallen. Vorne aber übernahmen Depailler/Wollek im Matra #14 die Spitze.

Hinter dem führenden Matra lauerten die beiden Ferrari Schenken/Reutemann und Ickx/Redman auf ihre Chance. Der einzige Matra, der noch mit der Spitze mithalten konnte, war jener von Henri Pescarolo und Gérard Larrousse (Nummer #11).

Die Defekthexe schlägt zu

In der Nacht versagte die Ölpumpe vom führenden Matra, die beiden Ferrari ging an die Spitze.

Aber auch Ferrari sollte es nicht anders ergehen, wegen defektem Pleuel gab der führende Ferrari seine Position an die Kollegen Ickx/Redman ab.

Und so war Matra mit Henri Pescarolo plötzlich wieder auf Platz 2. Trotz den neuen Sieges-Hoffnungen war der Matra Teamchef Jean-Luc Lagardère wegen der mehrfach auftretenden Reifenplatzern - es hatte Beltoise/Cevert ein zweites Mal getroffen - und den technischen Defekten sehr nervös geworden und überlegte sich, die verbleibenden Matra aus Sicherheitsgründen aus dem Rennen zu nehmen. Doch natürlich ging das Rennen der Matra weiter!

Duell in den Boxen

In den typisch nebligen Morgenstunden von Le Mans sahen die Zuschauer immer noch den Ferrari von Jacky Ickx an der Spitze. Schnell erkannten aber selbst die Zuschauer, dass am Ferrari etwas nicht stimmte, der Motorensound war stumpfer, Vollgas lag nicht mehr drin. Die Vermutungen wurden bald von Fakten bestätigt - um 9:00 morgens kam der führende Ferrari an die Box, um die Auspuffanlage zu wechseln.

Die Zuschauer jubelten, als der Matra mit Pescarolo wieder die Führung übernahm, doch die Euphorie hielt nicht mal für eine Runde, denn auch der Matra kam nach einer Führungsrunde ebenfalls an die Box: Ferrari und Matra standen beide in der gleichen Runde in der Box! Die Blicke verharrten gespannt auf die beiden Boxengaragen als plötzlich der Matra wieder zu fahren begann. Zehn Sekunden später auch Ferrari!

Spektakuläre Zweikämpfe über viele Runden

Die beiden Anwärter auf den Gesamtsieg lieferten sich spektakuläre Zweikämpfe, Runde um Runde. Doch um 11:00 übernahm wieder die fragile Technik das Zepter, der Ferrari von Jacky Ickx musste die Boxen wegen Tankproblemen anlaufen und verlor sechs Runden.

Um 12:00 musste der führende Matra für einen regulären Tankstop in die Box, Ferrari hatte schon fast wieder den Anschluss gewonnen. Doch kurz vor Schluss um 14:30, starben alle Hoffnungen im Ferraristi-Lager -  Ickx kam unerwartet an die Box, Motorschaden!

So siegten Pescarolo/Larrousse auf Matra vor Merzario/Pace auf dem Ferrari 312PB und durch den Ausfall von Ickx kurz vor Schluss stand als Dritter nochmals Matra auf dem Podest.

Porsches Strassen-Prototyp auf Rang 4

Porsche konstruierte für Le Mans einen 911 Carrera RSR mit nur 880 kg Gewicht und einer Motorleistung von über 300 PS. Bemalt in der berühmten Martini-Lackierung spulte der Porsche Runde um Runde wie ein Uhrwerk ab, kam ohne Defekte und Reparaturen ins Ziel und holte so den sensationellen vierten Platz gleich hinter den Prototypen Matra und Ferrari! Am Lenkrad sassen Herbert Müller und Gijs van Lennep. Im Training lag ihre Spitzengeschwindigkeit bei 275 km/h, während die schnellen Matra 324 km/h und die Ferrari 312 PB 318 km/h schnell waren.


Produktionswagen im Vormarsch - Das Foto zeigt den Ferrari Daytona von Andruet/Bond (zweitletzter Platz) und den schnelle Carrera RSR von Herbert Müller/van Lennep (Platz 4!)
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Porsche leistete aber noch einen weiteren Beitrag zu einem Le-Mans-Erfolg. Das Getriebe des siegreichen Matra 670B war nämlich massgeblich von den Zuffenhausern mitentwickelt worden.

Porsche stellte darüber hinaus neun der 21 Klassierten, drei der vier 908/3 kamen ins Ziel.


1973 fuhren Herbert Müller/Gijs van Lennep (CH/NL) ihren Carrera RSR beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf den hervorragenden 4. Platz
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GT-Sieg für Ferrari

Über den vergebenen Gesamtsieg tröstete die Ferraristi wenigsten der Sieg in der GT-Wertung, der an den Ferrari Daytona von Vic Elforf/Ballot-Léna ging, auch Rang 3 in diesem Klassement war ein 365 GTB/4.

Ein fast geglückter Abschied von Alfa Romeo

1973 war Alfa Romeo zum letzten Mal in Le Mans, vertreten durch das Privatteam Brescia Corse, das einen Alfa Romeo 33 TT3 in die Sarthe brachte. Die ersten 12 Stunden konnten ohne grosse Probleme gefahren werden, das Team fuhr bis auf den dritten Gesamtplatz vor. Bis zur 15. Stunde waren sie erfolgreich auf Podestkurs, dann beendete ein Kupplungsschaden abrupt den fulminanten Auftritt.

Besonderes und Kurioses

Erstmals war ein vollständig japanisches Team in Le Mans am Start. Die Fahrer Ikuzawa und Fushida auf Sigma MC73 mit einem Zweischeibenwankel-Motor von Mazda kamen allerdings nicht über die 73. Runde hinaus.


Mazda Sigma MC73 (1973) in Le Mans 1973 - Diese japanische Neukonstruktion mit Zweischeiben-Wankelmotor schied bereits früh aus dem Rennen aus
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Mit den Porsche Carrera RS, dem Ligier JS2, dem Ford Capri und dem BMW 3.0 CSL wurde schon drei Jahre vor der offiziellen Einführung des neuen Reglementes gezeigt, was diese Fahrzeugkategorie zu leisten im Stand war.

Allerdings erreichte einzig der BMW 3.0 CSL des österreichisch-holländischen Duos Quester/Hezemans das Ziel. Sie fuhren somit ausser Konkurrenz, durften aber den 11. Gesamtplatz trotzdem reichlich feiern, denn sie waren schneller als die Greder-Corvette, zwei Ferrari Daytona, einige Porsche 911er und sogar schneller als ein Alfa Romeo Tipo 33TT3. Die Capris schieden alle aus.

Kein Fahrzeug der 2-Liter Klasse erreichte das Ziel. Alle Chevron litten unter Getriebedefekten, der Porsche 910 blieb wegen mangels Benzin auf der Strecke stehen.

Schon seit 1968 war Henri Greder mit seinem Team für Corvette am Start. 1973 erreichte er zum ersten Mal das Ziel, und zwar als Klassensieger!

Ergebnisse

1. Matra Simca MS670 B, Henri Pescarolo/Gérard Larrousse, 4’853,945 km, 202,247 km/h Schnitt
2. Ferrari 312 PB, Arturo Merzario/Carlos Pace, 4’772,290 km
3. Matra Simca MS 670B, Jean-Pierre Jassaud/Jean-Pierre Jabouille, 4’526,167 km
4. Porsche 911 Carrera RSR, Herbert Müller/Gijs van Lennep, 4’489,365 km
5. Porsche 908/3, Bernard Chenevière/Juan Fernandez/Francisco Torredemer, 4359,990 km
6. Ferrari 365 GTB/4, Claude Ballot-Léna/Vic Elford, 4’321,341 km
7. Porsche 908/1, Guillermo Ortega/Fausto Merello, 4’312,927 km
8. Porsche 911 Carrera RSR, Paul Keller/Erwin Kremer/Clemens Schickentanz, 4’311,306 km
9. Ferrari 365 GTB/4, Alain Serpaggi/José Dolhem, 4’309,451 km
10. Porsche 911 Carrera RSR, Georg Loos/Jürgen Barth, 4’248,650 km

Elf weitere Teams waren klassifiziert.

Die schnellste Runde hatte François Cevert auf dem Matra in 3’39,6” zurückgelegt, was einem Schnitt von 223,607 km/h entsprach. Damit wurde der vorherige Rundenrekord um über sechs Sekunden unterboten.

Die Verbrauchs/Leistungs-Wertung entschied das Team Keller/Kremer/Schickentanz auf dem Porsche Carrera RS für sich.

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