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Bild (1/5): VW Karmann Ghia (1968) - die Silhouette änderte sich natürlich in den über 20 Jahren Bauzeit nicht (© Bruno von Rotz, 2015)
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    VW Karmann-Ghia - und warum gerade die Amerikaner ihn liebten

    29. Oktober 2015
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (2)
    Bruno von Rotz 
    (41)
    Volkswagen / Werk 
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    Rund die Hälfte aller VW Karmann-Ghia (Typ 14) ging nach Amerika, also in ein Land mit riesigen Distanzen und grossen Strassenkreuzer. Auf den ersten Blick also fragt man sich, was die Amerikaner am kleinen und vergleichsweise langsamen Karmann-Ghia fanden, doch wenn man tiefer schaut, macht die deutsch-amerikanische Beziehung sehr viel Sinn.

    VW Karmann Ghia (1968) - immer über 800 kg schwer
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Beeinflusst von einem amerikanischen Designer

    Im Oktober 1953 konnten einige Betrachter anlässlich des Pariser Autosalons im Nobelvorort Neuilly einen Prototypen inspizieren. Es handelte sich um den Vorläufer des VW Karmann-Ghia, der in Italien bei Ghia gereift war. Als Designer amteten Luigi Segre und Felice Mario Boano, beide in Diensten des Turiner Karosseriebauers. Allerdings griffen die beiden Gestalter auf die Formen der Chrysler-Konzeptfahrzeuge C-200 und D’Elegance aus den frühen Fünfzigerjahre zurück und diese wiederum werden gemeinhin dem amerikanischen Designer Virgil Exner zugeschrieben.

    VW Karmann Ghia Prototyp (1953) - im Auftrag von Volkswagen bei Ghia aufgebaut
    © Copyright / Fotograf: Volkswagen / Werk

    Wer genau welche Zeichenstriche auf das Papier brachte, ist heute nur schwer nachzuvollziehen, man kann davon ausgehen, dass sich die kreativen Leute gegenseitig befruchteten. Und im Falle des Karmann-Ghia gelang ihnen eine erfolgreiche Verkleinerung des ursprünglich ausladenden Chrysler-Entwurfs auf die Grundmasse eines VW Käfers, der allerdings in der Breite etwas wachsen durfte.

    VW Karmann-Ghia (1955) - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1955 - Seitenansicht, rechts-vorne
    © Archiv Automobil Revue

    Der Entwurf jedenfalls gefiel und 1955 stand das elegante Coupé in leicht überarbeiteter Form bei den Händlern.

    Geliebt von der amerikanischen Presse

    Die amerikanischen Automagazin rissen sich darum, den neuen Volkswagen zu testen. Und sie waren mehr als angetan vom eleganten Äusseren, der überragenden Rundumsicht, den verbesserten Fahrleistungen und den dank breiterer Spur optimierten Fahreigenschaften. Und dies änderte sich auch über die nächsten Jahre nicht, in denen der Karmann-Ghia im Gleichschritt mit dem Käfer an Hubraum, Leistung und Ausstattung gewann.

    Und so lautete auch das Resümee des Road&Track-Tests im Jahr 1962 mit den üblichen Worten: “Der Karmann-Ghia ist immer noch ein Volkswagen, mit allem, was dieser Markenname bedeutet. Er transportiert zwei Leute und ihr Gepäck gemässigt komfortabel und mit vernünftigen Geschwindigkeiten und dies ökonomisch und zuverlässig. Da kann man gar nicht sehr viel mehr erwarten ...”.

    40 PS leistete damals der 1,2-Liter-Boxermotor und das reichte für 30 Sekunden für den Sprint von 0 bis 60 Meilen pro Stunde und 75 Meilen pro Stunde Spitzengeschwindigkeit. Die ADAC Motorwelt hatte es 1958 schon auf 120 km/h gebracht und als Kraftstoffverbrauch notierten die Testfahrer damals 7,7 Liter pro 100 km.

    Ab 1966 gab es dann mit 1,5 Liter Hubraum sogar 44 PS.

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    Durchaus für den amerikanischen Highway geeignet

    Das Fahren im Karmann-Ghia unterscheidet sich wenig vom selbigen in einem Käfer. Aus dem Heck tönt (vielleicht ein wenig gedämpfter) das so behagliche und charakteristische Boxer-Viertakt-Geräusch, die Schaltwege sind relativ lang, die Pedale stehen. Mit den knapp über 40 Pferden ist man gut bedient, vor allem im oldtimer-üblichen Tempo. Da kann man sich auch gut vorstellen, dass der Wagen auf den geschwindigkeitsreglementierten amerikanischen Highways eine gute Figur machte. Und in der Stadt reichten dem rund 4,2 Meter langen Karmann auch Parklücken, an denen ein Chrysler oder Mercury hoffnungslos scheiterten.

    VW Karmann Ghia (1968) - wunderschöne Rundungen
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Nicht für die Viertelmeile

    Kaum jemand kam damals wohl auf die Idee, mit dem vom Käfer optisch zum Sportwagen mutierten Karmann-Ghia auf den Dragstrip zu gehen. Viertelmeilenrennen waren sicherlich nicht die Domäne des eleganten Coupés.

    Road & Track verglich den Volkswagen immerhin in einem Vergleichstests anlässlich  einer neu geschaffenen Einstiegsklasse des SCCA für Seriensportwagen im Jahr 1973 mit dem Opel GT, dem Triumph GT6, dem Fiat 124, dem MG B, dem MG Midget, dem VW-Porsche 914 und dem Triumph Spitfire. Das Ergebnis wunderte wohl kaum jemanden, jedenfalls landete der Karmann-Ghia in den meisten Disziplinen am Ende der Rangliste, was die Zeitschrift aber nicht davon abhielt, den Anti-Rennwagen zu loben: “Der Karmann-Ghia? Sogar noch langsamer als der MG Midget, aber mindestens so unterhaltsam zu fahren .. er wird nicht gewinnen, aber er muss sich auch nicht schämen.” Gar nicht so schlecht für eine damals bereits fast zwanzigjährige Konstruktion, die in engen Kurven das innere Vorderrad genauso abhob wie ein Porsche 911 S.

    Und tatsächlich fühlt sich der elegante Volkswagen auch heute noch handlich und griffig an, jedenfalls deutlich sportlicher als sein höher aufragendes Pendant.

    VW Karmann-Ghia Coupé (1962) - mit klassischen Formen
    © Zwischengas Archiv
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    Mit amerikanischen Vorzügen

    Die Rennstrecke war nicht seine Domäne, aber deshalb kauften ihn die Amerikaner auch nicht. Der Karmann-Ghia war ein Käfer im Ausgehanzug, ein Wagen, der weit teurer aussah, als es der Mehrpreis gegenüber dem normalen Wolfsburger Krabbeltier erwarten liess. Er war aber vor allem auch zuverlässig und einfach zu warten sowie günstig zu betreiben. Und dies gefiel auch den Amerikanern, die, auch wenn Benzin günstig war, eine halbierte Tankstellenrechnung durchaus zu schätzen wussten.

    Und so machte der Typ 14 seinen Weg und wurde schliesslich bis 1974 über 445’000 Mal gebaut. Davon ging deutlich mehr als die Hälfte, nämlich über 271’000 Exemplare, in die USA.

    VW Karmann Ghia (1974) - der eigentliche Vorläufer des Sciroccos
    © Zwischengas Archiv

    Auch für europäische Herzen

    Der Karmann-Ghia fand aber auch hierzulande viele Freunde, auch wenn ihm ähnlich anderen sparsam motorisierten Sportwagen das Hausfrauen-Porsche-Image nachgetragen wurde. Fakt ist, dass die Mehrheit der Fahrer männlich waren und dass man auch mit 40 PS viel Fahrspass haben kann, wenn diese mit nur wenig mehr als 800 kg gekoppelt sind.

    VW Karmann Ghia (1968) - klassisches VW-Lenkrad mit Tacho
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Werbung zelebrierte derweil die Kombination von italienischem Styling und deutscher Qualität, z.B. in “Volkswagen, Italian Style”. Besonders witzig war eine ganzseitige Marketingbotschaft im Playboy im Jahr 1972. Es zeigte einen Vorort mit zwei Häusern, links ein einfaches Haus, rechts eine pompöse Villa. Und der Text besagte, dass links ein Sportwagen-Besitzer lebe (mit einem Karmann-Ghia natürlich), während rechts ein Mann wohne, der sein Geld mit dem Reparieren von Sportwagen verdiene, wobei hier natürlich die teuren und anfälligen Fahrzeuge der Konkurrenz gemeint waren ...

    Coupé oder Cabriolet?

    Schon zwei Jahre nach dem Coupé war 1957 an der IAA das Cabriolet des Typs 14 präsentiert worden.

    VW Karmann-Ghia Cabriolet (1957) - Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt 1957 - Seitenansicht
    © Zwischengas Archiv

    Es ermöglichte natürlich das Fahren unter freiem Himmel ohne Dach, konnte es optisch aber nicht ganz mit der Eleganz des Coupés aufnehmen. Trotzdem sind sie heute die begehrteren Varianten und werden auch höher bewertet.

    Im Jahr 1972 setzte der Car & Driver Schreiberling Bob Brown dem VW Karmann-Ghia ein Denkmal, indem er ihn als den letzten produzierten (Porsche 356) Speedster bezeichnete: “Sie müssen zugeben, dass der Speedster und der Ghia sich ähnlich sind, und dass sie sich auch ähnlich anfühlen, dass sie sogar zu ähnlichen Fahrleistungen fähig sind. Aber noch wichtiger ist, dass sie auch ähnliche Fahreigenschaften zeigen - und Handling, das war es doch, was den Speedster wirklich ausmachte.”.

    Und bekanntlich waren die Amerikaner auch die grössten Freunde des Speedsters ....

    Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, im Karmann-Ghia von 1968 Platz nehmen zu dürfen.

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    ···
     
    Quelle:

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    wi******:
    03.11.2015 (21:20)
    Genau, danke!
    wi******:
    03.11.2015 (20:31)
    "Im Oktober 1953 verblüffte ein neuer Volkswagen die Besucher des Pariser Autosalons. " Woher halten Sie diese Information?
    Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
    03.11.2015 (20:41)
    Tatsächlich wird dies an einigen Orten so geschrieben. Bei Nachprüfung zeigt es sich, dass im Buch "Die Karmann-Story" aber nicht der Salon selber, sondern eine private Präsentation in Neuilly genannt wird. Wir haben dies im Artikel entsprechend angepasst.
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