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Bild (1/5): TVR Chimaera 5.0 - Der Chimaera war das erfolgreichste Modell von TVR (© Bruno von Rotz, 2020)
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  • TVR Chimaera 5.0 – und wehe, wenn er losgelassen...

    Erstellt am 10. März 2020
    Text:
    Daniel Koch
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
    (35)
    TVR Werk 
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    Die "Chimaera" (auf Deutsch: "Chimäre") ist ein feuerspuckendes Fabelwesen aus der griechischen Mythologie, und vereint Ziege, Löwe und Schlange in einem. Wir konnten alle drei Tiere im TVR identifizieren: Die Ziege gilt als freiheitsliebend und quirlig, und so ist auch der Chimaera, er will raus! Beim Starten des Motors hören wir den Löwen aus dem Auspuff brüllen, dass es dem Fahrer die Nackenhaare hochstellt und die Mütter ihre Kinder von der Strasse holen.

    TVR Chimaera 5.0 - Dach in der Targa-Variante
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Schlange beisst zu, wenn man es in den Kurven zu bunt treibt mit dem Gasfuss, denn dann gilt es, das Heck mit eifriger Kurbelarbeit am Lenkrad einzufangen. Elektronische Helferlein sind nämlich keine an Bord…

    Der Hund half mit

    Das Design des Chimera stammt von Peter Wheeler, John Ravenscroft, und Peters Hund "Ned". Letzter soll nämlich die vorderen Ausschnitte für die Blinker geformt haben, indem er in das Tonmodell des Chimera gebissen habe. Eine Gerücht, eine Geschichte, aber passen würde das zum üblichen Entwicklungsansatz bei TVR.

    TVR Chimaera 5.0 - Ist das der Abdruck der Zähne des Werkstatthundes von Peter Wheeler?
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Die Luftschlitze in der Motorhaube scheinen denen eines Spitfire Kampfflugzeuges aus dem zweiten Weltkrieg nachemmpfunden zu sein...

    TVR Chimaera 5.0 - Die Luftschlitze auf der Motorhaube erinnern an ein Spitfire-Kampfflugzeug
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Weit weg von der Masse

    TVR hat noch nie perfekte Einheitsautos gebaut, von denen eines aussieht wie das andere. Ganz im Gegenteil, die Legende aus Blackpool machte schon immer fast alles etwas anders als die anderen, und das gab der Marke auch den einzigartigen und faszinierenden Ruf. Wir wollten wissen, ob auch der Chimaera so aussergewöhnlich ist, und haben den eigenwilligen Briten auf einer Probefahrt getestet.

    TVR Chimaera 5.0 - Am liebsten mit offenem Dach
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz
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    Fremde Teile

    Wer den Chimaera von aussen betrachtet, dem kommen einige Teile vielleicht bekannt vor.

    TVR Chimaera 5.0 - Die Rückspiegel stammen von Citroën CX
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Wie viele andere britische Kleinserien-Hersteller hat sich auch TVR im Ersatzteilregal von anderen Herstellern bedient. Die Rückspiegel stammen vom Citroën CX,  die Heckleuchten vom Ford Fiesta der dritten Serie, und die Blinker unter den Scheinwerfern waren die selben wie im britischen Challenger-Panzer. Im Zubehörhandel waren für viele Grossserien-Teile Alternativen erhältlich, falls ein TVR-Fahrer seinen Renner noch individualisieren wollte.

    TVR Chimaera 5.0 - Rückleuchten vom Ford Fiesta
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Zaubertrick

    Zum Öffnen der Türe muss ein verchromter Knopf auf dem hinteren Kotflügel gedrückt werden, einen herkömmlichen Türöffner gibt es nicht.

    TVR Chimaera 5.0 - Türöffner
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Das Cockpit glänzt vor allem durch Schalter, die nicht beschriftet sind.

    TVR Chimaera 5.0 - Schwarze, unbeschriftete Knöpfe neben dem Lenkrad für das Abblendlicht, die schwarzen Lenkstockhebel von Ford wurden mit Zubehörteilen aus Alu ersetzt
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Von innen werden die Türen mittels eines Drehknopfes geöffnet, der sich auf dem Mitteltunnel befindet. Dreht man den Knopf im Gegenuhrzeigersinn, öffnet sich (bein Linkslenker) die Fahrertüre, dreht man ihn im Uhrzeigersinn, springt die Beifahrertüre auf.

    TVR Chimaera 5.0 - Alu-Knopf, um die Türen zu öffnen
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Wer das nicht weiss, sucht den Türöffner an der Tür vergebens, und muss notfalls das Dach öffnen, um rauszuklettern. Die Aluminium-Knöpfe und Schalter sind aus dem vollen gefräst, und wie in vielen TVR nicht beschriftet, das Cockpit ist grosszügig mit Leder, Wurzelholz und Teppich ausgeschlagen.

    Heel Porsche Fahrer Banner: Porsche Fahrer

    Varianten beim Offenfahren

    Beim Dach stellt sich wieder die Ziege-Löwe-Schlange-Frage, der TVR-Dompteur kann wählen zwischen geschlossen, halboffen (Targa) und offen. Fährt man geschlossen, ist man im Cocoon des Cockpits eingebettet. Wer die Targa-Variante wählt, muss die Dachmitte entfernen, und im Kofferraum verstauen.

    TVR Chimaera (1998) - tolle Farbe
    © Zwischengas Archiv

    Um ganz offen zu fahren, wird zusätzlich die hintere Dachhälfte nach unten geklappt, wobei diese nicht komplett unter einer Abdeckung verschwindet, wie bei anderen Roadstern. In dieser ganz offenen Variante ist der Innenspiegel dann deshalb weitgehend nutzlos, weil man nur das halb eingeklappte Dach sehen kann. Das ist eben der Kompromiss, den man eingehen muss.

    TVR Chimaera 5.0 - Die Aussparungen für die Blinker soll der Hund von TVR Chef Peter Wheeler zum Design beigesteuert haben
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Imposante Soundkulisse

    Um den Chimaera zu starten, hat sich TVR ausnahmsweise keine Spässchen einfallen lassen, es müssen keine versteckten Knöpfe gesucht werden, das geht ganz normal mit dem Drehen des Zündschlüssels. Und gleich danach beginnt das Konzert, der Löwe brüllt, oder ist es eher das Donnergrollen eines nahenden Gewitters? Der Fünfliter V8 Motor hört sich schon im Stand böse an, aber wenn man dem Rover-Triebwerk die Sporen gibt, dann klingt das nach Armageddon!

    TVR Chimaera 5.0 - Hohe Kilometerleistungen sind für den zuverlässigen V8 kein Problem
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Der TVR-Legende zufolge hat sich Thor höchstpersönlich um den Klang gekümmert. Er legte die Auspuffanlage vor die Türe der TVR-Fabrik, und hinterliess eine Notiz: "Hier habt ihr den Sound der Götter". Der Chimaera hat wie alle TVR mit den grossen V8-Motoren etwas ungehobeltes, er ist kein weichgespülter Muskelprotz, sondern ein ehrlicher Sportwagen. Er ist ein Statement, der Rennfahrer Tiff Needell sagte über ihn "Er hat die Kraft von Arnold Schwarzenegger im Körper von Jane Fonda".

    Über zu wenig Leistung wird sich niemand beklagen

    Das Triebwerk leistet 340 PS bei 5500 U/min, und wuchtet bei 4000 U/min ein maximales Drehmoment von 440 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Üppige Leistungsdaten also und diese Werte treffen auf nur knapp über eintausend Kilogramm. Wer es darauf anlegt, der erledigt den Sprint von null auf 100 km/h in 4.1 Sekunden. Das ist eine Werksangabe, wir haben die Zeit nicht gemessen, glauben es aber nach der Probefahrt ohne zu zögern. Selbstverständlich haben wir die Höchstgeschwindigkeit von über 280 km/h auch nicht getestet, wir haben ja schliesslich Gesetze in der Schweiz, die dies auf öffentlichen Strassen verbieten, und daran hielten wir uns natürlich. Es dürfte allerdings einiges Feingefühl nötig sein, um ein sinnloses Durchdrehen der Antriebsräder zu verhindern, wenn man es gar zu doll angehen lässt.

    TVR Chimaera 5.0 - Von 1992 bis 2003 gebaut
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Das Fünfganggetriebe schaltet sich knackig, kurz und direkt, aber man kann auch schaltfaul fahren, da in jeder Lebenslage mehr als ausreichend Drehmoment zur Verfügung steht.

    TVR Chimaera 5.0 - In jedem Gang genügend Leistung
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Um den eigenwilligen Sportler auf der Strasse zu halten, hat ihm TVR hinten und vorne doppelt geführte Dreiecksquerlenker mit Schraubenfedern und Gasdruckstossdämpfer spendiert. Das Plastikkleid setzte man auf einem Rohrrahmen, der wie ein grosser Teil der Technik vom ein Jahr zuvor prästentierten Griffith übernommen wurde.

    ZG Marktpreise Eigenwerbung

    Was meinte die Fachpresse?

    Die Fachzeitschrift "Fast Lane" attestierte dem Chimaera im Mai 1993: "Der Chimaera hat vermutlich das beste Fahrverhalten aller Sportwagen mit Frontmotor und Heckantrieb. Die ganz hartgesottenen TVR-Enthusiasten werden vielleicht bemängeln, dass er nicht wie frühere Modelle versucht, sie mit Gewalt aus jeder schnell gefahrenen Kurve zu werfen, aber der durchschnittlich begabte Sportfahrer begrüsst es sicher, dass das Fahrverhalten im neuen Chimaera etwas zivilisierter ausfällt."

    TVR Chimaera 5.0 - TVR stand schon immer für exklusive Sportwagen von der britischen Insel
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Geheimtipp

    Die Marke TVR ist im deutschsprachigen Raum nicht sehr bekannt. Dies zeigt sich, wenn man mit dem Briten unterwegs ist, und beim Tankstopp oder beim Parkieren gefragt wird, um welches Fahrzeug es sich handelt. Auch die Presse in unseren Breitengraden hat sich nur sehr spärlich mit der Marke aus Blackpool beschäftigt, wir fanden im Archiv auf Anhieb keine Testberichte zum Chimaera (es gibt sie zum Bruder Griffith) in deutscher Sprache. Dem TVR-Liebhaber dürfte der Bekanntheitsgrad egal sein, denn er weiss, weshalb er sich dem Exoten verschrieben hat.

    Volumenmodell für Kleinserienhersteller

    Während der ganzen Produktionszeit zwischen 1992 bis 2003 wurden etwa 6000 Stück gebaut, was für einen kleinen Hersteller wie TVR eine stattliche Anzahl bedeutete. Unser Testwagen stammte aus dem Jahr 1996, ist also fast ein Vierteljahrhundert alt. Mit den imposanten Leistungsdaten spielte er damals in der Supersportwagen-Liga mit, und dürfte manchen Porsche oder Ferrari von der Überholspur (auf unbeschränkten Autobahnen) verscheucht haben, aber auch heute ist er noch bei den ganz schnellen mit dabei.

    TVR Chimaera
    © Copyright / Fotograf: TVR Werk

    Den Chimaera gab es auch mit etwas leistungsschwächeren 4.0, 4.3 und 4.5 Liter Motoren. Der Nachfolger Tamora war dann nur noch mit dem TVR Speed Six (Reihensechszylinder) Motor erhältlich.

    Unschlagbar

    Die TVR Chimaera und Griffith mit den 5 Liter-Rover-Motoren sind heute wahre Schnäppchen. Mehr Leistung zu dem Preis gibt es sonst nirgendwo, und exklusiver geht es auch kaum. Das Angebot ist beachtlich, und wer sich für einen dieser englischen Athlethen im Massanzug entscheidet, sollte den besten auswählen, den er finden kann. Einen Blick auf die Servicegeschichte zu werfen lohnt sich, denn gut gewartete Fahrzeuge sind in der Regel problemlos. Wir bedanken uns bei www.classic-autos.ch , dass wir den angebotenen TVR Chimaera probefahren und fotografieren durften.

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    Reiffan:
    18.03.2020 (21:48)
    Dass sie zum Chimaera keine Tests gefunden haben... seltsam. Ich bin in mein Miniaturarchiv gestiegen ( ein Paar Bundesordner) und habe folgende 2 Tests gefunden:
    - Test Sport Auto 6/ 1997 TVR Chimaera 4,0
    - Vergleichstest Automagazin Sept. 2000 BMW Z8 vs Chimaera 5,0
    gi******:
    17.03.2020 (14:06)
    Bin grade letzte Woche eine erste heurige Runde mit meinem 450 MK3 (2002) gefahren. Gänsehaut pur - vom Startvorgang bis zum letzten Gasstoss wieder in der Garage. Poor mans Cobra würd ich sagen. Und freu mich bereits wieder, jede Rundung des Spielzeugs zu genießen. Die charmante Unperfektheit. Das analoge Fahrvergnügen. Und jeden Alpenpass, dessen Felswände heuer erneut das V8 Gebrüll wiederhallt. Mit diesem Fahrzeug erfährt man trotz allen Aufsehens keinerlei Neid. Auch das macht in diesen Tagen glücklich - Ich Glücklicher :-)
    Antwort vom Zwischengas Team (Daniel Koch)
    17.03.2020 (15:39)
    "Die charmante Unperfektheit" und "Das analoge Fahrvergnügen" trifft es perfekt, wir gönnen es Ihnen! Und wir hoffen, dass jetzt nicht wegen dem Donner aus dem Auspuff irgendwelche Bergspitzen abgebrochen sind ;-)
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