Angebot eines Partners

Vom American Austin zum Nash Metropolitan - kleine Autos für das grosse Amerika

Erstellt am 8. Oktober 2013
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Scott Nidermaier - Courtesy RM Auctions 
28
Alison Langley - Courtesy RM Auctions 
6
Dan Henry / BiciPhoto.com - Courtesy RM Auctions 
5

Wenn man an die Vereinigten Staaten und die typischen Autos, die dort verkehren, denkt, dann fallen einem sicher primär grosse V8-Strassenkreuzer und vielleicht paar kraftstrotzende Muscle Cars ein. Doch bereits in den Dreissigerjahren versuchten findige Autohersteller, die amerikanischen Kunden von kompakten Automobilen zu überzeugen und eine der Firmen hinter diesen Versuchen hiess Austin.

American Austin Station Wagon (1933) - als Lot 158 an der RM Auction Hershey am 10./11. Oktober 2013 im Angebot
Copyright / Fotograf: Scott Nidermaier - Courtesy RM Auctions

Der Austin Seven für die Amerikaner

Mit dem “Austin 7” stellte die Austin Motor Company im Jahr 1922 ein kleines und günstiges Auto vor, das für England eine ähnliche Bedeutung hatte wie das Ford T-Modell für Amerika. Bis 1939 wurden 290’000 Exemplare fabriziert, eine unglaublich grosse Zahl für damaligen Begriffe.

Sir Herbert Austin erkannte die Chance, den Austin 7 auch international zu vermarkten und reiste 1929 in die Vereinigten Staaten, um einen örtlichen Hersteller für eine Lizenzproduktion zu suchen.

American Austin Roadster (1932) - als Lot 105 an der RM Auction Hershey am 10./11. Oktober 2013 im Angebot
Copyright / Fotograf: Scott Nidermaier - Courtesy RM Auctions

In Butler (Pennsylvania) wurde er fündig, denn dort agierte die Standard Steel Car Company, die über gute Voraussetzungen verfügte, eine grosse Anzahl Autos zu günstigen Kosten herzustellen. Und gross sollte der Ausstoss sein, denn 60’000 bis 100’000 kleine Autos sollten pro Jahr an den Kunden gebracht werden.

Um den amerikanischen Kunden ein überzeugendes Produkt bieten zu können, wurde der Austin 7 substantiell überarbeitet. Das Design lehnte man an populäre Chevrolets-, Stutz- und Marmon-Modelle an, federführend war dabei Alexis de Sakhnoffsky, der auch schon das Aussehen einiger Cord- und Packards gestaltet hatte.

Technisch blieb man dem englischen Modell nahe, der Vierzylinder leistete 13 bis 14 PS bei 3’200 Umdrehungen, die Kurbelwelle war nur zweifach gelagert. Auch in den Dimensionen unterschied sich der American Austin, so wurde er genannt, kaum vom Original aus England.

Fehlender Verkaufserfolg trotz prominenter Besitzer

Buster Keaton fuhr einen American Austin, Ernest Hemingway genauso. Der kleine Wagen galt als chic, ein idealer Zweitwagen mit verblüffend sparsamen Tugenden. Mit rund 6 Litern pro 100 km brauchte der Winzling vielleicht einen Drittel dessen, was sich die grossen amerikanischen Sechs- und Achtzylinder genehmigten.

American Austin Pickup (1934) - als Lot 262 an der RM Auction Hershey am 10./11. Oktober 2013 im Angebot
Copyright / Fotograf: Scott Nidermaier - Courtesy RM Auctions

Es gab Bestellungen für über 180’000 Fahrzeuge, doch dann forderte die Weltwirtschaftskrise auch in den USA ihre Opfer. 95% der Bestellungen wurden storniert, American Austin konnte gerade einmal 8’558 Fahrzeuge verkaufen im Jahr 1930.

Die Amerikaner hatten kaum mehr Geld für einen Zweitwagen und als Erstfahrzeug kaufte man statt des leichtgewichtigen Vierzylinders lieber einen gebrauchten Strassenkreuzer mit viel Platz.

American Austin Roadster (1932) - als Lot 105 an der RM Auction Hershey am 10./11. Oktober 2013 im Angebot
Copyright / Fotograf: Scott Nidermaier - Courtesy RM Auctions

Die Zahlen brachen trotz bis auf USD 275 gesenkten Preisen weiter ein und 1934 ging American Austin in den Konkurs, nach gerade einmal rund 20’000 produzierten Autos.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Jaguar XK 150 Estate "The Tow Car" (1959)
Mercedes-Benz 370 S Mannheim Sport Cabriolet (1932)
Porsche 208 Standard (1958)
Lancia Aurelia B52 Vignale Coupé (1952)
+41 31 819 48 41
Toffen, Schweiz

Aus American Austin wird American Bantam

Die Reste der untergegangenen Firma wurden von Roy Evans, einem ehemaligen Topverkäufer von Austin, für USD 5’000 übernommen. 1937 wurde der ehemalige American Austin als American Bantam vorgestellt. Er war in vielen Punkten verbessert und verändert worden, so war die Kurbelwelle nun dreifach gelagert, die Schmierung optimiert und ein neues Dreiganggetriebe entwickelt worden. Auch das Styling wurde angepasst, es zeigte nun einen rundlichen Kühlergrill und Kotflügel, die an Duesenberg und Auburn Speedster erinnerten.

American Bantam Deluxe Roadster (1939) - als Lot 209 an der RM Auction Hershey am 10./11. Oktober 2013 im Angebot
Copyright / Fotograf: Alison Langley - Courtesy RM Auctions

Doch auch Evans konnte sich im Markt nicht durchsetzen. Weniger als 6’000 Bantams konnten bis 1941 produziert werden, einer davon inspirierte Walt Disney bei der Gestaltung des Wagens, den er Donald Duck zudichtete.

Am Rande sei noch erwähnt, dass American Bantam 1939 ein Geländefahrzeug entwickelte, aus dem später der Jeep wurde.

Nash Metropolitan als später Nachkomme

Einige Jahre später entstand nochmals ein kleiner Amerikanerwagen mit englischer Hilfe, doch dieses Mal hatten die Amerikaner das Sagen. Die Nash Motor Comopany hatte sich bereits mit einigen unorthodoxen Fahrzeugen einen guten Namen verschafft und mit dem NXI Konzeptfahrzeuge ein kleines Zweitauto für Mütter, die ihre Kinder zur Schule fahren wollten, geschaffen.

Nash Metropolitan Coupe (1957) - als Lot 114 an der RM Auction Hershey am 10./11. Oktober 2013 im Angebot
Copyright / Fotograf: Dan Henry / BiciPhoto.com - Courtesy RM Auctions

Aus dem NXI wurde der Nash Metropolitan. Nur herstellen konnte ihn Nash wegen fehlender finanzieller Mittel nicht selber und man tat sich mit der Austin Motor Company zusammen, die den Wagen mit Unterstützung von Fisher & Ludlow, welche die Karosserien herstellte, für den amerikanischen Markt baute. Aus Kostengründen nutzte man viele Komponenten des Austin A40, so den 1,2-Liter-Motor, Lenkung, Aufhängungen und Bremsanlage. Mit 3,8 Metern Länge, 1,56 Metern Breite und 810 kg Leergewicht war der als Coupé oder Cabriolet lieferbare Nash Metropolitan wohl das kompakteste amerikanische Auto seiner Zeit.

Die Presse reagierte vorwiegend positiv auf den Kleinen, gegenüber einem VW Käfer bot er bessere Fahrleistungen bei geringerem Verbrauch und vergleichbaren Preisen.

Doch noch immer kauften die Amerikaner lieber grosse als kleine Autos. Immerhin entwickelte sich der Metropolitan aber zur Nummer 2 auf der Importliste hinter dem VW Käfer, welcher allerdings über fünf Mal häufiger eingeführt wurde. Fast 95’000 Metropolitans konnten bis 1962 auf dem amerikanischen Kontinent verkauft werden, 3/4 waren die “Hardtop” genannte Coupé-Variante.

Angebot eines Partners

Amerikanische Kompaktwagengeschichte an einer einzigen Versteigerung

Der American Austin und seine Nachfolger erfreuen sich einer steigenden Popularität in den Staaten, nicht zuletzt deshalb, weil sogar der Pebble Beach Concours d’Elegance vor einigen Jahren diese Autos ins Zentrum rückte.

Dass jetzt aber gleich drei Exemplare des American Austin, ein American Bantam und ein Nash Metropolitan an einer einzigen Versteigerung fast gleichzeitig unter den Hammer kommen, das ist wohl ein besonderes Ereignis.

RM Auction wird am 10./11. Oktober bei der Hershey Versteigerung die auf den Bildern gezeigten Fahrzeuge verkaufen. Die Schätzpreise liegen bei maximal USD 50’000, wobei die Wagen “without reserve” also ohne Mindestpreis angeboten werden. Man darf gespannt sein, wie hoch die Gebote gehen werden.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
Keine Kommentare
Neuen Kommentar schreiben
Möchten Sie einen Kommentar schreiben und mitreden?
  • Ganz einfach! Sie müssen lediglich angemeldet sein, das ist kostenlos und in 1min erledigt!
  • Sie haben bereits einen Benutzernamen für Zwischengas?
    Dann melden Sie sich an (Login).
  • Sie haben noch kein Profil bei Zwischengas? Die Registrierung ist kostenlos und geht ganz schnell.
Angebote unserer Partner

Aus dem Zeitschriftenarchiv

Aktuelle Fahrzeug-Inserate

Aktuelle Marktpreise (Auswahl)

Cabriolet, 60 PS, 1489 cm3
Coupé, 60 PS, 1489 cm3
Cabriolet, 43 PS, 1200 cm3
Coupé, 43 PS, 1200 cm3
Cabriolet, 135 PS, 4138 cm3
Limousine, viertürig, 85 PS, 3015 cm3
Limousine, viertürig, 88 PS, 3205 cm3

Spezialisten (Auswahl)

Spezialist

Muhen, Schweiz

+41793328191

Spezialisiert auf AC, Adler, ...

Angebot eines Partners
Angebot eines Partners

zwischengas.com

Die umfangreichste Internet-Plattform über Oldtimer, Youngtimer und historischen Motorsport. Mit über 2,5 Millionen Seitenaufrufen pro Monat ist zwischengas.com zur wichtigsten Informationsquelle von Oldtimer-Enthusiasten geworden.

Zwischengas Jahresmagazin

260 Seiten mit Fahrzeugberichten, Veranstaltungsrückblick und Auktionsanalysen.

Ab 6. Dezember 2020 am Kiosk und jetzt im Online-Shop

CHF 12.90 | EUR 9.90 zzgl. Versand

SwissClassics Revue

SwissClassics, das grösste Oldtimermagazin der Schweiz, erscheint mit sechs Ausgaben im Jahr und richtet sich an die Liebhaber von Oldtimern. Berichtet wird über Legenden des Fahrzeugbaus und die Schweizer Oldtimerszene sowie europäische Klassiker-Events.

Bisherige SwissClassics Ausgaben

Loading...

Jetzt kostenlos anmelden und profitieren: mehr lesen und mehr sehen!

Wenn Sie sich mit Ihrem persönlichen Passwort anmelden oder neu registrieren, haben Sie mehr von Zwischengas! Vorteile: weniger Werbung und
andere.
Die Anmeldung ist kostenlos.