Black Star - David Bowies Volvo 262 C

Erstellt am 1. November 2017
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
55
Volvo Car Group Gothenburg 
4
Archiv 
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David Bowie verstarb am 10. Januar 2016. Bekannt wurde er durch seine vielseitige, zukunftsweisende Musik, aber auch durch seine Rollen in Filmen und seine extravaganten Auftritte. Weniger publik wurde seine Beziehung zum Automobil, obschon er einst sogar einen Mini nach seinem Gusto veredelte und in Berlin mit einem Mercedes-Benz Amok lief. Bowie war schönen und komfortablen Automobilen nicht abgeneigt, so besass er in den Achtzigerjahren auch einen Bentley Corniche.


Volvo 262 C (1981) - Bowies Coupé vor einem wilden Graffiti
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Aber er hatte auch ein Händchen für besondere Autoschöpfungen und dazu gehört sicherlich der Volvo 262 C.

Black Star

Ob sich Bowie wohl noch an das schwarze Volvo-Coupé von 1981 erinnerte, als er an den Songs seines letzten Albums “Blackstar” (aneinander geschrieben) arbeitete? Immerhin war der Wagen einige Jahre auf ihn selber (bürgerlicher Name David Robert Jones) zugelassen und mit Waadtländer Kennzeichen unterwegs. Und auch danach blieb das Coupé noch im Besitz seiner Produktionsfirma.


Volvo 262 C (1981) - die Gestaltung der Heckleuchten änderte im Laufe der sechs Jahre Produktionszeit
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Bowies Volvo stammte aus der dritten Generation nach dem Facelift von 1980. Entsprechend standen ihm auch nicht nur die Farben Silbermetallic (1. Generation) oder Goldmetallic (2. Generation) zur Wahl, sondern auch Schwarz, Braun und Hellblau-Metallic. Bowie wählte stilsicher Schwarz und verzichtete auf das Vinyldach, das bei der ersten Generation noch Standard war.


Volvo 262 C (1981) - Wandler-Dreigang-Automatik und Werks-Radio-TB
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Als Stereoanlage setzte er auf das Topmodell, das Volvo anbot, ergänzt um zusätzliche Blaupunkt-Lautsprecher auf der Heckablage und auf dem Armaturenbrett. So hörte er sich möglicherweise dann auch 1982 die ersten Probeaufnahmen zum Album “Let’s Dance” an, während er den Volvo dank Automatikgetriebe den grössten Teil der Fahrarbeit selber machen liess.

“Modern Love”

Als der Volvo 262 C 1976 erschien, war die Limousine 264, auf der das Coupé basierte, bereits zwei Jahre auf dem Markt. Noch immer war dies also ein moderner Wagen.


Volvo 262 C (1977) - viel Handarbeit der bestens ausgebildeten Mitarbeiter von Bertone
Archiv Automobil Revue

Gebaut wurde der 262 C bei Bertone, die Umgestaltung der Limousine allerdings hatte man intern bewerkstelligt. Volvos Chefkonstrukteur Jan Wilsgaard hatte das Dach der Limousine gekappt, die Windschutzscheibe flacher gestellt und damit eine eigenwillige Linienführung kreiert, die durch das kontrastfarbige Vinyldach der ersten Exemplare noch zusätzlich betont wurde.


Volvo 262 C (1977) - der Designer Jan Wilsgaard vor seinem Werk
Archiv Automobil Revue

Innen offerierte das Coupé ein opulentes Lederinterieur, etwas Holz und viel Komfort. Sitzheizung, in der Härte verstellbare Sitzlehnen und Klimaanlage gehörten zur Serienausrüstung des mit CHF 44’350 oder DM 38’200 hochpreisigen Coupés (Stand 1977).


Volvo 262 C (1981) - David Bowie und sein Auto, bei Signieren eines Posters
Zwischengas Archiv

Bowie dürfte jedenfalls mit den Komfortattributen des 262 C durchaus zufrieden gewesen sein, ob ihn wohl das Kunststofflenkrad aber genauso störte wie den Schreiber dieser Zeilen?

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“It's just the power to charm”

Unter der Haube hatte der Volvo seit 1980 den auf 2847 cm3 angewachsenen V6-Motor, der aus der Zusammenarbeit mit Peugeot und Renault entstanden war und dank Benzineinspritzung nun 155 DIN-PS leistete.


Volvo 262 C (1981) - der Motor sitzt tief im Motorraum
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Verbunden mit einer Dreigang-Wandlerautomatik von Borg-Warner bot der Volvo bei beherztem Gaspedaleinsatz brauchbare Fahrleistungen, das Leergewicht von immerhin 1365 kg verhinderte aber zusammen mit dem Wandlerschlupf ein allzu sportliches Fahren. 

"Let’s Dance"

Auch das komfortabel abgestimmte Fahrwerk taugte eher zum Cruisen als zum Tanz zwischen Slalom-Pilonen. Aber das konnte David Bowie damals sicherlich nur recht sein, schliesslich wollte er sich ja mit seinem Beifahrer (z.B. Iggy Pop oder Freddie Mercury?) unterhalten und nicht Rennen fahren.

Im Jahr 1982 veröffentlichte Bowie die mit Giorgio Moroder, einem echten Autofan, zusammen produzierte Single “Cat People - Putting out Fire”, und da fuhr er nachwievor den Volvo (und keinen Jaguar). Und wie alle Coupés war der Motor mit Benzin befeuert (“With Gasoline”, Songzeile aus “Putting out Fire”)

“Ground Control to Major Tom”

Ob es David Bowie wohl schaffte, unauffällig mit dem schwarzen Coupé unterwegs zu sein. Immerhin gehört es zu einer raren Gattung, denn insgesamt wurden bei Bertone in sechs Jahren nur gerade 6622 dieser Autos montiert. Vielleicht kümmerte es ihn auch nicht, Hauptsache er hatte alles unter Kontrolle.


Volvo 262 C (1981) - viel Kunststoff, wenig Holz im Interieur
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und tatsächlich fehlte im Cockpit kaum an etwas. Vor allem die Mittelkonsole bot ein Schaltpult, an dem auch Raumfahrer Major Tom seine Freude gehabt hätte.

"Suns of the silent age"

Wer vom Motor ein grosser Konzert erwartete, war mit Volvo 262 C an den falschen geraten. Natürlich erkennt man die sechs Zylinder, aber sie gelangen nur stark gedämpft ans Ohr der Insassen, der Komfort-Ausrichtung verpflichtet. Bowie dürfte dies kaum gestört haben, schliesslich hatte er selber genug Musik im Herzen.

"Dollar Days"

Nach den Jahren bei David Bowie ging das schwarze Coupé zunächst in den Besitzer seiner Produktionsfirma über, um später in die Garage eines Bowie-Fans zu wechseln. Am 29. Dezember 2017 kommt der Volvo 262 C von 1981 nun erneut auf den Markt, als Lot der Versteigerung der Oldtimer Galerie Toffen in Gstaad. Ein Schätzpreis wird erst später bekannt gegeben.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von sc******
10.12.2017 (14:27)
Antworten
Der 262 C: Ein doch ziemlich schräges Design-Experiment, das Volvo aber doch den gewünschten Erfolg brachte. Der Wagen von David Bowie beweist, dass schwarz halt doch die beste Farbe für ein Auto ist. Er wirkt ungleich eleganter als die viel häufigeren 262 C in silber oder gold mit dem damals sehr gefragten Vinyldach, welches Peter Monteverdi einige Fieberschübe beschert hat...
von ol******
07.11.2017 (20:13)
Antworten
naja,hoher aufmerksamfaktor ist nicht wirklich toll,darum hat bowie auch den volvo gewählt.Aber wenn du aufmersamkeit im verkehr suchst,warum dann kein Ferrari z.b.?
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