Talbot Matra Murena - Langzeit-Plastik für Drei

Erstellt am 6. November 2014
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Zwischen 1965 und 1983 baute Matra eigene Strassen-Sportwagen, die immer den Motor vor der Hinterachse trugen und mit Kunststoff-Karosserien ausgerüstet waren. Der letzte und ausgereifteste Wurf war der Murena, der in Zusammenarbeit mit Talbot entstand.


Talbot Matra Murena 2.2 (1982) - sehr handlich und wendig
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Sportliches Layout

Bereits die Vorgänger des Matra Murena, der von René Bonnet abstammende Djet/Jet (mit Renault-Motoren, der M 530 (mit Ford-Taunus-V4-Motor) und der Matra-Simca Bagheera (mit Simca-Motor) hatten das Antriebsaggregat zwischen den Passagieren und der Hinterachse gehabt und entsprachen damit Sportwagenvorbildern wie Lamborghini Miura oder Maserati Bora. Nur dass René Bonnet der Zeit bei seinem Erstling "Jet" den anderen um einige Jahre voraus gewesen war.


Talbot Matra Murena (1980) - Durchsichtszeichnung - Motor vor der Hinterachse querliegend
Archiv Automobil Revue

Für den Murena wurden zwei Leistungsstufen eingeführt, ein 1,6 Liter mit 92 PS und ein 2,2-Liter mit 118 PS, für den es zusätzlich noch ein Tuning-Paket gab, das zusätzlichen Schub gab.

Die Radführung übernahmen vorne doppelte Dreieckslenker, hinten eine Schräglenkerachse. Gebremst wurde rundum mit Scheiben.

Auf Langlebigkeit ausgerichtet

Als tragende Basis wurde wie bereits beim Bagheera eine Stahlstruktur genutzt, die aber im Gegensatz zum Vorgänger in Romorantin bei 460 Grad feuerverzinkt wurde.


Talbot Matra Murena (1981) - komplett galvanisiertes Chassis
Zwischengas Archiv

Die Kunststoff-Karosserie wurde von Antoine Volanis entworfen und sie überzeugte nicht nur mit Eleganz sondern auch mit einem tiefen Luftwiderstandsbeiwert von 0.328.

Allerdings verlangte der Zusammenbau der Kunststoffteile nach einem hohen Qualitätsstandard, den Matra nicht immer gewährleisten konnte. Dafür konnte das Ergebnis zurecht als rostunempfindlich und langlebig verkauft werden.

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Drei Sitze als Alleinstellungsmerkmal

Das Besondere am 1980 in Paris vorgestellten Talbot Matra Murena waren die drei nebeneinander liegenden Sitze, die bereits den Vorgänger Bagheera zur Ausnahmeerscheinung gemacht hatten. Mit einer Innenbreite von 151 cm konnte so drei nicht allzu stattliche Personen kommod alle in der vordersten Reihe sitzen.


Talbot Matra Murena 2.2 (1982) - der mittlere der drei Sitze ist etwas nach hinten versetzt
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz

Preislich war selbst die teurere 2,2-Liter-Variante gut gegen die damaligen Sportwagen-Konkurrenz gewappnet. In Deutschland musste ein Kunde für den Murena DM 24’900 zahlen, während ein Mazda RX-7 26’990, ein Lancia Montecarlo 28’500 und ein Porsche 924 sogar 29’900 kostete. In der Schweiz stand der Matra mit 2,2-Liter-Motor mit 24’500 Franken in der Preisliste, während es den Porsche 924 für 29’300, den Wankel-Mazda für 25’600 und den Mittelmotor-Lancia Montecarlo für 26’500 Franken gab.


Talbot Matra Murena 2.2 (1982) - nur 1,22 Meter hoch
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Mit 201,1 km/h liess sich der Matra von keinem der Konkurrenten abhängen und im Verbrauch konnte nur der Porsche 924 dank Einspritzung besser punkten, 12,9 Liter brauchte der Franzose, 9,6 Liter der Zuffenhauser pro 100 km. Mazda (16,7 Liter) und Lancia (15,1 Liter) konnten diesbezüglich nicht mithalten.

Die Zeitschrift “Auto Motor und Sport” testete im Jahr 1981 die 2,2-Liter-Variante und kam zum Schluss: “Der Murena 2.2 ist zwar die teuerste, zugleich aber auch die preiswerteste Murena-Variante. Während nämlich der 1,6 im Stil seiner Vorgänger als schöner Hochstapler daherrollt, harmonieren beim Typ 2,2 Schein und Sein.”. Im Lande der Porsche-Fahrer war dies ein dickes Lob und als Vorzüge wurden neben der attraktiven Form auch der gute Federungskomfort, die Handlichkeit, die Fahrleistungen, die umfangreiche Serienausstattung und der Korrosionsschutz gelobt.

Potential vergeben

Mit einem moderneren Vierventil-Motor, der in Entwicklung war, und mit Einspritzung hätte der Matra zum fast unschlagbaren Paket vervollkommnet werden können. Doch 1983 war das kurze Intermezzo bereits beendet. Nach rund 10’680 Fahrzeugen (davon 5’640 1,6-Liter) wurde die Produktion zugunsten des Renault Espace, der übrigens ähnlich wie der Murena ein Stahlskelett und eine Kunststoffbeplankung aufwies, aufgegeben.

Ein Oldtimer

Heute sind alle Matra Murena bereits im Oldtimer-Alter, werden aber wohl von den meisten Kennern eher immer noch dem Youngtimer-Segment zugeordnet.


Talbot Matra Murena 2.2 (1982) - Achtzigerjahre pur im Cockpit
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wer sich ins Innere des kompakten (4,07 Meter lang, 1,752 Meter breit, 1,22 Meter hoch) Sportwagens schwingt, wird von attraktiven Polsterbezügen, aber auch von viel Kunststoff empfangen. Eine besondere Haptik vermittelt das Einspeichenlenkrad, das in seiner Weichheit und mit Gummiflair zusammen mit der abgeflachten Unterseite ein ganz besonderes Fahrgefühl hervorruft. Dazu passt auch der rundliche Schalthebel, der zwar nicht beliebig exakt durch die Schaltgassen wandert, aber genug Präzision vermittelt, um immer in den richtigen der fünf Vorwärtsgänge zu gelangen.

Der mittlere Sitz kann umgeklappt werden und ist sicher eher für eines der ausgemergelten Fotomodelle von heute ausgelegt als für eine Schönheit im Rubensformat.

Praktisch und alltagstauglich

Man kann sich gut vorstellen, dass die Käufer den Wagen damals im Alltag nutzten. Die Hauptinstrumente sind klar gezeichnet, die Bedienungselemente vernünftig angeordnet. Die Sitzposition passt und die Rundumsicht ist besser als bei den meisten anderen Mittelmotor-Sportwagen. Nur Sitzriesen würden vielleicht etwas mehr Abstand zum Dach begrüssen und typisch für die Siebzigerjahre sieht man von der Fahrzeugfront gar nichts aus dem Cockpit, solange man die Klappscheinwerfer nicht ausfährt.


Talbot Matra Murena 2.2 (1982) - wirkt auch mit offenen Klappscheinwerfern attraktiv
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auto Motor und Sport bemängelte vor dreissig Jahren den lauten Motor, aber da gab es halt noch keinen Alfa Romeo 4C. Als Oldtimer jedenfalls kommt einem der Murena nicht laut vor und ob der Komforteigenschaften des Fahrwerks ist man positiv erstaunt.

Die rund 120 PS haben mit den 965 kg Leergewicht keine Mühe. 9,4 Sekunden hatte der Murena im Test für den Sprint von 0 auf 100 km/h benötigt, dies war damals sportlich und heute reicht es aus, um sich nicht untermotorisiert zu fühlen.

Und für die, die es nie wussten oder bereits vergessen haben: Matra siegte dreimal bei den 24 Stunden von Le Mans (1972-1974) und wurde 1969 Formel-1-Weltmeister mit Jackie Stewart im Cockpit. Der Marke fehlte es also nicht an Renommee, vielleicht sollte man also einen Murena kaufen, solange er noch bezahlbar ist.

Wir danken der Firma Carrosserie Spritzwerk Koch für die Gelegenheit, den für diesen Artikel portraitierten Matra Murena probefahren zu können

Weitere Informationen


Talbot Matra Murena 2.2 (1982) - Schönheit mit Biss (Werbung von damals)
Archiv Automobil Revue

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von tb******
24.11.2020 (23:49)
Antworten
Ich persönlich kann nicht behaupten der Motor wäre versoffen oder unzuverlässig. Meinen Murena kaufte ich in einem sehr mitgenommenem Zustand und im Prinzip war der Wagen nicht fahrtauglich, dennoch liefen alle Systeme und er ging nicht ein einziges mal aus, obwohl er seit 8 Jahren nicht gelaufen war(!). Der wagen hat eine großartige Sportlichkeit an sich und ein präzises und spaßiges Fahrverhalten. Am Steuer bekommt man den Eindruck, dass der Motor sich erst im Drehzahlbereich jenseits der 2000 wohl fühlt, womit auch die Drehunfreudigkeit eine hinfällige Aussage darstellt. Überraschenderweise ist auch die beschriebene Rostanfälligkeit trotz Versiegelung des Chassis durch Galvanisieren recht unzutreffend, da der Wagen 8 Jahre draußen stand und keinerlei Rost am Chassis aufweist, lediglich ein paar Kleine stellen die nicht weiter auffällig sind. Außerdem ist festzustellen dass für einen Mittelmotorwagen eine überraschende Zugänglichkeit aller Teile besteht und man im vergleich zu zeitgenössischen Toyota mr2 Modellen wunderbar arbeiten kann, wenn auch manchmal mit Kreativität verbunden. Ansonsten hat mich die Innovation sehr überzeugt: Intervallschaltung für Scheibenwischer und Blinker(trotz fehlendem Steuergerät), drei Sitze, von denen der mittlere umklappbar ist um als Armlehne zu fungieren, und einer umklappbaren Kopfstütze für bessere Rundumsicht, welche im Fazit beeindruckend ist (in Bezug auf die Platzierung des Motors), und abschießend der Fahrspaß den der Wagen bietet!
von pa******
06.11.2020 (21:45)
Antworten
Ein sehr gegensätzliches Auto.Eleganter Keil, Simple,. trotzdem nichthaltbare Technik.
Probleme mit Elektrik, vollverznkt aber nicht Rostfrei .
Das NOGO aber ist, wie angedeutet, der Motor. Träge, versoffen ,laut. drehunwillig und nichtmal sehr Standhaft. Ein Echter Bauernmotor
Im Winter bei Glätte Ekelhaft zu fahren, empfindlich bei Nässe, Super bei guten Verhältnissen.
Ersatzteilsituation ist nicht so gut wie beschrieben, viele Engpässe.
Auf eine spürbare Wertsteigerung wird seit langer Zeit gewartet, ist auch nicht in Aussicht, im Gegenteil.

Fazit: Sportlerbody mit Rentnerherz
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