Le Mans 1961 - Ferrari und die vom Pech verfolgte Konkurrenz

Erstellt am 28. Mai 2011
, Leselänge 6min
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Bruno von Rotz
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Die 24 Stunden von Le Mans 1961 gingen sicher nicht als die spannendste Veranstaltung in der Sarthe in die Geschichte ein, zu monoton war das Rennen an der Spitze, zu überlegen zeigte sich Ferrari. Rundherum gab es aber die erstaunliche Vielfalt von über 20 verschiedenen Fahrzeugtypen, technische Leckerbissen und spannende Kämpfe um Kategorien- und Sonderwertungssiege.

Vielfältiges Starterfeld

Angetreten waren 55 Konkurrenten mit 14 verschiedenen Marken und über 20 verschiedenen Fahrzeugtypen. Neben Ferrari, die mit neu formierter Firmenentität (Societa Esercizio Fabbriche Automobili e Corse, kurz SEFAC) nach Le Mans gekommen waren und neben den verbesserten vier Testarossa auch einen Dino 246SP, sowie die neuen 250 GT SWB mitbrachten, war Aston Martin mit den DBR1/300 und dem neuen DB4 GT Zagato, Porsche mit den modifizierten RS61 und Maserati mit dem Tipo 63 angereist. Daneben buhlten auch Fahrzeuge der Marken Triumph, Austin-Healey, Sunbeam, Cooper, AC, Alfa Romeo, Lotus, Osca, DB Panhard und Fiat-Abarth um vordere Plätze im Gesamtklassement und in den verschiedenen Wertungen mit. Eine bisher kaum aus Le Mans wegzudenkende Marke aber fehlte, Jaguar nahm zum ersten Mal seit 1950 nicht teil.
An der Überlegenheit der Ferrari-Sportwagen zweifelte aber niemand.

Ferrari auf dem Podium unter seinesgleichen

Es kam, wie es vorauszusehen war, Ferrari gewann überlegen, wie bereits 1960 und wie sich die Serie bis ins Jahr 1965 fortsetzen sollte. Gegen die Ferrari 250 TR war kein Kraut gewachsen. Am gefährlichsten hätte noch die interne Konkurrenz werden können, wenn sie nicht vorzeitig dezimiert worden wäre.
Die Überlegenheit von Ferrari drückte sich aber auch mit dem dritten Platz aus, der von einem 250 GT SWB eingenommen wurde, noch vor den Prototypen anderer Hersteller.
Beim Sieg wurden alle bisherigen Rekorde geschlagen, was auch dank des guten Wetters möglich war.

Der zehnte und letzte Start von Stirling Moss in Le Mans

Zum zehnten Mal war er angetreten, diesmal fuhr Stirling Moss einen Ferrari 250 GT SWB und gewann wieder nicht. In den ersten Stunden bewegte er sich um den für einen GT sensationellen vierten/fünften Platz, doch das Glück war ihm nicht hold. Trotz immerhin zehn Starts in Le Mans und grossen Fahrkünsten war Stirling ein Sieg in Le Mans nicht vergönnt.

Der schnelle Dino 246SP

Bereits im Training hatte es sich gezeigt, dass der neue Sechszylinder-Mittelmotor-Sportwagen, man bezeichnete ihn damals übrigens als Heckmotorfahrzeug, sehr schnell war und die favorisierten Testarossa auf Distanz halten konnte. Nur Zuverlässigkeitsprobleme konnten den Dino am Siegen hindern, oder ein Fehler in der Benzinmengenberechnung, wie er der Scuderia Ferrari (genau wie schon im Jahr zuvor) unterlief. So blieb der Wagen auf der Strecke stehen.

Das Ferrari-Coupé mit Testarossa-Motor

Ein ganz spezielles Fahrzeug war mit den Fahrern Tavano/Baghetti am Start. Es handelte sich hier um ein Ferrari Coupé, das formlich dem 1961 in Genf 1961 ausgestellten Super-America mit Pininfarina-Aufbau entsprach, aber den leicht gezähmten Motor des Testarossa eingebaut hatte. Der Wagen war rund 190 kg schwerer als die offenen Testarossa, hätte aber insbesondere bei schlechtem Wetter gute Chancen gehabt. Öldruckprobleme führten schliesslich zur Aufgabe. 

Maserati zu langsam und nicht zuverlässig genug

Maserati trat mit dem neuen Tipo 63 in unterschiedlichen Konfigurationen an. Nach seinem Sieg beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring räumte man dem Maserati gewisse Chancen ein, wenngleich die Zuverlässigkeit nicht zu den Stärken der Mittelmotorwagen gehörte. Auch leistungsmässig lagen die Maserati mit 2,9-Liter-Motoren fast 50 PS hinter Ferrari zurück. Tatsächlich landeten zwei der Maserati, je ein 2-Liter und ein 3-Liter, auf den Plätzen 4 und 8, ein Achtungserfolg.

Geschmälert wurde der Erfolg dadurch, dass Stirling Moss auf dem Ferrari 250 GT SWB alle diese Sportwagen locker im Griff zu haben schien und das mit einem GT-Fahrzeug!

Versagen der Engländer

Der beste Wagen aus England schnitt auf dem 8. Platz ab, es war ein Triumph. Mit der Gesamtentscheidung hatten die Briten nie etwas zu tun. Am schlimmsten erwischte es Aston Martin. Während sie zwei Jahre vorher noch Gesamtsieger geworden waren, erreichte im Jahre 1961 keiner der fünf angetretenen Aston Martin das Ziel. Dabei hatte es für Jim Clark auf dem DBR1/300 bis in die Nacht hinein nicht schlecht ausgesehen, Platz 5 im Gesamtklassement oder besser schien drinzuliegen. Doch um 2 Uhr morgens fing der Motor auf der langen Mulsanne Straight Feuer, die Hoffnungen verflogen, genauso wie beim zweiten Aston Martin Sportwagen, der wegen defektem Öltank aufgeben musste.

Noch unglücklicher verlief der Einsatz der neuen DB4 GT Zagato. Zwei Fahrzeuge verendeten auf der Hunaudières wegen Motorüberhitzung, das letzte Fahrzeug, das wie ein sicherer Dritte in der Klasse aussah, erlitt einen Stromkollaps, als einem Mechaniker in der letzten Stunde ein Werkzeug in den Motorraum fiel und dabei die Batterie kurzschloss.

Die Triumph-Fahrer hatten es besser, kamen sie doch alle an, wenngleich auch teilweise mit weidwunden Fahrzeugen.

Zwei Lotus Elite fanden sich am Ende auf Platz 12 und 13 wieder, auf Platz 16 fuhr einer der Sunbeam Alpine ein, während der AC Bristol von Magne/Alexandrovitch auf Platz 17 ankam.

Porsche noch nicht schnell genug aber Klassensieger

Die überarbeiteten 718er, die Porsche mit nach Le Mans brachte, waren auf der Hunaudières nicht schnell genug, trotzdem gelang es den RS61 genannten Fahrzeugen, mit den Maserati, die eine Klasse höher fuhren, mitzuhalten und schliesslich die Zweiliter-Klasse zu gewinnen.

Cooper Monaco in den Leitplanken

Der Cooper T57 Prototyp, dessen “Spaceframe”-Chassis vom Formel-1-Wagen von 1958 abgeleitet worden war, fiel einem frühen Nieselregen zum Opfer und landete in den Leitplanken. Zwei Jahre später bestückte Carroll Shelby dieses Chassis mit einem grossen amerikanischen V8-Motor und fuhr damit USRRC-Rennen und wurde so zum Wegbereiter der Can-Am-Serie.

Viele Ausfälle

Nur 22 Fahrzeuge erreichten das Ziel, die Ausfallquote betrug 60%. Dies war damals ein durchschnittliches Ergebnis und immer noch viel besser als im Jahr zuvor, wo nur 13 Fahrzeuge das Ziel gesehen hatten.

Spannender Kampf um die Index-Wertung

Bei der Index-Wertung entwickelte sich ein Kampf zwischen den DB Panhard und den Fiat-Abarth. Die Spitze wechselte einige Male und Foitek/Condriller hatten durchaus Chancen auf den Wertungssieg. Eine sterbende Kupplung machte ihnen aber zu schaffen und führte schlussendlich zum Ausfall, womit die Index-Wertung an den DB Panhard von Laureau/Bouharde ging. Den Abarth blieb als Trost der Sieg in der 850-er-Klasse (S850) und zwar mit einem Coupé, das nur 73 PS hatte und 500 kg schwer war.

Das Schlussklassement

1. Ferrari 250TR (Testarossa), Gendebien/Phil Hill, 4’476,580 km, 186,527 km/h
2. Ferrari 250TR, Mairesse/Parkes, 4’438,718 km
3. Ferrari 250 GT SWB, Noblet/Guichet, 4’258,009 km
4. Maserati Tipo 63, Pabst/Thomson, 4’181,897 km
5. Porsche RS61 Spyder, Gregory/Holbert, 4’154,460 km
6. Ferrari 250 GT SWB, Grossmann/PIlette, 4’150,302 km
7. Porsche RS 61, Barth/Hermann, 4’122,290 km
8. Maserati Tipo 63, Cunningham/Kimberley, 4’072,116 km
9. Triumph (1’985 ccm), Balisat/Bolton, 3’819,348 km
10. Porsche 356 (GT), Linge/Bon, 3’818,677 km

Die Distanzindex-Wertung wurde durch den DB-Panhard von Laureau/Bouharde mit einem Schnitt von 144,949 km/h gewonnen.

Bei der Verbrauchsformel siegten der Sunbeam von Harper/Proctor vor dem DB-Panhard von Giulaudin/Jaeger gleichauf mit dem Lotus Elite von Massenez/Kossellek.

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