VW Golf GTI Mk II - grösser, komfortabler, aber auch besser?

Erstellt am 26. Juli 2017
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
34
Volkswagen Archiv / Werk 
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Volkswagen 
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Archiv 
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Dass der VW Golf der zweiten Generation längst zum Oldtimer geworden ist, kann man eigentlich kaum glauben. Dank seiner Langzeitqualitäten sieht man ihn noch vergleichsweise oft im Strassenverkehr, auch als GTI. Bei dessen Präsentation vor 34 Jahren befürchteten viele GTI-Fans, dass die Dynamik des Vorgängers damit passé sein würde, schliesslich war der Golf der zweiten Generation deutlich gewachsen. In zeitgenössischen Tests schnitt der “Neue” aber gut ab.


VW Golf II GTI (1989) - in der Silhouette dem Vorgänger treu geblieben
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Präsentation an der IAA 1983

Der 1974 erstmals gezeigte Golf 1 war für Volkswagen zur wichtigsten Modellreihe geworden. Sechs Millionen Exemplare waren in rund zehn Jahren verkauft worden. Entsprechend vorsichtig agierte man, als es darum ging, den Nachfolger zu entwickeln. Die Öffentlichkeit war vorgewarnt, denn schon 1982 machten erste inoffizielle Schnappschüsse die Runde. Die Rahmenbedingungen für den in Frankfurt im September 1983 offiziell vorgestellten zweiten Golf waren klar: Der “Neue” musste komfortabler werden, mehr Platz bieten und einige dem Vorgänger angekreidete Mängel beseitigen.


VW Golf II (1983) - die neue, geräumigere Generation setzt an den Erfolg des 1974 präsentierten Golf I an - an der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt 1983
Archiv Automobil Revue

Mit der Gestaltung wurde die interne Designabteilung beauftragt und schon damals gab es kritische Stimmen. Die ADAC Motorwelt etwa schrieb: “Wie man die auf knapp 4 m Länge angewachsene Karosserie auch beurteilen mag - fest steht, dass ei mehr als bisher zu bieten hat.”

Funktional gab es nichts zu meckern, denn vor allem die Passagiere hinten profitierten von den gewachsenen Dimensionen. Auch der Kofferraum war etwas grösser geworden und dem Wind setzte die breitere und höhere Karosserie dank von 0,42 auf 0,34 gesenktem cw-Wert weniger Widerstand entgegen.

Von Anfang an als GTI

Vom Start weg gab es den neuen Golf auch wiederum als GTI. Wie sein Vorgänger unterschied er sich durch mattschwarze Kotflügelverbreiterungen von den schwächeren Modellen. Auch den Motor übernahm er vom letzten GTI der ersten Generation. Allerdings sorgte etwas Feinschliff dafür, dass die Nennleistung von 112 PS nun bereits bei 5500 anstatt 5800 Umdrehungen anfielen und das max. Drehmoment von 153 auf 155 Nm anstieg. Schliesslich hatte es der neue Golf auf mit 70 kg mehr Gewicht zu tun, war dieses im Leerzustand doch von 890 auf 960 kg angewachsen.


VW Golf GTI (1985) - 191 km/h schnell und auch mit Scheibenbremsen an der Hinterachse
Archiv Automobil Revue

Im Test von Auto Motor und Sport allerdings schlug sich der grössere GTI im Vergleich zum Vorgänger hervorragend. 8,9 Sekunden reichten für den Spurt von 0 bis 100 km/h (0,3 Sekunden mehr als vorher), bei der Spitze schlug der GTI Mk2 den Mk1 mit 193 km/h anstatt 191,5 km/h. Der Durchschnittsverbrauch war mit 9,6 anstatt 8,7 Liter pro 100 km zwar etwas höher, dafür war der Lärmpegel im Innern um drei dbA gesunken bei 100 km/h.

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Der Alte geblieben

Die Befürchtungen, dass der gewachsene GTI seinem Vorgänger das Wasser nicht reichen könne, wurden schnell widerlegt. Die ADAC Motorwelt, die den GTI im Frühjahr 1984 testete, berichtete:
“Ist der GTI beim Fahren noch ein GTI? Und wie! Die Art und Weise, wie der 1,8-Liter-Motor, der auch schon im Vorgänger eingebaut wurde, zur Sache geht, ist beeindruckend … Es ist immer genug Leistung da …Der Fahrspass, den der Motor bereitet, wird vom Fahrwerk nicht beeinträchtigt. Die Vermutung, der in der Neuauflage grössere und schwerere GTI könnte nun behäbiger und weniger agil als bisher sein, bestätigt sich nicht. Nach wie vor ist er das spontan auf die Lenkung reagierende, wendige Automobil, wobei die Fahrwerksabstimmung noch spürbar verfeinert wurde. Lastwechselreaktionen beim Gaswegnehmen sind fast völlig passé, und von den Einflüssen des Frontantriebs spürt man am Lenkrad nicht mehr und nicht weniger als bisher.”

Dabei war der neue GTI sogar noch komfortabler, was die Federung anging, sicherer, was die Bremsen (mit Scheiben hinten) anging und im Innenraum leiser geworden. Nur der um rund tausend Mark erhöhte Grundpreis missfiel dem Tester.


VW Golf GTI (1986) - die schnelle Version der zweiten Golf-Serie
Archiv Automobil Revue

Die Automobil Revue sah dies insgesamt ähnlich:
"Der GTI ist auch nach dem Modellwechsel das geblieben, was er vorher war - ein überdurchschnittlich leistungsfähiges und fahrsicheres Auto, das ein gerüttelt Mass an Fahrvergnügen vermittelt und mit dem kostbaren Treibstoff sparsam umgeht. Aus dem Grössenzuwachs der aerodynamisch verbesserten Karosserie resultieren ein spürbar grosszügigeres Platzangebot für die Insassen und ein Kofferraum, dessen Fassungsvermögen nun auch für das Urlaubsgepäck einer vier- bis fünfköpfigen Familie ausreicht. Auch das neu abgestimmte, komfortablere Fahr- werk mit dem längerem Radstand schlägt positiv zu Buche.”

Diese Vorzüge reichten auch den AR-Testern für eine Rechtfertigung des höheren Preises.

Der Konkurrenz enteilt

Die Zeitschrift Auto Motor und Sport verglich dann den neuen GTI auch noch mit den stärksten Konkurrenten, nämlich dem Opel Kadett GTE und dem Ford Escort XR3. Und noch selten hatte ein Auto derart überzeugend einen Vergleichstest gewonnen. In keiner Teilwertung konnten Opel oder Ford den Volkswagen übertrumpfen, am Ende siegte der Golf mit 461 Punkten vor dem GTE mit 404 und dem XR3 mit 356 Punkten.

“Das Ergebnis dieses Vergleichstests läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Der Golf GTI kommt mit großem Punkvorsprung auf den ersten Platz. Angesichts der Punktunterschiede erübrigt sich jede Diskussion über persönliche Präferenzen, denn schließlich resultiert die Überlegenheit des Gof nicht daraus, daß er in einigen Kriterien besonders gut abschneidet. Er läßt vielmehr seinen Konkurrenten in keinem Wertungskapitel eine Chance, während der Escort nirgendwo ähnlich viele Punkte erzielen kann wie der Kadett. Überraschend ist dieses Ergebnis angesichts früherer Vergleichstests nicht - es bestätigt aber, daß die Überlegenheit des Golf GTI mit der Einführung des Nachfolgers spürbar größer geworden ist.”

Tatsächlich hatte der grosse GTI auf der ganzen Breite überzeugt. Und es waren genau Neuerungen, die ihm grosse Teile des Vorsprungs eingebracht hatten, also das verbesserte Platzangebot, der erhöhte Komfort und das optimierte Fahrwerk.

Acht Jahre Weiterentwicklung

Mit der Lancierung des 112-PS-Golf-II-GTI war es nicht getan, für die Schweiz wurde von Anfang an eine nominal zwar gleich starke, in den Testwerten aber langsamere AGV-82-Variante gebaut. Und ab 1986 gab es den GTI auch mit US-Katalysator, der zusammen mit auf Euro-95-Benzin ausgerichteten Motor, fünf PS kostete. Trotzdem sprintete der Kat-GTI immer noch in 9,4 Sekunden von 0 bis 100 km/h und erreichte eine Spitze von 188 km/h. Im Verbrauch begnügte er sich im Test der Automobil Revue im Frühling 1986 mit 9,1 Liter pro 100 km. Auffallend war der Mehrverbrauch bei konstanten 60 bis 140 km/h, während abgeforderte Spitzenleistungen zu ähnlichen Verbräuchen wie die Versionen ohne Katalysatoren führten.


VW Golf GTI 16V (1986) - mehr Ventile und Leistung für den GTI
Copyright / Fotograf: Volkswagen Archiv / Werk

Um der Konkurrenz, die inzwischen mit 120 bis 130 PS antrat etwas entgegenzusetzen, kam 1986 der 16V auf den Markt, der mit 129 PS (Katalysatorvariante) oder 139 PS (ECE-Ausführung) auch anspruchsvolle Sportfahrer überzeugen konnte. Im selben Jahr konnte man gegen Aufpreis für alle GTI auch ein ABS bestellen. Später kam dann noch der Golf mit dem G-Lader (G60), der mit 160 PS die Leistungsspitze darstellte.


VW Golf (1994) - drei Generationen im Vergleich, vorne der GTI der dritten Baureihe, dahinter der Mk2 und der Ur-Golf
Copyright / Fotograf: Volkswagen Archiv / Werk

Bis 1992 wurde der Golf II weiterproduziert, der Bau der rundlicheren dritten Auflage des Golfs hatte bereits im Herbst 1991 begonnen. Rund 6,3 Millionen des zweiten Golfs waren bis dahin produziert worden.

Über dreissig Jahre später

Heute sind die frühen GTI der ersten Generation regelrecht Kult geworden, gut erhaltene Exemplare wechseln zu hohen Preisen den Besitzer. Der Abstand zum Golf II, in dem viele immer noch mehr einen Gebrauchtwagen als einen Klassiker sehen, ist gross. Dies mag einerseits am doch im Vergleich eher etwas plump gestalteten Karosseriekleid liegen, andererseits an den deutlich besseren Überlebensfähigkeiten der zweiten Generation, die deutlich weniger unter Rostproblemen litt als der Vorgänger.


VW Golf II GTI (1989) - etwas grösser war auch der Kofferraum
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die sachlich funktionalen Vorzüge wiegen heute deutlich weniger schwer, denn einen Klassiker nutzt man meist weder für den Familienurlaub noch für den Wohnungsumzug. Man kann dem zweiten Golf eigentlich wenig vorwerfen, ausser eben, dass er nicht der erste ist.

Gute Manieren

Kaum jemand wird in einem Zweitgenerations-Golf nach dem Handbuch suchen müssen, um das Fahrzeug erfolgreich in Betrieb zu nehmen und zu fahren. Alles geht einfach zur Hand. Der Golf startet zuverlässig, das Fünfganggetriebe mit Golfball-Schaltknopf lässt sich gut schalten, die Bremsen packen und alles ist dort, wo man es erwarten würde.


VW Golf II GTI (1989) - agil und fahrsicher
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Einmal in Fahrt würde man sich allerdings ab und zu das doch etwas knackiger agierende Fahrgestells des ersten Golfs und auch dessen sportlichen Klangäusserungen wünschen, der gesteigerte Komfort im zweiten Golf hat aus der Sicht eines vergangenheitsorientierten Klassikerfans auch Nachteile.


VW Golf II GTI (1989) - typisch Golf, der GTI hatte Recaro-Sitze mit gutem Sitzkomfort
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Sitze sind aber immer noch hervorragend und spätestens, wenn man dann doch einmal ein paar Leute mitnehmen will, freut man sich über den verfügbaren Platz. Und auf der Autobahn schlägt der Neue den Alten summa summarum sowieso.

Vergleich der ersten und zweiten Golf-GTI-Generation

  Golf GTI Mk 1 1982 Golf GTI Mk2 1985 ECE Golf GTI Mk2 1987 Kat
Quelle AMS 18/19 1982 AMS 5 1984 AR 10 1986
Leistung PS 112 112 107
bei U/min 5800 5500 5250
max Drehmoment Nm 153 155 154
bei U/min 3500 3100 3250
Länge 3815 3985 3985
Breite 1630 1680 1680
Höhe 1395 1405 1405
Radstand 2400 2475 2475
Leergewicht kg 890 960 955
Zul. Gesamtgewicht kg 1310 1400 1430
Leistungsgewicht 7.9 8.6 8.9
Kofferraum Liter 260 336 336
cw-Wert (ca.) 0.4 0.34 0.34
0 - 100 km/h in s 8.6 8.9 9.4
0 - 160 km/h in s 25.1 25.9 30
40 - 100 km/h in s (4. Gang) 12.6 12.2 12.3
60 - 120 km/h in s (5. Gang) 17.3 17.6  
Höchstgeschwindigkeit km/h 191.5 193 188
Innengeräusch bei 100 km/h in dB(A) 73 70  
Durchschnittsverbrauch in l/100 km 8.7 9.6 9.1
Preis DM 19725 21525  
Preis CHF 18130 19450 21600


Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit zur Probefahrt im VW Golf GTI Kat von 1989.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ae******
03.03.2018 (13:30)
Antworten
Der Konkurrenz enteilt, ja, wenn man nur nach D schaute schon. Es gab da aber auch einen Lancia Delta HF der konnte das alles auch so gut wie der Golf GTI !
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