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Klausenrennen: Quo vadis? Das erste Memorial im Jahre 1993

Erstellt am 7. Oktober 2011
, Leselänge 8min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv Bernhard Brägger 
7

Gegenwärtig ist das Klausenrennen-Memorial nicht nur in der historischen Rennsportszene ein Thema. Auch viele Medien hatten während der „Sauregurkenzeit“ ein spannendes Thema. Sogar das Schweizer Fernsehen wusste in „Schweiz aktuell“ gar Seltsames aus den beiden Bergkantonen Uri und Glarus zu berichten. Nachdem der Glarner Organisator Fritz Trümpi wenig Lust mehr am Organisieren zeigte, wurde bekannt, dass auf der Urnerseite eine kleine Gruppe Enthusiasten mit grosser Organisationserfahrung das Rennen 2013 organisieren wolle. Prompt erhielten sie die schriftliche Grundsatzbewilligung vom Urner Regierungsrat. Doch die Urner hatten die Rechnung ohne die Glarner resp. ohne Fritz Trümpi gemacht. Dieser wollte nun plötzlich das Rennen selber wieder organisieren. Der Knatsch wurde publik, die Medien hatten ihre kleine Klausensensation. Hinter verschlossenen Türen tagten  die beiden Polizeidirektoren von diesseits und jenseits des Berges, rangen zusammen mit den beiden Organisatoren nach einer Lösung. Jetzt im Verlaufe des Oktobers soll die Öffentlichkeit erfahren, was nun Sache ist! Bis es soweit ist, blicken wir ins Jahr 1993 zurück – damals als das 1. Klausenrennen-Memorial nach unsäglichen  Geburtswehen Tatsache wurde.

Das erste Klausenrennen-Memorial von 1993

Mit ihren grossen „Schnorren“

Anfangs der70er-Jahre erfuhr ich von einem Dorfpolizisten im Urner Oberland gar eigenartige Dinge über das Klausenrennen anno 1934. Er wisse alles von Stuck und Caracciola, von den Silberpfeilen und den Bugattis. Er sei als einziger Polizist am Ziel gestanden. Die Streckensicherung hätten zwar die arroganten Zürcher mit ihren grossen“ Schnorren“- und blauen Uniformen gemacht. Aber er habe für Ruhe und Ordnung gesorgt – oben auf der Passhöhe! Und dem Stuck habe er es urnerdeutsch und deutlich gesagt, als dieser mit dem Auto Union vor dem Kiosk herumschleuderte und dabei alle parkierten Autos mit Staub und Dreck einhüllte. Die seien alle „sandgstrahlet“ gewesen. In den 20er-Jahren seien die Herren in ihren Rennwagen bis nach Altdorf hinuntergerast, da sei er sich ganz sicher. Nach Altdorf hinunter? Ein Bergrennen abwärts? Das konnte ich nicht glauben und so beschloss ich der Sache auf den Grund zu gehen. Die Klausenrennen von 1922 – 1934 begannen mich zu interessieren – sie sollten in den nächsten dreissig Jahren mein Leben prägen.

1986 feierte die automobile Welt ihr hundertjähriges Kind. Auf den eigenen Nabel fokussiert, endete die todlangweilige Fernsehshow „teuerster Güte“ als gewaltiger Flop, ein Flop, der ebenso in die Geschichtsbücher einging, wie das Geburtstagskind selber. „Was die da im ZDF oder in der ARD  können, können wir auch, war die einstimmige Meinung am Biertisch im legendären ‚Café Sack’ in Altdorf.“ Doch wie so oft bei Biertischphilosophen, am andern Tag wussten sie nichts mehr von ihren tollen Ideen. Einzig meinem Kollegen war es ernst: Heinz Baumann schlug vor, anlässlich der Gewerbeausstellung 1989 in Altdorf Automobile zu zeigen, Automobile aus der „heroischen Zeit“ der Klausenrennen.

So trieben wir Rennwagen aus den 20er- und 30er-Jahren auf - dazu noch einige Sportwagen, zwei, drei Limousinen. Und schon standen sie schön präsentiert auf dem Podest, vom Publikum bewundert, von ihren Besitzern mit stolzer Gestik kommentiert. Doch dies genügte uns beiden nicht. Die „alten Kisten“ müssen fahren, tönen und nach verbranntem Rizinusöl riechen und dies vor unserer Haustür, dem Klausenpass. Die Idee war geboren: Wir lassen die Klausenrennen neu aufleben. Viele Besitzer alter Renn- und Sportwagen schienen begeistert zu sein. „Bewilligungen? Geld? Mitdenken? Mithelfen? Kein Problem, wir sind dabei, wir helfen euch!“ Die Wehen der Wiedergeburt setzten ein.

Wiedergeburt dank Ökobonus

So fing ich an ein Gesamtkonzept zu erarbeiten und leitete die nötigen Schritte für das Bewilligungsverfahren bei den Regierungen in Uri und Glarus ein, suchte nach Partnern. Einzig die Sektionen Uri und Glarus des ACS zeigten Begeisterung, waren bereit Geld zu investieren. Und die Herren Rennfahrer der ersten Stunde? Schon beim Wort Geldinvestition sprangen sie vom anfahrenden Zug, vom startenden Auto. Die ersten Wutschreie ertönten aus der Ecke der Grünen und Alternativen: Das Begehren wurde von den zuständigen Behörden mit den gleichen Argumenten abgeschmettert, wie sie die Politiker in Sachen Aufhebung des Rundstreckenverbots aus der Mottenkiste so ziehen:

Umweltschäden, falsche Signale, Förderung des Rowdietums, keine wirtschaftlichen Impulse. Was nun? Aufgeben? Wiedererwägung? Ich überarbeitete das Verkehrskonzept – und machte den damals von den Grünen und alternativen Kreisen lauthals propagierte Ökobonus zur Grundlage des zweiten Gesuchs. Das Konzept war ganz einfach. Mit hohen Parkplatzgebühren für Automobile und Motorräder sollten die Reisekosten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – SBB; PTT und Reisecarunternehmen - an den Klausen gesenkt werden und damit die Zuschauer animieren, auf diese jetzt preisgünstigen Verkehrsmittel umzusteigen.

Gegen die eigenen Ideen anzurennen, brachte die Gegner des Klausenrennens in Verlegenheit, trotzig verstummten sie und schliesslich bewilligten die Regierungen in Uri und Glarus das 1. Klausenrennen-Memorial 1993. Weiterhin pflegte ich den Dialog mit den Gegnern, holte bei der Korporation Uri, den Anstössergemeinden und Privaten weitere Bewilligungen ein und auch die Älpler am Klausenpass stellten sich nicht quer in die Strasse. Ich will aber nicht verschweigen, dass dieser Ökobonus dem Klausenrennen-Memorial 1993 beinahe den Kopf kostete. Zu viele Zuschauer stiegen auf die öffentlichen Verkehrsmittel um und zuwenig Automobilisten waren gewillt, die hohen Parkplatzgebühren zu zahlen. Die Ausgeglichenheit fehlte und die unterdessen gegründete Aktiengesellschaft musste in die eigene Tasche greifen. Das war natürlich ein Fressen für die lokalen Medien – doch aufs Schafott brachten sie die AG nicht. Klar wurde dabei, dass sich eine Aktiengesellschaft als Trägerschaft für ein grösstenteils von Freiwilligen ermöglichtes Unternehmen nicht eignet. Doch davon in der nächsten Fortsetzung.

„Das Klausenfest fing strahlend an“

Eine intensive Vorbereitungsphase begann: Marketing, Medienarbeit, Finanzierung, Sponsoring, Sicherheit, Verkehr, Zuschauer und natürlich die Zusammenstellung des Fahrerfeldes. Heinz Baumann schuf das Plakat. Am letzten Wochenende des Juli 1993 war es dann soweit. Über 400 historische Automobile, Motorräder und Dreiräder aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg trafen sich am Freitag in Glarus zur Technischen Kontrolle. Ein unvergessliches Bild auf dem historischen Zaunplatz all die Rennwagen und Sportwagen von Bugatti, Alfa Romeo, Maserati, Mercedes, Norton,  Motosacoche oder Harley. Das Klausenfest begann. Clauspeter Becker im „auto motor und sport“ schrieb: „Das Klausenfest fing strahlend an. Freitags die Abnahme auf dem Zaunplatz in Glarus geriet zur sonnenverwöhnten Sommerpartie. Samstag das Training – genannt Besichtigungsläufe. Der Föhn hatte am Alpenhimmel das tiefste Blau des Jahres aufgezogen. Die Zeitnahme ertappte ein paar Cracks dabei, wie sie mit Zeiten um 14 Minuten Caracciolas Bergrekord verbliesen.

Aber der Wetterbericht drohte bereits für den Sonntag mit Regenschauern und Schnee – vielleicht. Und diese Nässe kam, und die Zuschauer kamen trotzdem. Die Hänge an der Strecken waren voller Menschen, begeistert wie damals in den „Roaring Twenties.“ Ein Blick auf die Startliste kommentierte die Zeitschrift „Oldtimer“: „Sich hier und jetzt deren Auflistung von A – Z zu wünschen, käme dem Verlangen nach einer 20-bändigen Speiskarte im Fünf-Sterne-Restaurant gleich.“ Und dann entdeckte der Journalist die grössten Leckerbissen: „Die Kostbarkeiten unter den vielen waren sicherlich – neben den ohnehin seltenst öffentlich auftretenden Mercedes-GP-Werkswagen W 125 und W 154 diverse Original-Ex-Klausen-Renner.“

Und da waren natürlich auch all die Motorradfahrer, die sich an der Rekordfahrt vonTom Bullus aus dem Jahre 1930 messen wollten (16.41.) Keinem gelang dies. Doch zur Ehrenrettung der Motorradfahrer muss gesagt werden, dass der Regen und die teilweise überschwemmte Strasse eine Rekordfahrt von vorne herein vereitelte. Und bei den Rennwagen. Hier galt die Zeit von Rudolf Caracciola auf Mercedes W 25 als Prüfstein (15.22.2). Am nächsten der Rekordzeit kam der Brite Rodney Felton auf  einem Alfa Romeo P3. Er verpasste sie um 2,7  Sekunden – der selige Caracciola mag sich ins Fäustchen gelacht haben oder mit den Worten eines bekannten Journalisten: „Wozu wurde inzwischen die Strecke am Klausenpass asphaltiert und von ihren schwierigsten Kurven entschärft?“

„Man neigt etwas zum Zynismus beim Anblick von dreissig Bugattis.“

So endete das 1. Klausenrennen-Memorial 1993, ohne dass die Rekordzeiten aus den 30er-Jahren gebrochen wurden, dass der prominenteste Fahrer, der Urner Polizeidirektor und ehemalige Le Mans-Sieger Peter Mattli den Mercedes SSK aus dem Werksmuseum gegen einen Felsen knallte mit dem Resultat, noch mehr Gas zu geben, dass die Rennfahrerin Ellen Lohr euphorisch von der geilsten Sache der Welt sprach und die österreichische „autorevue“ neidisch meinte: „Man neigt etwas zum Zynismus beim Anblick von dreissig Bugattis.“

Eine Woche nach dem Rennen sah der Klausenpass wieder so aus, wie vor dem Rennen. Die Tribünen waren abgebaut, die Schutzhäge verschwunden, die befürchteten Abfallberge mussten gar nicht abgebaut werden, weil nicht vorhanden und „ARGUS“ die Medienbeobachtungsstelle, wusste zu berichten, dass kein Schweizeranlass 1993 in den in- und ausländische Medien so viel Präsenz erhielt wie das Klausenrennen-Memorial. Das freute natürlich all die Helferinnen und Helfer, die Sponsoren und Teilnehmer und das bis an den Rand der Erschöpfung arbeitende Organisationskomitee. Und auch die Meinung des pensionierten Polizisten aus dem Urner Oberland, dass das Rennen bis nach Altdorf hinunter geführt habe, durfte widersprochen sein. In Altdorf fanden die Preisverteilungen in den 20er- und 30er-Jahren statt. Von einem Rennen abwärts konnte nicht die Rede sein.

An den Galgen mit ihm

Bald einmal stellte sich die Frage, soll das Klausenrennen-Memorial erneut durchgeführt werden soll? Hatten Regierungen, Politiker, Gewerbe, Industrie und Tourismus die Substanz erkannt, die in dieser Veranstaltung steckte? Hatten sie erkannt, dass dieser jetzt europaweite bekannt Anlass Impuls für ein Gebiet sein konnte, das sich wahrlich schwer tut mit der wirtschaftlichen Dominanz der Städte, mit dem Stillstand seines Tourismus und dies alles am Beginn der weltweiten wirtschaftlichen Vernetzung? Fragen, die ich demnächst in „Zwischengas“ zu beantworten versuche.

Und die Frage nach der Einmaligkeit des Klausenrennen-Memorials? Auch sie soll beantwortet werden. Dazu Details von der spektakulären Fahrt des Briten Julian Majzub auf Bugatti und die Eroberung der Zuschauerherzen durch die unglaublich schnellen Dreiräder. Und dass mich ein „Karikaturist“ vom Urnerboden am Galgen baumeln liess, wird ebenso dazu gehören wie die schmollenden Mercedes-Manager oder jener Rennfahrer, der spontan ins Mikrophon schrie: „Das Klausenrennen ist der grösste historische Motorsportevent  der Welt!

Fortsetzung folgt demnächst ...

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