Le Mans 1971 - Porsche-Dominanz und Ausfallorgie

Erstellt am 20. Mai 2011
, Leselänge 5min
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Bruno von Rotz
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Man brauchte kein Prophet zu sein, um nach den Trainingsresultaten den Sieger der 24 Stunden von Le Mans 1971 vorauszusagen. Den schnellsten Ferrari 512 M auf Platz drei der Startaufstellung trennten bereits fünf Sekunden vom Porsche 917, von Rodriguez auf die Pole Position gefahren. Und dieser war sogar davon überzeugt, dass es noch zwei Sekunden schneller gegangen wäre. Bei 17 Runden pro Stunde bedeutete dies bereits mehr als eine Minute Abstand, nach vier Stunden 1 Runde.

Überlegene Porsche 917

Die zahlreich angereisten Ferrari 512 konnten die Porsche 917 niemals wirklich gefährden. Immerhin schaffte es der beherzt fahrende Vaccarella in der 12. Stunde dank anderer Boxenstopp-Strategie einmal an die Spitze des Klassements, doch schied der Wagen 2 Stunden später wegen Getriebeschaden aus.

Die Porsche 917 hingegen spulten Runde um Runde ab und schafften schliesslich die neue Rekorddistanz von 5’335,313 km, was eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 222,304 km/h bedeutete. Wahrlich beeindruckend, vor allem auch wenn man weiss, dass es bis 2010 dauern sollte, bis diese Rekordmarke, die 397 Runden entsprach, gebrochen werden würde.

Dr. Helmut Marko (der heutige Red Bull Motorsport Chef) und Gijs van Lennep hiessen die verdienten Sieger auf dem von Martini Racing gemeldeten Kurzheck-917 (Chassis 053). Dieses Fahrzeug hatte einen ultraleichten Magnesium-Rahmen und wog nur 910 kg, womit die 600 PS des Zwölfzylinders sicher keine Mühe hatten. Der schnellste war der Kurzheck damit aber nicht, die Langheck-Porsche waren auf der Hunaudières mit 386 km/h noch schneller. Die hohen Geschwindigkeiten trugen ihren Teil dazu bei, dass die Strecke ab 1972 eine neue Linienführung erhielt.

Überraschender Ferrari 365 GTB/4

Der Ferrari Daytona (365 GTB/4) von Chinetti/Grossmann erreichte den hervorragenden fünften Gesamtrang. Aus reglementarischen Gründen war der Ferrari nicht als “GT” homologiert, fünfhundert Exemplare hätten in einem Jahr hergestellt werden müssen. Konstruktionstechnisch entsprach er aber eher einem GT als einem Prototypen. Er gewann das Verbrauchs-/Leistungsklassement.

Fast ein Porsche Cup

20 Porsches waren in der GT-Klasse angetreten, es sah aus wie in einem Porsche Cup. Immerhin durchmischten zwei 914/6 die 911-er-Phalanx und zwei Chevrolet Corvette sorgten für ein wenig Abwechslung. Leider schieden beide Corvette mit technischen Problemen aus und auch die Porsche-Armada erlitt erhebliche Verluste, nur sieben Fahrzeuge erreichten das Ziel.

Eine der beiden Chevrolet Corvette wurde übrigens von Marie-Claude Beaumont pilotiert, nach 1951 (Yvonne Simon und Betty Haig) das erste Mal, dass eine Frau am Start war. Zweiter Pilot jener Corvette (ZL-1) war der berühmte Rennfahrer Henri Greder, dessen vorjähriges L-88 Modell die zweite Corvette am Start war.

Erfolglose “Exoten”

Der Matra 660 von Amon/Beltoise scheiterte (wegen Zündungsschaden) bei der Indexwertung in Führung liegend genauso, wie der Lola T70 von Pilette/Gosselin oder der Ligier JS 3 von Ligier/Depailler, somit klassierten sich im Schlussergebnis nur noch die Porsche-Prototypen und GT, neben zwei Ferrari 512 und dem bereits angesprochenen 365 GTB.

Die “Sau”

Porsche hatte auch ein konroverses Auto mit nach Le Mans gebracht, den Typ 917/20, von vielen als “Sau” bezeichnet. Die Form war des Ergebnis der Arbeiten von Aerodynamik-Pionier Charles Deutsch, welcher die Firma Société d’Etudes et de Réalisations Automobiles, kurz SERA, in Paris leitete. Die elegante Langheckvariante des 917er war bereits mit HIlfe des Hauses Deutsch entwickelt worden. Für 1971 bekam Deutsch den Auftrag, Langheck-ähnliche Aerodynamik-Werte für eine Kurzheckvariante zu erreichen ohne aber soviel Zusatzgewicht zu benötigen wie beim Langheck. So entstand die Form des 917/20 und prägte die ersten Einflüsse für die kommenden Can-Am 917er (917/30).

Zwei Monate vor Le Mans fanden die offiziellen Testtage statt. Porsche zeigte da zum ersten Mal den weisslackierten 917/20 der Öffentlichkeit, ein 2,2 Meter breiter 917er. Das Interesse an der aerodynamischen Studie war gross und das Echo in der Presse ebenso, aber leider nicht immer positiv: Das von den Porschefahrern “Bertha” genannte Fahrzeug wurde in der französischen Presse als “Grosse Sau” bezeichnet und ein Foto des breiten Fahrzeugs auf einem Autoverlader machte seine Runden, wo die Reifen gerade noch knapp auf dem Laster Platz fanden.

Porsche Designer Anatole Lapine reagierte spontan auf dieses Presse-Echo und entschied sich kurzfristig und in Eigenregie für eine rosarote “schweinchenfarbige” Lackierung, bei der die verschiedenen Fleischstücke mit roten Strichlinien umrissen wurden. Humorvoll!

Sponsoren wie Martini konnten nicht mehr reagieren und waren über die Wahl der Lackierung überhaupt nicht glücklich. In der Folge verzichtete Martini sogar auf das Anbringen ihres Schriftzugs, da sie mit dem “Metzger-Porsche” nicht in Verbindung gebracht werden wollten.

Wirklch erfolgreich war der Wagen nicht. Lagen Jöst/Kaushen nach 4 Stunden noch auf Platz 8, nach 8 Runden sogar auf Platz 4, geriet Jöst in der 11. Stunde bei der Arnage von der Bahn, was das Ende bedeutete.

Grosse Schweizer Beteiligung

Elf Fahrzeuge von Schweizer Teams oder mit Schweizer Beteiligung waren am Start, diese Zahl wurde seither nie mehr erreicht. Herbert Müller wurde im Porsche 917 Gesamtzweiter und das Zweigespann Walter Brun Peter Mattli erreichten auf dem 907 den siebten Gesamtrang.

Ohne Le Mans Start

Im Jahre 1971 wurde zum ersten Mal auf den Spurt zum Rennwagen und anschliessendem direkten Start verzichtet. Mit den neuzeitlichen Rennwagen, Fünf- oder Sechspunkt-Gurten war diese Form des Starts nicht mehr sicher und wurde durch einen Indianapolis-Start - die Fahrzeuge fahren in Formation über die Start-/Ziellinie und dann darf erst beschleunigt und überholt werden - ersetzt. Aus diesem Grunde musste auch die Boxengasse zurückversetzt werden.

Seit 1970 bereits waren übrigens Dreier-Teams vom Reglement her erlaubt, aber erst 1971 startete zum ersten Mal ein Team mit drei Fahrern, und zwar genau ein eines, nämlich Kremer/Koob/Huber in einem Porsche 911 S. Erst im folgenden Jahre sollten dann mehrere Dreier-Teams am Start sein.

Das Schlussklassement

1. Porsche 917 (KH) mit Dr. Helmut Marko und Gijs van Lennep, 5’335,313 km, 222,304 km/h
2. Porsche 917 (KH) mit Herbert Müller und Attwood, 5’308,348 km, 221,181 km/h
3. Ferrari 512 M mit Posey/Adamowicz, 4’922,090 km, 205,087 km/h
4. Ferrari 512 M mit Craft/Weir, 4’788,138 km, 198,672 km/h
5. Ferrari 365 GTB/4 (Daytona) mit Chinetti/Grossmann, 4’218,752 km, 175,781 km/h
6. Porsche 911 S mit Touroul/”Anselme”, 4’111,345 km, 171,306 km/h
7. Porsche 907 mit Brun/Mattli, 4’110,964 km, 171,290 km/h
8. Porsche 911 EC mit Mazzia/Barth, 4’077,368, 169,890 km/h
9. Porsche 911 S mit Mesange/”Gedehem”, 4’007,739 km, 166,989 km/h
10. Porsche 911 S mit Koob/Kremer/Huber, 3’924,716 km, 163,529 km/h

Insgesamt wurden 13 Fahrzeuge klassiert.
Schnellste Runde: Jo Siffert auf Porsche 917 (LH) in 3 Minuten 18,8 Sekunden, Schnitt 243,905 km/h

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