Le Mans 1963 - Materialschlacht mit tödlichen Folgen

Erstellt am 2. Juni 2013
, Leselänge 6min
Text:
Balz Schreier
Fotos:
Archiv 
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Seit 1958 hatte Ferrari die 24 Stunden von Le Mans dominiert. Einzig 1959 entrissen Carroll Shelby und Roy Salvadori auf dem Aston Martin DBR 1 der Scuderia aus Maranello den Sieg, aber dies sollte bis 1965 die Ausnahme bleiben, obschon es an schnellen Gegnern gerade im Jahr 1963 nicht fehlte.


Ferrari 250P (1963) in Le Mans 1963 - Der Gesamtsieger! Zum ersten Mal gewannen Italiener (Lorenzo Bandini und Ludovico Scarfiotti) auf einem italienischen Wagen die 24 Stunden von Le Mans.
Archiv Automobil Revue

Erwartete Ferrari-Dominanz

Elf Autos, also mehr als ein Fünftel des ganzen Feldes, brachte Ferrari im Juni 1963 an den Start der 24 Stunden von Le Mans. Der 246P mit Sechszylindermotor war vom neuen 250 P mit Zwölfzylinder-Mittelmotor abgelöst worden. Die neuen Prototypen wurden durch einige 330 LM, 250 GTO und weitere Varianten ergänzt.

Der Ferrari-Armada standen als Siegeskandidaten gerade einmal ein Maserati Tipo 151/3, drei Aston-Martin-Prototypen und der neue Lola GT V8 gegenüber, so dass nur beschränkter Widerstand zu erwarten war.

Das Rennen fand bei schönem und warmem Wetter statt, womit beste Voraussetzungen für neue Rekorde gegeben waren.

Starke Vorstellung des Maserati

Wider Erwarten aber trumpfte der rote Maserati mit André Simon und Lloyd Casner nach dem Start gewaltig auf und schob sich schon nach einer Runde an die Spitze, die er mit Unterbrüchen bis in die dritte Stunde hielt, bis er mit Getriebeschaden um 17:45 ausschied.


Maserati Tipo 151/3 (1963) in Le Mans 1963 - Zu Beginn des Rennens hielt der 5-Liter Maserati lange die Führung, schied aber früh nach 40 Runden aus.
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Lola GT mit Problemen

Für viel Aufmerksamkeit sorgte Eric Broadley mit seinem Lola GT, der für Le Mans mit dem gleichen Ford-V8-Triebwerk mit 4,7 Litern Hubraum ausgerüstet worden war wie die AC Cobra 289. Noch ahnte damals niemand, dass der zukünftige Ford GT40 entlang der Ideen dieses Lolas gebaut werden und wenige Jahre später mit der Ferrari-Dominanz der Sechzigerjahre aufräumen würde.


Lola Mk6 GT (1963) in Le Mans 1963 - Richard Attwood und David Hobbs schieden nach zirka einem Drittel Renndistanz aus.
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Allerdings schaffte es der einzige gemeldete Wagen mit Richard Attwoods und David Hobbs am Steuer nur bis zur 151. Runde, als sich Hobbs um 05:45 im S bei Tertre Rouge überschlug und aufgeben musste. Bereits vorher stand der Wagen wegen Getriebeproblemen für zwei Stunden an den Boxen.

Zahlreiche Unfälle

Eine ganze Reihe von Unfällen prägte das in den Anfangsstunden mit geradezu mörderischen Geschwindigkeiten gefahrene Langstreckenrennen. Bereits in der fünften Runde überschlug sich der René Bonnet Aérodjet LM6 von Masson/Monneret kurz hinter der Dunlop-Brücke und zwang nachfolgende Fahrzeuge zu heiklen Ausweichmanövern.


René Bonnet Aérodjet LM6 (1963) in Le Mans 1963 - Nur ganz knapp konnte eine Massenkarambolage verhindert werden, ausgelöst durch den Bonnet Prototyp von Roger Masson und Pierre Monneret.
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Um drei Uhr in der Nacht durchschlug beim Aston Martin DP214 ein Pleuel die Ölwanne und das ganze Öl verteilte sich auf der Strasse. Die nachfolgenden Fahrzeuge gerieten ins Schleudern, die Alpine M63 von Christian Heins prallte gegen einen Telegraphenmast und brannte aus, der Fahrer kam dabei ums Leben. Auch Salvadori geriet mit seinem Jaguar neben die Strecke und verletzte sich.

Später verunfallte Joakim Bonnier, als er wegen der Ölfahne, die Penskes Ferrari wegen einer gebrochenen Ölleitung nach sich zog, die Sicht verlor.

Dramatisch schliesslich war auch die Runde 252, als der führende Ferrari 250P, gefahren von Willy Mairesse in der S-Kurve vor Tertre Rouge in Flammen aufging und verunfallte.

Starke, aber erfolglose Aston Martin

Die englische Firma Aston Martin hatte nicht ganz zu Unrecht gehofft, mit den drei Prototypen DP214 und DP215 eine Chance auf vorderste Plätze zu haben. Beim Start setzten sich denn auch Phil Hill und Bruce McLaren an die Spitze, doch sollte die Führungsarbeit die erste Runde nicht überdauern.

Technische Probleme zwangen schliesslich alle Aston Martin zur Aufgabe, auch der DB 4 GT Zagato von Kerguen/Dewes überlebte nicht.

Cobra und Jaguar nicht vom Glück begünstigt

Die AC Cobra trat 1963 erstmals an der Sarthe an. Teamchef Stirling Moss zeigte sich von den Talenten des Autos allerdings noch nicht begeistert. Immerhin gelang es der einen der beiden Cobras als bestplatzierten Nicht-Ferrari auf Rang 7 zu fahren.


Bolton/Sanderson in Le Mans 1963 auf dem Weg zum internationalen Sieg
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Nicht viel besser lief es für die Jaguar E-Types. Von den drei angetretenen Lightweight-Versionen erreichte nur der Wagen von Grossman/Cunningham das Ziel und dies mit deutlichem Rückstand auf die Cobra.

Auch das Porsche-Team hatte 1963 wenig Glück. Barth/Linge brachten ihren 718/8 WRS Spyder als einzigen Vertreter aus Stuttgart ins Ziel.

Nur 12 Autos klassiert

Von den 49 angetretenen Teams erreichten nur 12 das Ziel in der dafür nötigen Rundenanzahl. Auf den Plätzen 1 bis 6 rangierten Ferrari-Prototypen und GT-Fahrzeuge abwechslungsweise, auf Platz 10 erreichte einer der beiden Lotus Elite mit 1,2-Liter-Climax-Motor das Ziel, der Schnitt betrug immerhin 151 km/h.

Auf dem letzten Platz wurde der MG B mit Hutcherson/Hopkirk am Lenkrad gewertet. Sie waren gleichzeitig auch die einzigen Überlebenden in der GT-2-Liter-Kategorie und schafften immerhin einen Schnitt von 148 km/h.

Unter den Ausgefallenen fügten sich auch die Alfa-Romeo-Teams (u.a. mit Karl Foitek am Start), der DKW-Mantzel, das Lister-Jaguar-Coupé und eine Reihe weiterer Fabrikate ein.

Bonnet und nicht Alpine als Sieger der Indexwertung

Eigentlich hätte die Alpine M63 den Indexsieg errungen, doch schied der Wagen mit Boyer/Verrier am Lenkrad knapp vor Schluss mit Getriebeschaden aus und so erbte der einzig verbliebene René Bonnet Aérodjet LM6 die Trophäe in der Indexwertung. Immerhin blieb es bei “Blau” als Siegerfarbe, ein Trost für die Franzosen.

Am Lenkrad sass übrigens ein gewisser Jean-Pierre Beltoise, der bis zu diesem Rennen hauptsächlich als Motorradrennfahrer von sich hören gelassen hatte, es aber in den nächsten Jahren zum F1-Grand-Prix-Sieger schaffte.

Rekorde und Neuerungen

Erstmals waren die Wagen in Le Mans in der Reihenfolge der Trainingszeiten und nicht nach Hubraumklassen gestartet. Und erstmals belegte eine Marke die ersten sechs Plätze und dies auch noch mit dem Distanzrekord von 4’561 km gefahrenen Kilometern. Für Enzo Ferrari war es wichtig, dass die Siegermannschaft ausschliesslich aus Italienern bestand, Lorenzo Bandini und Ludovico Scarfiotti hatten den mit 10 Runden Vorsprung einlaufenden Ferrari 250P pilotiert.

Beeindruckend war aber auch die Höchstgeschwindigkeit, die Phil Hill im Aston Martin DP215 erreichte: 307 km/h.

Der Rover-BRM-Turbinenrennwagen mit eigenem Rennen

Ein Rennen ganz für sich alleine fuhr der einzige Turbinenwagen im Feld, der Rover-BRM mit der Startnummer “00”.


Rover BRM (1963) in Le Mans 1963 - Ein Gasturbinenfahrzeug als Spezialgast am Start
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Er figurierte nicht in der offiziellen Wertung, sondern raste mit durchdringendem Pfeifen gegen die Uhr im Rahmen eines Sonderpreises des Automobile Club de l’Ouest. Um die Auszeichung zu erhalten, musste der Rover-BRM das Rennen durchstehen und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 150 km/h erreichen. Dies schaffte der Turbinenwagen, dessen ehemaliges F1-Chassis immerhin schon sechs Jahre auf dem Buckel hatte, locker, tatsächlich liess er sich einen Schnitt von 173 km/h notieren und drehte seine Kreise fast wie ein Uhrwerk, unterbrochen nur von Tankstops, bei denen Petrol in erheblichen Mengen nachgefüllt werden musste.

Tatsächlich hätte der von Graham Hill und Richie Ginther gefahrene Wagen mit seinen 310 zurückgelegten Runden sogar Platz 7 hinter den Ferrari erreicht, wenn er in der offiziellen Wertung geführt worden wäre. Anders als die übrigen Wagen stand die zuhinterst losfahrende Nummer “00” übrigens parallel zur Fahrtrichtung und nicht quer wie alle anderen.

Ergebnisse

1. Ludovico Scarfiotti/Lorenzo Bandini, Ferrari P250P. 339 Runden, 4’561,710 km, 190,071 km/h
2. Jean Beurlys Blaton/Gerhard Langlois (van Ophem), Ferrari 250 GTO, 323 Runden, 4’346,320 km, 181,097 km/h
3. Mikes Parkes/Umberto Maglioli, Ferrari 250P, 323 Runden, 4’346,200 km, 181,092 km/h
4. Leon Dernier (Eldé)/Pierre Dumay, Ferrari 250 GTO, 322 Runden, 4’332,780 km, 180,533 km/h
5. Jack Sears (Sparks)/Michael Salmon, Ferrari 330 LMB, 314 Runden, 4’219,590 km, 175,816 km/h
6. Masten Gregoy/David Piper, Ferrari 250 GTO LMB, 312 Runden, 4’198,140 km, 174,923 km/h
7. Peter Bolton/Ninian Sanderson, AC Cobra Hardtop 289, 310 Runden, 4’171,160 km, 173,798 km/h
8. Edgar Barth/Herbert Linge, Porsche 718/8 WRS Spyder, 300 Runden, 4’050,250 km, 168,760 km/h
9. Briggs S. Cunningham/Bob Grossman, Jaguar E Type Lightweight, 283 Runden, 3’818,090 km, 159,087 km/h
10. John Wagstraff/Pat Ferguson, Lotus Elite Mk 14, 270 Runden, 3’632,190 km, 151,358 km/h
11. Jean-Pierre Beltoise/Claude Bobrowski, René Bonnet Aérodjet LM6, 269 Runden, 3’628,900 km, 151,204 km/h
12. Alan Hutcherson/Paddy Hopkirk, MG B Hardtop, 264 Runden, 3’552,050 km, 148,002 km/h

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